Spezial: Eine filmische Weltreise

FilmkritikenOD begibt sich auf eine filmische Weltreise und stellt zehn nicht ganz so bekannte Filme vor.

Ursprünglich sollte dieses Spezial „10 Filme, zu denen wir noch etwas sagen wollen“ heißen, aber nachdem ich bemerkt habe, dass alle bis auf zwei aus unterschiedlichen Ländern stammen, habe ich einen der beiden ausgetauscht und der Rest ist Geschichte.
So müssen sich also die sogenannten Prominenten bei RTL fühlen, wenn sie etwas zu einer TOP 10 sagen dürfen. Geld pumpt sich in meine Neuronen und ich fühle mich unsterblich. ICH MUSS ZU PROMI BIG BROTHER! Dschungelcamp? Das schauen mir zu viele Leute, da fühle ich mich so beobachtet. Deswegen bleibe ich lieber bei FilmkritkenOD. Wenn eine Schmähkritik geschrieben wird und keiner liest sie, verärgert das den Propheten  trotzdem?

Die folgenden zehn Filme sind nicht die besten Filme aller Zeiten und es werden euch wahrscheinlich nicht alle gleichermaßen zusagen, aber ich denke, dass für jeden etwas dabei sein sollte. Bonne Chance.

Unsere filmische Weltreise zu den Filmen, die vermutlich noch nicht jeder kennt, beginnt in Deutschland. Ein zumeist nasskaltes Fleckchen Erde inmitten Europas. Oder wie schon Die Penunzen sangen: Zeus hat Europa nur einmal gef…, genau in diese Stelle, wo jetzt Deutschland liegt.
Habe ich schon erwähnt, dass heute die Weltmeisterschaft im Niveaulimbo stattfindet? Übrigens werdet ihr diese Sportart bei den Paralympics deswegen vergeblich suchen, weil sie aus dem Programm geworfen wurde, nachdem Athleten ohne Beine einfach unter der Stange hindurchgerollt sind.

Deutschland: Das Millionenspiel

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© WDR / ARD Video

Ein deutscher Fernsehfilm, der auf satirische Art und Weise das heutige TV-Programm vorwegnahm. Dazu Dieter Hallervorden am Anfang seiner Karriere in einer ernsten Rolle. Der Plot: Das Millionenspiel ist eine TV-Show, bei der ein Kandidat sieben Tage lang vor einer Bande Auftragskiller davonlaufen und überleben muss, um am Ende eine Millionen Deutsche Mark zu bekommen. Ganz Deutschland ist aufgerufen dem Spieler entweder zu helfen, oder ihn auszuliefern. Es geht das Gerücht um, dass 1970 bei der Erstausstrahlung Zuschauer dachten, es handle sich um eine echte Sendung, und sich per Telefon als Kandidaten bewarben.
So viel Weitblick muss belohnt werden. Warum das heutige Fernsehen trotz dieses Blicks in die Kristallkugel ein  riesiger Haufen übelriechender Scheiße wurde? Vielleicht wird es uns bei Galileo Mystery verraten. Switch, wenn du das liest, bitte komm zurück! Negativpunkte gibt es für Tonprobleme auf der DVD, aber ein Blick auf dieses Stück deutsche Film- und Fernsehgeschichte lohnt sich allemal.
Wir fahren mit dem Segway über die nördliche Grenze ins beschauliche

Dänemark: Das Fest

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© Arthaus

Ein joviales Familienoberhaupt gesetzten Alters feiert Geburtstag im riesigen Kreis seiner Verwandten und Freunde. Womit er nicht gerechnet hat: die Rede seines Sohnes endet in einem Fiasko ohnegleichen, als dieser vor versammelter Mannschaft offenbart, dass er und seine Schwester einst von ihrem Vater missbraucht wurden. Obwohl ihm diese Geschichte von so gut wie niemandem geglaubt wird, beginnt damit ein unumkehrbarer Schlamassel.
Das Fest gehört zur Dogma-95-Bewegung und verzichtet demnach auf einen Soundtrack, künstliche Beleuchtung, professionelle Stativkameras, Requisiten und Spezialeffekte. Aber was soll ich sagen, das Fest funktioniert trotzdem hervorragend. Wer schon einmal eine lustige Familiengeschichte über sein letztes Weihnachtsfest erzählt hat, dem rate ich dringend zu einer Sichtung. Die Geschichte entfaltet sich realistisch und auch die Protagonisten agieren wirklichkeitsgetreu auf urkomische wie auch erschreckende Art und Weise.
Mit dem Jetlev-Flyer düsen wir rüber nach

Estland: Klass / Australien: 2:37

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© MFA+ / 24 Bilder

Klass und 2:37 beschreiben mit unterschiedlichen Methoden eine Tragödie, die sich im Schultalltag aus den vorherrschenden sozialen Strukturen zwangsläufig ergibt. Während 2:37 ein Suiziddrama darstellt, der durch einen perfiden Kniff auf sich aufmerksam macht, schildert der empfehlenswertere Klass die Anbahnung eines Amoklaufes. Bei beiden geht es vor allen Dingen um das Thema Mobbing und den Umgang damit. Was müssen Schüler hinter dem Rücken der Lehrer und von den Eltern unbeobachtet in der Schule alles durchmachen. Vielleicht bei beiden drastisch in einer zu steilen Abwärtsspirale dargestellt, aber für meine Begriffe trotz mancher Klischees nicht weit hergeholt.
Schaut euch Klass an, ein Film, der einen so richtig an den Eiern packt und einmal durch die Arena schleift, bevor er dir ins Gesicht spuckt und zum Dank den Löwen zum Fraß vorwirft. Er tut weh, aber genau das wollte er auch erreichen. Nichts für einen lauen Sommerabend mit der neuen Freundin, aber für mich ein Pflichtfilm in der Schule.
Der Herzblatthubschrauber bringt uns schnurstracks nach

Serbien: Familienbande

Nach A Serbian Film und Leben und Tod einer Pornobande wundert sich der erfahre Cineast über nichts mehr, das aus Serbien stammt. Aber Familienbande setzt dem ganzen Spektakel nochmal einen drauf. Wer Klass schon als unangenehm empfand, sollte einen weiten Bogen um dieses Stück Geschichtsbewältigung in Form einer Ödipus-Adaption machen.
Der kleine Aleksandar steht unzweifelhaft für das zerrüttete Nachkriegsserbien und hat in seinem Leben bereits den Tod seiner Schwester durch die Hände seines Onkels und mehrer Vergewaltigungen im engsten Familienkreis verkraften müssen. Irgendwann reicht es ihm und er bedient sich in der Nacht vor Weihnachten eines Werkzeugkoffers, um die Fesseln seiner Vergangenheit abzutrennen. Was Nicolas Winding Refn in Only God Forgives nur angedeutet hat, wird hier in voller Leinwandbreite und mit einer qualvollen Länge von zwölf Minuten zelebriert. Nur ein Stichwort: Widergeburt – und nein, das ist kein Schreibfehler.
Nach einem Abstecher in Loznica und mit einer Narbe über der Hüfte fahren wir auf dem Tandem bis nach

Südkorea: I saw the Devil

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© Splendid

Genrefans werden nur lachen, wenn sie diesen südkoreanischen Revenge-Streifen in einer Liste mit mutmaßlich unbekannteren Filmen sehen. Aber der Durchschnittskinogänger, der sich bei […] vor Lachen kringelt und bei […]  die Tränendrüsen nicht verdrücken kann [ich weigere mich, diesen Schund auf meiner Seite auch nur zu erwähnen!; d. Red.], dürfte I saw the Devil noch nicht gesehen haben. Und wessen Magen härtere Kost verträgt, der sollte dies schleunigst ändern.
Ein intelligenter Frauenmörder hat sich nach einer langen Erfolgsserie an das falsche Opfer herangemacht. Ihr Verlobter ist Geheimagent und schwört Rache. Aber keine normale Rache. Nein, nein, es muss wehtun. Aber beide haben nicht mit der Kreativität ihres Gegenspielers gerechnet. Es entspinnt sich ein bluttriefendes Katz- und Mausspiel, bei dem es eigentlich keinen Gewinner geben kann. Außer dem Zuschauer.
PS: die beiden Hauptdarsteller sehen sich nicht ähnlich. Also keine Sorge, ihr könnt sie auseinanderhalten…
Mit einem knallroten Gummiboot flanieren wir nach

Japan: Confessions – Geständnisse

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© rapid eye movies

Von einem unbequemen Psychothiller zum nächsten – dieses Mal aus Japan. Die Tochter einer Lehrerin ist wegen zwei Schülern ums Leben gekommen. Die Mutter glaubt nicht an das japanische Rechtssystem und nimmt die Vergeltung selbst in die Hand.
Weniger blutig als I saw the Devil, dafür aber verspielter, psychologisch fesselnder und mit surrealen Einspielern garniert, die dem Zuseher zusätzlich zusetzen. Für Fans von Musikvideo-Ästhetik zu Beginn eventuell etwas langsam erzählt, entwickelt er sich Twist um Twist mit jeder Offenbarung zu einem mitreißenden Stück Filmrolle, bei dem man seinen Körper vor Spannung und seinen Kopf vor gewieften Einfällen schüttelt. Die Rache geschieht hier innerlich durch vorausschauendes Kalkül und lässt einen nur hoffen, dass man niemals an eine solche Frau gerät – in welchem Zusammenhang auch immer. Vielleicht beim Wichteln, denn dann ist wenigstens dafür gesorgt, dass man kein 08/15-Karstadt-Erdgeschoss-Klimbim-Gedöhns in einer vor Gleichgültigkeit triefenden Verpackung […].
Auf einer Atombombe reitend werden wir abgeworfen über den

USA: Ten Inch Hero

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© Phase 4 Films

Wer bereits 5-Finger-Schach ohne Dame spielen wollte, der kann seinen Turm wieder einpacken, denn trotz des wohlweislich gewählten Titels ist Ten Inch Hero kein Porno. In dieser selbst in den USA eher unbekannten romantischen Independent-Komödie geht es um mehrere Mitarbeiter eines Sandwich-Ladens, die mit den Irrungen und Wirrungen des Lebens zu kämpfen haben. Einer davon ist z.B. Jensen Ackles aus Supernatural.
Während die Story leidlich interessant klingt, ist es die Umsetzung umso mehr. Viele lustige Sprüche, ohne gleich zu zotig wirken, bevölkern die Leinwand und selbst die T-Shirts der Darsteller sorgen für mehr Humor als […] [auch der Schrott bekommt hier keine Werbung!; d. Red.]. Ich gebe zu, dass es schon länger her ist, dass ich diesen Streifen gesehen habe, aber es ist nicht das erste Mal, dass ich ihn als kleinen Geheimtipp weiterempfehle. Und bisher war noch niemand enttäuscht. Liegt wahrscheinlich daran, dass ihn auch niemand angesehen hat. Lasst euch nicht vom Trailer abschrecken und habt ein Herz für diese kleine Prdouktion aus dem Land, das bereits so viel Großes versaut hat.
Mit einem Bus voller Migranten geht es nach

Argentinien: Nine Queens

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© Kinowelt

Dadurch, dass es Nine Queens umsonst bei Amazon Prime gibt, sollte er auch hierzulande nicht mehr die unbekannte Komödie über zwei Trickbetrüger sein, die sie einst war. Zu Recht, will ich meinen. Wer bereits gefallen an Der Clou (the Sting) mit Paul Newman und Robert Redford gefunden hat, der wird sich hier direkt heimisch fühlen.
Zwei Kleinganoven beherrschen zahlreiche Taschenspielertricks, geben sich damit aber nicht mehr zufrieden. Sie wollen an das große Geld in Form einer Briefmarke – der Nine Queens.
Dies geschieht auf schön verspielte Weise, die auch den Zuschauer gelegentlich an der Nase herumführt und durch das hohe Tempo keine Langeweile aufkommen lässt. Kann man sich zu jeder Zeit zu Gemüte führen und macht stets Spaß, ohne  für ein flaues Gefühl im Magen zu sorgen. Wenn man mich nach meinem liebsten argentinischen Film fragen würde, dann wäre die Antwort zwar In ihren Augen, aber mit Nine Queens kann man absolut nichts falsch machen.
Im Handgepäck versteckt bis nach

Großbritannien: Frequently asked Questions about Time Travel

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© Lionsgate

Ich kann nicht genug von Zeitreisefilmen bekommen. Nie. Ich bin mir sicher, dass ich selbst mit 83 noch Zurück in die Zukunft anschauen werde und mich frage, wieso es solche Filme nicht mehr gibt. Dann lehne ich mich zurück in meinem Virtual-Reality-Sarg, erhöhe die Morphium-Dosis, und wähle das heutige Altersheim-Szenario aus. Wie wäre es mit Strip-Bingo in einer Runde voller Krankenschwestern? Ne, das habe ich schon nächste Woche gemacht.
Drei Briten trinken in einem Pub und reisen wie durch Zufall durch die Zeit. Dabei geschieht so einiges Unvorhergesehenes. Alles bestreut mit Humor, den viele bereits aus the IT Crowd kennen. Was will man mehr?
Oh one one eight nine nine nine, eight eight one nine nine, nine one one nine seven two five – three.
Oh one one eight nine nine nine, eight eight one nine nine, nine one one nine seven two five – three.
Oh one one eight nine nine nine, eight eight one nine nine, nine one one nine seven two five – three.
Warum geht denn da keiner ran? Haben die schon wieder die Nummer geändert?
Mit einer Raummaschine sind wir flugs in

Spanien: El Método (die Methode)

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© WVG Medien

Sieben Personen befinden sich zu Zeiten der Wirtschaftskrise in einem großen Firmenkomplex und schlagen sich durch die Prüfungen eines Assessment-Centers. Das war’s. Die Methode in nur einem Satz. Und mehr braucht es auch nicht. Wie in die 12 Geschworenen reichen die sozialen Strukturen zwischen den Beteiligten aus, um für Spannung, Humor und Drama zu sorgen.
Man könnte noch hinzufügen, dass die Tests mehr als spitzfindig sind und sich die Beteiligten lieber die Teilnahme an einem Idiotentest hierzulande wünschen würden. Aber was tut man nicht alles für einen gutbezahlten Job im Spanien des Jahres 2005. Wäre da doch nur nicht der Maulfwurf, der von der Firma engagiert wurde, die Teilnehmer gegeneinader auszuspielen. Für Soziologie- und Psychologie-Studenten absolutes Pflichtprogramm, aber auch für alle anderen ein großer Spaß, bei dem die Menschheit des dritten Jahrtausends fein säuberlich seziert und auf einem Silbertablett gredenzt wird.

Und das war es auch schon wieder mit unserer filmischen Weltreise in unbekannte Gewässer. Tretet ruhig in unsere Fußstapfen, während wir

über den Jakobsweg nach Deutschland zurückkehren.

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