Die Highligen drei Könige

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur US-Komödie Die Highligen drei Könige mit Seth Rogen und Joseph Gordon-Levitt.

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Warum lesen wir Filmkritiken?

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© Sony Pictures

Wenn wir in die Vergangenheit blicken, dann hat sich der blinde Herdentrieb nicht immer als die lobenswerteste Lösung herausgestellt. Dennoch tendieren wir durch die Möglichkeiten des Internets mehr denn je dazu, uns auf die allgemeine Schwarmintelligenz zu verlassen. „Welchen Fernseher soll ich mir kaufen?“ Erst einmal hunderte Seiten an Test- und Erfahrungsberichten durchgehen. Stiftung Warentest, scheinbar unabhängige Reviews aus dem Ausland und ganz zum Schluss gehen wir zum Feldtest in den örtlichen Elektronikfachmarkt. Dass dort mit fraglichen Methoden die Bildqualität optimal auf das menschliche Auge abgestimmt ist – sei’s drum. Durch unsere Recherche wissen wir das bereits und bitten den netten Verkäufer einfach, auf das normale Fernsehprogramm umzuschalten.
Beim Autokauf ist es nicht anders, allerdings können wir dort dem Kauf noch eine emotional aufgeladene Probefahrt vorschalten. Was bei Filmen einem Trailer recht nahekommt. Ich will gar nicht wissen, wie viel Kohle Produktionsfirmen in die Erstellung von diesen kurzen Vorschaufilmchen steckt. Schaut man sich z.B. den von Suicide Squad an, dann kann man nur eine sehr hohe Zahl mutmaßen. Wenn ein drei-Minuten-Ausschnitt das Endprodukt künstlerisch um Längen schlägt, dann muss man schon ehrfürchtig applaudieren. Vergleichbar mit der Werbung für Fast-Food-Produkte, bei denen eigene Foodstylisten dafür sorgen, dass beim Kunden unrealistische Erwartungen und vor allen Dingen Heißunger hervorgerufen wird. Aber mittlerweile weiß der geneigte Kinogänger, dass man hier an der Nase herumgeführt wird. Und wenn man dann noch beispielsweise den Trailer von Terminator: Genisys bedenkt, der aber auch wirklich jeden Twist im Vorfeld verraten hat, dann macht besser bei der Vorwerbung im Saal die Augen zu. Von den Anpreisungen, die einem ein völlig falsches Bild vom Film vermitteln, ganz zu schweigen (z.B. Girl on the Train).

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© Sony Pictures

Filmkritiken sollen uns also helfen, dieses Vertrauensproblem zu beheben und das Informationsvakuum zu füllen. Nun haben wir einen stetig wachsenden Markt an selbsternannten Filmkritikern (Hallöle), die um unsere Gunst buhlen. Welche Seite lesen? Bereits bei zwei gegenteiligen Meinungen – was gut und gerne nach nur zwei Filmkritiken der Fall ist – sind wir nicht klüger als zuvor. Die eine kritisiert den fehlenden Horror, der andere findet das Gezeigte zu viel. Also schauen wir den Streifen wohl oder übel selbst an. Das Kinox unseres Vertrauens begrenzt den Schaden für uns. Diejenige, die unsere Meinung besser trifft, diese Filmkritikerseite schieben wir in unsere Favoritenleiste. Aber dann der Schock: die geben Jack & Jill vier von fünf Sternen.
Filme bleiben letzten Endes persönlicher Geschmack. Ich oute mich, dass ich mit GoodFellas nicht viel anfangen konnte, the Wolf of Wall Street dagegen sehr genossen habe. Macht eigentlich wenig Sinn, denn von der Machart sind sich beide recht ähnlich. Typisch Scorsese halt. Aber zum Filmgenuss gehört nicht nur der Film sondern auch das ganze Drumherum. Habe ich im Kino einen Hintermann, der mir selbst nach mehrmaliger Ermahnung seine Mauken in die Sitzlehne drückt, dann kann selbst der ansonsten beste Film zu einer Grenzerfahrung werden, die sich als schlimmster Kinobesuch aller Zeiten in unser Gehirn einbrennt. Oder andersherum kann eine durchschnittliche Komödie zusammen mit einem Kumpel und dessen ansteckender Lache zum Highlight des Jahres werden.

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© Sony Pictures

Also gehen wir besser auf ein Bewertungsportal, bei dem mehrere tausend Enthusiasten ihre Stimme abgeben und schon dafür sorgen werden, dass ein guter Film eine gute Bewertung bekommt. Mal abgesehen von solchen Ausnahmefällen wie The Promise (2016), der bereits vor Kinostart 80.000 Bewertungen bei IMDb hat und durch seine Thematik besonders von der türkischen Community vorab in Grund und Boden gestampft wird. Oder Kartoffelsalat, bei dem viele Internetgrößen und Imageboards dazu aufgerufen haben, die Komödie mit einem Punkt abzustrafen. Klar mögen beides keine guten Filme sein, aber der Wertung kann man schlichtweg nicht mehr vertrauen. „Eigentlich hat der Film nur drei von fünf Sternen verdient, aber weil er so viele Bewertungen mit einem Stern hat, habe ich ich ihm fünf Sterne gegeben.“
Zudem stellt sich die Frage, was eigentlich eine gute Bewertung ist. Sucker Punch mit 6,1 gilt als Style-over-Substance-Grütze, bei der sich Zack Snyder aber sowas von in bedeutungsschwangeren Geschwurbel verrannt haben soll, dass zumindest von jedem in meinem Bekanntenkreis von einer Sichtung abgeraten wird. Ich fand ihn spaßig und habe ihn mir auf Bluray gekauft. Andererseits hat der angesprochene GoodFellas einen Punkteschnitt von 8,7, dem ich zwar von Kamera, Ton, Schauspielern, Schnitt, etc. zustimmen kann, aber unterhaltungstechnisch blieben bei mir beide Augen trocken. Selbiges gilt für die üblichen Verdächtigen, bei dem ich zwei Mal beim Versuch, ihn anzuschauen, eingeschlafen bin.

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© Sony Pictures

Am Ende ist aber alles Gerede von eben umsonst. Der Cineast schaut sich sowieso jeden Film an, der ihn interessiert. Erst danach blickt er auf eine Kritikenseite, um seine Meinung zu festigen, oder anders Gepolten sein Besserwissertum ins Gesicht zu drücken.
Der Gelegenheitskinogänger lässt sich von Trailern und Mund-zu-Mund-Propaganda leiten. Jeder Besuch im Lichtspielhaus ist für ihn ein Event. Gefällt ihm der gezeigte Streifen, ist das umso besser, aber kein Muss. Auf Filmkritikenseiten treibt er sich höchstens rum, um die die Punktebewertung und das Fazit zu überfliegen.
Und dann gibt es noch dich. Denjenigen, der an dieser Stelle mehr als 800 Wörter gelesen hat und nach wie vor die Hoffnung in sich trägt, dass der Kritikenschreiber endlich zum Punkt kommt und dir sagt, ob die Highligen drei Könige der richtige Film für ihn ist. Seien wir ehrlich: das weißt du bereits. Sollte ich ihn als beste Komödie des Jahres bezeichnen, dann würdest du dich vielleicht umstimmen lassen, aber dann hättest du wohl kaum bis hierhin gelesen. Sollte ich ihn als schlechteste Komödie des Jahres bezeichnen, dann wäre das nur ein Grund mehr, sich ihn trotz Warnung mit Kumpels und Bier zu gönnen. Fühlst du dich angesprochen? Super, dann funktionieren die Wahrsager-Tricks. Wenn nicht, dann hast du dir für dein Durchhaltevermögen das Fazit redlich verdient.


ist die Highligen drei Könige genau das, was man erwarten musste: Eine halbwegs unterhaltsame Komödie mit einem nervigen Drogentrip, wenigen lustigen Momenten, einem vermurksten Happy End und ein paar ansprechenden Filmanspielungen, die leider zu Tode erklärt werden. Zielgruppe: Teenager mit großem Fundus an Bier und Gras. Der Film tut keinem weh, bringt einen aber auch nicht weiter.
Alternativen: 50/50 und Harold & Kumar.

Da! Eine Sternschnuppe.
 
 
 
Bewertung auf Filmportalen

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,5 / 10
35.430
moviepilot
6,3 / 10
631
Filmstarts-User
3,0 / 5
50
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