Rogue One: A Star Wars Story – Filmkritik

Eine Filmkritik zum Science-Fiction-Abenteuer-Prequel Rogue One: A Star Wars Story mit der zweitschönsten Frau der Welt: Felicity Jones.

Kritik zum Kinostart | Die Vorgeschichte zu Episode IV | Mit Absicht in 2D gesehen
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Können Menschen sich verändern?

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© The Walt Disney Company

Als ich Krieg der Sterne mit 6 Jahren zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich so sein wie der haarige Wookiee Chewbacca. Gestern war ich nach langer Zeit wieder beim Frisör und rasiere mich mittlerweile an Stellen, an die Jabba the Hutt ohne fremde Hilfe nicht hinkommen würde. Als ich Das Imperium schlägt zurück zwei Jahre später im Fernseher bewundert habe, identifizierte ich mich mit Luke Skywalker und versuchte mich an der Macht, wo immer es ging. Supermarkt-Türen öffneten sich auf meinen Befehl hin, Menschen zogen in der Schwimmbad-Umkleide ihre Klamotten aus und Hunde begannen zu rennen, wenn ich mit einem Ball in der Hand so tat, als würde ich werfen. Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Ich konnte mich nicht zwischen dem so verwegen coolen Han Solo und dem auf die Helle Seite zurückgekehrten Darth Vader entscheiden. Wenn zwei sich streiten, nahm ich eben Prinzessin Leia. Dank der Macht konnte mir niemand widerstehen.
Ich bemerkte nicht, wie ich zur Dunklen Seite überglitt und meine Mächte für den reinen Spaß an der Freude und nicht für den Kampf gegen das Böse nutzte. Die Filme, die sich Star Wars I und II schimpfen, kamen ins Kino und ich habe nichts dagegen unternommen. Ich wollte sogar einen Podracer besitzen. Alleine bekam ich die Maske nicht mehr herunter. Meine Hilfeschreie wurden zwar mit Episode III teilweise erhört, aber ich nutzte meine kybernetische Hand nach wie vor für Unaussprechliches. Es dauerte gefühlte Zeitalter bis ich mit Star Wars VII erlöst wurde. Von Nostalgie, dem schnellen Abenteuer und den charismatischen Charakteren überwältigt, explodierte der Todesstern, den ich anstelle meines Herzens trug. Ich war endlich frei und tat das erste Richtige seit langem: ich bestelle nichts mehr bei Amazon! Bis die Kinofassung der ersten Trilogie auf Bluray erscheint…

Darum geht es

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© The Walt Disney Company

Rogue One: A Star Wars Story erzählt die direkte Vorgeschichte von dem heute als Star Wars Episode IV: Eine neue Hoffnung bekannten, zeitlich allerersten Teil aus dem Jahre 1977. Der Todesstern wurde gerade mit Hilfe eines imperialen Wissenschaftlers fertig gebaut und ist bereit, Planeten in Sekundenbruchteilen aus der Galaxie verschwinden zu lassen. Die einzige Hoffnung ist eine Nachricht, die der Wissenschaftler den Rebellen im Geheimen zu übermitteln versucht. Dort ist von einer dem Imperium unbekannten Schwachstelle im Inneren des Todessterns die Rede. Wie wir seit fast 40 Jahren wissen, entspricht dies der Wahrheit. Doch als es darum geht, die benötigten Baupläne von einem streng bewachten Planeten zu stehlen, verweigern die Rebellen-Anführer mangels Glauben und Hoffnung an diese Geschichte ihre Zustimmung. Einzig die Tochter des Wissenschaftlers und einige Verbündete begeben sich auf die Mission, die einem Marathonlauf im Aleppo des Jahres 2016 gleicht.

Kritik

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© The Walt Disney Company

Zumindest beginnt Rogue One – der trotz des Make-Ups von Hauptdarstellerin Felicity Jones nicht Rouge One heißt – genau ab diesem Zeitpunkt richtig Spaß zu machen. Leider befinden wir uns da bereits über eine Stunde im Film. Davor sehen wir unausgereiften und deswegen uninteressanten Charakteren dabei zu, wie sie aus letztlich unerfindlichen Gründen dem Wissenschaftler hinterherreisen. Das geschieht zwar in beeindruckend aussehenden Bildern der Landschaft und des Weltalls unterstrichen von leichten Variationen des bekannt mitreißenden Soundtracks, aber zu diesem Zeitpunkt kommt weder eine Geschichte noch so etwas wie ein Funken Spannung auf. Die Charaktere sind uns egal, machen innerhalb der Erzählung wenig Sinn und vereinzelt stören sie sogar so sehr, dass man sich über ihr Ableben freut. Bis auf einen neunmalklugen Roboter, der uns mit seinen trockenen Sprüchen direkt ans Herz wächst. Ganz im Gegensatz zu einem blinden Stockkämpfer, einem Typen mit einem Rucksack und dem zweiten Hauptdarsteller, die allesamt völlig verschenkt werden. Und das nicht nur innerhalb der in meinen Augen langweiligen ersten, sondern auch in der viel besseren zweiten Filmhälfte.

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© The Walt Disney Company

In dieser sehen wir eine Weltraumschlacht, die den Namen Star Wars im wörtlichen Sinne so richtig verdient. Dank beeindruckenden und beeindruckend übersichtlichen Bildern befinden wir uns inmitten des tobenden Kampfes der Rebellen gegen das Imperium. Und das auch in 2D. Ab da wird Rogue One zu einem Kriegsfilm, der gar keine eingeführten Charaktere mehr braucht. Actionfans kommen voll auf ihre Kosten. Zudem haben die Filmemacher plötzlich gelernt, wie man Spannung aufbaut. Da es sich um ein Prequel handelt, wissen wir zwar, wie Rogue One endet, aber durch eine geschickte Montage-Technik wird immer dann von einer Szenerie weggeschnitten, wenn wir wissen wollen, was als nächstes passiert. Das ist Filmtechnik. Wer weiß, wie meine abschließenden Worte ausgefallen wären, wenn Rogue One auch am Anfang zu begeistern wüsste. U.a. dank des Fanboy-Overkills schlechthin wahrscheinlich um einiges besser: Wir sehen den Mann, der Star Wars zu dem gemacht hat, was es heute ist und er tritt Ärsche. Aber dann verpasst das Star-Wars-Spin-Off wie The Artist das perfekte Ende um ca. 15 Sekunden.

Fazit

Es gibt Filme, da muss ich beim Abspann sitzen bleiben, weil sie in mir etwas ausgelöst haben. Rogue One gehört in seiner vollen Ambivalenz dazu, kann sich damit aber nicht nur rühmen. Die erste Filmhälfte fand ich nicht gut. Ich fand sie wirklich nicht gut. Die fehlende Charakterzeichnung könnte man noch abwinken, aber allein die schönen Bilder und ein interessant angedeuteter Gegenspieler retten die vermurkste Geschichte mit ein paar Erinnerungen an die früheren Teile leider auch nicht. Ich habe mir sogar überlegt, ob ich den Saal verlasse, weil einerseits meinem Nebensitzer der Gestank einer Dianoga umgab und ich andererseits meine Liebe zu Star Wars nicht wieder in Trümmern liegen sehen wollte.

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© The Walt Disney Company

Doch dann die 180°-Wende: Rogue One wird urplötzlich ein wilder Actionfilm, der in mehreren Szenen den Charme von Star Wars versprüht. Dass ein Roboter mehr Gefühle auslöst, als alle Menschen zusammen, ist zwar bezeichnend, aber unseren Augen wird so viel geboten, dass die Zeit wie im Hyperraum vergeht. Ich war schon drauf und dran dem Film alle bedeutungsschwangeren Fehlgeburtendialoge rund um das Thema Märtyrertum zu vergeben, doch dann kommen die letzten Sekunden, die mich wieder komplett aus dem Geschehen gerissen haben.
Star Wars VII im Vergleich hatte zwar zu viele Anspielungen und Copy-Paste-Geschichten, war aber dafür durchgehend unterhaltsam mit gut gezeichneten Charakteren und sowohl am Anfang als auch am Ende befriedigend. Rogue One: A Star Wars Story hat den Vorteil, dass man ihm als Vorgeschichte die ganzen Reminiszenzen an andere Star-Wars-Teile nicht so stark vorwerfen wird, bietet aber dafür nur eines: eine actionreiche zweite Hälfte voller Bombast & einem roten Lichtschwert.

Meine aktualisierte Rangliste:

  • Star Wars V
  • Star Wars IV
  • Star Wars VII
  • Star Wars VI
  • Star Wars III & Rogue One
  • Der Kinderfilm
  • Der Liebesfilm

Da oben leuchten die Sternenzerstörer, hier unten leuchten wir
 
 

Bewertung auf Filmportalen (Stand: 16.12.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
8,3 / 10
27.694
moviepilot
7,8 / 10
399
Filmstarts-User
3,9 / 5
65

Leute, denen der Film besser als mir gefallen hat:

Der Plapperblog (alle werden zufrieden sein) | Ereignishorizon (einer der besten Star-Wars-Filme) | Film2Go (großartig) | Going To The Movies (Begeisterung) | Hemator (vollauf gelungen) | Maggie (Pflichtprogramm) | Singende Lehrerin (für Fans ein Fest)

…nach oben…

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11 Gedanken zu “Rogue One: A Star Wars Story – Filmkritik

  1. Sehr toll geschrieben, mir gefällt deine Schreibweise mit den Wortwitzen und Vergleichen. Ich bin aber nicht ganz so negativ eingestellt wie du, was die Geschichte im ersten Teil betrifft. Finde sie zwar an einigen Stellen auch langatmig, aber in Summe fand ich sie in Ordnung. Die Vorgeschichte um Erso ist auch treffend erzählt und die Optik bläst einem echt das Kappal vom Kopf.
    Geil auch deine Liste vor allem „Kinderfilm“ und „Liebesfilm“ finde ich großartig 🙂

    Lg aus Wien

    Gefällt 1 Person

    • Vielen Dank für das nette Kompliment. Das lese ich sehr gerne, dass jemand von dieser Seite unterhalten wird und seinen Spaß an meinen Texten hat.
      Das finde ich stets das spannende an der Filmwahrnehmung, dass die Meinungen dann doch unterschiedlich sein können, obwohl wir denselben Film gesehen haben. Habe dich ja auch deswegen verlinkt, weil du eine etwas bessere Meinung von dem Film hast. So bekommen Interessenten eine größere Bandbreite geliefert.
      Was die erste Hälfte in meiner Wahrnehmung anbelangt, bleibt das Wörtchen Enttäuschung bis zu einer Zweitsichtung erstmal stehen.

      Schöne Grüße zurück nach Österreich

      Gefällt 1 Person

  2. Ähm, sind wir zufällig die gleiche Person, ohne es zu wissen? Felicity Jones IST nämlich die zweitschönste Frau der Welt (nach Scarlett Johansson) und die Reihung der Star Wars-Filme ist genau so richtig und nicht anders.

    Gefällt 1 Person

    • Den Satz könnte man auch für das Leben allgemein so stehen lassen.
      Im Filmbusiness gebe ich dir mit deiner Meinung vorschnell Recht und Verweise z.B. auf Lost oder How I Met Your Mother im Seringeschäft, die diese These ebenfalls untermauern. Das Ende ist das Letzte, was einem in Erinnerung bleibt, deswegen ist es wohl eindruckstärker als der Beginn. Spontan fallen mir High Tension und Victoria als Beispiele ein, bei denen mir der Film trotz einem fragwürdigen / langweiligeren Ende gefallen hat. Lady Vengeance könnte man noch erwähnen, wenn einem nicht gefällt, dass das Ende komplett von einer sehr bekannten Geschichte geklaut ist. Hast du Filme, bei denen du das Ende nicht magst, sie aber trotzdem gerne anschaust?

      Häufig ist es besser, wenn man keine hohen Erwartungen hat. Oder immer? Hier fällt mir momentan kein Gegenbeispiel ein.

      Gefällt mir

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