Eddie the Eagle – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur Skisprungkomödie Eddie the Eagle mit Taron Egerton und Hugh Jackman.

Eine Underdog-Geschichte bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary, kommt euch das irgendwie bekannt vor?

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© 20th Century Fox

Der Eismann verschwindet und drückt den Startknopf. Der Vorhang öffnet sich. Die Leinwand erstrahlt in hellem Glanz. Das Publikum wird still. Auch der letzte macht sein Handy aus und wendet seinen Blick nach vorn. Mehrere Produktionsfirmen buhlen mit mehr oder weniger einfallsreichen Einspielern um die Gunst der Zuschauer. Ein letzter Schnitt. Das 20th Century Fox Logo erscheint. Ralph Wiggum singt in meinem Gedächtnis. Und dann: der Hauptfilm. „Nach einer wahren Begebenheit.“ Ist das nun ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?
Ein gutes, weil das Leben die verrücktesten Geschichten schreibt? Also wenn ich mich an the Lobster zurückerinnere, stimmt das nicht.
Ein schlechtes, weil man bereits jeden Eckpfeiler des Plots kennt? Bei Into the Wild haben sie es auch geschafft, genug Neues einzubauen. Und wer kannte schon Betty Anne Waters, bevor das Drama in Deutschland erschien?

Aber warum zeigt man diesen Schriftzug überhaupt zu Beginn eines Streifens? Damit sich der Zuseher denkt „Wow, das, was jetzt gleich kommt, ist alles wirklich so passiert“? Wenn man sich die Freiheiten anschaut, die sich Eddie the Eagle im Vergleich zum wahrhaftigen Leben von Skispringer Michael Edwards nimmt, ist das eher unwahrscheinlich. Überhaupt würde es doch viel mehr Sinn ergeben, diese Texttafel am Ende zu zeigen. „Ach was, die haben wirklich gegen eine 20 Meter große, außerirdische Frau auf einer Minigolf-Anlage gekämpft?“ Dann, wenn der Überraschungseffekt am größten ist. So wie die Bilder von Aron Ralston am Ende von 127 Hours. Wobei solche Hintergründe in Zeiten des Internets auch kein großes Geheimnis mehr sein dürften.
Zudem ist eine wahre Begebenheit noch lange kein Gütesiegel. Beonders dann, wenn man sich zu nah an der Vorlage entlanghangelt – genau wie bei Literaturverfilmungen – fehlt unter Umständen die filmische Narrative. Als Beweis braucht man sich nur die ersten Minuten des Fifa-Films, United Passions, anschauen. Andererseits können ein fähiger Drehbuchschreiber und ein begabter Regisseur selbst eine auf dem Papier langweilige Story zu einem Meisterwerk erwachsen lassen. Als Beispiel sei hier Social Network genannt.
Was von alldem trifft nun auf Eddie the Eagle zu?

Darum geht es (im Film)

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© 20th Century Fox

Der kleine Eddie hat seit jeher einen Wunsch: die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Dafür probiert er sich an unzähligen Sportarten und scheitert jedes Mal fulminant. Aber dann wittert er seine Chance bei den Olympischen Winterspielen als Abfahrtsläufer. Das heimische Olympische Komitee hält davon leider nichts. Da kommt ihm die rettende Idee: wenn er schon Skifahren kann, warum dann nicht einfach Skispringer werden. Ohne britische Konkurrenz können sie ihn nicht ablehnen. Das Training für seinen großen Traum beginnt. Allerdings sind die Spiele bereits in einem Jahr…

Wer sich irgendwann mit den Hintergründen zu Publikumsliebling Michael Edwards beschäftigt hat, erkennt schnell, dass sich die Macher einige Freiheiten in der Erzählung genommen haben, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte. Nur eine sei explizit erwähnt, und das ist die Einführung der von Hugh Jackmann gespielten Figur des versoffenen Ex-Skispringers, der Eddie unter seine Fittiche nimmt. Man merkt auch schnell, wofür man den großen Hollywood-Schauspieler eingebaut hat. Die Antwort lautet Humor. Hugh ist für die meisten lustigen Momente verantwortlich und als Zuschauer freut man sich auf und über jede Szene mit ihm. Leider ist die Vorfreude auf ihn größer als auf die Eddie-Momente. Das haben die Produzenten wohl gemerkt und Jackmanns Protagonisten eine eigene Hintergrundgeschichte angedichtet. Dadurch wirkt der Erzählfluss hie und da etwas gehemmt und das Schauspiel schafft es nicht gänzlich, dem Zuschauer klar zu machen, wieso unser titelgebender Held 1988 eine so große Nummer wurde, dass er selbst bei der Abschlussrede des OK-Chefs erwähnt wurde.

Fazit

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© 20th Century Fox

Davon abgesehen ist Eddie the Eagle ein typischer Feel Good Film, bei dem man nicht anders kann, als sich wohlzufühlen. Er ist amüsant genug, um ihn als Komödie zu bezeichnen – auch wenn es nicht übertrieben viele Gags gibt – und man fiebert mit dem Außenseiter mit und gönnt ihm seinen Erfolg.
Wobei Erfolg im Auge des Betrachters liegt. Eine große Thematik dieser Filmographie. Und der Grund, wieso er von der Deutschen Film- und Medienbewertung das Prädikat Wertvoll erhalten hat. Eddie geht es allein um die Teilnahme an den Spielen. Ganz im Sinne des Kredos „Dabei sein ist alles“. Das sich ironischerweise mit dem richtigen Olympischen Motto „citius, altius, fortius“ beißt. Wenn wir z.B. nach Deutschland schauen, bei dem ein zweiter Platz manchmal wie eine Niederlage behandelt wird, dann könnte man sich durchaus gelegentlich von dem Gedanken schneller, höher, stärker entfernen. Wenn wir unsere Kinder nur für gute Leistungen belohnen würden, dann bräuchte es keine Hersteller für Kühlschrankmagneten mehr.

In diesem Punkt weiß Eric the Eel Eddie the Eagle sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Nicht auf dem gleichen Niveau, wie ich es bei Cool Runnings in verklärter Erinnerung habe, aber für knapp zwei Stunden gute Laune ist dieser Film keine verkehrte Wahl.

Schanzentisch: Absprung

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