Was macht einen guten Film aus?

Heutiges Thema: Was zeichnet einen guten Film aus

Nach meiner Frage, ob es objektive Filmkritiken gibt, schaue ich mir heute an, was einen guten Film auszeichnet. Es muss schließlich irgendeinen Grund geben, wieso manche Filme von so vielen Leuten gelobt werden und andere nicht. Es sei nochmal gesagt, dass es nicht den einen guten Film gibt, der allen gefällt. Erst kürzlich habe ich jemanden kennengelernt, der Sieben als einen der schlechtesten Filme aller Zeiten verurteilt. Kann man mal machen.


Inhaltsverzeichnis


A. Gut in Abgrenzung zu schlecht

Wer die Kritiken auf FilmkritikenOD regelmäßig verfolgt, der wird bemerkt haben, dass es mir leichter fällt, bei einem weniger guten Film die Schwachstellen herauszustellen, als bei einem guten Film die Gründe zu nennen, weswegen er mir gefällt.
Das liegt zuallererst daran, dass die einzelnen Bausteine eine Filmes (Schauspieler, Kamera, Drehbuch, etc.) wenn sie gefühlt sehr schlecht gemacht sind, den Film als Ganzes herunterziehen. Wenn aber eine Komponenten extrem gut gemacht ist, reicht das noch lange nicht aus, damit der Film als Ganzes gut gefällt.
Nehmen wir als Beispiel den Steven Spielberg Film Lincoln mit Daniel Day-Lewis. Die Schauspielerleistung ist famos, die Kamera nicht zu beanstanden und Spielberg weiß im Gegensatz zu mir, wie Regie funktioniert. Trotzdem fand ich den Film sterbenslangweilig und würde ihm somit keine gute Kritik geben. Ich würde natürlich die positiven Dinge aufzählen, aber wen außer Kritiker interessieren überhaupt filmische Einzelkomponenten?
Bei meinen Kritiken zu Arrival und Nocturnal Animals, die ich beide überragend fand, bin ich selbst in die Falle getappt und habe zumindest kurz angesprochen, dass sich Schauspielerei, u.a. auf einem hohem Level befinden, weil ich mir nicht anders zu helfen wusste und Gründe dafür gesucht habe, wieso ich die beiden so gut fand, wie sie waren. Wie sich spätestens zum Schluss dieses Textes herausstellen wird, hätte ich nicht beim Film sondern bei mir selbst suchen müssen.

Das Herausstellen einzelner Filmdisziplinen

Interessieren sich die Leser von Kritiken überhaupt für die einzelnen Zellen des gesamten Filmstoffes? Ich kann nur für mich selbst sprechen und ich überspringe diese Ausführungen regelmäßig und konzentriere mich auf die Kernaussage einer Kritik: hat dir der Film gefallen? Und jetzt kommen wir bereits zu einem Paradoxon. Gerne lese ich noch die Gründe für dieses Gefallen. Diese sind aber – und das kann ich nur betonen – nicht in den filmischen Kleinstteilen zu suchen. Selbst wenn der Schreiber sich damit auskennt und einen guten Schnitt von einem wilden Umher unterscheiden kann, brauche ich das für den eigenen Filmgenuss nicht zwingend. Ich kann bei Oldboy sehr wohl die fantasievolle Gestaltung der Überblenden genießen, aber das alleine macht noch keinen guten Film aus. Und wenn solche Stilmittel zu auffallend genutzt werden, dann kann sich das in meinem Fall sogar negativ auf das Filmerlebnis auswirken (Stichwort: Wes Anderson).
Wir sehen also nochmal, dass eine Filmdisziplin für sich allein den Film nicht gut macht, aber durchaus zum Gegenteil in der Lage ist.

B. Was macht einen guten Film für mich aus?

Hier spielen meiner Ansicht nach eine solche Vielzahl an Faktoren mit rein, dass es mir an dieser Stelle unmöglich erscheint, auf alle Eventualitäten näher einzugehen. Ich konzentriere mich daher auf ein paar ausgewählte (Film-)Beispiele, die ich aus meiner eigenen Erfahrung schildere. Wie an anderer Stelle geschrieben, ist der Filmgenuss an erster Stelle rein subjektiv und daher gebe ich euch zuerst einen Einblick in meine ganz eigene Sicht.

I. Originalität / Vorwissen

Gestern habe ich beispielsweise Midnight Special gesehen. Dort wollte sich ein Autofahrer bei Nacht vor seinen Verfolgern verstecken und hat dazu das Licht ausgeschalten und ein Nachtsichtgerät während der Weiterfahrt aufgesetzt. Persönlich ist diese Idee komplett neu für mich, was ich dementsprechend lobend zur Kenntnis genommen habe. Aber vielleicht kam die gleiche Szene bereits in unzähligen anderen Filmen vor, die ich gar nicht kenne? Oder in einem Videospiel, einem Roman, etc.
Je mehr Vorwissen ein Mensch angehäuft hat, desto schwieriger dürfte es sein, ihn mit etwas Neuem zu überraschen. Ein Grund, wieso ich The Zero Theorem und ARQ als unoriginell bezeichnet habe. Jemand, der weniger Filme aus den jeweiligen Genres gesehen hat, dürfte diese Ansicht nicht teilen. Wahrscheinlich der Grund, wieso ich Wolf of Wall Street besser als Goodfellas fand, da ich Erstgenannten auch zuerst in meinem Leben gesehen habe. Dabei ist der zweite chronologisch mehrere Jahre vor dem ersten erschienen und objektiv betrachtet der Originellere der beiden.
Ein sehr individuelles Thema, aber für mich nach wie vor einer der Hauptgründe, wieso mir ein Film gefällt. Andererseits muss der Film nicht zwingend originell sein, um als gut zu gelten. Wenn wir Nocturnal Animals nehmen, dann hat jemand, der den Roman gelesen hat, wahrscheinlich weniger Spaß mit dem Film als ich. Andererseits hatte ich bei Cloud Atlas das Gefühl, dass der Film durch das Wissen um das Buch besser geworden ist.

II. Gefühle anregen / Vorleben

Noch wichtiger als Originalität und die Überraschung mit etwas Ungeahntem ist für mich der Punkt, dass ein Film in der Lage sein muss, irgendein Gefühl in mir anzusprechen. Und hier schreibe ich absichtlich muss, ansonsten verliert er sich in der völligen Bedeutungslosigkeit.
Ob Trauer, Freude, Wut, Spannung, Furcht, Ekel, Nostalgie, Mitgefühl, etc. ist zwar nicht völlig egal, aber irgendetwas muss der Film in mir auslösen. Bei Liebesfilmen sollte ich mich in die Person des anderen Geschlechts verknallen und das Vorgehen des eigenen Geschlechts nachvollziehen können. Bei Komödien muss ich lachen (was eng mit dem Punkt Originalität zusammenhängt) und bei Horrorfilmen mich um die Figuren sorgen können – oder mitleiden, wenn es bereits zu spät ist.
Lässt der Film mich gänzlich kalt, dann ist mir am Ende egal, ob die Schauspieler sich die Seele aus dem Leib gespielt haben und der Kameramann über Kopf gedreht hat, um einen besseren Winkel hinzubekommen. Gefühle sind Pflicht.
Auch hier sind die menschlichen Rezeptoren unterschiedlich. Nicht jeder hat denselben Humor, weint um den sterbenden Hund, oder fürchtet sich vor Schlangen und hat Klaustrophobie. Durch filmische Mittel, wie z.B. Timing bei Komödien und Hintergrundmusik bei Tragödien kann man hier einiges in die gewollte Richtung lenken, aber wenn ich einen Gag schon kenne, dann hilft auch Til Schweigers Nuschelstimme bem Lachen nicht weiter. Es kommt stark darauf an, was man in seinem Leben bislang durchgemacht und erlebt hat. Nocturnal Animals spricht mich z.B. so besonders stark an, weil ich einerseits selbst schon eine Trennung in meinem Leben durchgemacht und mich gefragt habe, ob ich meinen Traum als Schriftsteller jemals erfüllen kann, als auch aus dem Grund, dass ich einen eigenen Roman mit einer Geschichte innerhalb der Geschichte geschrieben und daher für den Film ein eigens interpretiertes Ende im Kopf habe. Wer sich über Beziehungen und Schreiben im Allgemeinen keine Gedanken gemacht hat, der kann vielleicht mit der Erzählung rund um Amy Adams‘ Charakter nichts anfangen und sieht diesen Teil als unnötig an.
Warum ich das nicht bereits in der Kritik erwähnt habe? Wer sagt, dass ich das nicht habe?

III. Tagesform

Ein nicht zu unterschätzende Aspekt beim Filmgenuss ist die Gefühlslage, in der wir uns während des Anschauens befinden. Wenn ich müde bin, dann wirkt der Film automatisch einschläfernder auf mich. Genauso wirkt es sich negativ aus, wenn ich gestresst bin, unter Zeitdruck stehe, wütend oder vielleicht auch traurig bin. Wobei es je nach Film ganz gut ist, wenn man sich bereits in einer depressiven Stimmung befindet. Zielt der Film auf das Provozieren dieser Emotionen ab, dann muss er gar nicht mehr viel Eigenarbeit leisten. Bin ich z.B. gut gelaunt und sitze mit den richtigen Freunden im Kino, dann kann mich selbst Hangover 3 noch prächtig unterhalten.
An dieser Stelle komme ich nicht umhin, zu erwähnen, was manch Kritiker meint, wenn er von einer sachlichen Kritik spricht. Dies würde bedeuten, dass man solche Vorgefühle in sich ausschalten und den Film dessen ungeachtet völlig gefühlsnüchtern betrachten kann. Ob das wirklich geht, wage ich zu bezweifeln und für mich gehört zu einer ehrlichen Kritik das Geständnis dazu, dass man nicht ganz bei der Sache war. Oder man lässt es an diesem Tag komplett bleiben. Außerdem gehören für mich zu einer lesenswerten Kritik Gefühle dazu.
Die Tagesform ist einer der Gründe, wieso ich bei meiner Kritik zu Arrival explizit und in solcher Bandbreite von meinem Kinoerlebnis geschrieben habe. Der Film hat mir so außergewöhnlich gut gefallen, obwohl im Kinosaal Sodom und Gomorra herrschten.

IV. Erwartungshaltung

Es gibt wenige Filme, die mit der Erwartungshaltung spielen und dem Zuschauer absichtlich nicht das geben, was er nach der Beschreibung sehen wollte / zu sehen glaubte. From Dusk till Dawn, Drive und 10 Cloverfield Lane als drei Beispiele genannt, bei denen man für den vollen Filmgenuss auf keinen Fall die Trailer anschauen sollte!
Die meisten Filme hingegen zielen auf ein bestimmtes Genre ab und versuchen dem Zuschauer das zu geben, was sie im Vorfeld versprechen. Allerdings weicht dieses Versprechen durch eben erwähnte Trailer dann doch wieder häufig von dem ab, was man im Endeffekt bekommt. Oder man kennt den Vorgänger und erwartet bei Mission Impossible 2 mehr von dem, was man im ersten gesehen hat. Pech gehabt. Und selbst wenn das, was man sieht, einem unter gewöhnlichen Umständen gefallen sollte, kann eine falsche Vorstellung den ganzen Abend ruinieren. Beliebtes Beispiel sind Komödien, die in ihren Trailern alle Lachsalven abfeuern und im fertigen Film die letzte halbe Stunde Moralapostel spielen. Pech gehabt.
Man darf natürlich nicht alles von einem Film wissen, um sich etwaige Überraschungen nicht zu versauen (Stichwort: Spoilergefahr), aber die Richtung, in die es ungefähr geht, sollte man bestenfalls vorahnen können. Außer bei oben erwähnten Beispielen.

V. In den Bann ziehen

Warum schauen wir überhaupt Filme an? Mir geht es darum, fremde Welten zu erleben, in andersartige Menschen einzutauchen und durchdachte Geschichten zu erfahren. Ein guter Film lässt mich vergessen, dass es sich um einen Film handelt. Ein guter Film ist wie ein gutes Buch. Alles um mich herum verdichtet sich auf das, was meine Augen sehen und gibt mir das Gefühl, nicht mehr vor einem Bildschirm zu sitzen sondern eine anderen Person in einer nun nicht mehr fremden Welt zu sein. Wenn ein Film das schafft, dann kann ich nicht mehr darauf achten, was gut und was schlecht an ihm ist. Ich stecke mittendrin und sobald der Abspann läuft, erwache ich wie aus einem Traum und muss zunächst für eine Weile sitzenbleiben und mir Gedanken machen.
Zynisch behauptet, muss ein professioneller Filmkritiker diese Eigenschaft und damit den wahren Zauber eines Filmes verlieren können. Realistisch betrachtet gibt es nichts Schöneres zu lesen als eine Liebeserklärung an einen solchen Film. So wie ein Erwachsener sich stets das kindliche Gemüt bewahren sollte, darf man nie die Fähigkeit verlieren, von einer Geschichte in den Bann gezogen zu werden.

C. Was macht einen guten Film allgemein aus?

Ich würde zwar behaupten, dass der letzte Punkt das wichtigste Kriterium bei der Suche nach einem guten Film ist, aber wie soll man das messen, bzw. für jemanden vorhersagen? Da jeder Kinogänger seine eigene Liste an wichtigen Kriterien für einen guten Film besitzt und über sein ganz eigenes Vorwissen und Vorleben verfügt, kann ich es nach wie vor nur verneinen, dass es einen objektiv guten Film gibt. Wer Filmwissenschaft studiert, der weiß, welche Kameraeinstellung welches Gefühl hervorrufen und auf welchen Gegenstand die Schärfe ausgerichtet sein soll. Aber kein Filmemacher weiß, wer seinem Werk am Ende gegenübersitzt.
Natürlich muss auch ich gestehen, dass es so Filme wie Die Verurteilten und Die 12 Geschworenen gibt, an denen ich nichts Schlechtes finden kann und die von einer solchen Vielzahl an Menschen für gut befunden werden, dass sich ein objektives gut aufdrängt. Aber dann reicht wieder einer aus, der den Film aus welchen Gründen auch immer Scheiße fand. Filme werden für Menschen gemacht und nicht für Filmwissenschaftler und Kritiker. Und selbst wenn ein Studio wie Marvel den Bogen scheinbar raus hatte, wie man einen Film macht, der nicht aneckt und einfach nur unterhält, mussten auch die schnell merken, dass sich die Formel mit jedem neuen Film abnutzt und einer stetigen Anpassung bedarf. Was gut heißt, ist nicht nur wahnsinnig schwer zu greifen, sondern untersteht ebenso dem zeitlichen, wie dem gesellschaftlichen Wandel. Nicht zuletzt auch dem persönlichen.

D. Was heißt das für Filmkritiken?

Mit jeder dieser Ausführungen grabe ich dieser Seite ein tieferes Loch. Wozu Filmkritiken, wenn am Ende jeder seinen eigenen Geschmack hat und sich der durchschnittliche Kinogänger nicht für Ausführungen über die Machart interessiert?
Es geht darum, seine eigenen Vorlieben als Gründe für das Gefallen / Missfallen herauszustellen, die würdigen Filme dem Zuschauer schmackhaft zu machen und den Interessierten zu zeigen, was sie bei einem Film zu erwarten haben. Und wenn das alles noch unterhaltsam geschrieben ist, dann befindet ihr euch bei FilmkritikenOD. Nur, dass es dort weniger von den drei erstgenannten Punkten gibt.

 

Was macht denn für euch einen guten Film aus?

 

…nach oben…

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23 Gedanken zu “Was macht einen guten Film aus?

  1. Im Wesentlichen nennst du alle Aspekte, die auch für mich einen guten Film ausmachen. Eins meiner Lieblingsbeispiele ist in diesem Kontext „Birdman“. Die meisten „Kritiker“ loben den Film für alle möglichen Teilkomponenten, was ich zum Großteil sogar nachvollziehen kann. Nur leider fand ich den Film trotzdem stinklangweilig und war froh als er endlich vorbei war. Obwohl ich mich zu einer Interpretation des Finales durchgerungen habe, war es mir eigentlich egal was mit der Hauptfigur am Ende passiert ist.
    Ganz anders verhält es sich mit Filmen wie „Star Wars 7“ oder „Avatar“. Ja die Story und Figuren sind in der Tat ziemlich lahm (Stichwort: Innovation). Spaß gemacht haben sie mir aber trotzdem.

    Ich denke also auch, dass die Frage ob es sich um einen guten Film handelt in erster Linie auf der Gefühlsebene beantwortet werden kann. Das schließt ja nicht aus, dass sich ein Filmkenner bem Anblick der technischen und schauspielerischen Meisterleistungen eines „Bridman“ wohl fühlen und seinen Spaß hat. Auch mir hat z.B. „Mad Max Fury Road“ vor allem wegen der Inszenierung der Action gefallen. Nicht wegen der Figuren oder der Handlung. 🙂

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    • Ich fand Birdman ganz gut, obwohl die Geschichte mit der angedeuteten Durchgängigkeit nicht neu ist im Filmbusiness (z.B. Cocktail für eine Leiche). Mich hat dort aber auch die Darstellung von Theater mitgenommen. Die Interpretation des Endes habe ich bei dir gesehen, persönlich hätte ich da aber gar nichts Spektakuläres gebraucht. Birdman ist aber sicherlich ein ganz gutes Beispiel für die Verwendung eines Stilmittels. Das scheinbar ununterbrochene Filmen ist eine ganz coole Geschichte, aber es kommt letztendlich darauf an, wie es auf den einzelnen Zuschauer wirkt. Manche stört sowas und wirfst es aus dem Geschehen raus, wenn es zu offensichtlich ist. Andere zieht es (wie mich bei den Plansequenzen in Gravity) mehr in den Film, da es wirklichkeitsnaher ist.
      Vielleicht ist Boyhood ein noch besseres Beispiel. Manche loben den langen Filmzeitraum von 11 Jahren, für andere ist das das einzige herauszustellende Merkmal. Ich wiederum hatte am Ende des Filmes das Gefühl ein gesamtes Leben miterlebt zu haben (vgl. mit dem Lesen eines längeren Buches). Und has hatte ich zuvor noch nie bei einem Film gespürt. Schon interessant wie ein un derselbe Film in verschiedenen Menschen etwas unterschiedliches auslösen kann.

      Also bei den Figuren von Episode VII kann ich dir jetzt nicht zustimmen. Ich fand sowohl Kylo und Rey, als auch Finn interessante und vor allen Dingen charismatische Charaktere, die nicht nur eindimensional durch eine durch die Story geprägte Welt rennen. Daher bin ich auch sehr gespannt auf deren weitere Entwicklung. Bei der Originialität der Geschichte gebe ich dir hingegen vollkommen Recht. Aber auch das hält mich nicht davon ab dass ich ihn (in Gegensatz zu Rogue One) echt klasse finde.

      Ich glaube, das ist bei Mad Max auch der ausschlaggebende Punkt.
      Ich Frage mich halt, ob es dann überhaupt noch einen Sinn macht, in einer Filmkritk für die Allgemeinheit solche Kriteiren explizit herauszustellen und nicht lieber auf Gefühlsebene zu argumentieren: was der Film in einem ausgelöst hat. Letztlich entwickelt sich das professionelle Kritikengeschäft (FAZ, Zeit, etc.) immer mehr in eine Zwei-Klasse-Gesellschaft. Entweder ein Film wird mit möglichst blumeranten Worten in den Boden gestampft, oder er wird durch seine gelobten Kleinstteile jauchzend in den Himmel befördert. Im ersten Fall schreckt er einen Besucher natürlich völlig ab (obwohl er mit seiner jetzt niederen Erwartungshaltung vll. sogar Spaß haben könnte – den hatte ich z.B. mit dem Extended Cut von Batman v Superman); im zweiten Fall weiß er zwar aus filmtheoretischer Sicht, warum der Film besser gemacht ist als vergleichbare Streifen, aber ob er ihm deswegen gefällt, ist längst nicht gesagt.

      Oder wie siehst du das?

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      • [Nachtrag: Mit den Figuren habe ich mich eher auf Avatar bezogen. Das war missverständlich ausgedrückt 🙂 )

        „Ich Frage mich halt, ob es dann überhaupt noch einen Sinn macht, in einer Filmkritk für die Allgemeinheit solche Kriteiren explizit herauszustellen und nicht lieber auf Gefühlsebene zu argumentieren: “

        Wie fast immer lautet die Antwort mal wieder: teilweise.
        Also zunächst ein mal lese ICH schon lange keine „objektiven“ Filmkritiken und -besprechungen in Zeitungen mehr. Ganz einfach weil ich damit in den allen meisten Fällen nichts anfangen kann. Filme, die gelobt werden finde ich zu oft langweilig und Filme die zerrissen werden, gefallen mir dann überraschenderweise doch ganz gut.

        Stattdessen lese ich viel lieber Beiträge von Leuten, bei denen ich das Gefühl habe, dass sie ähnlich ticken wie ich selbst. Wenn Blogger X den Film Y mag, weil Kriterium Z bei ihm bestimmte Gefühle hervorgerufen hat, dann ist es zumindest nicht unwahrscheinlich, dass er mir auch gefallen könnte. Insofern sind Gefühle natürlich wichtig und aussagekräftig. Allerdings hilft das auch nur, wenn man als Leser (zumindest ungefähr) weiß, ob man auf das Gesehene wahscheinlich genauso reagieren könnte wie der Autor. Dazu sind dann konkrete Kriterien doch wieder wichtig. Und natürlich hilft es auch den Autor (oder besser dessen Vorlieben) ein bisschen zu kennen 😉

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        • Jo, das deckt sich in etwa mit meiner Aussage zu objektiven Kritiken, dass es lieber eine breite Palette an möglichst subjektiv aber begründete Kritiken gibt, aus denen sich der mündige Leser dann den für ihn passenden Rezensenten aussuchen kann.
          Es gibt zwar keinen 100% überschneidenden Filmgeschmack, aber wenn man nachvollziehen kann, warum Person A Film X gut fand, obwohl er dem ähnlich gelagerten Film Y nichts abgewinnen konnte, dann ist dem Leser schon viel geholfen. Anhand nur einer Kritik kann man das natürlich nicht erreichen. Außer man kennt die Person aus dem Freundeskreis, woher ich früher hauptsächlich Filmtipps gezogen habe.

          Momentan kann ich die Frage, wie die optimale Filmkritik für mich selbst ausschaut, noch nicht beantworten. Ich bleibe weiterhin auf der Suche und probiere selbst aus.

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          • Ja, das stimmt. Deiner Aussage zu den objektiven Kritiken stimme ich ja auch zu. 😉
            Wir können ja im kommenden Jahr versuchen eine Art Raster für unsere Kritiken zu erstellen, die versucht „objektive“ Kritierien mit subjektiven Empfindungen zu verknüpfen. Ich selbst bin da auch noch am rumprobieren und experimentieren. Ich denke aber schon, dass die (wenigen) Leute, die meine Texte regelmäßig lesen, mittlerweile wissen ob meine Kritik/Bewertung ihnen hilft oder nicht. Im Zweifelsfall kommt es dann eben zu Diskussionen, was meiner Meinung nach aber viel zu selten passiert.

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            • Ja, Diskussionen auf einem ansprechenden Niveau sind ein seltenes Gut geworden. Könnte daran liegen, dass es mittlerweile mehr zu einem „Ich drück dir meine Meinung auf“ geworden ist, man entweder nicht anecken wil oder viel zu schnell für seine politische inkorrekte Wortwahl gerügt wird.
              Schaut man sich die „Diskussionen“ bei Youtube an, kann man vielleicht froh sein, wenn sich in der Film-Blogosphäre so etwas nicht ergibt.
              Mehr Austausch wäre generell sehr schön, aber oftmals fehlt dann auch die Zeit oder die Muße. Besonders wenn man selbst schreibt und noch ein zeitfressendes Zweitleben genießt.

              Das klingt nach einem schönen Projekt, dass ich aber bis zum Bestehen meiner mündlichen Prüfung eh nur vor mir herscheiben würde. Aber ich behalte das mal im Hinterkopf, da ich stets auf der Suche nach einer optimalen Kritik bin, sofern es das gibt.
              Wäre jedenfalls eine schöne Sache in der Richtung etwas von dir zu lesen, wenn du dir da bereits Gedanken zu gemacht hast. (Und würde dann ganz im Sinne einer Diskussion über die Kommentare mit zu beitragen)

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  2. Ich habe gerade nach meinem Punkt gesucht und ihn tatsächlich nicht ganz gefunden. Für mich ist ein Film „gut“, wenn er mir Wissen vermittelt, welcher Art auch immer, sei es emotional oder aufklärerisch, und ich daraus etwas (für mich) ableiten, etwas lernen kann. Dabei geht es nicht um neuen Input, sondern um Kernprobleme, die jemand komplett anders denkt. Arrival muss hier wieder als bestes Beispiel herhalten. An der Geschichte ist nichts neu, aber wer hat sich nicht darüber gewundert, dass es hier nicht um Angriffe auf Außerirdischen geht? Ach was? Man kann auch mit denen reden? Sowohl Buchvorlage, als auch Film punkten damit, aus einer altbekannten Gewohnheit mit dem denkbar einfachsten Mitteln, etwas Neues und Nachwirkendes zu erschaffen. Und man kann noch etwas für sich rausziehen, was man vorher vielleicht gar nicht so gesehen hat. Wie wundervoll Sprache ist. Welche Tücken die Kommunikation in der Übersetzung birgt. Wie selbstbestimmt der Mensch ist, usw.

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    • Frage mich gerade, was meinen Spam-Filter dazu bewegt hat, deinen Kommentar wegzuschließen.
      Also häufig gebe ich dir damit Recht, aber so Sachen wie Liebe oder Schindlers Liste möchte ich so schnell kein zweites Mal sehen, obwohl mir beide sehr gut gefallen haben. Oder so 4-Stunden-Epen wie Es war einmal in Amerika, da schaue ich dann doch lieber zwei neue Filme an, als den ein weiteres Mal.

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        • Das hat sich durchaus auf einen längeren bis kompletten Lebenszeitraum bezogen. Für meinen Teil muss ich Schindlers Liste nie wieder sehen, oder Liebe, oder auch Fruitvale Station z.B., da sie einen auf ihre Art und Weise runterziehen. Da mache ich lieber sowas wie Top Secret, Deadpool oder Die Glücksritter an, die mir ein locker flockiges Gefühl in allen Körperregionen geben. Immer wenn im TV Der Prinz aus Zamunda kommt, und ich zufälig vorbeizappe, dann bleibe ich dort hängen. Bei Schindlers Liste schalte ich lieber weiter, da mich der Film vom Gefühl her runterzieht. Ab und an braucht man einen solchen Film, aber dann nicht den gleichen nochmal, sondern lieber ein neues Erlebnis.

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