Middle Men – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur Krimi-Dramödie im Erotikmilieu ‚Middle Men‘ mit Luke Wilson und Giovanni Ribisi.

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© Paramount

Pornos. Die meisten, ach was, alle beiden, die das hier lesen, haben bereits einen gesehen. Sie wissen also, worum es geht. Das Ansehen erotischer Filme schüttet in unserem Hirn Hormone aus, die das Belohnungszentrum anregen. Es kann demzufolge süchtig machen. Wie ein Daumen hoch bei Facebook oder ein Like auf einer Filmkritikenseite. Eine Sucht, die vor allen Dingen in Kombination mit überhöhtem Internetkonsum in der Lage ist, unser Verhalten negativ zu beeinflussen.
Die Reaktion auf wahrhaftige Menschen, auf unseren nackten Partner kann sich wandeln. Der Blick von der mittlerweile hochglanzpolierten Pornoindustrie auf die Normalität des Alltags kann eine Leere entwickeln. Warum halte ich nicht länger als 5:40 Minuten durch? Warum ist mein Penis keine 10 Inches groß? Warum stöhnt meine Freundin nicht, wenn sie mir einen bläst? Warum hat sie keine multiple Orgasmen? Warum squirted sie nicht? Findet er mich unrasiert überhaupt schön? Anal gehört doch mittlerweile dazu, oder? Liebt er mich, auch wenn ich nicht alles ausprobieren möchte? In manchen Pornos werden die Frauen geschlagen und zu Fickklumpen degradiert, also gehört sich das wohl so…

Kann, muss aber nicht. Erotische Zeichnungen und Geschichten datieren so weit zurück, dass man wohl attestieren muss, dass es der menschlichten Fortpflanzung nicht geschadet hat. Ein wunder Punkt ist hingegen sicherlich die Möglichkeit des Vorspulens. Ähnlichkeiten zu Lieferdiensten tun sich auf. Wir wollen alles sofort, ohne Umwege. Und dabei ist es doch gerade die Vorfreude, die unsere Hände zittern lässt. Die Zeit bis zum ersten Kuss, das Warten auf die erste gemeinsame Nacht, der Spannungsaufbau, der sich endlich entlädt, wenn man an Weihnachten die Geschenke auspackt. Stattdessen spulen wir direkt zum Akt und wundern uns, warum unsere Lust nur kurzzeitig befriedigt wurde. Der Drang nach immer ausgefalleneren Videos und härteren Praktiken wächst. Und da ist sie plötzlich wieder: Die Freude an der Vorfreude. Das Suchen nach dem richtigen Porno, das Finden einer abendlichen Lektüre gibt uns einen größeren Kick, als das Anschauen selbst. Midget virgin climbs in ape vagina to the tunes of Rammstein. Vorspulen und vorbei. Die nächste Suche beginnt.

Darum geht es

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© Paramount

Stattdessen haben wir uns Middle Men angeschaut. Obwohl es nicht stimmt, wird die Geschichte leichter verständlich, wenn wir behaupten, es ginge um die Gründung PayPals. Zwei Hobbykiffer (Giovanni Ribisi und Gabriel Macht) entwickeln eine Methode, wie man im Neuland Internet Pornos per Kreditkarte bezahlen kann, ohne dass dies auf der Abrechnung als solche Zahlung ausgewiesen wird. Alles ganz diskret also. Leider lassen sie sich von der Russenmafia helfen und als das außer Kontrolle gerät, wenden sie sich an den eigentlichen Hauptdarsteller Luke Wilson. Während dieser Anfangs noch die richtigen Entscheidungen trifft, führt eine falsche zur nächsten und eine Abwärtsspirale ohne Rückspultaste wird in Gang gesetzt.

Middle Men ist stark inspiriert von Scorsese-Streifen wie Good Fellas und Casino, kann denen aber nicht das Wasser reichen. Er bietet eine gelungene Musikauswahl, gute Schauspieler, eine lustmachende Grundstimmung und besonders in der ersten Hälfte einige amüsante Szenen. Allerdings fehlt ihm ein wirklich interessanter Plot, denn wir-legen-uns-mit-der-Russenmafia-an lockt schon lange keinen mehr hinter dem Ofen vor.
Zusätzlich schaut sich das Drehbuch in Bezug auf die Erzählstruktur einiges von Tarantino und Guy Ritchie ab, schafft es aber leider nicht, die vielen Rückblenden mit coolen Szenen zu füllen, oder den Charakteren dadurch Format zu verleihen.


ist Middle Men nicht der kolossale Flop, was man nach dem Weltuntergangsstimmung verbreitenden Einspielergebnis 2009 erwarten durfte, aber auch kein so großer Wurf, wie seine offensichtlichen Vorbilder. Falls ihr alle Filme der zuvor genannten Regisseure bereits gesehen habt und eine Pornopause einlegen möchtet, dann könnt ihr ihm durchaus eine Chance geben. Für mich hat er aber dank der langweiligeren zweiten Hälfte seine Relevanz verloren und wird nicht in unsere On-Demand-Empfehlungsliste aufgenommen. Ja, obwohl Terry Crews mitspielt.

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Der Cheerleader-Effekt; © Paramount

Das amerikanische Trauma

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