Ghostbusters (2016) – Extended Cut – Filmkritik

Eine Filmkritik von FilmkritikenOD zum 2016er Remake von Ghostbusters.

Kritik zum DVD-Start am 5.12.2016 | Extended Cut
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Reboots are gonna walk all over you

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© Sony Pictures

Ghostbusters 2016 ist eine Komödie. Und wie immer gilt bei Komödien: wer mit dem Humor etwas anfangen kann, der findet sie lustig und andersherum. Eine Komödie wie z.B. Top Secret! kann noch so viele (in meinen Augen) geniale Ideen bieten, aber wenn das Zwerchfell ruhig bleibt, hat der Film verloren. Hinzu kommt, dass Komödien meist keine ausgetüftelte Story bieten, an die man sich klammern könnte, wenn man nicht mit dem Humor kompatibel ist. Ghostbusters 2016 macht da keine Ausnahme. Die Story ist so vernachlässigbar, dass ich dafür keine eigene Überschrift hinschreiben werde:
Vier Menschen sehen / glauben an Gespenster und formieren die Ghostbusters, die mit technischem Schnickschnack Jagd auf Erscheinungen aus der Zwischenwelt machen. Alles mündet in einem CGI-lastigen Finale. Mehr Wörter braucht man nicht. Was bleibt demzufolge? Der Humor. Und warum der mich so gar nicht angesprochen hat, erfahrt ihr jetzt:

Der Hauptteil der Witze besteht darin, dass sich die Ghostbusters miteinander (oder anderen) unterhalten und dabei etwas sagen, das sie im Verlauf der Konversation weiterspinnen, bzw. sich in Erklärungen verlieren. Als Beispiel sei der Gag aus dem Trailer genannt, als zwei Ghostbusters gleichzeitig dasselbe sagen und danach liebevoll darüber diskutieren, wer den Vorzug bekommt. So in etwa sieht ein Großteil der Dialoge aus. Leider finde ich das nicht lustig, sondern vielmehr nervig. (Ich habe ihn in der Originalversion geschaut, keine Ahnung, wie das im Deutschen rüberkommt.)

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© Sony Pictures

Zweite Art des Witzvortrags ist die geistig behinderte Sekretärin (und ja, nicht nur dumm, ich meine geistig behindert). Augen zuhalten, wenn es zu laut wird, wie funktioniert nochmal ein Telefon?, und die Brillengläser wurden entfernt, damit diese nicht schmutzig werden. Im Endeffekt ist das eine Parodie auf die vielen anderen Sekretärinnen in so vielen Filmen zuvor, die zumeist etwas verblödet dargestellt wurden. Zusätzlich reduziert einer der Ghostbusters die Sekretärin auf körperlichen Reize, wie man das evtl. aus James Bond und Konsorten kennen könnte.
Ich finde den Ansatz interessant, aber die Umsetzung hat mich nicht angesprochen. Die genannten Witze mögen beim ersten Mal lustig sein, aber Ghostbusters 2016 zelebriert diese Running-Gags und bei der fünften Ausführung war das für mich nur noch störend. Bei der zehnten Wiederholung wäre es vielleicht wieder amüsant geworden, aber so weit geht der Film dann doch nicht. Konsequenterweise wäre die Sekretärin ständig nackt herumgelaufen und jedes Mal, wenn sie den Mund auch nur ansatzweise aufmacht, hätte es einen Szenenwechsel gegeben. So viel zu meinem Humor, kommen wir zurück zu dem von den Ghostbusters:

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© Sony Pictures

Dritte Praktik der Lachmuskelmassage sind One-Liner. Zumeist von dem linkshändigen Ghostbuster. Leider waren die für meinen Geschmack in fünf von sieben Fällen ein Griff in die Unisex-Toilette. Beispielsweise gehört das Auto der Ghostbusters einem Onkel. Als die Karre droht, in sämtliche Einzelteile zerlegt zu werden, zoomt die Kamera auf das Gesicht des Ghostbusters und man hört den Spruch: „Das wird meinem Onkel aber nicht gefallen.“ Wo bleibt der Witz?, habe ich mich nicht nur an dieser Stelle gefragt. Aber das ist halt mein Humor. Wenn ich mir die Bewertungen weiter unten so anschaue, dann gibt es durchaus Menschen, die mit den Gags etwas anfangen konnten.

Vierter Humorlieferant sind Tänze. Richtig gelesen. Die Ghostbusters fangen in sehr vielen Szenen an zu tanzen. Leider war auch das nicht mein Ding. In Hitch – der Date-Doktor wird der Tanz noch als Story-Element verwendet, wenn es darum geht, dass man sich in der Liebe nicht verstellen soll. Hier tanzen die Ghostbusters um des Tanzens willen. Fand ich unlustig. Next.

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© Sony Pictures

Nummer 5 lebt. Mit den Anspielungen auf die Ghostbusters-Filme aus den 80ern konnte ich etwas anfangen. Wobei ich hier wie auch bei Star Wars sagen muss, dass Fan-Service in Dosen schön und gut genießbar ist, aber am Ende des Tages sollte eine eigenständige Geschichte erzählt werden und die setzt sich bei diesem Remake zu Teilen aus Ghostbusters I und zu großen Teilen aus Ghostusters II zusammen. Nichtsdestotrotz haben die Anspielungen mein Nostalgie-liebendes Herz erfreut. Leider waren die Gast-Auftritte der Original-Darsteller-Riege eher unnötig, weswegen dieser Punkt am Ende neutral ausfällt.
Positiv hingegen fand ich den spannend gemacht Anfang, dessen düstere Note im Laufe des Filmes aber nur selten erneut aufblitzt. Wer weiß, villeicht hätte Ghostbusters als Gruselthriller für mich besser funktioniert. Wäre auf jeden Fall ein interessantes Konzept gewesen.

Ein letzter Punkt hat mir so richtig Gallenflüssigkeit in den Rachen getrieben: das Finale. Wie häufig haben wir in den letzten Jahren einen Blockbuster-Endkampf gesehen, in dem aus einem Hochhaus ein farbiger Strahl in den Himmel schoss und den selbigen verdunkelte? Suicide Squad und Man of Steele nur als zwei Beispiele. Wenn man schon ein Remake produziert, dann braucht man sich bei den restlichen Ideen nicht auch noch an anderen Filmen orientieren.

Fazitzen

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© Sony Pictures

Nun stehen wir am Ende der Kritik und wissen, warum mir Ghostbusters 2016 nicht gefallen hat, ich den Extended Cut mit seinen über zwei Stunden viel zu lang empfand und wieso ich ihn nicht weiterempfehle: Es ist nicht mein Humor.
Und da interessiert mich nicht, ob die Hauptrollen von Frauen, Männern, Affen oder Kühlschränken gespielt werden. Oh, wie gerne hätte ich Affen als Hauptdarsteller gesehen. Aber dann hätten sich die Tierschützer aufgeregt…
Und falls Dir eine Frage wie Herpes auf den Lippen brennt: ich kenne alle Lieder der Band Die Kranken Schwestern (1996), bin bio-logisch männlich, Ovo-Lakto-Vegetarier, politisch links eingestellt, für stärkere Frauenrollen, und das Wichtigste: bekennender Filmfan! Aus genannten Gründen nicht von Ghostbusters 2016.
Allerdings sei gesagt: wer die Trailer lustig fand, wird auch etwas mit dem Endprodukt anfangen können.

Wir sehen uns auf der anderen Seite
 
 

Mögliche Diskussionen für die Kommentare

  • Ghostbusters 2016 ist so schlecht wie Ghostbusters II!
  • Ein asiatischer Transvestit im Rollstuhl hätte dem Film gut getan!
  • Filmkritiken können nicht objektiv sein!
  • Seit wann ist Sekretärin die politisch korrekte Bezeichnung für eine männliche Sekretärin?!
  • Warum fehlt gerade das Bild der schwarzen Hauptdarstellerin?!
  • Und Chris Hemsworth ist auf gar keinem Bild zu sehen!
  • Jetzt wurde der Mann natürlich als einziges mit Namen erwähnt!

Bewertung auf Filmportalen (Stand: 01.12.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
5,4 / 10
118.369
moviepilot
5,2 / 10
984
Filmstarts-User
2,5 / 5
162

Was schreiben Andere über diesen Film?

stimmungsbild

Augen² (nicht gut, aber unterhaltsam) | bereitsgesehen (bombastischer Sommer-Spaß) | Bette Davis (erfrischend & authentisch) | Celluloid Buff (eher negativ) | Danish (monströs überbewertet) | Darkagent (eine 8/10) | Das Film Feuilleton (positiv) | Die fabelhafte Welt der Aurea (perfekter Sommerblockbuster) | Die Fünf Filmfreunde (mittelprächtig & mittel lustig) | Die Nacht der lebenden Texte (kurzweiliger Sommerspaß) | Der Albrecht (jede Menge Spaß) | Der Plapperblog (unterhaltsam & ordentlich) | Entertainment Blog (überzeugend) | Enterverse (gelungene Sommer-Komödie) | epd Film (umwerfend komisch) | Events for You (sehr lustig) | Evil Ed (nett) | Filmfutter (knapp über der Mittelmäßigkeit) | Filmschrott (zweitschlechtester Film des Jahres) | flimmerkistendialog (unterhaltsam & gelungen) | Føsakrë (überflüssig) | growing up is for losers (08/15 & mühevoll) | Horrormagazin (lustig & rasant) | Kinofans (schlecht) | Klatsch-Tratsch (witzige Unterhaltung) | Leben.Läuft. (okayer Popcorn-Film) | Moviebreak (ganz gut) | Moviegod (spannungsfrei & lustlos) | Nerdzig (nicht empfehlenswert) | Niceblog (gute Unterhaltung) | Pöni TV (durchschnittlich) | Popcornfilme (ganz okay) | Popcornguys (unnötig & belanglos) | Popkulturelle Differenzen (mäßig lustig) | Schriftweise (nicht begeistert) | Screenread (positiv) | Sebastian Koelchen (ordentliche Geisterjäger-Komödie) | Splatterfanatic (sehr gut) | viewlist (negativ) | Vorstadtmaus (guter Sommerpopcornfilm) | Wessels-Filmkritik (charmant & urkomisch)

…nach oben…

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15 Gedanken zu “Ghostbusters (2016) – Extended Cut – Filmkritik

  1. Da ich die Ghostbusters der 80er wirklich mag, habe ich mir im Vorfeld größere Sorgen gemacht, aber zumindest diese haben sich nicht bestätigt. Ich fand ihn nicht so übel, aber ich bin auch leicht zu unterhalten. Nettes kleines Popcornfilmchen.

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    • Ich finde es immer wieder Schade, dass so viele Popcornfilmchen keine großen Ansprüche mehr an sich selbst haben und zu Kopiermaschinen anderer Filme werden. Ghostbusters 2016 war zwar ein Flop an der Kinokasse (229 Mio. $ Einnahmen ggü 144 Mio. $ reines Filmbudget; Quelle: boxofficemojo.com), aber das werden die Macher in dem Fall wahrscheinlich der Feminismus-Debatte in die Schuhe schieben, anstatt die wirklichen Probleme anzugehen.

      Es ist völlig okay, den okay zu finden. Wenn man den Humor mag, dann bleibt einem auch nicht viel übrig, als ihn ganz gut zu finden, nehme ich an.

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      • Gut, die ewige Kopiererei geht mir auch auf die Nerven. Im Falle von Ghostbusters fand ich das Resultat dieses unsäglichen Vorgangs aber immerhin besser als befürchtet. (Wobei natürlich die Neuverfilmung der Ghostbusters, auch wenn ich mich soweit ganz gut unterhalten habe, weit von einem großen Wurf entfernt ist.)

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        • Ja, da hast du bei deinen Katzen bestimmt schon größere Würfe gesehen 🙂

          Hatte versucht, möglicht keine Erwartungen zu haben. Die Tatsache, dass bei IMDb die meisten Stimmen entweder 10/10 oder 0/10 gegeben haben, zeigt leider, dass vielerorts gar nicht der Film, sondern ein Politikum bewertet wurde Und das wird diesem Popcornfilm nicht gerecht.

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    • Habe das Gefühl, dass ich in den falschen Hals der Leute gebrüllt habe, aber sobald ein Text veröffentlicht wurde, kann man an der Interpretation nicht mehr viel drehen, also sei’s drum🙂

      Man könnte mutmaßen, dass der ein oder andere sich von dem (scheinbar) generellen Hass distanzieren wollte, aber wie gesagt ist das am Ende eine Humorkiste. Hätten wir beide mehr gelacht, dann sähe unsere Meinung wohl auch anders aus.

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        • Weil es mir eigenlich darum ging, zu zeigen, wie eine Filmkritik ausschaut, wenn sie versucht, sich der politischen Korrektheit anzubiedern. Weswegen ich bis auf die Sekretärin (und das aus genannten Gründen) niemals angesprochen habe, dass es sich um Frauen handelt, bzw. stets von Ghostbusters gesprochen habe. Quasi: schaut her, was dabei herausrauskommt.

          Allerdings habe ich bereits die Frage vernommen, warum ich mich dem Druck gebeugt und die Kritik so verstümmelt hätte.
          So wie man ein einziges „Bravo“ statt einer ausführlichen Kritik als Kunst oder als Faulheit interpretieren könnte 😉

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            • Jetzt müsste ich verstehen, was genau du nicht verstehst 😉

              Ich wollte absichtlich eine eher unnötige Kritik schreiben, die durch den Gebrauch von neutralen statt Genderpronomen einen seltsamen Charakter bekommt. Das ist mir nicht so gut gelungen, wie angedacht. Es gibt nun Leute, die denken, dass ich diesen Stil gewählt habe, um möglichst politisch Korrekt zu sein. Aber eigenlich wollte ich das Gegenteil erreichen. Habe aber eventuell die falschen Mittel gewählt.

              Wenn du z.B. (wie du es offenbar vorhattest) bei deiner Kritik zu Arrival nur das Wörtchen „Bravo“ schreibst, dann ist das in manchen Augen ein verwegener Griff in die Kunstkiste, aber für einen Großteil wird es vielleicht ein Zeichen deiner Faulheit sein, dass du dich nicht mit dem Film und deinen Lesern auseinandersetzen wolltest.

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