Arrival – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum Science-Fiction-Drama Arrival von Regisseur Denis Villeneuve.

Kinokritik zu meinem Film des Jahres – bis jetzt.
Einleitung über- und direkt zur Kritik springen

Nachdem die einzige Frau, für die ich jemals so etwas wie Liebe empfunden habe, und ich Schluss gemacht hatten, sagte sie diesen einen Satz, den ich nie vergessen werde: „Damit war doch jetzt die ganze Beziehung sinnlos.
Kommen wir zum lustigen Teil der Show:

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Sprachmodul initiiert, oder: Die Leiden eines jungen Kinogängers

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© Sony Pictures

Oft liest man den Spruch, dass jeder Film im Kino besser sei als zu Hause. Dem kann ich nur mit nein entgegnen. Besonders bei Horrorfilmen oder ruhigen, stimmungsvollen Dramen ist das Kino – mal abgesehen von besserer Bild- und Tontechnik – der grauenvollste Ort, an dem man sich befinden kann.
Der Film beginnt, der Zuschauer rechts von einem geht auf die Toilette. Ernsthaft? Du hast dir gerade eine halbe Stunde Werbung und Trailer reingezogen und kaum beginnt der Film, merkst du, dass du deine Blase entleeren musst? Lass dir verdammt noch mal einen Katheter legen oder kauf dir Erwachsenenwindeln, aber während dem Film geht man nicht auf die Toilette. Und wenn, dann tapp mir nicht auf meine Füße und betatsch nicht meine Schulter, wir kennen uns nicht und ich will auch niemanden kennen, der innerhalb der ersten fünf Minuten eines Kinofilms auf die Toilette muss. Du hattest 30 geschlagene Minuten Zeit, dein Geschäft zu verrichten, aber weil du nicht willst, dass dir irgendjemand was abguckt, wartest du lieber bis zum Filmbeginn und verpasst die erste emotionale Szene – okay. Aber dann verhalte dich wenigstens den restlichen Film ruhig und halt die Schnauze. Danke.
Wenige Minuten später kruschtelt er in seiner Tasche rum. Gott sei Dank, er hat doch eine Windel dabei. Nein, er kramt eine Dose hervor. Ich habe nichts gegen selbst mitgebrachte Getränke, aber warum maßt man sich an, in einem vollbesetzten Kinosaal, wenn gerade die Filmmusik aussetzt, den Verschluss einer Getränkedose mit einem ohrenbetäubenden, onomatopoetischen Zisch aufzumachen? Und wenn das alles nicht schlimm genug wäre, was sehe ich auf der Dose: Bier. Der Kerl, der vor fünf Minuten aufs Klo musste, trinkt während einem zwei-Stunden-Film tatsächlich urintreibende Hopfen-und-Malz-Säure. So muss sich Hiob im alten Testament gefühlt haben.

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© Sony Pictures

Ich halte bereits Ausschau nach einem freien Platz, als es wieder knistert. Popcorn. Meine Güte, kennt denn niemand das ungeschriebene Gesetz der Kinogänger, dass man während des Hauptfilms seine Fressluke nicht mehr als Scheunendrescher missbraucht? Diese aufgepoppten Maiskörner sind während der Vorfilme aufzusaugen. Entweder restlos, oder man wirft sie unter den Sitz als Geschenk für die Putzfirma. Wer während dem Film raschelt, dem wünsche ich, dass ihm ein Stück Mais im Halse stecken bleibt. So höre ich zwar drei Minuten Todeskampf, aber danach ist wenigstens Ruhe. Stattdessen beginnt der Typ auch noch zu schmatzen. Schön, du hast den Knigge gelesen und denkst, wenn es dir schmeckt, dann signalisierst du das, indem du Grunzgeräusche von dir gibst. Das Popcorn liegt seit drei Tagen in einem alten Plastiksack und wurde mit billigstem Industriesalz bestreuselt, so sehr kann es einfach nicht munden. Ich habe in einem Kino gearbeitet, ich weiß das. Wenn der Kerl in der Popcornküche seine Hände während der acht-Stunden-Schicht auch nur einmal wäscht, dann grenzt das entweder an ein Wunder, oder er möchte seine Gespielin vor dem Akt in der fünf-Minuten-Pause vom Speiseöl befreien. Zudem trägt er keine Hose unter der fettigen Schürze und weil er an Gicht leidet, niest er direkt durch seine gebogenen Finger hindurch in die Popcorn-Maschine. Mahlzeit. Und jetzt halte bitte endlich deine Fresse, ich will den Film in Ruhe sehen. Ist das zu viel verlangt?

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© Sony Pictures

Es ist. Was blinkt denn da in seiner Hose? Sein Handy natürlich. Erstmal Tinder checken, ob eine reinrassige Brasilianerin sich an seinem Bierranzen reiben will. Junge, du sitzt im Dunkeln neben mir, ich kann dich kaum erkennen und habe mich vor dir mehr erschreckt als vor den Aliens im Film. So gut kannst du mit Photoshop gar nicht umgehen, dass du irgendeine verzweifelte Jungfer abgreifst. Er kann. It’s a match. Wer macht schon den Ton im Kino aus. Mir reicht es. Ich drehe mich zu ihm: „Entschuldigung,..“ Weiter komme ich nicht, denn von hinten ruft bereits einer, dass ich die Klappe halten solle. Der eine Minute vor dem Tod durch erwürgen stehende Kinostörer neben mir nickt und macht pscht. Meine Hände zittern. Ich bete meine Mantras herunter. Es hilft, ich beruhige mich. Mein Nebensitzer schläft ein. Wenn ich jetzt denke, endlich könnte ich den Film genießen, dann beginnt er zu schnarchen. Ich weiß es. Oder er furzt und erschreckt sich von dem Geräusch. Beides passiert nicht. Ich bin frei, danke, danke, danke. Endlich kann ich mich voll und ganz auf den Film konzentrieren.
Die Frau vor mir steht auf und will auf die Toilette. Nichtmal zwei Stunden ohne Nachschminken, was ist los bei dir? Sie lässt ihren Lippenstift samt Diddl-Anhänger fallen. In Zeitlupe strecke ich meine Hand nach vorne, aber ich kann ihn nicht rechtzeitig erreichen. Er fällt krachend auf den Boden und der Typ neben mir erwacht. Ich schaue ihn mit dem bösesten Gesichtsausdruck an, zu dem ich in der Lage bin. Er starrt zurück und öffnet seinen Mund:
„Ey Dude, was habe ich verpasst?“

Darum geht es

Nach einem Schlag ins Gesicht und bevor wir bereitwillig die andere Wange hinhalten, begleiten wir eine Sprachwissenschaftlerin dabei, wie sie von einer Alienlandung auf der Erde erfährt. Zwölf Raumschiffe verteilen sich auf dem gesamten Planeten und sind fortan einfach nur da. Unsere Protagonistin (Amy Adams) wird zu einem der Standorte berufen und soll die Aliensprache entschlüssen, um mit ihnen kommunizieren zu können. Während sie kleine Fortschritte macht, wird sie schmerzlich mit Ereignissen aus ihrem Leben konfrontiert. Zusätzlich planen andere Nationen einen Militärschlag gegen die im Raum stehende Bedrohung. Wird sie die Sprache schnell genug dechiffrieren, um einen Krieg verhindern zu können?

Kritik

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© Sony Pictures

Zumindest könnte man auf die Idee kommen, dass es darum geht. Tut es aber nicht. Der Film wie die Kurzgeschichte Story of Your Life, auf dem Arrival basiert, stellen eine ganz andere entscheidende Frage. Die ich damit beantworte, dass ich mir den Film ein zweites Mal ansehen werde. Denn so schlimm das Rundherum im Kino auch war, hier handelt es sich um meinen – zum jetzigen Zeitpunkt – Film des Jahres.
Die Geschichte entwickelt sich spannend und ab dem Zeitpunkt, wenn es Klick macht, kann ich ohne Bedenken von Genialität sprechen. Hier lobe ich allerdings nicht die Leute hinter der Kamera sondern Ted Chiang, der die Vorlage bereits 1998 veröffentlicht hat. Wenn man das weiß, dann greift auch der Kritikpunkt, dass es in den letzten Jahren einen Film mit einem ähnlichen Wendepunkt gab, nicht mehr wirklich. Man kann nur mehr sagen, dass Arrival ein paar Jahre früher hätte erscheinen können.
Ein Negativpunkt ist die amerikanische Darstellung seiner eigenen Leute und der Russen / Chinesen als gegenüberliegenden Pol. Aber vielleicht war es genau die Absicht, zu zeigen, dass wir seit den 80ern nicht viel vorangeschritten sind. Wer weiß.
Mein letzter Kritikpunkt ist keiner mehr, wenn man weiß, woran man bei Arrival ist. Obwohl sie mit einem ähnlichen Plot beginnen, hat Arrival so gar nichts von Independence Day (2). Keine Action, keine coolen Sprüche, keine CGI-Explosionen. Wer darauf Wert legt, der darf einen weiten Bogen um dieses ruhig erzählte Sci-Fi-Drama machen.

Alles andere, also wirklich alles andere ist auf so hohem Niveau, dass ich mir nicht die Mühe mache, jedes Detail besonders hervorzuheben. Falls ihr zu jenen gehört, die keine Action brauchen, wenn Aliens auf die Erde kommen, dann schaut euch Arrival an. Wenn ihr zu jenen gehört, die eine gut erzählte Geschichte wertschätzen, dann schaut euch Arrival an. Wenn ihr Contact mochtet, dann schaut euch Arrival an. Wenn ihr gerne ins Kino geht, dann schaut euch Arrival an. Außer ihr meint, während dem Film Geräusche machen zu müssen, dann bleibt zu Hause und denkt über euer Fehlverhalten nach. Allen anderen viel Spaß im Kino. Und vielleicht lohnt es sich, diesen Artikel nochmal hervorzukramen, nachdem ihr Arrival gesehen habt.

Fazit

Ein Film genau nach meinem Geschmack: Science-Fiction, Spannung, Drama, philosophische Ansätze, über die man sich auch nach Tagen noch Gedanken machen kann und ein gut gewähltes Ende. Unbedingt im Kino anschauen! Selbst dann, wenn man weiß, dass dort schmatzende, stinkende und rülpsende Konfirmandenblasen neben einem sitzen werden, bleibt es ein cineastisches Erlebnis, für das man diesen Tod gerne stirbt.

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© Sony Pictures


Gibt es da oben intelligentes Leben? Fragte sich ein Alien, als es durch das menschliche Fernsehprogramm zappte.
 
 
 
Bewertung auf Filmportalen (Stand: 25.11.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
8,4 / 10
48.984
moviepilot
7,9 / 10
244
Filmstarts-User
3,6 / 5
22

Was schreiben Andere über den Film Arrival?

Andreas Eigenmann (gut) | A Nerd’s Quest (Meisterwerk) | bereitsgesehen (großes Kino) | Celluloid Buff (herausragend) | Cinematographic Tides (ein zärtliches Spektakel) | Das Film Feuilleton (gut?) | Der Plapperblog (Meisterwerk) | donnerknispel (okay bis gut) | epd Film (einzigartig) | Filmfutter (negativ) | filmgazette | filmisch.at (Geniestreich) | filmosophie | flightattendantlovesmovies (sehr positiv) | Heldenchaos (faszinierend) | Illegitim. (eindrucksvoll) | Kinofans (gute Unterhaltung) | kinoticket (AbsoluteBegeisterung) | Klatsch-Tratsch (ganz gut) | Kriminalakte (sehr sehenswert) | Kritiken.de (bester Film des Jahres) | Leinwandreporter (nahezu makellos) | Marion Schlosser (positiv) | Moviebreak (positiv) | Popcornguys (großartig) | Shalimas Filmwelten (sehr positiv) | Singende Lehrerin (besser als Interstellar) | Wessels-Filmkritik (überragend)

Kritik zur Kurzgeschichte Story of Your Life

…Ach, Nichts.
Buchwurm

…nach oben…

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14 Gedanken zu “Arrival – Filmkritik

  1. Oh man ich kann so mitfühlen (toll geschrieben btw 😉 …ich hatte „Arrival“ in der Sneak und außer den obligatorisch aufblitzenden Smartphones war alles sehr gesittet – aber ich hatte auch schon schlimme Erlebnisse…

    Und zur Kritik des Releasezeitraums: Ich glaube im Gegenteil der Moment hätte nicht besser gewählt sein können. Gerade heute, wo auf größere Weltgeschehnisse alle kollektiv in den Dramaqueen-Modus verfallen, ist das dargestellte umsichtige Problemlösungskonzept echt Balsam und macht hoffentlich Schule…

    Gefällt 2 Personen

    • Danke für deinen Kommentar und das Kompliment.
      Ja, Kino kann manchmal eine Tortur sein…

      Wenn man als Vergleich Beispielsweise den Film District 9 und die andauernde Flüchtlingssituation heranzieht, dann gebe ich dir vollkommen recht. Mir ging es bei der Nennung des Veröffentlichungsdatums einzig darum, dass eben vor nicht allzu langer Zeit ein Film herauskam, der einen ähnlichen Twist hat. Allerdings möchte ich darauf an dieser Stelle nicht weiter eingehen.
      Vom politischen Standpunkt aus bekommst du meine Zustimmung.

      Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank!
      Ich versuche stets ein großes Spektrum an Meinungen abzudecken, wobei die Leute wahrscheinlich eher auf diejenigen klicken, die aus der Reihe tanzen. Hier Beispielsweise die negative Review von Filmfutter.
      Und andererseits bist du so auf meinen Blog aufmerksam geworden: win-win-Situation, oder wie heißt das in der Wissenschaft?

      Gefällt mir

  2. Auf den Film freue ich mich auch schon wahnsinnig! Werde ihn mir vielleicht morgen geben, sofern mich nicht die Anflüge einer Erkältung, die gerade ins Zimmer geschossen kamen, ins Bett kleben. Und zu den Kinostörern: Nieder mit ihnen, keine Gnade!

    Gefällt 1 Person

  3. Toller Text! 🙂 Ich habe jetzt direkt Lust, nochmal in den Film zu gehen – allein, mir fehlt die Zeit! :-/

    Tut mir echt leid für dich, wenn sich das Drumherum tatsächlich so zugetragen hat. 😦 Ich hab den Film ja in der Sneak Preview gesehen und da hat tatsächlich niemand gestört. Ist auch nicht immer so, aber prinzipiell ist unser Sneak-Publikum ganz OK. Einen Schnarcher hatten wir neulich übrigens tatsächlich ein paar Plätze neben uns (bei „The Girl on the train“ in der Sneak Preview um 23:15 noch halbwegs verständlich…).

    Danke auch für die Verlinkung – und fürs Folgen! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für deinen Kommentar.

      Sagen wir mal so: die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten und wurde zu Unterhaltungszwecken etwas dramatisiert. Aber gerade bei ruhigen Filmen empfinde ich solche Störer als sehr nervig.
      Bei Girl on the Train um die Uhrzeit kann ich das auch ganz gut nachvollziehen 🙂

      Kein Grund zu Danken, guten Seiten folgt man gerne.

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  4. Gott, ich hatte auch so Diddle-Labertaschen hinter mir, die immer „Ach, was“, „Nein“ „Natürlich musst es jetzt so kommen“ gesäuselt haben. IT SUCKS!!! Wenn du Lust hast, können wir beide ja mal ein par Benimmregeln hochladen und sie ans Menü heften oder so. Ganz ernst. Zum Film: Der beste des Jahres! Absolut. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Das habe ich mir fast gedacht nach der Kritik auf deiner Seite.
      Mir ist zwar eingefallen, dass ich einen Film 2016 bislang unterhaltsamer fand und noch eiiges bis zum Jahresende nachholen muss, aber es dürfte schwer werden, Arrival aus meiner Top10 rauszukicken.

      Gefällt 1 Person

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