Doctor Strange

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Superheldenfilm Doctor Strange mit Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen u.v.m.

Herr Doctor, ich spüre meine Beine nicht!
– Und was ist die schlechte Nachricht?
Ich bin Kassenpatient.

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Superheldenfilme

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© The Walt Disney Company

Doctor Strange ist ein weiterer Superheld, der im nächsten Teil der Avengers-Reihe zu der titelgebenden Heldentruppe rund um Iron Man gehören wird. Wie bereits Ant-Man im letzten Jahr bekommt er einen Solo-Auftritt spendiert, in dem seine Origin-Story (neudeutsch für Herkunftsgeschichte) erzählt und sein Charakter etabliert wird.
Langsam fällt es dem unbedarften Zuschauer schwer, alle Avenger-Kämpfer auswendig beim Namen zu nennen. Überhaupt nehmen Superheldenfilme im Kino mehr und mehr Überhand. Persönlich bin ich derer langsam überdrüssig, aber wie ein Opfer häuslicher Gewalt kehre ich immer wieder in der Hoffnung zurück, dass sich etwas ändert. Und glücklicherweise hat zumindest Marvel langsam bemerkt, dass sie ihre Formel weiterentwickeln müssen, um frisch zu bleiben. Die Filme ähneln sich zwar nach wie vor und sind auch in ihrem Humor beinahe deckungsgleich, aber picken wir uns an dieser Stelle ein paar Comicverfilmungen heraus, um meinen Punkt klarzustellen.
Deadpool gehört für mich zu den besten Filmen des Jahres. Selten habe ich so sehr gelacht im Kino, denn hier haben sich die Macher getraut, vorgetrampelte Wege zu verlassen.
Civil War empfand ich zwar als ermüdend, aber erfrischenderweise wird das große Finale in die Mitte des Filmes gelegt und zum Schluss wird ein persönlicher Konflikt ausgetragen. Zwar noch kein richtiges Drama, aber ein Schritt in die richtige Richtung.
Ant-Man ist zwar wieder sehr viel vom typischen Marvel-Film, aber hier besticht das Finale durch die Umkehrung des großen Bombast-Kinos in den Mikrokosmos. Nette Idee.
Captain America 2 besitzt viele Ähnlichkeiten zu Spionagefilmen aus einer längst vergangenen Zeit und weiß dadurch aus der großen Masse herauszustechen.

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© The Walt Disney Company

Leider war es das an besonderen Erwähnungen. Allerdings entstammen diese Ausnahmen alle den letzten zwei Jahren. Man könnte also statuieren, dass es bergauf geht; oder Marvel (Disney) zumindest das richtige Equipment zum Bergsteigen testet. Der kommerzielle Erfolg bleibt nach wie vor bestehen, ein Ende ist so oder so keines in Sicht. Umso erfreulicher, dass sich manche Kritik zu Herzen genommen wird.
Und so sehr ich auch auf Superheldenfilme schimpfe, freue ich mich bereits wieder auf einen: Logan. Nach dem Trailer könnte uns endlich der Wolverine-Film ins Haus stehen, den sich die Fans und Hugh Jackman verdient haben.´
Ihr seht, selbst nach Batman v Superman, den Turtles, Suicide Squad, Fantastic Four, Amazing Spider-Man 2 und so vielen weiteren Schlägen ins Gesicht kehre ich immer wieder zu meinem Peiniger zurück. Ob gerade Doctor Strange dafür sorgen kann, dass er heute nicht auf der Couch schlafen muss?

Darum geht es

Stephen Strange ist Neurochirug, bis ein folgenschwerer Unfall seine Hände zertrümmert. Niemand vermag das wichtigste Instrument seines Berufsstandes wiederherzustellen. Langsam in Depressionen abdriftend, erfährt er von einem geheimen Ort in Nepal, wo ihm angeblich geholfen werden kann. Doch nicht nur das. Als er dort ankommt, begegnet er Mächten und Zaubern, an die er in seinen kühnsten Träumen nicht geglaubt hat. Nach und nach wird er in die Geheimnisse der Magie eingeweiht und sieht sich bald einer Macht gegenübergestellt, die die gesamte Menschheit in Handumdrehen auszulöschen vermag.

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© The Walt Disney Company

Wie man anhand der Plotbeschreibung gut sehen kann, trampelt das Drehbuch bekannte Pfade einer Heldenreise ab. [Es wird Zeit, dass wir ein Glossar auf der Seite eröffnen, in dem wir solche Begrifflichkeiten erklären können.] Mit dem Unterschied zu bisherigen Comicverfilmungen, dass ein Hauptaugenmerk auf der Verwendung von Magie und Zaubern liegt. Durch Handbewegungen und mystische Reliquien können Portale, Schilde und Waffen beschworen werden. Wer nichts mit übernatürlichen Begebenheiten und Begriffen wie Qi, Mantra oder Beyoncé anfangen kann, der steht hier aber sowas von vor der falschen Haustüre. Besonders da der Umgang mit Astralkörpern erstaunlich ironiefrei praktiziert wird.
Überhaupt beginnt Doctor Strange sehr humorbefreit und die Hauptfigur wirkt fast schon zu arrogant und narzistisch. Erst mit der Ankunft in Nepal wandelt sich das Bild und der Zuschauer wird mit amüsanten Sprüchen und einigen Lachern konfrontiert. So wie wir das von Marvel kennen. Auch ansonsten hebt sich der Film nicht sonderlich von anderen Vertretern seiner Art ab. Selbst wahnsinnig gute Schauspieler (hier: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton und Mads Mikkelsen) kennen wir bereits aus früheren Leinwandabenteuern der Superhelden-Clique.

Positives

Es gibt aber auch Punkte, für die ich Doctor Strange ein Lob aussprechen muss. Da haben wir an erster Stelle die schicke Optik, die durch zeitgemäßen Gebrauch von CGI für den ein oder anderen Bildschirmschoner sorgen wird. Wer sich bei Inception mehr von der Szene mit der zusammengefalteten Straße gewünscht hat, der bekommt hier seinen Wunsch erfüllt.
Daneben ist die Geschichte trotz eines riesigen Gegenspielers klein und überschaubar gehalten. Wir wissen, wer was aus welchem Grund will und können das sogar nachvollziehen.
Zu guter Letzt ist das Ende sehr untypisch für einen Superheldenfilm. Als Kind hatte man zwei Möglichkeiten: entweder man wollte Müllmann werden, oder man wollte mit einer Abrissbirne durch die Städte pflügen. Ich sag‘ mal so, hier kommt die Müllmannfraktion auf ihre Kosten.

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© The Walt Disney Company


ist Doctor Strange ein überdurchschnittlicher Marvel-Film, der durch seine Bildgewalt und einen schönen Soundtrack am besten im Kino funktioniert. Ich persönlich fand ihn schwankend von okay bis ganz gut, aber in der Gesamtbetrachtung ist er mir trotz manch kreativer Idee zu viel des ewig gleichen Superhelden-Spektakels. Außerdem wird der Bösewicht leider (mal wieder) komplett verschenkt.
Aufgrund seiner Kräfte darf man gespannt sein, wie sie die Figur in den nächsten Avengers einbauen wollen, aber dank seiner Charaktereigenschaften freue ich mich darauf. Und notfalls nehme ich einen Schlag ins Gesicht dafür in Kauf. Doctor Strange hingegen hat meine Wange gestreichelt. Aber einen Kuss gab’s nicht. Schon gar nicht mit Zunge. Die bleibt Deadpool vorbehalten.

Wingardium Leviosa
 
 
 
Bewertung auf Filmportalen

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
8,0 / 10
91.236
moviepilot
7,5 / 10
1.193
Filmstarts-User
4,2 / 5
143

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7 Gedanken zu “Doctor Strange

  1. Allgemein scheinen die Bösewichte in den neueren Marvelfilmen so blass zu sein. Das ist mir auch schon bei Avengers 2 aufgefallen.

    Bin auch gespannt, wie Strange sich dann im Team macht. Im Prinzip ist er ziemlich mächtig, immerhin kann er die Zeit zurück drehen.

    Gefällt 1 Person

    • Fandest du die Antagonisten in den früheren Marvelfilmen denn so viel stärker?

      Am Ende hat er den Orb zurückgelegt. Von dem her gehe ich davon aus, dass er bei den Avengers nicht über diese Fähigkeit verfügen wird. Ansonsten müssten sie sich wie bei den X-Men mit Quicksilver überlegen, wie sie die übermächtige FIgur im Hintergurnd halten können.

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