Willkommen bei den Hartmanns

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zur deutschen Komödie Willkommen bei den Hartmanns mit Elyas M’Barek, Heiner Lauterbach u.a.

„Flüchtlinge, Flüchtlinge. Die sollen gefälligst in ihren Ländern bleiben! Wenn das so weitergeht, dann wander ich aus!“ – Am Bahnhof aufgeschnappt.

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Fabel-Haft

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© Warner Bros.

Da waren diese zwei Dörfer. In einem lebten nur Löwen, in dem anderen befanden sich nur Hyänen. Eines Tages hatten die Affen einen Plan. – Woher kommen die Affen? – Das wussten die Löwen auch nicht, aber plötzlich standen sie da und stürzten den König der Löwen. Das nutzten die Bösen unter den Löwen aus und wollten jetzt ihrerseits an die Macht gelangen. Ein Krieg entbrannte und plötzlich sahen sich auch die friedlichen Löwen unter Beschuss des ganzen Tierreiches. Die anderen Tiere wollten helfen, die bösen Löwen zu vernichten. Täglich flogen allerlei Vögel über das Löwendorf und ließen explodierende Gegenstände fallen. Natürlich nur auf die bösen Löwen. Darauf hatten sich die Tiere geeinigt. Alle anderen Löwenopfer waren unter Strafe verboten. Nur nicht für die Schimpansen und die Orang-Utans, die haben die Einigung nicht unterschrieben. Die Hyänen hielten sich im Hintergrund, statteten aber einige Adler mit Bomben aus. Viele böse Löwen sind gestorben. Da aber auch viele gute Löwen aus ihren Häusern vertrieben und ihre Familien getötet wurden, flüchteten sie aus dem Löwendorf und klopften in ihrer Verzweiflung an das große Tor der Hyänen. Einige der älteren Hyänen hatten Angst, denn sie erinnerten sich noch an die Zeit, als Löwen Hyänen gefressen haben. Aber die Hyänen-Älteste ließ die Löwen hinein. Nach und nach wurden alle Hyänen gefressen und die guten Löwen hatten endlich ein neues Dorf. Ende gut, alles gut.

– Halt, du willst damit also sagen, dass die Flüchtlinge uns früher oder später alle verdrängen werden, um Deutschland zu übernehmen?
– Was? Nein! Ich habe dir eine Geschichte von Tieren erzählt. Natürlich fressen die Löwen die Hyänen auf, das liegt in deren Natur. Wir sind Menschen. Wir helfen einander und wenn wir uns aus wirtschaftlichen Gründen an Befreiungsmaßnahmen beteiligen, dann stehen die Industrieländer alle zusammen und bieten den zivilen Opfern Schutz. Wer wären wir denn, wenn wir unsere eigenen Interessen über die anderer Menschen stellen würden. Die Zeiten sind doch längst vorbei.
– Aber was haben wir, die deutsche Zivilbevölkerung, denn mit der Geschichte in Syrien zu tun? Wir haben niemanden angegriffen und niemandem die Unterstützung zugesagt. Das war unsere Regierung. Und die USA und Russland. Und trotzdem sind es jetzt wir, die unbeteiligten Zivilisten, die die Flüchtlingskrise ausbaden müssen!
– Erzähl das mal der syrischen Zivilbevölkerung.

Darum geht es

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© Warner Bros.

Wenn man nur die Trailer von Willkommen bei den Hartmanns gesehen hat, dann könnte man meinen, dass dies eine Komödie sei, in der es um eine Familie geht, die einen Flüchtling aufnimmt und im Verlauf werden die kulturellen Unterschiede in etwa so seziert, wie bei Almanya – Willkommen in Deutschland, oder bei Maria, ihm schmeckt’s nicht. Nein.
Willkommen bei den Hartmanns ist der deutsche Versuch, die US-amerikanische, romantische Komödie Crazy, Stupid, Love mit der Flüchtlingsthematik zu vermischen. Vater Hartmann geht durch eine Late-Life-Crisis und begleitet von seinem Yuppie-Kumpel und dessen Modelbekanntschaften zieht er durch die Szene-Clubs, anstatt sich mit seiner Frau auseinanderzusetzen. Frau Hartmann streichelt lieber ihre Katze und um den Problemen des Alltags aus dem Weg zu gehen, engagiert sie sich für Flüchtlinge und modelliert den Garten um. Sohnemann Hartmann ist erfolgreicher Anwalt, aber auch alleinerziehender Vater, dessen Sohn ihm selbstverschuldet immer mehr aus den Händen gleitet. Tochter Hartmann ist Langzeitstudentin, die immer an die falschen Typen gerät. Enkel Hartmann ist zwölf, verhält sich aber wie der freundliche Pussy-Destroyer aus der Nachbarschaft. Und dann gibt es da noch den Arbeitskollegen von Vater Hartmann, Elyas M’Barek, der ebenfalls im Flüchtlingsheim aushilft, und noch keine Frau hat. Und ganz zum Schluss kommt Diallo, der Flüchtling, den die Hartmanns bei sich aufnehmen und der in den ganzen Irrungen und Wirrungen die normalste / austauschbarste Persönlichkeit des Schauspiels darstellt.

Eine deutsche Komödie über Flüchtlinge. Glaubte man nur den Youtube-Kommentaren unter den Trailern des Filmes, dann käme man auf die Idee, dass der Hauptteil der Bevölkerung die Verantwortlichen hinter der Kamera am liebsten in Guantanamo einliefern lassen möchten. Also das frühere Guantanamo. So etwas gibt es im aufgeklärten dritten Jahrtausend natürlich nicht mehr. Und wer weiß, vielleicht schwankt das Bild von der gepredigten Willkommenskultur mittlerweile tatsächlich in diese Richtung. Dann wäre dem Film – ungeachtet seiner Qualität – kein großer Erfolg zu bescheinigen. Zu linksgrünversifft, zu viel Propaganda. Aber stimmt das tatsächlich?

Darum geht es wirklich

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© Warner Bros.

Wie oben bereits angedeutet, erinnert Willkommen bei den Hartmanns gelegentlich an Crazy, Stupid, Love und dreht sich in seinem Plot mehr um eine sinnsuchende Familie, als um die Flüchtlingskultur. Das Thema wird aber immer wieder gestriffen und wenn Diallo durch seine naive Art alle Familienmitglieder wieder auf den rechten Pfad bringt – also rechts im Sinne von, na, ihr wisst schon – dann sieht man durchaus eine linksliberale Note aufblitzen. Allerdings würde der Film, ohne groß das Drehbuch umschrieben zu müssen, auch mit einem Verwandten aus Bayern funktionieren. Oder mit jedem anderen Gast mit einem konservativen Familienbild, in dem der Vater noch Patriarch ist und man ab 30 gefälligst verheiratet sein und Kinder haben muss.

Vom Humor bleibt abgesehen von den Szenen aus dem Trailer nicht mehr viel übrig. Es gibt zwar noch zwei, drei größere Lacher, aber insgesamt versteift sich der Streifen auf Alltagsbeobachtungen, die wir bereits in anderer Form aufbereitet bekommen haben. Dass man in der Disco beispielsweise kein richtiges Gespräch führen kann, das sollte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Zu loben ist dagegen, dass jeder ein bisschen sein Fett abbekommt. Die übereifrige Flüchtlingshelferin, die rassistische Nachbarin, der unbedarfte Flüchtling, der Einwanderer mit Kontakten zum IS, der stürmische Gesetzgeber und der übervorsichtige Verfassungsschutz. Nur die Insassen einer Psychiatrie werden zu humoristischen Zwecken vollends überzeichnet dargestellt. Eine Geschichte, die man ohne Probleme aus dem bereits sehr langen Schauspiel hätte streichen können.

Die Anbahnung eines Fazits

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© Warner Bros.

Alles in allem bekommt man entgegen seiner Erwartungen mal wieder eine deutsche Beziehungskomödie präsentiert, die zwar sympathisch, aber nicht überdurschnittlich lustig ist. Zudem fällt auf, dass deutsche Filmemacher Emotionen nur noch über Hintergrundmusik hervorzurufen im Stande sind. Ein Umstand, der mich erschreckenderweise trauriger macht, als alle dramatischen Szenen in Willkommen bei den Hartmanns zusammen.
Über tausend Wörter und die unnötige Liebesgeschichte habe ich noch gar nicht angesprochen. Es wird Zeit zum Ende zu kommen.


ist Willkommen bei den Hartmanns eine völlig überfrachtete Komödie, die es gerade so schafft, alle Themen unter einen Hut zu packen. Ein stringentes Ganzes mit einer interessanten Geschichte ist aus diesem Grund leider nicht herausgekommen. Man lacht gelegentlich, aber das kann man auch, wenn er irgendwann im Fernsehen kommt.
Wer den Streifen bereits vor Sichtung verunglimpft, der verkennt, dass wir es hier mit einer Beziehungskomödie zu tun haben. So kommt es dann auch, dass gerade die Momente, in denen die Protagonisten mitten im Satz Überleitungen zu Deutschland oder zur Flüchtlingsthematik einstreuen, die fremdschämigsten Szenen darstellen. Der Flüchtlingsansatz wird insgesamt unaufgeregt abgespult, aber den Hatern trotzdem zu radikal umgesetzt sein. Denn wenn man will, dann pickt man sich gewisse Szenen heraus und sieht einen Afrikaner, der eine deutsche Familie ins Glück stürzt. So wie es die USA mit Lybien machen wollten.

Alternativen

Wer eine deutsche Produktion sehen will, die sich intelligent mit der Thematik links <–> rechts auseinandersetzt, dem sei die Serie Der Tatortreiniger ans Herz gelegt, namentlich Staffel 2, Folge 3: Schottys Kampf.
Wer sich bekringeln will, wenn Selbstmordattentäter in einer schwarzen Komödie bloßgestellt werden, dem sei Four Lions nahegelegt.

Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir
 
 
 
Bewertung auf Filmportalen

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,0 / 10
168
moviepilot
6,3 / 10
56
Filmstarts-User
3,5 / 5
23
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