Pets – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Animationsfilm Pets von den Machern von Ich, einfach unverbesserlich.

Kritik zum deutschen DVD-Start am 25. November 2016.
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Der Werther-Effekt

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© Universal Pictures

beschreibt ein Phänomen, das seinen Namen Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers verdankt. Nach Veröffentlichung des Werkes sollen sich viele junge Menschen an der Titelfigur ein Beispiel und sich das Leben genommen haben. Auch heute noch ist der gemutmaßte Werther-Effekt einer der Gründe, wieso über Suizide medial (fast) nicht berichtet wird. Die Angst vor Nachahmern, die sich in ihrer endgültigen Entscheidung bestärkt und ermutigt fühlen, sei zu groß.
Während sich Wissenschaftler bis heute über diese Annahme streiten, ist es in der Filmhistorie statistisch belegt, dass erfolgreiche Ideen kopiert werden. Bisweilen gipfelt strg+c -> strg+v darin, dass in ein und demselben Jahr zwei Filme mit einer nahezu identischen Geschichte auf den Markt geworfen werden. White House Down und Olympus Has Fallen seien als eines von unzähligen Beispielen genannt. Ganz so weit geht der neueste Animations-Spaß aus dem Hause Illumination Entertainment (die Erfinder der Minions) auf den ersten Blick nicht. Durch In einem Land vor unserer Zeit XIVIce Age 5, Mullewapp 2, Störche, Angry Birds, Sing, Findet Dorie und Zoomania könnte man zwar sagen, dass der diesjährige Markt an Animationsfilmen mit Tieren in den Hauptrollen ausreichend gesättigt ist, aber Pets klaut bei keinem von diesen Filmen die Story. Bei keinem von diesen Filmen…

Darum geht es, oder: was nutzt das Urheberrecht bei einem Kirchturm?

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© Universal Pictures

Der Film zeigt Tiere, die erst so richtig zum Leben erwachen und miteinander sprechen, sobald ihre Herrchen aus dem Haus sind. Unser Titelheld ist Max, ein Jack-Russel-Terrier, der bei seiner Menschin Katie in Manhattan lebt. Eines Tages bringt diese einen neuen Hund mit nach Hause: den Mischling Duke. Aus Eifersucht möchte Max seine neue Konkurrenz Duke loswerden. Später geraten die beiden in einen handfesten Streit, weswegen sie alleine in der Großstadt zurückbleiben. Sie geraten in ein Auto und über Umwege werden sie von dem böses Kaninchen Snowball mitgenommen.

Oder sollte ich schreiben: Der Film zeigt Spielzeuge, die zum Leben erwachen und miteinander sprechen, sobald ihre Besitzer aus dem Zimmer sind. Unser Titelheld ist Woody, ein Cowboy-Sheriff, der bei seinem Menschen Andy im Kinderzimmer lebt. Eines Tages bekommt dieser ein neues Spielzeug: den Space-Ranger Buzz Lightyear. Aus Eifersucht möchte Woody seine neue Konkurrenz Buzz loswerden. Später geraten sie in einen handfesten Streit, weswegen sie allein an einer Tankstelle zurückbleiben. Sie flüchten sich in ein Auto und über Umwege werden sie von dem bösen Nachbarsjungen Sid mitgenommen.

Danach weicht die Geschichte etwas ab, aber im Grunde hat man sich bei Pets zumindest vom Plot her sehr stark am ersten Toy Story orientiert. Kleine Liebesgeschichte: jopp. Happy-End mit der Moral, dass man auch zu zweit als Freunde miteinander leben kann: jopp. Die bösen Spielzeuge / Tiere werden gut: jopp. Autoverfolgungsjagd: jopp. Die zweite Hauptperson erkennt einen für sie traurigen Umstand, verfällt in eine Gefühlsstarre und muss von der ursprünglich eifersüchtigen Figur befreit werden: sowieso. Wem würde es schon auffallen, wenn man sich an einem 20 Jahre alten Klassiker der Computeranimation orientiert? Aber gut, eine großflächig geklaute Idee kann nichtsdestotrotz von einer guten Umsetzung leben.

Kritik

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© Universal Pictures

Wunderschön animiert. Darüber kann ich kein schlechtes Wort verlieren. Allein die Anfangskamerafahrt durch den Central Park von New Yor City zeigt, wie stark die Qualität von Computeranimationen in den letzten zwei Dekaden angestiegen ist. Aber das war es auch fast schon an positiven Erscheinungen, die mir bei der Betrachtung aufgefallen sind. Pets bietet bis auf wenige kleine Ideen – derer wir einige im lustigen Trailer sehen konnten – keinen Grund, wieso man ihn aus dem immer größer werdenden Pool an Animationsfilmen herausheben sollte. Er bietet keine versteckten Gags für Erwachsene (Ab durch die Hecke), eignet sich mehr für Kinder als für alle Altersklassen (Disney Pixar und Studio Ghibli als bekannte Alternativen), und die bewährten Slapstick-Momente haben wir zuhauf kreativer umgesetzt bewundern dürfen (Scrat aus Ice Age, die Minions). Wieso sollte man ihn sich also ansehen?
Als Erwachsener braucht man das prinzipiell nicht in Erwägung ziehen. Er geht zwar nur 80 Minuten, aber entgegen den 100 Metern bei Olympia ist eine kurze Laufzeit hier kein Qualitätsmerkmal. Für Kinder ist er natürlich ein Spaß, aber seien wir doch mal ehrlich: als Kind gefällt uns (so gut wie) jeder Streifen, den wir uns anschauen dürfen. Alles ist neu, frisch und sooo flauschig. Damals habe ich mir ernsthaft die Tex Avery Show mit dem Videorekorder aufgenommen. Heute drehe ich bereits beim einminütigen Intro der Cartoon-Serie hohl.


ist dies meine letzte Warnung. Ihr könnt euch Pets ansehen und werdet ihn wahrscheinlich durchschnittlich bis okay finden. Aber in einer Phase, in der jede Woche eine zweistellige Zahl an Filmen in die Kinos / Kaufhäuser kommt, ist er weder Geld noch Zeit wert. Zudem habe ich allein in den letzten 750 Wörtern so viele Alternativen genannt, dass ihr Pets gut und gerne von eurem Radar streichen könnt.
Betrachtet man die zahlreichen anderen Meinungen weiter unten, dann muss ich hinzufügen, dass der Film für gewisse Kinogänger durchaus seinen Charme hatte. Schaut man sich die Blogs näher an, sind es zumeist Gelegenheitskinogänger und Tierliebhaber mit einem überschwänglichen Ersteindruck. Ich bleibe hingegen bei meinem Standpunkt, dass er für mich als Kurz-, bzw. Vorfilm wesentlich besser funktioniert hätte. Nur Gags, keine große Geschichte. So wie der Trailer.
Als Schlusssatz gibt euch Captain Planet einen Tipp mit auf den Weg: Wenn ihr alleine lebt und täglich acht Stunden arbeitet, ist die richtige Anzahl an Hunden für euch die Null. Danke.

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Bewertung auf Filmportalen (Stand: 20.11.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,7 / 10
70.098
moviepilot
6,4 / 10
1.281
Filmstarts-User
3,6 / 5
188

Was schreiben andere Blogger über Pets?

batcberlin (selten so gelacht) | buecherwurmsophia (herzhaft gelacht) | Caro um die Welt (positiv) | Der Plapperblog (großartig) | Der Stigler (Gagfeuerwerk) | Filmexe (Durchschnitt) | Filmkompass (kurzweilig) | Filmtastisch (naja) | flimmerkistendialog (positiv) | friedlvongrimm (Bewertung eher positiv, Beschreibung eher negativ) | it’s just curiosiy! (sehr positiv) | Kinogucker (eher negativ) | Kölner Schaelsick (selten so gelacht) | Komm & Sieh (amüsant) | lifeofaboredgirl (Durchschnitt) | Orkig im Geschmack (in Ordnung) | Popcornfilme (nichts Besonderes) | Privatkino (eher negativ) | Rauhe Sitten (richtig gut) | ShalimasFilmwelten (lieblos, enttäuschend) | Tante Dana (süß, sehenswert) | thechaosdiaries (super genial) | Törichtes Weib (nett, spaßig, lustig) | viewlist (positiv) | Wessels-Filmkritik (positiv)

…nach oben…

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6 Gedanken zu “Pets – Filmkritik

  1. Servus, wieder mal eine sehr gut geschriebene Kritik, wenngleich ich selbst mit „Pets“ tatsächlich mehr anfangen konnte. Das mag aber auch daran liegen, dass ich selbst Dosenöffner für zwei Katzen bin und ich daher die tierischen Verhaltensweisen, die gezeigt werden, als extrem authentisch empfinde, was den Film für mich zu einem echten Vergnügen macht. Da hat jedenfalls jemand nicht nur sehr gut bei „Toy Story“ hingeguckt, sondern auch bei unseren vierbeinigen Begleitern. Die Story ist natürlich eine dünne Suppe, das ist richtig, aber die Einlagen schmecken dafür umso besser, finde ich. Ist einfach ein harmloser, netter Spaß mit hoher Gagdichte für zwischendurch. Kein Werk für die Ewigkeit, aber wenn er mal wieder läuft, sehe ich ihn mir gerne noch mal an. Eignet sich im Übrigen sehr für erste oder zweite Dates mit Haustierbesitzern.

    Gefällt 1 Person

  2. Vielen Dank.
    Ist natürlich alles eine Frage des individuellen Geschmacks. Bin zugegeben etwas überfressen von diesen Animationstieren.
    Beim Durchstöbern anderer Seiten bin ich ja recht schnell darauf gestoßen worden, dass hier durchaus Schnittfäche mit Tierbesitzern im Besonderen besteht. Aber ändert nichts daran, dass der Animations-Sektor hart umkämpft ist und ich schon besseres gesehen habe. Für Zwischendurch im TV kann man hier nichts falsch machen, das stimmt.
    Ich werden mir den Tipp merken, danke. Persönlich empfehle ich Horrorfilme als Katalysator auf Dates 😉

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