Assassin’s Creed – Filmkritik

Eine Filmkritik zur Videospiel-Adaption Assassin’s Creed mit Michael Fassbender und Marion Cotillard.

„Mami, Mami! Papi hat mir gerade nur lobend auf die Schulter geklopft!“
– „Ist schon wieder Gegenteiltag?“

Kritik zum Kinostart am 27.12.2016
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Assassin’s Creed. Es gibt jene, denen diese Begrifflichkeit etwas sagt und dann gibt es das Leben der Anderen. Die einen kennen es als Videospiel, der Rest wirft Yahoo Translate an, um die Übersetzung „Überzeugung eines Attentäters“ angezeigt zu bekommen. Wie kann man denn überzeugt werden? Ist das ein anderer Begriff für Spätgeburt? Nein, und translate ist auch niemand, der im Alter sein Geschlecht wechselt. Wir haben es hier mit einem Action-Adventure zu tun, das sich mit dem „Kredo der Assassinen“ beschäftigt. Und die heutige Kritik steht ganz im Zeichen dieses Glaubensbekenntnisses:

Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt.

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© Twentieth Century Fox

Assassin’s Creed war schon immer und ist nach wie vor ein Videospiel, das sich besonders – wenn nicht nur – durch seine durchdachte Geschichte auszeichnet. Spielerisch fesselnde Momente sucht man vergebens, was die Reihe prädestiniert für eine Verfilmung. Man kommt gar nicht in den Konflikt, ob man nur die Kernelemente des Spieles nimmt und eine eigene Story herumwebt, oder sich an dem vom Spiel gegebenen, unsinnigen Plot anderer Beispiele orientiert. Hier lag die Lösung auf einem selbst für Vampire genießbaren Silbertablett. Jedoch sind die Geschehnisse aus den Spielen so mannigfaltig, dass es mir an dieser Stelle unvorstellbar schwer fällt, sie in zwei Schreibmaschinenzügen zusammenzufassen. Nur so viel zum Film:
Assassinen kämpfen seit jeher gegen Templer. In der heutigen Zeit gibt es eine Möglichkeit, in die virtuelle Realität der Vergangenheit seiner Vorfahren zu reisen. Dies nutzt das Unternehmen Abstergo aus, um an den geheimnisvollen Edenapfel zu gelangen, der den freien Willen der Menschheit manipulieren kann. [kat’sching; ratsch]
Einer dieser Gefangenen mit Assassinen-DNA ist die von Michael Fassbender gespielte, ach was, gelebte Figur. Jetzt hat er die Wahl, ob er den Templern hilft, an den Apfel zu gelangen, um in die Freiheit entlassen zu werden (und dort in seinem freien Willen gebeugt zu werden), oder für das größere Wohl stirbt. [kat’sching; ratsch]

Kritiklos

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© Twentieth Century Fox

Der Film besteht zum Glück fast nie aus den bereits im Spiel interessanteren und spielerisch überzeugenderen Sequenzen in der Jetzt-Zeit sondern konzentriert sich voll und ganz auf die Geschehnisse im 15. Jahrhundert. Dort sieht man klare und fesselnde Kämpfe, die ohne einen einzigen Schnitt auskommen und so übersichtlich daherkommen, wie man es zuletzt bei Jason Bourne beobachten konnte. Man merkt direkt, dass es hier nicht ums schnelle Geld ging, sondern leibhaftige Kampfkünstler am Werk waren. Und nicht nur das. Dadurch, dass der Film nicht die ganze Zeit von schräg unten gefilmt wurde, fühlt man sich stets psychologisch überlegen und zu keiner Zeit seiner Überschaubarkeit beraubt. Ein Klasse Idee, die Vogelperspektive zu wählen. Außer in den für die Stimmung und den Plot so unglaublich wichtigen Szenen, in denen tatsächlich ein Vogel über eine ganz und gar nicht computeranimierte Stadt fliegt. So werden Fotos für den immer der Wirklichkeit entsprechenden Reisekatalog geschossen.
Alles andere als zum Schießen sind die Shakespeare-esken Dialoge, die vor Philosophie nur so strotzen und einen die Wahrheit so klar sehen lassen, wie es nicht einmal mit Sidolin streifenfrei möglich gewesen wäre. „Du bist der Sohn deiner Mutter.“ Da steckt in jeder einzelnen Zeilen eine verborgene Kraft, die es zu bündeln und in all ihrer Stärke zu entschlüsseln gilt. Meine Nebensitzer habe ich bisweilen den Mund weit aufreißen und nach Luft schnappen sehen, ob dieser atemberaubenden Schreibkunst der Drehbuchautoren. Chapeau!

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© Twentieth Century Fox

Aber nicht nur die Diskurse beider gegenüberliegender Seiten schenken einem Sinn und Verstand. Die Beweggründe von Templern und Assassinen sind besonders für jene, die die Vorlage nicht kennen, sofort nachvollziehbar. Zwei meiner unbedarften Begleiter haben mich nach dem Film angesehen und nur ehrfürchtig gesagt: „Wir haben alles kapiert. Vom Anfang bis zum Ende.“ Allein die Idee, den Film mit einer erklärenden Texttafel beginnen zu lassen, zeugt von einem inbrünstigen Glauben an die Deutlichkeit der erzählenden Bilder. Besonders das, was im heutigen Zeitalter passiert, gibt einem das Gefühl, an den Kinosessel gefesselt zu sein. Ich denke, ich bin wie in Clockwork Orange ein neuer und besserer Mensch geworden. Dank Assassin’s Creed kommt mir kein negatives Wort mehr über die Lippen. Warum auch? Hier passt einfach alles. Und dank des filmverbessernden 3D-Zusatzes wird der bereits sehr helle Film noch klarer und man erkennt zu jeder Zeit jeden Gesichtsausdruck. So muss Kino sein. Auch die Darsteller hatten sichtlich Spaß. Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard schlägt selbst Kristen Stewart (Twilight) und Steven Seagal mit ihrer weltumspannenden Palette in puncto Mimik.
Leider müssen auch die besten Filme irgendwann ein Ende haben. Aber selbst hier haben die Schreiber einen goldenen Kniff aus ihrer unendlich langen Ideenschatulle gezaubert. Assassin’s Creed endet mit einem Cliffhanger für einen zweiten Teil. Meine Stoßgebete während des Anschauens wurden erhört. Wenn man Begeisterung in Worte fassen könnte, dann wäre es dieser Text. Leider kann man das nicht.

Fazit

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© Twentieth Century Fox

Ich habe keine Top-Liste 2016 veröffentlicht, aber wenn, dann wäre Assassin’s Creed zwar nicht ganz oben, aber immerhin auf Platz 3 gelandet. Das liegt einzig daran, dass u.a. Wie Männer über Frauen reden mich direkt in Herz und Hirn getroffen hat, während sich hier die Liebeskugel noch ihren Weg durch meinen Körper bahnt, um meinen Horizont von innen zu erweitern.
Ich kann das zwar noch nicht alles vollends begreifen, aber wenn ich Assassin’s Creed ein abschließendes Lobesurteil mit auf den sicherlich glorreichen Weg des Nie-Vergessens geben darf, dann ist es meine Faszination dafür, dass in der heutigen kapitalistischen Welt ein solches Kulturgut geschaffen werden konnte, dem es einzig um die Kunst an sich ging. Danke dafür.

 

Für Fans von: Citizen Kane, Die zwölf Geschworenen und Hiroshima, mon amour
Alternativen braucht man nicht, wenn Assassin’s Creed bereits DIE Alternative ist.

Todessprung des Lebens
 
 

Bewertung auf Filmportalen

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,6 / 6,6
17.032
moviepilot
5,6 / 5,6
243
Filmstarts-User
3,9 / 3,9
79

Was schreiben andere unter dem Kredo Nichts ist wahr. Alles ist erlaubt?

Filmexe (nur für Fans nicht zu empfehlen) | Filmherum (ein Highlight der Filmgeschichte, aber wirklich gut ist er auch nicht) | FM014 (in erster Linie für Nicht-Kenner der Vorlage) | Games / Movies (sieht ihn schlechter als die meisten Kritiken, aber als Actionfan kann man ihn sich nicht ansehen) | Kriminalakte (nix für Kenner der Spiels, für alle anderen eine Zeitbereicherung) | Nacht der lebenden Texte (auf ganzer Linie das Gegenteil von Enttäuschung) | Popkulturelle Differenzen (wenig Action, viel Kakao)

…nach oben…

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14 Gedanken zu “Assassin’s Creed – Filmkritik

  1. Hi Bitte überprüfe noch einmal den Satz den du neben meinen Namen geschrieben hast, weil der passt nicht so ganz zu meiner Meinung zu dem Film falls du weißt was ich meine weil ich fand ihn sehr positiv.

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  2. Ich möchte anmerken dass ich weder etwas von einem „fruchtbaren“ Drehbuch (eher furchtbar) geschrieben habe, noch die Darsteller schlecht fand. Pass bitte auf, wenn du Meinungen anderer wiedergibst, sie nicht gänzlich zu verfälschen.

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  3. Eeendlich mal eine Rezension, die etwas mehr leistet als nur hilflos an der Oberfläche dieses Stücks cineastischer Historie zu kratzen. Was war ich erleichtert zu sehen, dass sich Kurzel/Fassbender/Cottilard, nachdem sie es letztes Jahr geschafft haben aus irgend so einem Uralt-Theaterstück noch was rauszuholen, jetzt endlich mal eine vernünftige Vorlage herausgesucht haben!

    *macht geheimes Assassinenhandzeichen und zieht sich die Kapuze noch etwas tiefer ins Gesicht*

    Gefällt 1 Person

    • Ganz im Zeichen des Kredos kannst du dich dafür entscheiden, dass deine Meinung revidiert und in diesem speziellen Fall damit auch gelöscht wird,
      oder du gehst den Weg der Assassinen mit und bleibst mit dem jetzigen (gewollten) Wortlaut stehen.

      Der freie Wille ist dein, mein Bruder

      Gefällt mir

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