Office Christmas Party – Filmkritik

Eine Filmkritik zur US-Komödie Office Christmas Party mit Jason Bateman, Jennifer Aniston und Olivia Munn.

Vermeintliche Hüllenlosigkeit im US-Kino | Kritik zum Kinostart
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Am 5.5.2017 ist Ohne-Hose-Tag

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© Constantin Film

Gesellschaftliche Konventionen machen es immer schwerer, aus einer durch Moral, Anstand und Gesetze geprägten Rolle auszubrechen. Während man als Kind und auch im Demenzalter mit Ausreden beschenkt wird, in der Öffentlichkeit ohne Hose herumzulaufen, bleibt dem mündigen Bürger nur mehr eine Ausflucht aus der selbstgeschaffenen Misere der modernen Zivilisation: Alkohol.
Mit jedem Schluck – oder getränkten Tampon – den die Schleimhäute bereitwillig aufnehmen, schwindet die Hemmschwelle und wir werden zu dem, was wir in Wahrheit sind und tagtäglich zu unterdrücken versuchen: triebgesteuerte Tiere, die ohne Sinn und Verstand die Zeiten vor der Vernunft aufleben lassen und sich ganz und gar dem Teufelchen auf ihrer rechten Schulter zuwenden. Ganz gleich, was den Abend über passiert, am nächsten Morgen bleibt die Gewissheit, bei intakter Erinnerung eine Lachsalven erregende Geschichte präsentieren zu können. Als abwertend getarnte, neidische Blicke tut man mit einem Schulterzucken und dem Verweis auf die reichhaltige Getränkepalette ab. Nicht Gott, nein, Hugo Asbach erteilt uns Generalabsolution.

Darum geht es

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© Constantin Film

Da ist es kein Wunder, dass sich das im zwar prüden – aber mit einer Babel-hohen Doppelmoral ausgestatteten – Amerika befindliche Hollywood vermehrt dem Zauber einer Feuerzangenbowle hingibt, um die durch Keuschheitsringe eingesperrten Gefühle ohne Angst vor sozialer Ächtung zum Vorschein zu bringen. Wörter wie „Schwanz, Muschi, Sperma und weibliche Ejakulation“ werden buchstäblich in den Mund genommen und durch die Manege des Kinos getragen. Jauchzende Jubelschreie entbrennen ob der gezeigten Laster, die uns vergessen lassen, welche Masken wir uns in der gemachten Wirklichkeit vorhalten. Oder mit anderen Worten: Es wird (vor)gelebt.

Kritik

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© Constantin Film

Leider nicht in Office Christmas Party, dessen Trailer mehr verspricht, als der Hauptfilm halten kann. Von 100 Minuten haben wir ein Drittel Exposition der zahlreichen Charaktere und des gehaltlosen Plots. Ein Drittel müssen wir uns mit der Auflösung und einem zahn- wie witzlosen Happy-End aufhalten. Nur das mittlere Drittel zeigt die titelgebende Weihnachtsfeier, die aber nicht ansatzweise so ausschweifend ausfällt, wie man sich das gerne gewünscht hätte.
Ja, wir sehen einen Penis in einem 3D-Drucker. Ja, wir sehen einen Gangbang neben einem Rentier auf der Damentoilette. Und ja, wir sehen eine David-Skulptur aus Eis, aus dessen Gemächt man Eierlikör trinken kann. Doch das Weihnachtswunder bleibt aus, denn das waren auch schon die erzählenswerten Szenen im Mittelteil. Stattdessen klammert sich die US-Komödie (ein Begriff, der mehr und mehr negativ behaftet wird) an durchaus amüsante Wortwitze und an eine Geschichte um Freundschaft und Familie, die spätestens in der letzten halben Stunde abdriftet, ohne den großen Sprung zu schaffen.

Fazit

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© Constantin Film

Da ich die Trailer im Vorfeld nicht gesehen habe – was ich nur jedem anraten kann – habe ich am Anfang durchaus meinen Spaß gehabt und im Gegensatz zu Ghostbusters 2016 mehrmals gelacht. Wenn der Film auf diesem Niveau geblieben wäre, hätte ich ihn zwar auch nicht empfohlen, aber etwas anderes als den folgenden Satz geschrieben: Der Film ist genau das, was man erwarten musste minus losgelöster Party.
Netter Soundtrack und Wortwitze treffen auf die ewig gleichen Fehler jüngerer US-Komödien: Witze zu zahm, Ende zu lahm.

Alternativen: Project X, Old School & Wolf of Wall Street

Schau mal da, ein Rentier!
 
 
 

Bewertung auf Filmportalen (Stand: 9.12.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
5,7 / 10
893
moviepilot
5,4 / 10
43
Filmstarts-User
3,3 / 5
7

Was schreiben die Hateful Eight über Office Christmas Party?

cineman (uninspirierte Eskalationsparade) | filmspleen (kurzweilig ohne großes Risiko) | filmverliebt (negativ) | .kinoticket (Schulhofhumor für 14-jährige) | Kriminalakte (nur eine weitere US-Komödie) | Popcornfilme (ganz lustig) | Popkulturelle Differenzen (sehr negativ) | Wessels-Filmkritik (sehr positiv)

…nach oben…

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