Them – Spiel oder Stirb

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum französischen Horrorfilm Them – Spiel oder Stirb. Im Original: Ils.

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© Media Cooperation One

Ein alleinerziehender Vater fährt von einem wichtigen Termin nach Hause. Dort spielt sein Bruder Babysitter für die beiden Töchter. Der Vater hat also keine Eile. Dank dem tosenden Schneetreiben könnte er auch nicht viel schneller fahren. Er stellt die Heizung auf die höchste Stufe und konzentriert sich auf die Straße. Als er eine dunkle Gestalt an einer Bushaltestelle bemerkt, fährt er weiter. Niemals anhalten, denkt er sich. Dazu hat er zu viele Horrorfilme gesehen. Andererseits hat es draußen Minusgrade und wir befinden uns mehrere Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Ein Bus würde heute sicherlich keiner mehr kommen. Aber wie kommt die Person dort draußen überhaupt hierhin? Hier gibt es weit und breit nur diesen einen Bauernhof. Es muss sich um eine Falle handeln. Es muss sich um eine Falle handeln. Fahr weiter. Er schnauft durch und hält an.
Folgenabwägung. Wenn er der Person nicht hilft, dann erfriert sie vermutlich. Wenn die Person ihn umbringen wollte, dann könnte er sich aus dem Auto heraus kaum wehren. Er denkt an seine Töchter. „Fuck!“ Er wendet den Wagen und fährt zurück zu der Bushaltestelle. Die Gestalt ist weg. Alles klar, schnell weiter. Nur kurz umschauen. Links nur Schnee, rechts nur Schnee, hinten nur Schnee. Niemand in Sicht. Er drückt gerade die Kupplung, da klopft es an der Beifahrerscheibe. Vor Schreck würgt er den Wagen ab. Scheiße. Schnell dreht er den Schlüssel, doch die Tür wird bereits geöffnet. „Lassen Sie..“ Er kommt nicht weiter.
Die Gestalt setzt sich neben ihn und schließt die Türe. Es ist ein älterer Mann. „Vielen Dank, dass sie zurückgekommen sind. Ansonsten wäre ich hier draußen wohl erfroren.“ Der Ältere reicht unserem Vater die Hand. Dieser sitzt starr auf seinem Platz und schaut mit offenen Augen in das Gesicht des Beifahrers.
„Entschuldigung, ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich habe Sie vorhin vorbeifahren sehen und nahm an, Sie seien wegen mir zurückgekommen.“ „Schon gut“, stammelt der Vater.
„Es kommt nicht häufig vor, dass jemand mitten in der Nacht einen Anhalter mitnimmt“, sagt der Ältere. „Vielen Dank.“ Immer noch unter leichtem Schock kann der Angesprochene nur ein „schon Recht“ von sich geben und fährt los.

Auf der Fahrt erfährt der Vater, dass der ältere Martin heißt und mit seinem Auto von der Straße abgekommen ist. Das mulmige Gefühl hält an. Selbst als sie die Stadt erreichen, ertappt er sich dabei, wie er mit einem Auge immer wieder auf den Beifahrersitz blickt, um auf einen Überraschungsangriff reagieren zu können.
Nachdem er ihn an einem Hotel abgesetzt hat, schnauft der Vater kräftig durch. Noch immer leicht zitternd fährt er nach Hause und stellt das Auto in der Garage ab. Leise geht er die Treppe hinauf, um seine beiden Kleinen nicht zu wecken. Als er die Wohnzimmertür öffnet, erwartet er seinen Bruder vor dem Fernseher vorzufinden, doch da ist niemand. Auch in der Küche findet er niemanden. Er geht langsam in den obersten Stock. Vielleicht sind sie beim Vorlesen der Gute-Nacht-Geschichte eingeschlafen. Das passiert ihm auch manchmal. Seine Zwillinge können schon anstrengend sein, mit ihrer andauernden Nachfragerei.
Er öffnet so leise wie möglich die Schlafzimmertür und blickt ins Zimmer. Das Bett ist leer. Sein Herz setzt einen Schlag aus. In der Ecke kauert eine seiner Töchter und vergräbt das Gesicht zwischen ihren Beinen. Als er das Licht anmacht, schreckt sie zusammen und beginnt laut zu schluchzen. Ihr Rocksaum ist in Blut getränkt.

Darum geht es

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© Media Cooperation One

Die meisten Verbrechen ereignen sich im Bekannten- und Familienkreis. Nicht so im französischen Home-Invasion-Horrorfilm Them. Ein verliebtes Pärchen genießt die Zweisamkeit in einem großen Haus und widmet sich dem, was verliebte Pärchen am liebsten tun: sie spielen Backgammon und philosophieren über etruskische Königreiche. Wie wir alle wissen, ist das nur eine Metapher dafür, dass die Frau die nächsten Monate erstmal keine Regelblutung mehr haben wird. Die beiden Schmusekätzchen wissen allerdings nicht, dass sie in dem Haus nicht alleine sind. Doch genau das werden sie bald am eigenen Leib erfahren.

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© Media Cooperation One

Das französische FSK18-Kino wurde im ersten Jahrzehnt der 2000er durch so drastische Werke wie High Tension, Inside und Martyrs bekannt. Them schlägt in eine ruhigere Kerbe und setzt mehr auf Horror als auf Terror.
[Horror ist eher der Grusel vor dem Schrecklichen, was kommen könnte. Terror ist die Furcht vor dem Schrecklichen, das man gerade erlebt.]
Und da macht der nur 73-minütige Streifen einen guten Job. Besonders durch eine stimmungsvolle Soundkulisse und zwei gute Schauspieler, die in ihrem Haus gejagt werden, beginnt der mutige Gruselfan vor Spannung auf den Nägeln zu kauen. Ob auch unsere Protagonisten den ein oder anderen Nagel schlucken müssen, möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, aber der Film ist auf jeden Fall handzahmer als die vorhin erwähnten und kann selbst gut von denen genossen werden, die nichts von Splattereffekten und gezeigter Gewalt halten. Einzig die deutsche Synchronisation trübt das Gesamtbild an der ein oder anderen Stelle. Schade.


ist Them, Ils oder auch Spiel oder Stirb ein spannungsgeladener Horrorfilm für zwischendurch, der das Beste aus seinem geringen Budget macht. Obwohl man sich nicht viel Zeit für die Exposition der Figuren lässt und diese dadurch in die Gefahr der Austauschbarkeit geraten, fiebert man mit den beiden Turteltäubchen mit. Das Ende ist gelungen, der Anfang überzeugt durch einen interessanten Kniff und dank der kurzen Laufzeit bleibt wenig Raum für Leerlauf. Für Genrefans eine Empfehlung, auch wenn mir persönlich das amerikanische Pendant The Strangers eine Spur besser gefallen hat.

Klopf, Klopf

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