Mord mit kleinen Fehlern – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Filmklassiker und Kammerspiel Mord mit kleinen Fehlern.

mord-mit-fehlern-poster

© Fox-MGM Film

Euer Partner geht fremd. Nein, nicht mit mir. Oder etwa doch? Ne, der liest das hier nicht.
Zumindest statistisch gesehen liegt die Chance, dass jemand in verbotenen Betten verkehrt, bei 70%. Dass also mindestens einer in eurer Beziehung von fremden Früchten nascht, ist zu einer Wahrscheinlichkeit von 91% gesichert. Und wenn ihr es nicht seid, dann… (die Bild-Zeitung hat gerade angefragt, ob du bei ihnen als Statistik-Auswerter arbeiten möchtest)
Also gut, eure aktivere Hälfte hat sich jemanden gesucht, der Birkenstock und sie auf Händen trägt, während ihr zu Hause im Bugs-Bunny-Schlafanzug die Wiederholung der Küchenschlacht schaut, was nun? Der Geist war schwach und das Fleisch war willig – auf wen kanalisiert ihr euren Hass? Wenn ihr nicht bereits in einem Stadium der Gleichgültigkeit eure Bewerbung für Frauentausch abgeschickt habt.

Veranschaulichen wir das anhand eines Beispieles: Ein Syrer mit Flüchtlingshintergrund – er symbolisiert euren Partner – (männlich, weiblich, trans, genderbefreit, Honigmelone oder sonstiges) stibitzt einer betagten Dame 1500€ aus der Handtasche.
Drei Möglichkeiten tun sich auf: AfD und CSU geben allein dem Syrer die Schuld. Die Linken und die Grünen (ausgenommen Wagenknecht und Palmer) geben einzig den äußeren Umständen die Schuld. Und Merkel’s Sweet Sixteen? Die Bundesregierung fragt sich, wieso eine 69-jährige so viel Geld zur Verfügung hat und kürzt die Renten.

Darum geht es

sleuth-002-web

© Pidax Film

In dieser Verfilmung eines Theaterstücks für 6 Personen lädt ein reicher Mann den jungen Verführer seiner Frau in sein Haus und unterbreitet dem Schwerenöter einen Plan, wie sie beide ein besseres Leben führen können. Allerdings hat der Jüngere nicht damit gerechnet, dass der Hausherr ganz andere Ziele verfolgt. Plötzlich eskaliert die Situation und Tage später steht ein Detektiv vor der Türe, um die Ereignisse aufzuarbeiten.

Sleuth (1972), wie Mord mit kleinen Fehlern im Original heißt, darf man gerne als Klassiker im Krimi-Genre bezeichnen. Bereits das zugrunde liegende Theaterstück hat eine Vielzahl an Preisen abgeräumt und auch die erste Verfilmung, um die es hier geht, war zumindest für vier Oscars nominiert. Als großer Fan von Filmpressungen mit möglichst wenigen Schauspielern an nur einem Ort (z.B. der Todmacher, Buried, Liebe) bin ich irgendwann auf Mord mit kleinen Fehlern aufmerksam geworden. Glücklicherweise gibt es das Kammerspiel seit knapp einem halben Jahr in Deutschland auf DVD und so konnte ich ihn erneut bei keinem Glas Rotwein auf meinem nichtvorhandenen Ledersessel genießen. Wobei er beim zweiten Mal leider nicht mehr ganz so sehr flutscht.

Kritik

sleuth-003-web

© Pidax Film

Entgegen seines Remakes 1 Mord für 2 aus dem Jahre 2007 kommt Sleuth viel beschwingter und komödiantischer daher. Das Herrenhaus ist gut ausgeleuchtet und es regiert nicht nur die „Farbe“ schwarz. Zudem dauert die Einführung bis zur schicksalsträchtigen Wende ganze 50 Minuten. Und die können sich für neumodische Enthusiasten der Werbefilmoptik ganz schön ziehen. Wenn man nicht weiß, dass etwas passieren wird, dann tappt man eine gewisse Zeit in die Falle, dass man einem gewöhnlichen Schauspiel über Eifersüchteleien beiwohne. Einzig die Innenausstattung des großen Anwesens und die doppeldeutigen Dialoge lassen darauf schließen, dass der ältere Protagonist ein Faible für verwegene Spiele pflegt. Und so kommt es dann auch nach fast einer Stunde.

Während ich nach der ersten Sichtung wahrlich begeistert war und mehrmals metaphorisch aus meiner rückenschädigenden Filmhaltung aufsprang, konnte ein Mord mit kleinen Fehlern dieses Kunststück kein zweites Mal verrichten. Denn was nach der ersten dreiviertel Stunde geschieht, hätte sich Agatha Christie nicht besser ausdenken können. Doch neben der illustren Einrichtung und den doppelzüngigen Zwiegesprächen lebt die Bildfolge gerade von eben jenem Überraschungseffekt.

Fazit

Fans von Hercule Poirot, Sherlock Holmes und ähnlichen Detektivgeschichten sei ein Mord mit kleinen Fehlern strikt ans Herz gelegt. Wer mit älteren Streifen so seine Probleme hat, darf auch zum schneller eskalierenden Remake mit u.a. Jude Law und Michael Caine greifen, das den Moment der Überrumpelung, auch durch seine düstere Grundstimmung bedingt, allerdings nicht ganz so geschickt hinbekommt.
Nehmt die ersten 50 Minuten mit dem brillanten Schlagabtausch zwischen den Hauptdarstellern als lange Exposition mit und begebt euch dann auf die spannungsgeladenen nächsten 90 – es lohnt sich.

Wer den Film bereits kennt, darf als Alternativen Lady Vengeance von Park Chan-wook und Cocktail für eine Leiche von Hitchcock in Betracht ziehen.

„Wieso denn bitte Lady Vengeance?“
– *unverständliches Genuschel auf dem Diktiergerät*

Leiter hoch

Advertisements

Beginne eine Diskussion oder steig mit ein

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s