#Zeitgeist – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Drama #Zeitgeist von Jason Reitman mit Adam Sandler.

#Zeitgeist ist ein Drama von Regisseur Jason Reitman (Juno, Thank you for Smoking) mit u.a. Adam Sandler und erzählt gleich mehrere Geschichten von Familien und ihrem Umgang mit dem Internet.

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© Paramount

Da haben wir zum einen die übervorsichtige Mutter, die wirklich jeden digitalen Schritt ihrer Tochter penibel überwacht, damit dieser ja nichts zustoßen kann, während Frau Mama zeitgleich ein Seminar für andere Eltern anbietet, um auch bei diesen die Angst vor dem Unbekannten zu schüren.
Da haben wir den Sportstar, der sich nach der Trennung seiner Eltern lieber in die offenen Welten eines MMOPRGs stürzt, um seinem Alltag zu entfliehen, als weiterhin Football für seine Schule zu spielen.
Da haben wir die diätsüchtige Teenagerin, die ihre Unschuld an einen Vollidioten verliert, in den sie sich schon vor langer Zeit verliebt hat, der ihr aber im richtigen Leben die kalte Schulter zeigt und nur per Messenger gelegentlich auf sie eingeht.
Da haben wir das im Alltag gefangene Elternpaar, das sich männlicherseits in Pornographie und Escort-Damen und weiblicherseits in Online-Dating stürzt, um wieder frische Würze in ihr Leben zu bringen.
Da haben wir die junge Mutter, die alles dafür tut, dass ihre Tochter den Traum einer Schauspielkarriere wahr machen kann, den sie selbst einst aufgeben musste.
Da haben wir den Sohnemann, der bereits zu so vielen Erotikstreifen masturbiert hat, dass er nicht mehr in der Lage ist, wahre Gefühle zu empfinden, geschweige denn eine reale Frau zu befriedigen.
Na, wer kommt euch am nächsten?

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© Paramount

Addiert man alle Protagonisten zusammen, erhält man ein Kuddelmuddel aus Klischees und Schwarz-Weiß-Bildern, die die Wirklichkeit peripher streifen, aber im Grunde nur dazu geeignet sind, unbedachten Eltern und Angela Merkel das Internet auf Panik machende Weise in einem mikroskopischen Spektrum näher zu bringen.
Schaut man sich die einzelnen Schicksale genauer an, wird klar, dass es das Internet gar nicht gebraucht hätte, um die jeweiligen Stränge zu erzählen. Einsamkeit, Magersucht, Fremdgehen, das gab es auch schon vor 1991. Aber, und da stimme ich mit dem Film überein, das Netz kann als Katalysator dienen, wenn es um die Entwicklung von Phobien, Depressionen und Süchten geht. Man kommt viel schneller an Gleichgesinnte, an Ablenkung, an falsche Auswege, an Serotonin-Ausstöße, an Gelegenheit und an Idioten, als dies im analogen Leben vor allen Dingen mit dieser Geschwindigkeit möglich ist. Nur, dass #Zeitgeist diese Entwicklung viel zu plakativ und undifferenziert darstellt, um ernst genommen zu werden.

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© Paramount

Schade, denn das Thema Internet und wie es unseren Umgang miteinander beeinflusst, ist noch lange nicht auserzählt und erhält mit Virtual Reality zukünftig eine weitere Komponente, die in der Lage ist, uns auf vielen Ebenen weiterzubringen, aber auch in die Einsamkeit zu drängen. Leider wollte das Drehbuch lieber eine Story erzählen, in der möglichst viel den Bach runtergeht, ohne jedoch wahre Gefühle auf die Leinwand zu bringen. Weswegen ich auch überhaupt nicht verstehen kann, wieso der Film auf diversen Bewertungsportalen mindestens durchschnittlich wegkommt. So eine einseitige Erzählung mit eindimensionalen Charakteren darf nach über 100 Jahren Filmgeschichte nicht der Anspruch eines modernen Dramas sein.

Wer Kinder sehen möchte, die Probleme mit dem Erwachsenwerden haben, der schaut sich Kids an, und wer die Gefahren des Internets visualisiert haben möchte, greift u.a. zu Trust.

3… 2… 1… take off

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