The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur Science-Fiction Liebesgroteske The Lobster mit Colin Farrell und Rachel Weisz.

Stammleser dieser Seite wissen bereits, dass unsere sogenannten Filmkritiken zumeist mit einer Einleitung beginnen, die mehr oder weniger eine gewisse Schrulligkeit aufweisen und mehr eher weniger mit dem zu besprechenden Film zu tun haben. Dieses Mal nicht. The Lobster ist selbst schon abgefahren genug, dass nichts, was wir imstande wären uns auszudenken, an dieses Level heranreichen könnte. Aber überzeugt euch selbst:

Darum geht es?

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© Protagonist Pictures

Colin Farrell wird von seiner Frau verlassen und daraufhin in ein Hotel eingewiesen, in dem Singles 45 Tage lang Zeit haben einen neuen Partner zu finden. Andernfalls werden sie in ein Tier ihrer Wahl verwandelt und in der Wildnis ausgesetzt. Der erste Tag beginnt gleich damit, dass ihm eine Hand am Gürtel befestigt wird, damit er lernt, was es heißt, alles alleine bewältigen zu müssen. Am zweiten Tag beginnt die Jagd auf entflohene Junggesellen. Wer einen erwischt, bekommt weitere 24 Stunden im Luxushotel. Die Zeit wird knapp und er schmiedet einen Plan: er tut einfach so, als würde er mit einer der Damen perfekt zusammenpassen. Doch er wird entlarvt…
Ganz ehrlich: ich habe keine Ahnung, wie ich das, was bei the Lobster geschieht, besser beschreiben soll, denn das war nur ein Bruchteil dessen, was sich vor dem Auge des Zuschauers ausbreitet.

Was ist eine Groteske?

Das Lexikon der Filmbegriffe umschreibt die Groteske als Filmgattung, bei der früher „die Entfremdung der Welt in einem lauten, krassen und sexuellen Modus“ gezeigt wurde, „paradoxerweise das Monströs-Grausige mit dem Komischen vereinigend.“ Sie stelle das Unvereinbare nebeneinander, sei aber ein uneinheitlicher Filmbegriff mit mehreren möglichen Auslegungen. Sie zeichne sich „durch Übertreibung, Hyberbolik, Übermaß und Überfluss“ aus. (Quelle: Filmlexikon Uni Kiel)
Für mich selbst ist eine Groteske das Zusammenspiel von Gegensätzen, die nicht zusammengehören und durch ihren Zusammenschluss ein befremdliches Gefühl im Zuseher auslösen. Dazu das Aufkommen von Komik durch im Untergrund schwelende Satire und oberflächlichen Irrsinn, der eine verzerrte Parabel zu unserer Wirklichkeit darstellt. (Wie cool einen Fremdwörter doch klingen lassen, ça décoiffe!)
The Lobster mit solch namhaften Schauspielern wie eben erwähnten Colin Farrell, Rachel Weisz, Ben Wishaw, John C. Reilly und Léa Seydoux, ist in meinen Augen höchst grotesk. Der Plot entspringt in einer unserer Welt ähnelnden Zukunft, in der sich alles nur darum dreht, einen Partner zu haben. Ansonsten verliert man sprichwörtlich sein Menschsein und wird zum Tier degradiert. Wobei man darüber diskutieren kann, ob der Paarungstrieb nicht bereits das unterbewusste Tier in uns weckt.
Es geht um Liebe und was man dafür riskieren würde, um Gesellschaft und um den eigenen Platz in dieser, es geht um die Qual der Wahl und die Wahl der Qual. Aber es geht auch um stillen Humor, wenn eine alte Dame im Bus erklärt, dass sie eine Meisterin des Fellatio ist, um dem drohenden Selbstmord zu entgehen.

Kritik

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© Protagonist Pictures

Anfangs strahlte the Lobster eine gewisse Faszination aus und zog mich in seinen Bann, obwohl ich bereits spürte, dass dies nicht allzu lange anhalten würde. Vergleichbar mit einer Person, von der man ganz genau weiß, dass sie nicht zu einem passt, dass eine Beziehung zum Scheitern verdammt ist, dass zu viele grundverschiedene Ansichten und charakterliche Hürden im Weg stehen, um über seinen Schatten zu springen. Aber dann blitzt da doch jedes Mal etwas auf, wenn man ihre unwiderstehliche Aura vor sich erblickt. Etwas, das einen träumen lässt. Etwas magnetisches, von dem man sich nicht lösen kann. Dieses etwas, das man nicht erklären kann und uns zu Sklaven unserer Triebe werden lässt. Diese Augen, in denen wir uns verlieren könnten, obwohl wir darin unsere Zukunft zerbrechen sehen. Dieser Mund, dessen Sog uns auch in den tiefsten Träumen findet, obwohl jedes Wort, das ihm entspringt, unser Herz zum Bersten bringt. Und… wir waren bei the Lobster stehengeblieben, nehme ich an?

Anfangs strahlte er eine gewisse Faszination aus und lies mich die Frage stellen, wie es weitergehen würde und was sich hinter der Oberfläche versteckt, wo die gezeigte Welt verankert ist und ob sie mich jemals verstehen lassen würde. Vergleichbar mit einer Person, von der wir ganz genau wissen, dass sie nicht zu uns passt, dass Zweisamkeit nur einen kurzen Umweg zur Einsamkeit bedeuten würde, dass die Pflanze nach jedem Gießen nur lauter nach Wasser schreien würde, bis wir selbst verdursten. Aber dann ist da doch etwas, das uns hoffen lässt. Das uns eine alternative Dimension eröffnet, in der wir uns gefangen nehmen. Dieses geheimnisvolle Etwas, das wir unbedingt zu ergründen ersuchen. Nur noch dieses eine Mal!, schreit unser Herz, und der Kopf resigniert vor dem nahenden Dilemma, dass etwas Mysteriöses nur solange mysteriös bleibt, bis man genug Zeit hatte, um die Fassade herum zu laufen. Und so viele Jahre man auch vergehen lässt, man wusste bereits zu Beginn der Reise, dass sie ein Ende haben würde.

Stille

Fazit

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© Protagonist Pictures

The Lobster ist größtenteils schön gefilmt mit nett anzusehenden Kameraeinstellungen, aber ich konnte einfach nichts mit dieser Art des Humors anfangen. Das mag daran liegen, dass mein Gehirn auf diese unsäglichen Lachkonserven aus der Dose getrimmt und deswegen mein Timing für Comedy verschoben wurde. Aber was auch die Schuld tragen mag, ich wüsste nicht, wem ich the Lobster empfehlen würde. Mir fällt spontan genau eine Person ein, von der ich der Meinung bin, dass sie gefallen an diesem Film hätte – zudem bemerke ich zum ersten Mal nach vielen Jahren, dass sie die Initialen BH hat. Hihi, Boolesche Hierarchie.
Mit zwei Stunden empfand ich ihn mindestens 30 Minuten zu lang und dabei ist die Geschichte am Anfang noch flott erzählt. Im zweiten Drittel zieht er sich leider zäh dahin und abgesehen von ein paar sexuellen Anspielungen, wusste er mir nichts neues zu zeigen. Vergleichbar mit jeder weiteren Staffel von the Big Bang Theory. Das Ende lädt dann zwar wieder zum Philosophieren ein, aber rettete das Schauspiel für mich auch nicht mehr.

Wer gefallen an der Plotbeschreibung gefunden hat, der kann die ersten 25 Minuten austesten und wer dann nicht am Haken hängt, beruhigt ausmachen. Ich ehre jeden Film, der etwas neues ausprobiert und sich nicht Literaturverfilmung oder Fortsetzung nennt, aber the Lobster war mir zu behäbig in seinem Fluss, hat in seinen lustigen Momenten direkt an meinem Humorzentrum vorbeigeschossen und in seinen traurigen Momenten mich nicht berühren können. Ich denke, dass er als Tragödie von Friedrich Dürrenmatt besser funktioniert hätte. (Hach, klingt das wieder intellektuell)

Und plötzlich denke ich an eine zweite Person, die Gefallen an the Lobster finden könnte.

Ab in den 7. Himmel

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3 Gedanken zu “The Lobster: Eine unkonventionelle Liebesgeschichte – Filmkritik

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