Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Harry-Potter-Spin-Off Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind.

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Was haben Harry Potter und ich gemeinsam?

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© Warner Bros. Pictures Germany

Ich habe beide entdeckt, als ich zwölf war. Der erste Kontakt mit Harry Potter war ziemlich hart, denn so ein dickes Buch hatte ich noch nie in der Hand. Dazu sah er äußerlich sehr gewöhnungsbedürftig aus mit seinen verstrubbelten Haaren und der Narbe mitten auf dem Kopf. Aber hey, die anderen Jungs in meiner Klasse haben mir empfohlen, dass ich mir Zeit mit dem kleinen Magier und seinem Zauberstab nehmen sollte. Nach den ersten Seiten spürte ich bereits eine gewisse Spannung in mir aufkochen, die auch nach vier weiteren Kapiteln nicht abebben sollte. Ich begann schneller zu lesen, denn mir machte es mehr und mehr Spaß in die verborgene Welt abzutauchen. Ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so sehr war ich in meiner neu entfachten Fantasie vertieft. Ich las hoch und runter auf der einen, hoch und runter auf der anderen Seite. Das Glücksgefühl steigerte sich bis Hermine zum ersten Mal erwähnt wurde. Dann musste ich den ersten Teil der Harry Potter Saga bei Seite legen. So feuchtfröhlich wie ich war, hatte ich gar nicht bemerkt, wie die Zeit verging. Ich wusch mir die Hände, die von der Druckerschwärze ganz eingesaut waren und legte mich ins Bett. Sekunden später konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und nahm das Buch und eine Stirntaschenlampe unter die Bettdecke, damit ich beide Hände zum Umblättern frei hatte. Morgens hatte ich ihn durch. Der erste Harry Potter Roman war genauso fertig wie ich. Völlig übermüdet radelte ich in die Schule und erzählte stolz von meinen Erlebnissen der letzten Nacht: wie Harry auf dem Besen ritt, wie Hagrid das Drachenei ausbrütete und wie Voldemort Harry am Ende nicht berühren konnte, ohne Brandblasen zu bekommen. Ich hatte so viel Spaß, dass ich bald darauf gemeinsam mit Harry Potter in die Kammer des Schreckens eindrang. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Darum geht es – was ich vor dem Film dachte

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© Warner Bros. Pictures Germany

Phanatastische Tierwesen und wo sie zu finden sind; was hätte ich mir so ein Lehrbuch in der Schule gewünscht. Da gab es nur Mathekmatik 8 und Französisch 2005. Aber genau auf diesem Buch beruht der Titel des Films. Im ersten Band Harry Potter und der Stein der Weisen steht dieser Lehrinhalt auf der Bücherliste der Erstklässler. Und nicht nur das, Autorin J.K. Rowling brachte 2001 einen realen Ableger in Buchform unter diesem Titel heraus. Es handelt sich dabei um das Lehrbuch inklusive handschriftlicher Anmerkungen von Harry, Ron und Hermine. Als fiktiver Autor wird Newt Scamander genannt. Und genau um diesen Newt Scamander dreht sich nun die Verfilmung.
Den Protagonisten verschlägt es 1926 kurz vor Fertigstellung seines titelgebenden Buches nach Amerika, wo er unter allerlei Trubel in einen drohenden Krieg zwischen Magiern und Nicht-Magiern (Muggel) gerät. Eine bekannte Person aus der Buchreihe taucht in Nordamerika ebenfalls auf: Gellert Grindelwald. Und wie Leser bereits wissen, gehörte dieser zu den mächtigsten Schwarzmagiern aller Zeiten, mit dem Ziel, ein großes Reich für Zauberer zu schaffen. Ähnlichkeiten zu Hitler wurden von J.K. Rowling weder bestätigt noch dementiert.

Darum geht es wirklich

Newt Scamander reist in die USA, um dort ein seltenes Tier zu erwerben. Durch einen Koffertausch geraten einige seiner bislang angesammelten Tierwesen in die freie Wildbahn New Yorks und stiften Chaos. Während Scamander sich auf die Suche nach seinen Schützlingen macht, bedroht eine große Gefahr die Magiergemeinschaft. Ein unheimliches Wesen droht, die No-Majes (so werden Nicht-Zauberer in den USA genannt) auf die versteckten Zauberer aufmerksam zu machen. Dies würde unweigerlich zu einem Krieg führen. Ein Krieg, den einige Zauberer „für ein größeres Wohl“ sogar anstreben.
Die erste Hälfte zeigt die Jagd nach den entflohenen Kreaturen, die zweite Hälfte zeigt den Kampf gegen das mächtige Wesen.

Lohnt der Film oder ist er nur kalkulierter Gewinn?

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© Warner Bros. Pictures Germany

Warum nicht beides?
Zuerst muss ich an dieser Stelle sagen, dass ich eine vorgefärbte Brille aufhabe und den Streifen nicht losgelöst von meinen bisherigen Erfahrungen beurteilen kann. Ich liebe die Bücher um den bebrillten Zauberlehrling, konnte aber bis auf die Teile 3, 7.1 und 7.2 wenig mit dem Leinwanduniversum anfangen. Was vor allen Dingen daran liegt, dass besonders Teil 5 und Teil 6 sich viel zu nah an einzelnen Szenen entlanghangeln, ohne ein großes Ganzes zu erzählen. Dazu bewegten sich die Verfilmungen weg von der Geschichte rund um Harry und Dumbledore und versteiften sich auf Liebesgedöhns zwischen den Internatsschülern

Mir war gar nicht bewusst, wie sehr ich das Zauberer-Universum vermisst habe, bis der Titel im Kinosaal über die Leinwand flimmerte. Gänsehaut stellte sich auf und Nostalgie umschwang mein Herz. Es erwuchsen Erinnerungen an eine kindliche Zeit, in der sich meine Eltern um alle Rechungen kümmerten und nicht der Papierkorb. Ich war voll im Geschehen und freute mich über die magische Parallelwelt, die sich mir darbot. Leider kann die Geschichte nicht ganz mit den aufgewirbelten Gefühlen mithalten. Ich gehe sogar so weit, dass der Film bis auf eine Szene und zwei Andeutungen keine erzählerische Relevanz in sich trägt. Und die sind alle nicht für ihn selbst, sondern für die vier bestätigten Nachfolger gedacht.
Allerdings wurde ich dennoch gut unterhalten und die knapp über zwei Stunden gingen wie im Besenflug vorbei. Ich war geblendet. Eine erneute Nacht mit dem Ex-Partner, die alte Gefühle aufkocht, aber genauso schnell wieder abkühlt. Und trotzdem freue ich mich bereits auf den Nachfolger. Warum? Weil J.K. Rowling nach wie vor versteht, dass bei Harry Potter nicht die Zauberei im Vordergrund steht. Mehrdimensionale Charaktere rund um Themen wie Faschismus, Rassismus und Liebe stellen das Grundgerüst dar, auf denen sich die Protagonisten bewegen und die magischen Spielereien zur Entfaltung kommen. Leider werden diese Stärken in Phantastische Tierwesen nur minimal angedeutet und die dort gezeigten Figuren bleiben blass. Durch gewisse Szenen kann man sich jedoch denken, dass die genannten Punkte in der Zukunft an Gewicht und Präsenz gewinnen werden. Fraglich ist dann nur, ob sich die Gut-gegen-Böse-Geschichte von der aus den sieben Harry-Potter-Büchern abeheben kann.

Fazit

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© Warner Bros. Pictures Germany


Wenn ich Filmwissenschaft studieren und eine Doktorarbeit über die Manipulation von Filmmusik schreiben würde, dann wäre Phantastische Tierwesen mein Anschauungsobjekt Nummer eins. Selten sind mir die Vorzüge einer musikalischen Hintergrundbemalung so stark aufgefallen. Zusammen mit den nostalgischen Momenten der Wind in den Segeln.
Der Film birgt sehr viele Kleinigkeiten, die ich negativ ansprechen könnte, aber alles in allem hat er mir gut gefallen. Ich bin erst um 17 Uhr aus dem Kinosaal gekommen, weswegen diese Gedanken noch frisch und ungefiltert sind: in der Summe kann ich nicht anders und spreche eine Empfehlung für Fans aus. Bei allen anderen bin ich mir höchst unsicher, da der erzählte Plot keine nachhaltige Relevanz bietet und sich der Film nur audionostalgisch von der Masse abheben kann.
Für den Auftakt einer Pentalogie ist er okay, aber dann hätte man das ganze Brimborium rund um die entflohenen Viecher nicht gebraucht. Für einen eigenständigen Film bietet er außerhalb des Fan-Kosmos‘ keinen Mehrwert. Durch Nostalgie und Filmmusik waren es trotzdem zwei schöne Stunden.

Es heißt Levi-OH-sa!
 
 
 
Bewertung auf Filmportalen direkt nach Kinostart

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
8,2 / 10
9.293
moviepilot
7,8 / 10
192
Filmstarts-User
3,8 / 5
42

Bewertung auf Filmportalen am 04.12.2016

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
7,8 / 10
93.416
moviepilot
7,6 / 10
1.314
Filmstarts-User
4,1 / 5
189

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Zum Abschluss eine Rezension zum Buch mit dem gleichen Titel

Buch und Bastelei

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8 Gedanken zu “Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – Filmkritik

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