Wie Männer über Frauen reden

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur deutschen Beziehungskomödie Wie Männer über Frauen Reden vom Autor Carsten Regel.

„Ziehen Sie bitte Ihre Hose aus.“ Ich tue wie geheißen. Die Frau hinter der Theke im Laden für Hörgeräte ist schockiert und schickt mich weg.

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© Warner Home Video

Wie Männer über Frauen reden streichelt ein paar Themen rund um Beziehungen und Sexualität, aber an dieser Stelle möchten wir uns auf eines versteifen: fortschreitende Pornoisierung der Gesellschaft. Wie bereits in unserer Filmkritk zu Middle Men angdeutet, kann der übermäßige Konsum von Pornographie dazu führen, dass wir unsere Umwelt anders wahrnehmen. Sie kann aber auch dazu führen, dass uns selbst und unser Verhalten verändern. Ach, doch keine Lust auf diese Geschichte.
Nehmen wir stattdessen die moderne Beziehungsangst in den Mund. Es gibt so viele Möglichkeiten auf dem Single-Markt, dass wir mit dem steten Gefühl leben, irgendetwas zu verpassen, sobald wir uns binden. An jeder Ecke könnte jemand lauern, der uns noch mehr so nimmt, wie wir sind; der unsere Fehler noch schneller verzeiht; der uns noch mehr das Gefühl gibt, die einzige zu sein; der uns noch besser befriedigt; bei dem wir uns noch mehr fallen lassen können; der noch weniger Macken hat. Nein. Selbst wenn es so jemanden geben sollte, dann wäre auch dieser nichts für uns. Entweder weil er zu gut ist und uns nicht den Riegel vorschiebt, den wir ab und an zwischen den Leisten brauchen, um nicht abzuheben; oder weil es auch hier wieder irgendetwas Klitzekleines gibt, auf dem wir ständig herumreiten (Props an Sammy Deluxe). Am Ende blicken wir in den Spiegel und müssen uns eingestehen, dass wir die Schuldigen dieser selbstgeschaffenen Misere sind. Wir und Angela Merkel. Danke, Angie.
Ach, das ist doch öde. Schlucken wir das Thema runter und stoßen in die Tiefen des Filmes vor, um den es heute gehen soll.

Darum geht es

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© Warner Home Video

Wie Männer über Frauen reden erzählt mehrere Geschichten. Der Vater, der seinen Sohn wie einen abgewrackten Kumpel behandelt und sich ständig über ihn lustig macht. Der Sohn, dessen Freundin bereits vor dem Vorspiel wie Gina Wild zu besten Zeiten stöhnt. Die Frau, die viel zu hohe Ansprüche an ihren zukünftigen Partner hat und immer an den falschen Gerät. Der Typ, der zwar jedes Wochenende eine neue Luftbefeuchterin in sein Schlafzimmer einmietet, aber die Saftpresse niemals über Nacht bleiben lässt. Der Kerl, der mit seiner Beziehung unzufrieden ist und sich deswegen vorstellt, einen Dreier mit zwei Models zu haben. Die Dame, dessen Kerl mit ihrer Beziehung unzufrieden ist und sich deswegen vorstellt, einen Dreier mit zwei Models zu haben.
Und zum Schluss kommen der Typ und die Frau zusammen. Oder heißt es in dem Fall zusamen? Ich bin verwirrt. Darauf erstmal einen Eierlikör.

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© Warner Home Video

Nachdem ich den Film ausgesessen habe, wollte ich am liebsten über die Straße nach Ludwigsburg laufen, um die Filmakademie zusammenzuscheißen, wie irgendein Filmstudent so ein Drehbuch fabrizieren kann. Dann habe ich herausgefunden, dass Carsten Regel für die Story Verantwortung zeichnet. Seineszeichens Gründer des Berliner Nachtclubs Muschi Obermaier und Autor des Romans Hosen runter. Ganz ehrlich, selbst der vor Zweideutigkeiten triefende Text eines mental 12-jährigen, den ihr oben lesen konntet, bietet mehr Inhalt und Amüsement als diese deutsche Beziehungskomödie. Vorhersehbarkeit – egal. Platte Figuren – egal. Recycelte Witze aus den 90ern – egal. Halt, das ist alles eben nicht egal. Besonders der letzte Punkt ist der Grund, wieso ich fuchsteufelswild meinen Fernseher angeschrien habe. WIESO KÖNNEN DIE DEUTSCHEN KEINEN HUMOR? Schaut euch den Trailer an, die besten Szenen werden dort bereits gezeigt. Und die sind schon Scheiße. Also ehrlich, ich könnte gerade wieder in den Rant-Modus umschalten, aber ich halte mich zurück.

In seinem Roman geht es um einen Mittdreißiger, der in jungen Jahren Frauen vermeintlich zu nett behandelt hat, und deswegen das Leben jetzt nachholen muss. Okay, das passt zu dem Geheule, das man jeden Tag in Internetforen lesen darf. Hätte man besser daraus einen Film gemacht. Aber nicht diese Gag-Revue, die nach jedem ins Klo gegriffenen Spruch wie in einer Sketch-Show einen Schnitt setzt und die Szenerie wechselt. Ach, ich hab‘ keinen Bock mehr Leute. Keinen Bock mehr auf diese dämliche Dummdudelei – durchatmen.


hat Wie Männer über Frauen reden nichts mit dem zu tun, was im Titel suggeriert wird und wenn ihr den Trailer gesehen habt, dann habt ihr alles gesehen, was es zu diesem Film zu sehen gibt. Wer ihn sich – wie ich – trotzdem ansieht, der ist selbst schuld und dem ist nicht mehr zu helfen. Ab und zu benötigt man aber solchen Murks, um auf den Hoden der Tatsachen zurückzukommen, und durchschnittliche Filme wieder mehr genießen zu können. Dafür ein Dankeschön.

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© Warner Home Video

Ich sitz‘ hier oben, auf meiner Wolke

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