Nerve – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Thriller Nerve (2016) mit Emma Roberts und Dave Franco.

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© Studiocanal

Nachdem unser Hauptkritiker sich seit seiner Kritik zu Eden Lake nicht mehr bei uns gemeldet hat und sein Ersatz leider nicht in der Lage war, über den Status uninspiriert hinauszuschreiben, haben wir uns heute zwei Gäste eingeladen, die beide den Film Nerve im Kino gesehen haben.
Herzlich Willkommen Wim Jenge in der linken und Azi Bengnere in der rechten Ecke. Stellt euch doch bitte mal vor.
Beide machen einen Schritt nach vorn.
Ähm, richtig, dafür interessieren sich unsere Leser nicht. Beginnen wir also mit dem Zwiegespräch. Meine erste Frage bezieht sich…

Nerve ist ein perfektes Beispiel für einen Film mit an sich guter Idee, der in der Ausführung aber hinterherhinkt. So z.B. auch Schwer Verliebt mit Jack Black.

Sollten wir nicht sagen, worum es geht, lieber Wim?

Diese geballte Inkompetenz in diesem Raum erinnert mich an den Drehbuchschreiber von Nerve im letzten Drittel.

Du hättest dir besser das schauspielerische Talent von Kinski abschauen sollen. So glaubt dir keiner die aufgesetzten Sprüche. Aber gut, dann übernehme ich den Part.
Das titelgebende Nerve ist eine Online-App, bei der man entweder zuschauen oder selbst spielen kann. Die Spieler bekommen eine Aufgabe gestellt und erhalten bei Erledigung einen bestimmten Geldbetrag auf ihr Konto. Dabei müssen sie sich die ganze Zeit mit dem Handy filmen. Die Zuschauer bezahlen dafür, dass sie live dabei sein können.
Vee, gespielt von Emma Roberts, wird eine der Spielerinnen und trifft dabei auf den Spieler Ian, dargestellt von Dave Franco. Gemeinsam machen sie erst viel Geld, entdecken dann aber das schmutzige Geheimnis hinter Nerve.

Geh Heim trifft es ganz gut. Die Leute hier können sich selbstständig Trailer raussuchen. Die wollen wissen, ob der Film was taugt. Und da braucht es keinen weichgespülten Vermittler zwischen den Welten, sondern einen, der sagt, was Sache ist. Mich. Und so schön der kleine Bruder von James Franco und die Nichte von Julia Roberts im Sandkasten New York miteinander spielen, so unbefriedigend ist spätestens das letzte Drittel. Aber auch davor gibt es genug, was mich stört.

Und willst du das jetzt sagen?

Noch nicht.

Manchmal frage ich mich, warum ich diese Sendung überhaupt mit dir mache.

Geld. Die Antwort lautet Geld. Und das bringt mich zu der Frage, was du für Geld alles machen würdest. Ich gebe dir 50 Euro, wenn du im Supermarkt an der Gemüsetheke anfängst zu weinen. Sobald jemand nachfragt, nimmst du dir eine Karotte und schluchzt „Ich kaufe kein Gemüse, das größer ist als mein Penis.“
Und danach gehst du mit der Karotte an die Kasse und legst sie zusammen mit einem Kondom und einer Tube Gleitgel auf das Warenband. Wenn der Kassierer die Ware zum Piepsen bringt und dich von der Seite anschaut – und das wird er tun, glaub mir – dann zwinkerst du ihm zu. 100 Euro.

Du meinst also, dass der treibende Faktor von Nerve das Geld ist?

Klar, was denn sonst?

Dann hast du verkannt, worum es wirklich geht. Es geht um Jugendliche und ihren Platz im Leben. Um die Suche nach dem Sinn, das Finden seiner selbst und den Wert von Informationen. Vee ist eine ängstliche Teenagerin, die rein aus Trotz und um es der Welt zu beweisen, an dem Spiel teilnimmt. Sie möchte nicht mehr das sein, was alle in ihr sehen. Sich freimachen von den Fesseln der Vergangenheit, ihrer mittlerweile festen Rolle in der Gesellschaft entfliehen, Ausbrechen aus dem Gefängnis, das sich Charakter nennt.

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© Studiocanal

Apros Pos freimachen. Schau mal hier:

Und wieder einmal frage ich mich, wie du die letzten Abstimmungen unserer Zuschauer gewinnen konntest, wer die besseren Argumente hatte. Aber davon lasse ich mich nicht unterkriegen.
Es geht um den Wert wahrer Freundschaft im Gegensatz zu bloßen Online-Bekanntschaften und Followerzahlen.

Du interpretierst zu viel in den Film hinein. Mal wieder. Es geht um eine an sich interessante Idee: Menschen machen für Geld Sachen. Aber anstatt der Frage nachzugehen, wo die Grenze liegt, zwängt sich der Plot in ein Korsett aus Verschwörungstheorien und digitaler Gläsernheit.

Das mit der fehlenden Grenze stimmt so nicht ganz. Es wird durchaus darauf eingegangen, dass man für vermeintlichen Ruhm dazu bereit ist, seine Grenzen zu überschreiten und Gefahren einzugehen, die tödlich enden können.

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© Studiocanal

Papperlapapp. Ich bleibe dabei. Die Idee ist gut, die beiden Hauptdarsteller entwickeln eine nette Chemie im romantischen Teil der Story und that’s it. Was denkst du, wieso die beiden in Unterwäsche gezeigt werden? Weil sich der Film irgendwie Aufmerksamkeit verschaffen muss. Sex sells. Die haben selbst gemerkt, dass die Idee keine 90 Minuten trägt. Und dann hat Dave Franco auch noch größere Brüste als seine Partnerin.

Auf was du nicht alles achtest. Die Szene verkauft sich gut im Trailer, da geb ich dir recht. Sie zeigt aber, dass der Film Spaß macht. Klar wird er am Ende vielleicht eine Spur zu düster, aber irgendeine Art Konflikt muss es geben. Und selbst wenn du das Ende kritisierst, hast du eine Stunde gute Unterhaltung genossen.

Im Gegensatz zu deiner Frau, hättest du noch anfügen sollen.

Ich begebe mich nicht auf dein Niveau.

Dazu fehlt dir auch ’ne Leiter. Nerve hatte seine Moment in den ersten beiden Dritten, aber bei der Idee wäre es mehr als fahrlässig und stumpfsinnig, wenn er die nicht gehabt hätte. Aber dann baut er die Mutter von Vee ein, eine Friendzonegeschichte, eine verschmähte Liebe…

Das sind Teenager Herrgott, da passiert sowas halt.

Kein Grund, mich anzuschreien. Sag lieber, dass Teenager auch die bevorzugte Zielgruppe sind. Und dann dieser Schluss. Völlig vermurkste Moralapostelauflösung, die wahrlich niemand sehen will.

Es geht darum, ein Statement zu setzen. Und dem Zuschauer den Spiegel vorzuhalten. Man soll sich selbst und sein Online-Verhalten hinterfragen. Aber was bringt es, sich über das Ende zu unterhalten, wenn den Film hierzulande noch fast niemand gesehen hat?

Kann man auch getrost bleiben lassen. Für die paar netten Momente lohnt es sich nicht. Und dieses ganze Hineininterpretieren, das brauche ich nicht. Ich will mich hinsetzen und einen Film genießen können. Ich will unterhalten werden. Die Reclam-Interpretationshilfe möchte ich nicht mit ins Kino schleppen. Und was behält man am Ende von einem Film? Den Schluss. Und der ist Mist. Punkt aus.

 

Während die beiden sich noch eine halbe Stunde weitergekabbelt haben, nutzen wir das zuletzt Gesagte als Schlusswort und unsere liebe Susi fasst die beiden Standpunkte für sie zusammen:

So lieber Leser, wer hatte denn nun die besseren Argumente? Kandidat 1, der leidenschaftliche Wim mit seiner aufgesetzten Art, der sich besonders zu Beginn einer Beziehung Mühe gibt, dem aber auf den letzten Metern die Luft ausgeht. Der dich nicht groß studieren möchte, sondern einfach nur Spaß haben, immer vorausgesetzt bei dir ist alles größer als in Dave Francos Bauchladen.
Oder doch lieber Kandidat 2, der rationale Azi, der sich auf keine Zwistigkeiten einlässt und lieber eine verkopfte Freundschaft sein eigen nennt, als am Schluss eine Beziehung in die Brüche gehen zu sehen. Der wie ich gerne alles zusammenfasst, aber damit nur um den heißen Brei herumredet.

So lieber Leser, jetzt musst du dich entscheiden.

Hier ist dein Herzblatt

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