Nocturnal Animals – Filmkritik

Filmkritik Nocturnal Animals

Für dich

 

Ja, ja, ich mach ja schon. Wenn du mal wüsstest, welchen Film du dir anschauen willst, dann säßen wir längst mit Popcorn im Kinosaal. Okay, mit Nachos. Du kannst dich nie für etwas entscheiden. Wann habe ich zuletzt eine Entscheidung von dir angezweifelt? Ich habe mich für dich entschieden. Dieser Streit kommt mir so bekannt vor. Lass mich schnell noch das Review von Nocturnal Animals lesen und dann sind wir startklar. Weil ich mich nicht erst an der Kinokasse für einen Film entscheiden will und du suchst ansonsten irgendeinen Blödsinn raus. Die Auswahl ist groß und ich will den besten Film sehen, wenn wir mal einen Babysitter haben. Wo bleibt der überhaupt? Kannst du ihn bitte anrufen? Ich komme gleich nach.

Handlung

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© Universal Pictures

Amy Adams spielt Susan, die von ihrem Ex-Mann (Jake Gyllenhaal) einen ihr gewidmeten Roman zugeschickt bekommt. In diesem geht es um ein Ehepaar mitsamt Tochter, die zu dritt auf dem Highway von einer Gruppe junger Männer angehalten und terrorisiert werden.
Susan verliert sich in dem Geschriebenen und entdeckt immer mehr Parallelen zu sich selbst und ihrer ersten Ehe. Was will ihr Ex-Mann damit bezwecken oder ist es gar

Hm, eine Geschichte innerhalb der Geschichte. Das könnte gehörig schiefgehen, da man ja weiß, dass eines nur eine Geschichte ist und der andere Teil klingt jetzt nicht so spannend. Schatz, du sollst nicht so herumschreien, ich lese nur noch schnell das Fazit, dann komme ich.

Fazit

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© Universal Pictures

Der Thriller des Jahres mit Interpretationsmöglichkeiten für jene, die Spaß daran haben oder einfach nur zwei starken Geschichten für alle anderen Filmliebhaber.

Gekauft. Schatz, wir schauen uns Nocturnal Animals an. Ähm, um ein Pärchen, das mal zusammen war, der Mann seine Frau aber in den Keller sperrt, nachdem sie nicht auf ihn hört. Bald nach einer wahren Begebenheit, oder warum hast du dich schon wieder umgezogen? Du hattest doch vorhin ein anderes Kleid an. Wir gehen ins Kino, da sieht uns eh niemand. Das ist eine Romanverfilmung, Vertrau mir, seine Meinung hat mich noch nie enttäuscht. Ja, Arrival fand ich nicht so gut. Ja, The Accountant war auch nicht meines. Ja, gut jetzt. Lass uns den Film anschauen, allein „Thriller des Jahres“ genügt mir völlig. Wir haben Dezember, da ist das völlig legitim.

Schatz, lass mich doch bitte in Ruhe den Abspann sehen. Ich trockne meine Hose auf der Toilette, mach jetzt bitte keinen Stress. Den Film muss ich erstmal verdauen. Das mit dem Keller war ein Witz, sei doch froh, dass du nichts über den Film wusstest. Hatte er dieses Mal Recht mit seiner Filmkritik? Siehst du. Nach der Enttäuschung mit Girl on the Train genau das Richtige. Wenn du jetzt noch aufgehört hättest, an deinen Nägeln zu kauen, wäre alles perfekt gewesen. Ich? Was redest du da, ich saß ganz ruhig auf meinem Platz. Angst? Ich? Anspannung, okay, aber ich hatte doch keine Angst. Das war ein kurzer Krampf im Bein, kein Aufschrecken.

Kritik

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© Universal Pictures

Wow. Die Geschichte innerhalb der Geschichte ist so ziemlich das Spannendste, was ich dieses Jahr in einem Film gesehen habe. Ein Thriller nach Maß mit auftrumpfenden Schauspielern und zwielichtigen Charakteren. Das allein hätte noch nicht ausgereicht, um an einen der Genre-Könige Prisoners heranzureichen, aber durch das Verweben mit der Grundgeschichte erlangt er eine Doppelzüng- und -bödigkeit, die einen allerspätestens am Ende von den Füßen holt. Glücklicherweise ist der Schluss leicht vom Roman abgewandelt und durch einen bestimmten Satz lässt er auch meine Interpretation des Ganzen zu.
So oder so ein Gesamtkunstwerk, das mit Filmmusik in den richtigen Momenten, genau beobachtenden Kameraeinstellungen und einer tieftraurigen, wie gleichermaßen zynischen Grundeinstellung zu überzeugen weiß. Ein realistische Liebesgeschichte trifft auf eine launige Rachehandlung. Oder ist es andersherum?
Und das schreibe ich trotz der ängstlichen Person neben mir, die auf ihrem Sitz hin- und hergerutscht ist und in der Mitte des Filmes erschrocken wie eine Maus gekreischt und ihren Getränkebecher umgestoßen hat.

Häh, stand das vorhin schon hier? Spinn ich, oder war da noch jemand mit uns im Kino? Das klingt verdächtig nach meinem Krampf. Bis auf die Maus. Aber wir waren doch ganz allein. Traurig, dass den Film niemand sehen wollte. Nicht so wie letztes Mal, als du dem einen deine Lehne angeboten hast. Er saß ganz rechts, also gehört euch beiden jeweils die rechte Lehne. Das ist so. Warum glaubst du mir nie? Ernsthaft? Das Argument wieder? Ich habe dir bereits gesagt, dass mir das nur so herausgerutscht ist. Ich stand immer zu dir, als es darum ging, deinen Schriftstellertraum zu verwirklichen und es ist nicht meine Schuld, dass es nicht geklappt hat. Ich bin trotzdem bei dir geblieben – oh, kurwa. Nein, ich meinte nicht trotzdem, also ich… Schatz, bitte.

Fazit

Der Thriller des Jahres mit Interpretationsmöglichkeiten für jene, die Spaß daran haben oder einfach nur zwei starken Geschichten für alle anderen Filmliebhaber. Manchmal bekommt man etwas, indem man darüber schreibt. Ich konnte wieder ohne Diskussion den Film sehen, den ich wollte. Erfahrt selbst, was der Autor von Nocturnal Animals erreichen wollte, indem ihr ihn anseht. Es lohnt sich.

Stand der letzte Satz des Fazits vorhin schon da?
 
 

Bewertung auf Filmportalen (Stand: 23.12.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
7,9 / 10
20.765
moviepilot
7,8 / 10
143
Filmstarts-User
3,2 / 5
10

Was schreiben die Sechs von der Müllabfuhr nach dem Erfolg ihres Kultsongs?

Der Plapperblog (gute Unterhaltung) | flightattendantlovesmovies (in den Top10 des Jahres) | Komm & Sieh (sehr negativ) | Popkulturelle Differenzen (spannend & böse; Rahmenhandlung sei unnötig) | Singende Lehrerin (sehenswert trotz Schwächen) | Wessels-Filmkritik (der Regisseur will zu viel)

…nach oben…

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18 Gedanken zu “Nocturnal Animals – Filmkritik

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