The Purge: Election Year – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Actionthriller The Purge 3: Election Year mit Frank Grillo in der Hauptrolle.

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Purgen wir bald auch in Deutschland?

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© Universal Pictures

Nach dem überwältigenden Erfolg der Purge-Nacht in den Vereinigten Staaten von Amerika plant die Bundesregierung eine baldige Einführung der 12 Stunden ohne Regeln auch hierzulande. Als Begründung fügte der Regierungssprecher auf der Bundespressekonferenz an, dass man es sich nicht leisten könne, Nordamerika weiterhin wirtschaftlich hinterherzuhinken. Zudem wolle man den Bürgerinnen und Bürgern etwas für ihre Regierungstreue zurückgeben. Auf diesem Wege verspreche man sich, dass vergleichbare Erfolge wie in den USA gefeiert werden können: Rückgang der Arbeitslosenzahlen, nahezu vollständiger Stillstand der dokumentierten Gewaltverbrechen an anderen Tagen, und ein Aufblühen neuer Wirtschaftszweige.
FilmkritikenOD führte eine Straßenumfrage zu diesem Thema durch:

Harald (47)
Endlich! Wie oft saß ich mit meinen Kumpels am Stammtisch und haben uns vorgestellt, wie wir dieses Pack endlich ausrotten. Ich bin damals extra dem Schützenverein beigetreten, damit ich mich zu Hause sicher fühlen kann. Was tun die da oben für meine Sicherheit? Nichts! Also muss ich selbst vorsorgen. Jetzt sehen sie Gott sei Dank ein, dass Verteidigen nicht mehr ausreicht. Wir müssen handeln und die Krätzen mit unseren Schuhsohlen zerdrücken. Die Schmarotzer, die unser Straßenbild versauen und uns ehrlichen Menschen auf der Tasche liegen. Was nutzt es, jemanden zu verhaften, nachdem er eine Frau vergewaltigt hat? Man muss dem Gesocks zuvorkommen, ansonsten ist niemandem geholfen. Es ist an der Zeit. Ich bin bereit!
Sabine (32)
Was plant die Bundesregierung? Sind die völlig übergeschnappt? Die sind vor einem Jahr mit dem Wahlkampfversprechen angetreten, dass TTIP niemals umgesetzt würde. Und jetzt führen sie einen amerikanischen Unsinn nach dem anderen hinter dem Rücken der Wähler ein. So kann man es auch machen. Genau solche Leute sollte man in so einer Nacht loswerden. Also wenn ich mir es recht überlege, immer her damit. Dann werden wir vielleicht mal wachgerüttelt und gehen gegen so einen Schwachsinn vor. Wir müssen auf die Straße gehen und solche Gedanken mit aller Macht verhindern. An allen Tagen! Am Ende heißt es eh, dass Regierungsbeamte nicht unter die Purge-Regeln fallen. Die wissen schon warum.
Hendrick (17)
Ich mache noch meine Ausbildung fertig und dann bin ich weg aus Deutschland. In meinem letzten Urlaub habe ich Esmi kennengelernt und mehr brauche ich nicht im Leben. Sollen die hier machen, was sie wollen. Ich beteilige mich an solchen Gewalttaten nicht und wer Lust darauf hat, kann es ja tun. Wir gründen eine neue Existenz an einem Ort, an dem Lobbyinteressen nichts wert sind. Tu dies, tu jenes, ich kann es nicht mehr hören. Was ist nur aus diesem Land geworden? Letztens habe ich zugesehen, wie jemand auf offener Straße zusammengeschlagen wurde. Niemand hat etwas dagegen getan. Niemand. Ich habe keine Lust mehr auf diese vergiftete Atmosphäre. Sollen die machen, was sie wollen. Meine Zukunft liegt woanders.
Erika (81)
Die Pörtsch ändert gar nichts. Im Gegenteil. Sobald ein Mensch tötet, wird er zum Tier. Das kannst du ihm nicht mehr wegnehmen. Ein Jahr warten ist zu lang. Und am Ende bringen wir unsere Nachbarn um, weil sie vor einer Woche zu laut gefeiert haben und rächen uns an jenen, die uns einst Schmerzen zugefügt haben. Niemand hat das verdient. Sollen diese Leute doch unsere Kriege führen. Syrien, Afghanistan, Nigeria, sollen die doch dorthin gehen. Dann müssen tapfere Soldaten, die nur helfen wollen, diesen Krieg nicht führen. Keine Mutter möchte ihren Sohn beerdigen müssen. Tut uns das nicht an. Spielt nicht eure Machtspielchen auf dem Rücken der Unschuldigen. Ihr seid auch Menschen. Werdet eurer Verantwortung gerecht.

Darum geht es

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© Universal Pictures

The Purge: Election Year ist der nunmehr dritte Teil der Filmreihe, in der sich alles um einen alljährlichen Ausnahmezustand dreht. Einmal im Jahr wird in den USA die halbtägige Purge (=Säuberung) veranstaltet. In dieser Zeit sind alle Verbrechen erlaubt und werden weder straf- noch zivilrechtlich verfolgt.
The Purge 3 begleitet auf der einen Seite einen Ladenbesitzer, der diesen zusammen mit einem Angestellten unter allen Umständen verteidigen möchte, nachdem ihm die Purge-Versicherung gekündigt wurde. Auf der anderen Seite erfahren wir die Geschichte einer Präsidentschaftskandidatin zwei Monate vor der Wahl, deren erklärtes Ziel es ist, die Purge wieder abzuschaffen. Allerdings hat die jetzige Regierung zum ersten Mal die Immunität für Abgeordnete aufgehoben und schickt nun prompt eine Söldnertruppe, um sich ihrer Gegnerin zu entledigen.

Entgegen der bisherigen Praxis, folgt das Fazit aus gewichtigen Gründen bereits an dieser Stelle:
The Purge: Election Year kann Spaß machen, aber dazu muss man unbedingt wissen, worauf man sich einlässt und was einen erwartet. Denn eines sei vorweg gesagt: die Filmreihe entwickelt sich mehr und mehr zu einem Actionspektakel mit aufgesetzten Sprüchen und übermäßigem Schusswaffengebrauch.
Angefangen hat alles mit The Purge als (unterdurchschnittlicher) Home-Invasion-Thriller, bei dem es nur um eine Familie und ihren Überlebenskampf ging. In The Purge: Anarchy durften wir dann endlich sehen, wie es auf den Straßen zugeht und was die Purge für Gruppierungen hervorgerufen hat. The Purge: Election Year führt diesen Weg nun fort, macht aber den Fehler, dass mit der Senatorin eine Figur vorgestellt wird, um die wir uns aufgrund ihrer Wichtigkeit während der gesamten Laufzeit keine Sorgen machen. Was den Punkt Spannung anbelangt, ist der dritte Teil also wieder ein Rückschritt im Vergleich zum zweiten Ableger. Und die wenigen Momente, in denen so etwas wie Nervenkitzel aufkommen könnte, werden zu schnell aufgelöst. Als Fingernagelabkauer bekommt man hier keine Ausrede für seine Sucht geliefert.

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© Universal Pictures

Dafür wird der Grad an Action und mehr oder weniger lustigen Sprüchen steil nach oben gedreht. Zudem werden Antagonisten eingeführt, bei denen es nur darum geht, dass man Freude und Erlösung findet, wenn diese das Zeitliche segnen. Also eigentlich genau das, was The Purge versucht zu kritisieren. Denn der Film stellt sich zu 100% auf die Seite der Purge-Gegner und lässt Grauschattierungen zwischen den beiden Abteilungen Gut-Böse erst gar nicht zu. Wer also eine kritische Auseinandersetzung zu dem Thema sucht, wird weder bei uns noch im Film auf seine Kosten kommen.
An dieser Stelle sei nochmal wiederholt, dass man sich auf Schießereien, One-Liner und überzogene Bösewichte freuen kann, deren Lebenssaft die Kanalisation hinabrinnt. All das leider auf keinem überdurchschnittlichen filmischen Niveau. Wackelkamera und Gesichtsaufnahmen aus 17 cm Entfernung gehören zur Tagesordnung.


Da ich einen spannenden Thriller erwartet habe, ist The Purge: Election Year eine persönliche Enttäuschung geworden. Wer hingegen die Erwartungshaltung auf Höhe eines unterhaltsamen Actionfilms ohne großen Anspruch schraubt, der könnte auf seine Kosten kommen. Aber im Kino muss das nicht unbedingt sein.

Alles Gute kommt von oben.

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