Vier gegen die Bank – Filmkritik

Eine Filmkritik zur deutschen Komödie Vier gegen die Bank mit Michael Herbig, Jan Josef Liefers, Til Schweiger und Matthias Schweighöfer.

Kritik zum Kinostart am 25.12.2016 | Bankräuber-Remake
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Einleitung

Wenn ich mal wieder Manspreading-mäßig auf meinem Schreibtischstuhl sitze, flanieren meine Gedanken durch die wunderbare Welt meines Unterbewusstseins. Heute möchte ich euch zu einem dieser assoziativen Gehirnsprünge einladen. Zieht eure Schuhe aus und folgt mir auf dem Teppich aus verwobenen Neuronen. Souvenirs gibt es am Ausgang.

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© Warner Bros.

Wenn Film Kunst ist, dann müsste er dem Renommee unterstehen. Oftmals ist der Name eines Malers, Bildhauers oder Jongleurs größer als das, was er mittlerweile leistet. Wie ist es anders zu erklären, dass eine blaue Leinwand mit weißem Strich von Barnett Newman für mehrere Millionen Dollar ihren Besitzer wechselte? Manche Menschen haben zu viel Geld und wissen nicht, was damit anfangen. Der Kaufpreis eines angebissenen Apfels auf einem Elektronikprodukt übersteigt die Herstellungskosten um ein Vielfaches. Auch beim Film ist das Material nicht der wertige Teil. Es dreht sich alles darum, was sich darauf befindet. Und wenn das Konterfei von Til Schweiger, Jan Josef Liefers, Matthias Schweighöfer und Michael Herbig zum Inhalt gehört, dann vermarktet sich das Endprodukt von alleine. Auf dem Poster rechts kann man den Filmtitel kaum mehr erkennen. Es dreht sich alles um Namen und das zuvor Geleistete. An irgendetwas muss man sich als Konsument orientieren. Und wenn bei fünf Filmkritiken vier verschiedene Meinungen und eine Nacherzählung herauskommen, dann kann ich es Niemandem verdenken. Ganz im Gegensatz zu der blauen Leinwand. Die wird zwar mehr wert, wenn eine Unterschrift von Newman das Werk veredelt, aber es bleibt eine blaue Leinwand. Sagte ich im Gegensatz? Es können noch so viele bekannte Schauspieler mitspielen und dafür sorgen, dass der Kinosaal gefüllt wird, aber schlussendlich wird auch hier die Leinwand irgendwann schwarz. Und dann steht die Frage im Raum: worauf wollte ich hinaus? Achja, die Einleitung sollte darauf hinauslaufen, dass derselbe Film als Abschluss einer Tetralogie von Fatih Akin und dem Namen Vier gegen die Wand automatisch komplett anders wahrgenommen würde.
„Das lassen wir jetzt einfach drin, das Ende ist eh wichtiger als der Anfang.“

Handlung

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© Warner Bros.

Wolfgang Petersen wollte im Remake seines eigenen Filmes Vier gegen die Bank aus dem Jahre 1976 vor allen Dingen auf eines hinaus: eine amüsante Komödie drehen. Trotz der Thematik, dass drei Männern ihr Erspartes durch fragwürdige Banktransaktionen verloren geht, handelt es sich weniger um eine Abrechnung mit dem ruchlosen Finanzwesen, als um Spaß beim Filmdreh und Spaß beim Anschauen.
Nachdem die Rache der drei Geprellten zunächst verpufft, entschließen sie zusammen mit einem ehemaligen Bankangestellten, das Finanzinstitut um zwei Millionen Euro zu erleichtern. Nach circa 25 Minuten geht es (fast) nur noch um die Aufstellung eines Planes und dessen Realisierung. Wie die Komödie so will, läuft dabei einiges schief und die vier Hauptdarsteller können sich nach Herzenslust miteinander kabbeln.

Kritik

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© Warner Bros.

Nach Rogue One und Girl on the Train der dritte Film der letzten Monate, der dank eines schleppenden Beginns ermattet. Glücklicherweise dauert es bei Vier gegen die Bank keine halbe Stunde, bis man sich von mauen Gags über Masturbation am Arbeitsplatz löst und die vier Darsteller in ihren mal mehr, mal minder skurrilen Rollen einfach machen lässt. Besonders auffällig ist dabei, dass Michael Herbig (Bullyparade) den Oscar für die beste Darstellung in Vier gegen die Bank am meisten verdient hätte.
Danach ist es zwar kein ausgezeichneter Film, aber er macht Spaß und bietet ein paar lustige Einfälle, bei denen man sich beim Lachen erwischt. Wer den vielverratenden Trailer nicht gesehen hat, umso häufiger. Es geht nicht um die Geschichte, er bietet keine Charakterentwicklung, Spannung kommt nur in Nuancen auf, aber der Film ruft Emotionen hervor: Humor. Weniger durch gut durchdachte Witze, als über die Interaktion der Figuren miteinander.

Fazit

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© Warner Bros.

Ich habe gelacht und mich nach dem schwachen Beginn mit aufgewärmten und zu stark erklärten Späßen gut unterhalten gefühlt. Vier gegen die Bank ist ganz sicher kein Film fürs Kino, aber an einem Sonntagabend daheim auf dem Sofa kann ich ihn vollauf empfehlen. Mir hat er besser gefallen als alles von Schweiger nach Keinohrhasen und alles von Schweighöfer. Regisseur Petersen verzichtet auf das Unding, dass Szenen mit so lauter Musik hinterlegt werden, dass es sich um ein Musikvideo handeln könnte und auch Kitsch sucht man vergebens. Er hat mir ebenfalls besser gefallen als die ganzen um Skandal-, Sex – und Scheißgeschichten bemühten US-Komödien in letzter Zeit, die am Ende mit einer calvinistischen Moral für ein laues Lüftchen durch gelangweiltes Gähnen sorgen.
Wer zwingend eine Komödie sehen will, den halte ich nicht vom Kinogang ab, alle anderen warten besser geduldig, bis er bei den bekannten Video-on-Demand-Diensten erscheinen wird.

Alternativen: 12 Winter (mehrere Banküberfälle in einem) und Knockin‘ on Heaven’s Door (einer meiner deutschen Lieblingsfilme)
 
Sie wollen eine Weltkugel in der Form meines Kopfes? Hinten anstellen.
 
 

Bewertung auf Filmportalen (Stand: 30.12.2016)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
5,4 / 10
112
moviepilot
6,3 / 10
40
Filmstarts-User
3,0 / 5
8

…nach oben…

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