Im Labyrinth des Schweigens

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum deutschen Drama Im Labyrinth des Schweigens über die Vorbereitung des ersten Ausschwitzprozesses.

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Wie Deutschland wohl aussähe, wenn es den zweiten Weltkrieg gewonnen hätte?

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© Universal Pictures

Ärmere Menschen ausländischer Herkunft arbeiten ohne Bildung in Schnellimbiss-Restaurants und verdingen sich als Putzsklaven. Die Nazis haben irgendwann bemerkt, dass es günstiger ist, wenn man das vorhandene Humankapital als Arbeitskräfte einsetzt und nicht als Kaminanzünder. Die Oberschicht verkehrt in solchen Örtlichkeiten natürlich nicht. Die Mittelschicht hält es ruhig, wenn sogenannte Untermenschen nochmal eine Stufe unter ihnen stehen.
Bezahlbarer Wohnraum ist mit den Billiglöhnen in den Osten ausgewandert. Dort wo sich einst Danzig befand, steht nun das größte Industriedorf Mittelgroßdeutschlands. Nach 12 Stunden abrackern geht es in die örtliche Kneipe. Am Wochenende schaut man in den Volksempfänger, wo sich dressierte Nichtarier wie Zirkustiere für Sendungen hergeben, in denen sie bloßgestellt werden. Sonntagabend dann der Gassenfeger schlechthin: Tatort. Besonders beliebt ist der in der Neu-Eifel mit dem Eifelturm im Hintergrund.
Menschen, die es in die reichen Standorte zieht und aus ihren Bevölkerungsschichten fliehen, werden in für sie geschaffene Lager gesteckt. Natürlich nicht wie damals in Ausschwitz. Sie werden nicht getötet, das verbietet das neugeschaffene Tierschutzrecht.

§ 90b BGB Fremdrassige. Fremdrassige sind keine Tiere. Sie werden durch besondere Gesetze geschützt. Auf sie sind die für Tiere geltenden Vorschriften entsprechend anzuwenden, soweit nicht etwas anderes bestimmt ist.

Ein großer Erfolg für die Sklavenlobby. Negativ hingegen die Einführung von Mindestkost und -logis. Nicht genug, um für Aufstände gestärkt zu sein, aber ausreichend, dass es als Erfolg der unteren Arbeiterklasse gefeiert werden konnte. Überteuerte Lebensmittel werden mit diesem Mindestlohn begründet, was den Zorn der Mittelschicht auf sich zieht. Milchbauern sind aber keine Arbeitnehmer und werden verächtlich angeschaut, weil sie Schwarz(e)arbeiter zu geringsten Bezügen ins Land holen.
Bis auf wenige Ausnahmen interessiert das alles niemanden. Die meisten gehen ihrem Leben nach und sind froh, wenn sie von allem in Ruhe gelassen werden. Wer in Flüchtlingsheimen stationiert ist, handelt nach dem Motto Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Bald würden die eh wieder heimgeschickt und dann heißt es aus den Augen aus dem Sinn. Nicht aber die ganzen Auslandsgroßdeutschen, die nach dem Krieg geholfen haben, Großdeutschland wieder aufzubauen. Ein Wirtschaftswunder war das. Heute würde man am liebsten alle wieder loswerden, denn sie vermissen ihre Heimat, die es nur noch in ihrer Erinnerung gibt. Hass auf diese Leute ist allgegenwärtig. Überall Plakate, auf denen dafür geworben wird, diese Tiergleichen endlich abzuschieben. Dorthin, wo sie niemanden mehr behelligen.
Kriege sind selbstgeschaffener Natur. Man hat erkannt, dass es nichts gibt, was die Wirtschaft kräftiger belebt. Die großdeutsche Regierung, die sich aus zwei Parteien zusammensetzt, die wegen fehlender Alternativen und der neugeschaffenen 5%-Hürde immer wieder gewählt werden, führt in irgendeinem Landfleck einen Kleinkanzler ein, der die Region verwalten darf. Mit harter Hand, versteht sich. Sobald der Trubel zu groß wird, schreiten Militärtruppen ein und der Verkauf von Panzern, Flugzeugen und Waffen blüht auf. Weder Soldaten, noch Arbeiter der Rüstungsindustrie interessieren sich für die Hintergründe. Es ist schließlich ihre Arbeit. Die Welt dreht sich weiter.

Da ist es doch ein Glück, dass Deutschland den Krieg verloren hat und alles einen besseren Weg ging. So konnte man sich nach 1945 mit der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen (#Tautologie) beschäftigen und diejenigen, die in Vernichtungs- und Konzentrationslagern stationiert waren… Wie? Das ist bis in die 50er Jahre nie geschehen? Kinder und selbst Erwachsene wussten nichts von Ausschwitz-Birkenau und Treblinka? Das dunkelste Kapitel der neudeutschen Geschichte, mit dem heute jeder Schüler in mehreren Klassenstufen konfrontiert wird, wurde totgeschwiegen? Das kann ich mir nicht vorstellen. Hochrangige Nazis duften nach wie vor Staatsdiensten nachgehen und hatten nichts zu befürchten – ach komm, erzähl mir doch nichts. Ich meine, das wäre ja fast so, als ob heutige Politiker sich für Kriege einsetzen und mit ihrer Entscheidung hunderttausende Opfer zu verantworten hätten, aber den Friedensnobelpreis bekämen, bzw. zur Präsidentschaftskandidatin gemacht würden. Das kann ich mir selbst damals nicht vorstellen.

Darum geht es

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© Universal Pictures

So war es aber. Opa, erzähl mir vom Krieg wurde nicht damit beantwortet, dass er in Tränen ausbrach und davon berichtete, wie er kleine Kinder in eine Gaskammer beförderte. Stattdessen war das Land mit dem Wiederaufbau und dem Vergessen beschäftigt. Wissen kann wehtun. Erinnerungen können schmerzen. Mit dem Blick zurück kann man nicht schnell nach vorne laufen. Erst nach und nach regte sich Widerstand gegen diese Geisteshaltung und so erzählt Im Labyrinth des Schweigens vom Aufbruch, den Opfern in Millionenhöhe endlich den Platz in der Geschichte einzuräumen, den sie verdient haben. Das Drama erzählt von einem Staatsanwalt, der es sich zum Ziel gesetzt hat, verantwortliche Ausschwitz-Mitarbeiter zu finden und ihnen den Prozess wegen Mordes zu machen. Das einzige Verbrechen, das Ende der 50er, Anfang der 60er noch nicht verjährt war. Dafür muss er sein eigenes Leben hintenanstellen und sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Was erfolgsversprechend anfängt, beginnt zu bröckeln, als er aus Vergeltungssucht dem Phantom Mengele nachjagt und das eigentliche Ziel aus den Augen verliert.

Kritik

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© Universal Pictures

Im Labyrinth des Schweigens orientiert sich an wahren Begebenheiten, macht aber aus drei realen Staatsanwälten nur einen auf der Leinwand. Zudem wird nicht erwähnt, dass 1950 ein Gesetz der westlichen Alliierten es überhaupt erst ermöglichte, Kriegsverbrechen an Nichtdeutschen zu verfolgen und bereits zu diesem Zeitpunkt die ersten Verurteilungen stattfanden.
Dafür erzählt der Film eine sehr interessante Geschichte mit einfachen Mitteln. Dabei bedienen sich die Macher zwar an einigen Stellen diverser Filmklischees und die Schauspieler wirken gelegentlich hölzern, aber am Ende steht ein sehenswertes Drama rund um einen getriebenen Mann, der sich selbst zu verlieren droht. Der mit dem Wissen um all die Gräueltaten und dass er diese nie vollständig sühnen können wird, zu kämpfen hat.
Mit einer guten Kamera gefilmt und durch sein rasantes Tempo weiß dieses deutsche Drama seine Geschichte flott und unterhaltsam dem Zuschauer näher zu bringen. Man kann das Handeln der Charaktere nachvollziehen und auf große Gefühlsduselei wurde glücklicherweise verzichtet. Das Ende ist gut gewählt und die Liebesgeschichte dient dem Plot statt reinem Selbstzweck. Alles in allem wurde hier sehr viel richtig gemacht und wenn Geschichtsunterricht mit solchen Filmen unterstützt worden wäre, dann wüsste ich heute viel mehr über Deutschlands Vergangenheit.


wird Im Labyrinth des Schweigens direkt in unsere On-Demand-Empfehlungsliste aufgenommen. Obwohl man weiß (oder es sich zumindest denken kann), wie der Film ausgeht, möchte man wissen, wie die Protagonisten an diesen Punkt kommen. Zudem beleuchtet der Streifen respektvoll die verschiedensten Ansichten zum Thema Vergangenheitsbewältigung. Man sollte nur nicht erwarten, dass die Gerichtsverhandlungen gezeigt werden, dann könnte man zum Schluss enttäuscht sein. Andererseits ist es sicher ein Kompliment, dass ich nochmal zwei Stunden sitzen geblieben wäre, wenn er die Verhandlungen tatsächlich dargestellt hätte.
Für Holocaust-Leugner ist der Film eher nicht geeignet. Obwohl die das ganze vielleicht als Satire sehen könnten. Wer weiß.

Die Wahrheit kommt ans Licht
 
 
 
Bewertung auf Filmportalen

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
7,3 / 10
6.811
moviepilot
7,3 / 10
516
Filmstarts-User
3,8 / 5
45

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Sonstiger Fundus

Filmverliebt (Kritik daran, was der Film dem Zuschauer verschweigt)
Katholisches Filmwerk (.pdf mit einer detaillierten Auseinandersetzung mit dem Thema Ausschwitzprozesse)

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4 Gedanken zu “Im Labyrinth des Schweigens

  1. Gute Neuigkeiten: Geschichtsunterricht wird jetzt mit solchen Filmen unterstützt. Manchmal zumindest; ich habe ihn ironischerweise letztes Jahr in schulischem Rahmen gesehen.
    Das ist jetzt auch lang genug her, aber ich kann noch so viel aus meinem Gedächtnis herauskramen, um sagen zu können, dass ich nicht so begeistert war wie du. Womit ich auf keinen Fall die Idee des Films angreifen will, jedoch seine Umsetzung.

    Von Anfang an ist von Verhandlungen und Verurteilungen die Rede, von keinem bekommt man etwas zu sehen; das Ende schlägt einem wortwörtlich die Tür ins Gesicht. Im Laufe der Handlung verliert sowohl der Protagonist als auch der Zuschauer den Überblick über das Ziel der ganzen Sache. Die Jagd nach dem Phantom Mengele bringt die Handlung tatsächlich ins Straucheln, und als man das Ganze schon zum Scheitern verurteilt und den Abspann erwartet, nimmt der Plot nochmal Anlauf. Um, wie schon erwähnt, gegen geschlossene Türen zu rennen. Was mein eigentlich die ganze Zeit wissen will, erzählt der Abspann in knappen Sätzen nach dem abrupten Ende (zumindest soweit ich mich erinnern kann).
    Die Handlung nimmt an den falschen Stellen Fahrt auf und tritt am Fuß des Berges auf die Bremse. Ob markante historische Geschichte oder nicht, filmtechnisch hätte ich mir mehr Feinfühligkeit gewünscht.
    Die Liebesgeschichte dient zudem in meinen Augen allein dazu, Radmann ein Privatleben zuzugestehen und ihm damit mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Und um noch öfter die Bremse und das Gaspedal zu verwechseln.

    Man könnte argumentieren, dass das Filmerlebnis die Meinung
    beeinflusst, die man vom Film hat. Klassenzimmer oder Kinosaal – das macht einen Unterschied. Aber für mich war die Aussage des Films zu wichtig, als dass ich mich von meinen papierkugelwerfenden Kameraden hätte ablenken lassen. Man muss immer Opfer bringen, nicht wahr?
    -M

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  2. Moin,

    erstmal danke für deinen ausführlichen Kommentar.
    Deine inhaltlichen Kritikpunkte konnte ich bereits an anderer Stelle lesen, du stehst also nicht alleine da. U.a. ein Grund, wieso ich am Ende explizit hinzugefügt habe, dass man keine Gerichtsverhandlung erwarten darf, denn die gibt es schlichtweg nicht. Hier kann sich verständlicherweise Enttäuschung breit machen. Aber dafür gibt es genug Filme, die auch tatsächlich vor Gericht spielen (wobei es davon für meinen Geschmack nie genug geben kann), die wir bereits auf der Agenda für eine Top10-Liste haben. Zusätzlich gab es keine Marketingkampagne in diese Richtung, weswegen ich den Machern keine Vorwurf machen möchte.

    Auch die Sache mit Mengele wird gelegentlich kritisiert, da sie die Handlung tatsächlich aufzuschieben scheint. Man kann sich berechtigterweise fragen, ob den Drehbuchautoren kein besserer vierter Akt hätte einfallen können. Aber die Funktion eine retadierendes Moment in einer Geschichte mit Happy End ist nunmal die Verzögerung des Endes mit dem Mittel, dass dem Zuschauer ein schlechter Ausgang suggeriert wird. Die Drehbuchautoren halten sich demnach an Konventionen. Ich persönlich empfinde die Jagd nach Mengele zwar nicht als unbedingt notwendig, soll den Protagonisten aber die richtigen Ziele seines Weges zeigen. Zuvor handelt er aus Rache-/Gerechtigkeitsgründen, danach steht die geschichtliche Aufbereitung im Vordergrund. Und wenn man sich die zahlenmäßigen Verurteilungen der Ausschwitzprozesse anschaut, dann ist auch in der Realität nie eine großflächige Gerechtigkeit geübt worden. Darüberhinaus finde ich seine Jagd nach Mengele – und darauf spiele ich zumindest ganz kurz in der Einleitung an – vollkommen brechtigt und legitim, denn wie häufig kommen die „wahren“ Verbrecher in der Geschichte davon, während ihre Untertanen ihr Leben (im Gefängnis) lassen. EIn Film inklusive Gerichtsverhandlung, der dieses Thema ankratzt ist übrigens Im Namen der Ehre, um nur einen Film auf der irgendwann folgenden Top10-Liste vorwegzunehmen.

    Wer diese Seite hier verfolgt, der bemerkt schnell, dass ich mit dahingeklatschten Liebesgeschichten nicht viel anfangen kann. Besonders kommt dies in unserer Top10 der FIlme über Liebe heraus. Und hier dient, wie ich finde, die Liebesgeschichte an erster Stelle dazu, dem Protagonisten ein Opfer zu geben. Wenn ihm kein Privatleben gegönnt würde, dann hätte er nichts durch seine Arbeit zu verlieren. Wie soll man mit all den Gräueltaten im Hinterkopf ein geregeltes Privatleben führen können? Eine Frage, die sich Geschichtsforscher häufig bei denjenigen stellen, die diese Taten verübt haben. Die Beantwortung war damals der oben stehende Spruch Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Meiner Meinung nach schafft es der FIlm sehr gut, diesen Spagat zwischen Privat- und Berufsleben herauszuarbeiten und zu zeigen, dass einem die Wahrheit regelrecht umhauen kann. Ein weiteres Plus ist für mich, dass der Liebesgeschichte (erstmal) kein Happy End vergönnt wird. Der Protagonist hat sich zu viele Verfehlungen geleistet, ist emotional instabil geworden und interessierte sich nicht mehr für die gemeinsame Beziehung, was eine starke, unabhängige Frau sich nicht bieten lassen muss. Aber natürlich kann man auch hier anderer Meinung sein.

    Da wir beide unsere Argumente offengelegt haben, kann man jetzt hoffentlich gut nachvollziehen, warum du eine eher negative und ich eine eher positive Meinung von dem Film hast / habe.

    Grüßli

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  3. Hallöchen,

    auch dir Danke für deine Antwort! Sehr interessant, deine Meinung dazu zu hören.
    Deine Vorwarnung, die angekündigte Gerichtshandlung würde nicht auftauchen, hätte ich mir natürlich gerne zu Herzen genommen. Allerdings sollte die nicht nötig sein, da ein Film doch aus reinem Selbstzweck keine Erwartungen vorgeben sollte, die er nicht halten kann. (Außer vielleicht, es gibt eine Fortsetzung, aber das sind andere Geschichten.)

    Ich fürchte die geplante Top 10 – Liste der Gerichtsdramen. Wie werde ich von meinem Bildschirm zu lösen sein, wenn ich mich auf die Empfehlung eines versierten Filmkritikers und Experten hin an dieses Genre wage? Tragik, Tragik.
    Ach, und meinst du tatsächlich „Im Namen der Ehre“ oder vielleicht „Eine Frage der Ehre“? Wenn die Liste Filme wie den letzteren enthält, müssen die Hausaufgaben wohl warten.

    Es stimmt wohl, dass der Sinneswandel Radmanns durch die Jagd nach Mengele deutlicher zutage tritt. Dass diese Verfolgung (in real historischem Sinne) legitim war, ja sogar bedeutend und notwendig, bestreite ich nicht.
    Die Frage ist, ob das Drehbuch dieses Filmes so genau darauf hätte eingehen müssen, um diese Neufindung von Zielen deutlich zu machen (und etwas anderem dient sie nicht, da eine Aussicht auf Erfolg zu keinem Punkt ersichtlich ist).
    Die Geschichte um Mengele allerdings verhältnismäßig sachgerecht in einen Akt zu packen- man bemerke die Widersprüchlichkeit dieser Aussage – traue ich dem Film nicht zu. Hier wurde, so finde ich, ein zweifelhafter Mittelweg gefunden zwischen dem Zentralisieren und Anschneiden eines Themas, einer Lebensgeschichte, die uns noch heute Grauen bereitet. Wie du schon sagtest: Wie oft entkommen die Drahtzieher und die Belasteten, Mitläufer werden an den Pranger gestellt?

    Ich bin absolut deiner Meinung, was einseitig konstruierte Liebesgeschichten angeht und dein Standpunkt dazu ist mir nicht entgangen. Was meiner „Must Watch“ Liste übrigens nochmal eine gefährliche Länge verliehen hat.
    Wie auch immer, ich stimme dir in tatsächlich jedem Punkt zu, den du erwähnt hast. Die Entdeckungen, die Radmann macht, drehen alles um, was er je zu wissen geglaubt hat über die Geschichte seines Landes und sogar über seine eigene Familie. Es zermürbt ihn und wirft ihn völlig aus der Bahn.
    Ich denke jedoch, dass die Liebesgeschichte seinem Privatleben ganz andere Ausmaße hätte geben können, hätte sie zum Beispiel früher begonnen. Ebenso hätte eine langjährige Ehe, feste Beziehung, gute Freundschaft für mich authentischer gewirkt als die Liebe auf den ersten Blick, die einem hier mehr oder weniger präsentiert wird.
    Es wird zuvor nie ein Freundeskreis von Radmann erwähnt (soweit ich das in Erinnerung habe). Sein Sozialleben steht und fällt mit dem neuen Fall und dies wirkt auf mich, als wäre es nur eigens dafür konstruiert worden.
    Soll der Film jedoch ein realistische Handlung darstellen, möchte ich keine für den Zuschauer konzipierte Geschichte sehen, sondern ein Ausschnitt aus dem Leben des Protagonisten. (Du verstehst sicher, was ich meine.)
    Dass den beiden kein tatsächliches Happy End gegönnt wird, versöhnt mich ein wenig. Ihre Beziehung war wohl für mich authentischer als der Rahmen, in dem sie stattgefunden hat; und ihr (temporärer?) Zerfall wurde eindrücklich Schritt für Schritt dargestellt.

    Alles in allem finde ich die Aufklärung der Kriegsverbrechen, deren Aufarbeitung, die Verurteilungen rund um die Nachkriegszeit usw. ein enorm wichtiges Thema, das der Film an vielen Stellen gelungen aufgreift. Die Überleitungen und Verknüpfungen der jeweiligen Handlungsstränge haben das Filmerlebnis in meinen Augen jedoch ziemlich holprig gemacht.

    Ah, die Diskussionsfreude… Fühl dich zu keiner Antwort gezwungen 😉

    Grüßee

    Gefällt 1 Person

  4. Guten Morgen und Pardon, ich meinte natürlich Eine Frage der Ehre.
    Freu dich lieber nicht zu früh, zur Zeit fehlt mir selbige, um mich mit so einer Liste zu beschäftigen.

    Das mit der vorgegebenen Erwartung ist so eine Sache. Auch wieder eine Idee für eine Top-Liste, da es einige interessante Vertreter gibt, die mit purer Absicht eine falsche Erwartungshaltung an den Tag legen. Als Beispiel sei From Dusk till Dawn genannt. Ich persönlich hatte bei Im Labyrinth des Schweigens nicht das Gefühl, dass er eine Gerichtsverhandlung versprechen würde. Abr ich habe davor den Trailer gesehen und zusammen mit dem Titel suggeriert dieser, dass es hier fast einzig um das Wagnis geht, in dieser Zeit die Verbrechen überhaupt aufzurollen.
    Aber Erwartungshaltung ist wie das gesamte Filmerlebnis eine individuelle Geschichte und kann von mir höchstens im Vorfeld möglichst in die richtigen Bahnen gelenkt werden (sofern das bei dem jeweiligen Film nötig ist) und hier habe ich es für nötig gehalten. So gesehen hast du durchaus einen berechtigten Einwand gebracht.

    Da du meine Punkte nachvollziehen kannst und ich deine, hat sich eine Diskussion quasi erledigt 😉 Aber wir können gerne in naher Zukunft das Thema nochmal aufgreifen.

    Jetzt muss ich mich erstmal irgendwann um die heutige Kritik kümmern.
    Auch an dieser Stelle sei nochmal gesagt, dass wir ab sofort Freitags, Sonntags und Mittwochs erscheinen.

    Schöne Grüße

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