Sicario – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Thriller Sicario mit Benicio del Toro, Emily Blunt und Josh Brolin.

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© StudioCanal

„Papi fängt jetzt böse Menschen im Himmel.“
„Papa war bei der Polizei und hat viele Menschen gerettet.“
„Mein Vater kam bei einem Anschlag ums Leben.“
„Vater hörte nicht auf seinen Vorgesetzten und die Dienstvorschriften.“
„Warum musste er alleine hineingehen? Er hätte warten sollen.“
„Was für ein Vater setzt sein Leben und damit das seiner Familie aufs Spiel?“
„Ich weiß nicht, von wem sie sprechen. Ich kenne meinen Vater nicht.“
„Seine letzte Worte waren: Sagt ihm, dass es mir Leid tut. Aber erst, sobald er es versteht.“
„Mein Vater war ein Held, der sein Leben für das von tausenden von Menschen geopfert hat.“
„Er musste es tun. Wie konnte ich jemals an ihm zweifeln?“
„Das erste Mal seit Jahren, dass ich ihn hier besuche.“
„Leb wohl, Papa. Ich liebe dich.“

In unserem Leben ändern wir die Sichtweise auf die Dinge tagtäglich. Mit jedem Körnchen Wissen, das wir uns aneignen, können wir das bisher Gelernte in neuem Licht betrachten. Jede Erfahrung bringt uns einen Schritt weiter. Nicht unbedingt zur Wahrheit, aber zur Selbstreflexion. Nicht die Zeit heilt alle Wunden, sondern das, was wir in dieser Zeit erleben.
Das Klischee vom arbeitslosen Ausländer, der den Deutschen auf der Tasche lungert, kann mit jeder gegenteiligen Begegnung aus der Welt geschafft werden. Allerdings kann auch ein einziger Übergriff dazu führen, dass wir plötzlich mit „Flüchtlinge raus“-Schildern auf der Straße stehen, obwohl wir davor zusammen mit den Medien Willkommenskultur gepredigt haben. Auf der anderen Seite diejenigen, die auf ihrer Meinung solange beharren, bis dass der Tod sie scheidet.
Wer sind die Guten auf Welt und wer die Bösen? Was ist überhaupt gut und was ist böse? Das kann nur jeder für sich selbst definieren. Erziehung, Religion und Gesetze mögen auf diesem Weg helfen, aber letztendlich kann auch hier eine Begebenheit, eine Geschichte, gar ein Gerücht die eigene Welt aus den Angeln heben und eine Tür öffnen, die man zuvor verdrängt, oder an die man bislang gar nicht gedacht hat.

Worum geht es?

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© StudioCanal

Emily Blunt spielt eine FBI-SWAT-Agentin, die an der US-amerikanischen Grenze zu Mexiko einen grausamen Fund macht. Ein von Josh Brolin gespielter CIA-Agent rekrutiert sie daraufhin für eine Spezialeinheit und verspricht ihr, die Verantwortlichen für den grausamen Fund gemeinsam zu finden und büßen zu lassen. Allerdings hat Emily Blunt weder mit der schrecklichen Realität des Drogenkartells in Mexiko noch mit dem undurchsichtigen Benicio del Toro gerechnet. Und dann erfährt sich auch noch den wahren Grund für ihre Teilnahme in der Spezialeinheit.
Ihr Idealismus und ihr Weiterleben werden nicht nur einmal auf die Probe gestellt.

Sicario weiß gleich mehrere auf dem Papier interessante Geschichten zu erzählen. Wobei ich keine Ahnung habe, ob sich auch nur eine davon in der Realität so zugetragen haben könnte.
Die taffe Agentin, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchzusetzen weiß, aber mit ihrer idealistischen, gar naiven Weltanschauung mehrfach auf die Nase fällt.
Der US-amerikanische Geheimdienst, der sich auf halblegalem Wege in die Politik und Sicherheit Mexikos einmischt, um eigene Interessen zu wahren.
Der mysteriöse Söldner, der für Geld seine Ansichten denen seines Geldgebers anpasst, aber auch eigene Ziele verfolgt.
Das kartellverseuchte Mexiko, das mit Leichen und Korruption gepflastert ist.
Der mexikanische Familienvater, dessen Sohn in dieser Welt nur in Ruhe Fußball spielen möchte.

Viel Inhalt für einen Film von zwei Stunden. Aber Sicario schafft es ohne große Probleme, all diese Geschichten in ein großes Ganzes zu verweben. Wobei mir persönlich nicht alle Geschichten gleichermaßen zugesagt haben. Der mexikanische Familienvater scheint allein dazu zu dienen, dass der Zuschauer emotional mit ihm und seinem Sohn verbandelt wird. Während das in der ersten Szene mit den beiden noch eine gelungene Abwechslung vom Hauptplot darstellt, ist das später nur noch unnötiges Beiwerk, das es nicht gebraucht hätte.
Ebenso wusste mich die Geschichte rund um den von Benicio del Toro gespielten Söldner nicht so ganz zu überzeugen. Das mag an der Erwartungshaltung liegen, dass ich dachte, der Film drehe sich um mehr um Emily Blunt. Das mag daran liegen, dass seine Figur zu mächtig und allwissend erscheint – in einem Film, in dem der Zuschauer größtenteils im Dunkeln gehalten wird. Ebenso wirkt der Versuch, ein wenig Coolness in eine Welt zu bringen, in der rein gar nichts cool ist, zu gezwungen.

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© StudioCanal

Dagegen ist der Plot rund um Emily Blunt und die CIA-Aktivitäten in Mexiko hochgradig spannend. Ironischerweise besonders dann, wenn die grandiose Filmmusik mal nicht durch die Boxen dröhnt. Wie oben angedeutet, weiß der Zuschauer meist nicht mehr als die Protagonistin und fragt sich oft, was gerade vor sich geht. Dieses Stilmittel zusammen mit vielen ansprechenden Kameraeinstellungen schraubt die Spannungskurve zusätzlich nach oben. Das macht Spannung zum Hauptelement von Sicario und auch zu dem Grund, wieso ich ihn gleich empfehlen werde.

Fazit

Ich empfehle Sicario. Und da es ihn gerade umsonst bei Amazon Prime gibt, muss man sich zum Anschauen nicht einmal in die Halblegalität bewegen.
Der Aufbau des Films mit all seinen Geschichten hat in meinen Augen seine Schwächen, aber was spannungsgeladene Szenen anbelangt, thront er ganz weit oben. (Wo soll man auch sonst thronen?)
Im Laufe des Films ändert man seine Sichtweise auf Gut, Böse und den mexikanischen Drogenkrieg einige Male und am Schluss bleibt es jedem selbst überlassen, wie er zu dem eben Gesehenen steht. Schließt man sich der nihilistischen Weltanschauung an, oder gönnt man den Figuren ihren Frieden – trotz allem, was sie gerade über die Welt und was sie zusammenhält gelernt haben.

Die Kritik zu Sicario wurde soeben auf Platz 3 unserer ersten zehn Kritiken gewählt. Lest mehr in der Top10 der bisherigen Kritiken.

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