Blutzbrüdaz – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur HipHop-Komödie Blutzbrüdaz mit Sido und B-Tight.

Ich kann dich nicht leiden.
Weil ich schwarz bin? – Nein. Weil ich Asiate bin? – Nein. Weil ich dick bin? – Nein. Weil ich schwul bin? – Nein. Weil ich Moslem bin? – Nein. Weil ich im Rollstuhl sitze? – Nein. Warum denn dann?
Weil du ein arrogantes, oberflächliches Arschloch bist, das bei anderen Leute genau auf solche Eigenschaften Wert legt. Darum.
Oder frei nach einem US-amerikanischem Rapper: „Wenn du mich nicht ficken willst, warum interessiert es dich dann, wie ich aussehe?“
Die folgende Filmkritik ist allen Leuten gewidmet, die sich nicht angesprochen fühlen, obwohl sie es sollten.

[Die heutige Kritik wurde bereits am 31.12.2011 veröffentlicht. Warum wir diese linksgrünversiffte Propagandascheiße dann neu auflegen? Das liegt nicht daran, dass wir der Meinung sind, dass die Zeiten reif für ein Recycling sind, sondern weil wir einfach zu faul für etwas Neues waren. Recycling = Bambi auf dem Fahrrad.]

blutzbruedaz-001-web

© Constantin Film

Ein Zitat, das Charlie Chaplin nachgesagt wird, nehme ich als Einstieg:
„My pain may be the reason for somebody´s laugh. But my laugh must never be the reason for somebody´s pain.“
Und genau diese Prise Selbstironie, die sich schon im Titel zeigt, wird die gesamten 87 Minuten Laufzeit auf die Leinwand gestreut. Die von Sido alias Paul Würdig und B-Tight a.k.a. Robert Edward Davis gespielten Rapper Otis und Eddy versuchen mit bescheidenen Mitteln, aber einem reinem Herz, im Berlin nach der Jahrtausendwende mit ihren Sprechgesangkünsten groß durchzustarten. Auf dem Weg dorthin haben sie mit geldgierigen und realitätsfremden Plattenbossen zu kämpfen, müssen ihre eigene Freundschaft vor dem Hintergrund des Erfolgs bewahren, haben Stress mit der Polizei und örtlichen Drogendealern, und haben mit dem ewig in Filmen präsenten Thema der konträrgeschlechtlichen Zuneigung Vorlieb zu nehmen. Der Plot ist dabei keineswegs neu und wer die South Park Folge Guitar Queer-O kennt, findet sich oft in einem Déjà-Vu wieder. Zwei Freunde haben Erfolg, einer wird von dem Management gepusht und der andere bleibt auf der Strecke.

Die schauspielerische Leistung unserer beiden Protagonisten könnte durchaus besser sein, vor allem Sido schaut in vielen Szenen belämmert drein, aber dies ist nicht so gravierend, dass das ganze Projekt in den Studiokeller gezogen wird. Dafür sind die Regie und besonders das Drehbuch zu ausgewogen. Viele Witze, auch Abseits des Trailers, massieren das Zwerchfell und die Seitenhiebe auf das Showbiz wissen durchweg zu überzeugen. Obwohl man hier eher von Frontalhieben sprechen sollte, denn die Rolle des Sony-Chefs ist nach der Holzhammermethode ausgewählt worden und die Businesskritik entgeht auch dem Abgelenktesten nicht. Vor allem der Part, in dem die beiden Kannstegernrapper zu einer Pop-Gesangseinlage gezwungen werden, ist mir im Gedächtnis geblieben und ist neben dem Boygroupvideo die stärkste Szene. Nur die Liebesgeschichte hätte man gerne weglassen dürfen, nimmt zum Glück aber nicht viel Platz weg. Überhaupt wird alles recht schnell vorangetrieben und so kommt in der gesamten Länge keine Langeweile auf. Selbst das Ende, was bei solchen Produktionen gerne für minutenlanges Happy-Ending genutzt wird, ist erfrischend kurz geraten und hört zum richtig gewählten Zeitpunkt auf. Nach dem Abspann gibt es dann noch eine Kollaboration mit Rio Reiser zu hören, also sitzenbleiben.

blutzbruedaz-002-web

© Constantin Film

Nun aber zum eigentlichen Streitpunkt. Denn obwohl der Film keinesfall schlecht ist – er ist filmisch vielleicht mittelmäßig, gehört unterhaltungsmäßig aber zweifelsohne zu den besseren Erzeugnissen der Filmindustrie hierzulande – wird er nicht das Publikum finden, das ihm zusteht. Denn von vorneherein wird dieser Film abgestempelt, wobei eine Teilschuld an Bushidos Flop Zeiten ändern dich geht, aber den Hauptteil trägt die Voreingenommenheit der Gesellschaft. Intoleranz gegenüber deutschem Hiphop, kein Verständnis für Sido und seine – ich oute mich gerne – sowohl ironisch überhöhten, wie auch gesellschaftskritisch gelungenen Texte, und dann führt auch noch ein Türke Regie. Skandalös. Einfach skandalös. Drum sei gleich gesagt, wer mit der Einstellung reingeht, dass der Film nichts taugt, wird wohl oder übel bestätigt werden, denn man kann sich an ein paar Kleinigkeiten festhalten, wie z.B. dass in jedem zweiten Satz das Wort Alter in allerlei Variationen und Übersetzungen fällt.
Geht man jedoch mit ungetrübten Blick an die Sache und gibt dem Projekt eine Chance, mit dem Wissen, dass dies keine biographisches Drama, sondern eine Komödie ist, dann dürfte man – und da bin ich mir sicher – seinen Spaß haben.
Die dritte Gruppe sind diejenigen, die mit deutschem Rap etwas anzufangen wissen und Sido für talentiert, wie fähig halten. Hört euch doch mal Hey Du, Der Himmel soll warten, Augen auf, oder Herz an, wenn ihr meint, dass die Diskographie nur aus dem Arschficksong bestehen würde. Diese dritte Gruppe darf auf jeden Fall eine Karte beziehen, allein der Soundtrack ist einen Gang wert, wobei ich sagen muss, dass sich die Tracks in ihren Kinovariationen besser anhören, als die Youtubeversionen. Dazu kommen einige Insider, zumindest denke ich, dass das Insider sind, vielleicht habe ich auch zu viel reininterpretiert, aber ich habe öfters gelacht, als die Jugendlichen eine Reihe vor mir, die stumm geblieben sind. Und nein, ich war weder bekifft, noch besoffen. Zu guter letzt die Überfans, die so oder so reingehen.
Ob man für den Sehgenuss intelligent sein muss, kann ich leider nicht beurteilen.

blutzbruedaz-003-web

© Constantin Film

Abschließend kann ich sagen, durchschnittlich gefilmt, aber hat mich positiv überrascht, vor allem was den Unterhaltungswert betrifft. Empfehlung für unvoreingenommene, aufgeschlossene Kinogänger, die mit der Materie und der Musik etwas anfangen können. An die Leute, die sich nur über den Film lustig machen wollen: Tut mir Leid, entgegen Mario Barths Kinodebüt, ist der Film selbst lustig genug. Man sieht, dass alle Beteiligten Spaß am Set hatten. Seht euch den Trailer an, denn ausnahmsweise zeigt der wirklich, ob man für das Endprodukt geeignet ist, oder nicht.

Wie ein Astronaut

Advertisements

2 Gedanken zu “Blutzbrüdaz – Filmkritik

Beginne eine Diskussion oder steig mit ein

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s