Spezial: Verfilmungen von Jugendroman-Reihen

Ein Special von FilmkritikenOD zu Verfilmungen von Jugendbuch-Romanreihen und ihrem weltweiten Erfolg im Kino.

Einleitung

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© Warner Bros.

Nicht erst seit dem Ende von Harry Potter sucht die Filmindustrie einen potenten Nachfolger auf dem Gebiet der Jugend-Literaturverfilmungen. Voraussetzung ist, dass es sich um eine Romanreihe mit möglichst vielen Teilen handelt, die besonders für zahlungskräftige Jugendliche geeignet ist. Damit soll ein möglichst hoher Gewinn sichergestellt werden.
Im Zuge dieses Problems der großen Hollywood-Studios haben wir uns die Ticketerlöse verschiedener Harry-Potter-Stiefgeschwister angeschaut und versuchen ein Resümee zu ziehen. Hat es irgendeine Reihe geschafft, an den Erfolg der acht Filme um den kleinen Zauberlehrling anzuknüpfen, oder muss man sich voll und ganz dem Superhelden-Boom geschlagen geben?
Alle hier veröffentlichten Verkaufszahlen stammen von boxofficemojo.com, sind in Dollar angegeben und beziehen sich auf das weltweite Einspielergebnis.
Damit ein Film Gewinn abwirft, wird häufig mit der Faustformel gerechnet, dass er mindestens das Doppelte, eher das Dreifache seiner Produktionskosten einspielen muss – wie wir gleich sehen werden, scheitern einige Vertreter bereits an dieser Hürde.

1. Die Chroniken von Narnia

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© 20th Century Fox

Mit sieben Büchern, die zwischen 1950 und 1956 von C.S. Lewis geschrieben wurden, gibt es genug Stoff, der noch verfilmt werden könnte. Bislang sind drei Verfilmungen erschienen. Die letzte ist allerdings bereits sechs Jahre her (2010) und um einen vierten Teil ranken sich bislang nur Gerüchte.
Schaut man sich die Einspielergebnisse an, dann fällt auf, dass vor allen Dingen zwischen dem ersten und dem zweiten Film eine große Lücke klafft. Dort fielen die Moneten von 745 Millionen auf 419 Millionen. Wenn man bedenkt, dass der zweite Teil ein Budget von über 180 Millionen hatte, dann ist es bereits verwunderlich, dass überhaupt ein dritter Teil erschien. Der konnte sein Ergebnis mit 416 Millionen zwar halten, aber in einer gewinnorientierten Welt reichte das bislang nicht für eine weitere Fortsetzung aus.
Zum Vergleich: der am wenigsten erfolgreichste Harry Potter (Teil 3) spülte immer noch ganze 791 Millionen in die Kassen. Der erfolgreichste (7.2) ist mit ganzen 1,34 Milliarden gar auf Platz 8 der ewigen Bestenliste (Stand: 02.10.2016).
Einen weiteren Ausflug nach Narnia halte ich für unwahrscheinlich, aber nachdem die Geschichten es zuließen, dass andere Schauspieler gecastet würden, ist es nicht völlig unmöglich. Während der erste Teil noch verheißungsvoll begann, ist hier kein Konkurrent für den haarigen Töpfer zu sehen.

2. His Dark Materials

Drei Bücher und bislang ein Film. Weitere sind nicht in Aussicht. Warum? Der Goldene Kompass spielte Ende 2007 und Anfang 2008 nur 372 Millionen bei einem Budget von 180 Millionen ein. In den USA gar nur enttäuschende 70 Millionen. Es gibt die Meldung, dass die Fortsetzungen als BBC-Serie ins Fernsehen kommen sollen, aber das bleibt abzuwarten. Man sieht, dass selbst Nicole Kidman, Daniel Craig, Eva Green und eine erfolgreiche Romantrilogie noch keinen Erfolg garantieren.
Tja, keine Konkurrenz für unseren talentierten Besenreiter.

3. Inheritance Cycle

Oder besser bekannt als Eragon, denn auch hier erschien nie mehr als ein Teil im Kino. Und das, obwohl die Bücher im zweistelligen Millionenbereich über die Ladentheke gingen. New York Times Bestseller-Titel inklusive.
Mit einem Budget von 100 Millionen war die Hürde im Vergleich zu den Erstgenannten gar nicht so groß, die er Ende 2006 zu überspringen hatte, aber auch er schaffte es in den USA nicht über 75 Millionen und Weltweit reichte es für knapp unter 250 Millionen. Fortsetzungen sind damit in weite Ferne gerückt. Qualitativ kann ich zu keinem bislang genannten Streifen irgendetwas sagen, da ich sie alle (wie wohl zu viele andere auch) gemieden habe. Drachen sind halt nicht so mein Ding. Außer sie werden von Hagrid ausgebrütet.

4. Liebe geht durch alle Zeiten

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© Concorde Filmverleih

Zwischendurch präsentiere ich euch einen deutschen Vertreter und in Ermangelung an weltweiten Zahlen, greifen wir auf die Seite wulfmansworld.com zurück und schauen uns die deutschen Besucherzahlen genauer an. Achja, ihr werdet wohl eher die Titel Rubinrot, Saphirblau und Smaragdgrün kennen. Veröffentlicht wurden die Bücher in den Jahren 2009 und 2010, der letzte Film erschien dieses Jahr (2016).
487.000, 545.000 und momentan 371.000 Zuschauer lösten ein Ticket und kauften sich eventuell überteuertes Popcorn, um den raffgierigen… jedenfalls ist das kein Vergleich zu Harry Potter, dort hat der letzte Teil 6,4 Millionen Deutsche vor die große Leinwand sitzen lassen. Und selbst einige andere amerikanische Filmreihen, die in dieser Auflistung noch kommen und als Flops bezeichnet werden, waren in Deutschland erfolgreicher. Aber vermutlich auch um einiges teurer.

5. Tintenwelt Trilogie

Diese deutsche Buchreihe brachte es mit Tintenherz sogar auf eine amerikanische Filmproduktion und spielte mit einem Budget von 60 Millionen 62 Millionen wieder ein. Nix war’s mit Teil zwei und drei.

6. City of Ember

Oder auch Lauf gegen die Dunkelheit im Deutschen. Während Jeanne DuPrau bislang vier Bücher herausbrachte, ist nach dem ersten Film mit einem Budget von 55 Millionen und einem weltweiten Einspielergebnis von 17 Millionen schluss.

7. Twilight

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© Summit Entertainment

2008 bestiegen die glitzernden Vampire zum ersten Mal die große Leinwand und die kleine Bella. Drei Jahre nach Fertigstellung des ersten Bandes der Tetralogie durch Stephenie Meyer, die man tatsächlich so ausspricht, kam das Liebesdreieck in die Kinos. Während der erste Film sich noch mit 393 Millionen begnügen musste, schaukelten sich die Einnahmen bis zum zweiten Part des letzten Teiles (für diesen Trend dankt dir niemand, Harry Potter!) auf 829 Millionen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass der erste ein Budget von gerade 37 Millionen hatte, dann lässt sich zum ersten Mal verkünden, dass wir es voll und ganz mit einem wirtschaftlichen Erfolg zu tun haben. Qualitativ mag das was anderes sein, aber auch hier kann ich nicht persönlich mitreden. Allerdings war 2012 Schluss und bislang sieht es nicht so aus, als würde das erschienene Spin-Off Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl eine baldige Verfilmung finden.
An dieser Stelle lässt sich sagen, dass hier ein wirtschaftlich wahnsinnig erfolgreiches Stück Filmgeschichte geschrieben wurde, das vielleicht nicht ganz an Harry Potter herankam, aber in dieser Liste bis auf eine kontinentale Ausnahme alle anderen hinter sich lässt.

8. The Last Airbender

Passt hier nicht ganz rein, weil es eine Verfilmung einer Zeichentrickserie ist, hätte aber das nächste große Ding im Bereich für junge Erwachsene und ältere Kinder werden können. Hätte. Regisseur M. Night Shyamalan fuhr dieses Projekt qualitativ aber sowas von gegen die Wand, dass man froh sein muss, dass es keine weiteren Fortsetzungen gab. Der Vollständigkeit halber: Budget lag bei 150 Millionen, Einnahmen bei 320 Millionen.

9. Prince of Persia

Videospielverfilmung. Budget 200 Millionen. Einnahmen 336 Millionen. Thema verfehlt. Mehr gibt es hier nicht zu sagen.

10. Percy Jackson

Von 2005 bis 2009 kamen die fünf Bücher über griechische Mythologie in der heutigen Zeit auf den Markt. Und mittlerweile hat Schöpfer Rick Riordan weitere fünf Ableger seiner Fantasie-Reihe veröffentlicht. Genug Stoff für zahlreiche Filme und einen Batzen Kohle, möchte man meinen. Weit gefehlt. Trotz (oder wegen) Chris Columbus, dem Regisseur der ersten beiden Harry Potter Filme spielte der erste Teil 2010 bei einem Budget von 95 Millionen gerade 226 Millionen ein. Damit war die Sache eigentlich erledigt. Aber aufgrund des riesigen Materials, das man noch hätte verfilmen können, wurde 2013 ein erneuter Versuch gewagt. Doch Teil 2 erreichte nichtmal mehr die 200 Millionen und nur 68 Millionen in den USA. Das Budget lag bei 90 Millionen. Damit ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir einen weiteren Part rund um die wunderbaren Augen von Alexandra Daddario bestaunen dürfen.

11. I Am Number Four

Die siebenteilige Romanserie hat nur einen Film bekommen. Das lag zum einen daran, dass die Verfilmung nichts getaugt hat und zum anderen daran, dass bei einem Budget von 60 Millionen nur 149 Millionen wieder reingeholt wurden. Ende der Geschichte.

12. Die Tribute von Panem

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© Studiocanal

Das erste große Ding der Post-Potter-Ära. Die drei Bücher von Suzanne Collins waren vor allen Dingen in den Vereinigten Staaten ein großer Erfolg und so verwunderte es kaum, dass die erste Verfilmung besonders auf diesem Teil der Erde absahnte. Allein 400 Millionen aus den US-amerikanischen Ticketverkäufen ist eine beachtliche Summe. Bis heute Platz 20 der wirtschaftlich erfolgreichsten Filme überm großen Teich. Im restlichen – Trump würde sagen im unwichtigen – Teil der Erde kamen nochmal 286 Millionen dazu. Bei einem Budget von 78 Millionen also eine Verneunfachung und damit fast so erfolgreich wie Twilight. Zusätzlich wurden gute Kritiken eingefahren und die beiden Fortsetzungen waren gesichert. Sagte ich zwei Fortsetzungen? Nein, wie bei Harry Potter und bei Twilight wurde das Finale zu einem Zweiteiler umfunktioniert. Und so viel sei vorweggenommen: das funktioniert hier qualitativ leider nicht. Mehr dazu in der Filmkritik, die übermorgen erscheint. Falls diese Aufzählung jemals fertig wird.
Der zweite Teil schwang sich auf 865 Millionen, aber dann ging es nicht nur erzählerisch abwärts, sondern auch der Geldregen ließ nach. Es folgten 755 Mllionen und der Tiefpunkt der Reihe mit 653 Millionen. Bei einem Budget von 160 Millionen aber nach wie vor eine superbe Ausbeute. Und ab dem zweiten Teil auch vermehrt außerhalb der USA. Erfolg spricht sich rum.
Die Geschichte um Katniss ist auserzählt, aber es halten sich hartnäckig Gerüchte um Prequels, die irgendwann ins Kino kommen sollen. Vielleicht orientiert man sich hier daran, ob Fantastic Beasts and where to find them (das Harry Potter Spin-Off) erfolgreich sein wird. Mal schauen. Nach Twilight auf Platz 3 und in den USA sogar vor den Vampiren.

13. John Carter vom Mars

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© Walt Disney Studios

2012 erschienen nicht nur der erste Hunger Games und der letzte Twilight, es hätte auch der Beginn einer weiteren großen Reihe an Buchverfilmungen werden sollen. Sollen. John Carter gilt heute als einer der größten Flops nicht nur der jüngeren Kinogeschichte. Und dabei gäbe es allein 15 Bände der Science-Fiction-Reihe von Tarzan-Autor Edgar Rice Burroughs. Zusätzlich liegen auch noch Magazinveröffentlichungen und Marvel-Comics vor, die heute umso lauter nach Verfilmung schreien, wo ein Marvel-Film nach dem anderen rausgehauen wird. Tja, die Zuschauer sahen das anders. Mit einem Einspielergebnis von 284 Millionen nicht der letzte Platz auf dieser Liste, aber bei einem Budget von ganzen 250 Millionen wird schnell klar, mit welchen Untergangsszenarien wir es hier zu tun haben. Nochmal zur Erinnerung: der Film hätte mindestens 500 Millionen US-Dollar einspielen müssen, um ungefähr auf Null rauszukommen. Eine Schweigesekunde für John Carter.

14. Ender-Serie

2013 versuchte sich dann mit Ender’s Game der erste Film aus dem reichhaltigen Universum des Schriftstellers Orson Scott Card. Keiner der weiteren vier Teile, fünf Spin-Offs oder Kurzgeschichten werden wohl außerhalb der eigenen Fantasie zu sehen sein. Ein Budget von 110 Millionen und ein Einspiel von 125 Millionen sprechen eine zu deutliche Sprache.

15. Caster Chronicles

Was es nicht alles gab. Sixteen Moons Eine unsterbliche Liebe ist der erste Teil von vieren und bildete die Grundlage für den Streifen Beautiful Creatures, der 2013 um Zuschauer buhlte. Bei einer Rechnung von 60 Millionen Budget und 60 Millionen Einspiel kommt unter dem Strich aber wohl keine Fortsetzung heraus.

16. The Mortal Instruments

Besser bekannt unter dem Filmtitel Chroniken der Unterwelt, bzw. City of Bones hätte die Reihe vom Stoff her ohne Probleme auf sieben Teile und zahlreiche Spin-Offs kommen können. 95 Millionen Einspiel bei 60 Millionen Budget machten daraus genau eine Verfilmung.

17. Die Bestimmung

Mit Divergent, Insurgent und Allegiant wurden hier immerhin alle drei Teile ins Kino gebracht. Nachdem der letzte Teil mit 179 Millionen aber mehr als hundert Millionen weniger eingespielt hat als jeweils die anderen beiden, ist man bei Lionsgate wahrscheinlich auch nicht zu traurig, dass es nun ein Ende hat.

18. Maze Runner

Und nochmal eine Trilogie, die 2014 zum ersten Mal auf der Leinwand erschien. Mit einem Budget von 34 Millionen ging man bei Fox kein allzu großes Risiko ein und es sollte sich auszahlen. 348 Millionen spielte der erste Teil ein. Der zweite bei doppeltem Budget allerdings nurmehr 312 Millionen. Kaum verwunderlich, denn das große Geheimnis um die andere Seite der Mauer wurde bereits im ersten Teil gelüftet. Der dritte Film soll 2018 erscheinen. Nicht aufgesplittet.

19. Vampire Academy

Kurz nach dem ersten Twilight Roman erschien auch der Anfang der Vampire Academy von Richelle Mead (und nein, wir haben die Anfangsbuchstaben nicht vertauscht), der in Deutschland auf den Namen Blutsschwestern hört. Sechs Teile könnte es geben, bislang hat es eine Verfilmung in die Kinos geschafft. Budget ist nicht bekannt, aber ein Einspielergebnis von 15 Millionen und der Posterspruch „they suck at school“ werden schon dafür sorgen, dass es dabei bleibt. Auch wenn es bereits Gerüchte um ein Crowdfunding-Projekt rund um den zweiten Teil namens Frostbite gegeben hat. Hätten die Fans 2014 mal besser Kinokarten gekauft.

20. Die fünfte Welle

Rick Yancey ist also die große Hoffnung im Jahre 2016, wenn es um die Buchvorlage für eine erfolgreiche Verfilmung geht. Bislang gibt es drei Bände seiner Reihe rund um Außerirdische auf der Erde. Der erste Film mit u.a. Chloe Moretz in der Hauptrolle spielte 109 Millionen ein und schreibt bei einem Budget von 38 Millionen folglich schwarze Zahlen. Der große Wurf ist das zwar nicht, aber Fortsetzungen sind nicht völlig unwahrscheinlich.


Die Zukunft

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© Warner Bros.

Als nächstes wird mit z.B. Fallendie Engelsnacht die erste Verfilmung einer vierteiligen Romanreihe über Liebe zwischen Menschen und gefallenen Engeln in einem Internat erscheinen. Naja. Ich bescheinige keinen großen Erfolg.

Was soll man sagen, bis auf Twilight, the Hunger Games und Harry Potter, sowie den ersten Narnia und den ersten Maze Runner gab es keinen richtigen Überflieger was Verfilmungen von Jugendbüchern anbelangt. Die meisten bekamen nicht einmal einen zweiten Teil spendiert. Aber gerade die drei Genre-Primusse haben umso mehr die Geldbeutel der Kinogänger geleert. Genau deswegen dürfen wir bald einem Spin-Off-Prequel von Harry Potter beiwohnen und auch eine Verfilmung des Theaterstücks Harry Potter and the Cursed Child dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein (obwohl sich die Story wie hanebüchener Blödsinn liest).
Man darf auf jeden Fall gespannt sein, ob der Trend an Comic-Verfilmungen irgendwann abgelöst wird und wenn ja, ob dafür wieder ein paar Jugendromane verantwortlich sein wersen.

War das ein Rechtschreibfehler? Dann fange ich besser nochmal von vorne an.

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