Popstar: Never Stop Never Stopping – Filmkritik

Filmkritik von FilmkritikenOD zur Pseudo-Musikdoku Popstar: Never Stop Never Stopping von und mit The Lonely Island.

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© Universal Pictures

Komödien sind sehr schwer zu rezensieren. Während jeder Angst hat, wenn er von einem Mann mit Kettensäge verfolgt wird, lacht beileibe nicht jeder, wenn dieser stolpert und sich den Kopf vom Körper trennt.
Humor basiert auf vielen Kriterien, die bei zwei Menschen selten identisch sind, und dafür sorgen, dass die eine sich bei Top Secret beömmelt, der andere Dänische Delikatessen abfeiert und ein drittes Individuum selbst Jack & Jill noch etwas abgewinnen kann.
Während manch Wissenschaftler anerkennt, dass ein ausgeprägter Stirnlappen für gelegentlich auftretende Lachsalven sorge, meinen andere, dass persönliche Erfahrung und Erziehung eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Humorzentrums spielten. Was sich gegenseitig nicht ausschließen muss.
Ich selbst werfe an dieser Stelle Wissen in die Runde. Besonders wenn es um politische Satire oder die Verballhornung des aktuellen Weltgeschehens geht, ist es unabdingbar, eine Prise Hintergrundinformationen gespeichert zu haben. Was mich zu unserem heutigen Film Popstar führt.

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© Universal Pictures

Ne, noch nicht. Witz und Amusement sind ein zu weites Feld, um das Thema so lapidar abzuschließen. Häufig lachen wir, obwohl wir etwas gar nicht lustig finden. Schuld sind Höflichkeit und vorgetäuschte Freundlichkeit. Den anderen im Glauben zu lassen, er sei eine Gagkanone ersten Grades, obwohl er nur mit Platzpatronen um sich schießt. Gerne im Büro nach einer Erzählung des Chefs zu vernehmen. Andererseits können wir bei Menschen, die uns liebgesonnen sind manchmal gar nicht anders. Und in größeren Gruppen sowieso nicht, denn Lachen ist nunmal ansteckend und wer nicht mitlacht, fühlt sich schnell ausgegrenzt.
Das mag bei platten Jokes noch einfach abzutun sein, aber wenn der Witz darauf beruht, sich über einen Dritten lustig zu machen, hört häufig der Spaß auf. Lachen kann in diesem Fall schmerzhaft und beleidigend sein. Andererseits benötigen wir unser kontrahierendes Zwerchfell, um Dinge besser zu verarbeiten. Hier sei besonders jüdischer Humor ins Feld geführt. Über sich selbst lachen kann befreiend wirken und den eigenen Status in der Gruppe erhöhen. Manch einer fordert gar humoristische Gleichberechtigung: alle sollen gleich auf ihre Kosten kommen; Muslime, Schwarze, Männer, Frauen, Kinder, Asiaten, Deutsche, Behinderte, und so weiter. Über jeden darf, soll und muss gar gelacht werden. Denn nichts verbindet die Menschen mehr als das gemeinsame Lachen. Außer vielleicht ein gemeinsamer Feind. Danke ISIS.
Da mutet ein heutzutage auftretendes Phänomen umso seltsamer an: der sogenannte Social Justice Warrior. Jemand, der sich dagegen sperrt, dass über eine bestimmte Gruppe Witze gemacht wird, obwohl man selbst dieser Gruppe gar nicht zugehörig ist. Zu beobachten z.B. bei White Knights, also bei Männern, die sich für Frauen echauffieren, obwohl es diese wahrlich nicht nötig haben, auf samtenen Händen getragen zu werden.
Jeder mag für sich Tabus pflegen, über die er nichtmal insgeheim schmunzeln möchte, wobei – und jetzt kommen wir zu Filmen zurück – es seit jeher das Anliegen der Medien zu sein scheint, diese verbotenen Grenzen auszuloten und zu sprengen.

Darum geht es

In der neuen Fake-Dokumentation der Komikertruppe The Loney Island rund um Andy Samberg, Akiva Schaffer und Jorma Taccone, geht es um den Aufstieg und den Fall eines Popstars. Nach dem Ausstieg aus seiner Band läuft es für Conner4Real zuerst sehr erfolgreich, aber dann bröckelt die Illusion der glitzernden Scheinwelt um ihn herum und er schlägt auf den harten Boden der Realität. Wobei der Aufschlag ganz gut mit Geldscheinen abgefedert wird.

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© Universal Pictures

Nach ihren bisherigen Gehversuchen im Filmgeschäft mit den Komödien Hot Rod und McGruber, von denen der erste gut und der zweite weniger funktionierte, haben The Lonely Island diesmal nicht nur Regie geführt und mitgespielt, sondern sind bei Popstar auch für das Drehbuch verantwortlich. Dass die drei sich mit lustigen Materien rund um Musik auskennen, haben sie bereits mehrfach mit solchen Hits wie Dick in a Box, Motherlover und Jizz in My Pants bewiesen.
Dieser Eindruck wird bei Popstar bestätigt. Die eigens für die Mockumentary komponierten Musikstücke, wie z.B. Finest Girl (Bin Laden Song), sind amüsant anzuhören und haben hohes Ohrwurmpotential. Darüberhinaus kennen sich die Jungs mit dem Musikbusiness aus und arbeiten auf filmischen Wege die geltenden Klischees ab.

Kritik

Was mich zu einem Problem führt, den ich mit der Komödie hatte: es wird sich zu sehr auf Klischees verlassen. Wer z.B. die South Park Folge Guitar Queer-O gesehen hat, der braucht die Storyausweitung von 20 auf knapp 90 Minuten nicht mehr. Hier wurde bereits alles erzählt, was es zum Thema Bandmitglieder, die sich für den Erfolg gegenseitig von der Klippe werfen, bei Popstar zu sagen gibt. Daneben bleibt die Frage, ob sich nach der ähnlich gelagerten Fake-Doku This Is Spinal Tap im Musikbiz so viel geändert hat, dass man einen erneuten Blick darauf werfen muss. Und selbst nach 30 Jahren scheint die Antwort Nein zu lauten.

Gagmäßig kann Popstar: Never Stop Never Stopping glücklicherweise zulegen. Während viele Komödien in der heutigen Zeit ihre besten Witze bereits im Trailer verbraten, hat The Lonely Island noch einiges mehr auf Lager. Dazu gibt es viele Gastauftritte von bekannten Größen, wie z.B 50 Cent und Adam Levine, wobei diese größtenteils nur als Talking Heads, also als Interview-Partner auftreten, die über Conner4Real sprechen. Einzig Justin Timberlake sorgt für eigene Höhepunkte, die mir im Gedächtnis geblieben sind.

Fazit

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© Universal Pictures

Mir persönlich hat Hot Rod im Vergleich um einiges besser gefallen. Es gibt bei Popstar zwar sehr viele Witzlunten, aber die wenigsten haben bei mir gezündet. Wer allerdings bei den Trailern zu dem Streifen bereits lauthals lachen musste, dem sei dieses Schauspiel ans Herz gelegt. Ebenso, wenn man sich im amerikanischen HipHop- und Pop-Geschehen auskennt und Freude daran empfindet, bekannte Gesichter zu sehen. Meine uneingeschränkte Empfehlung bekommt er an dieser Stelle leider nicht, auch wenn ich ihn mehr genießen konnte als z.B. das deutsche Pendant Fraktus.
Achja, wenn ihr euch wundert, warum dieses Stück Hollywood nie in deutschen Kinos lief: er erscheint stattdessen direkt auf DVD und Bluray im Oktober 2016.

Heutige Alternativen sind Social Network mit einer ähnlichen Geschichte ohne Musik, und Blutzbrüdaz, der die deutsche HipHop-Szene – und jetzt oute ich mich gerne als Sido-Fan – treffend und urkomisch beleuchtet.

 

Als Abschluss der Witz, der 2002 von der University of Hertfodshire zum „world’s funniest joke“ gekürt wurde. Da er auf Englisch besser funktioniert, wird er in der Original-Sprache abgedruckt:
Two hunters are out in the woods when one of them collapses. He doesn’t seem to be breathing and his eyes are glazed. The other guy whips out his phone and calls the emergency services. He gasps, „My friend is dead! What can I do?“ The operator says, „Calm down. I can help. First, let’s make sure he’s dead.“ There is a silence; then a gun shot is heard. Back on the phone, the guy says, „OK, now what?“

Im Scheinwerferlicht wird man leicht geblendet

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