The Greasy Strangler – Filmkritik

Filmkritik zum Horrorkomödien-Trash The Greasy Strangler aus dem Jahre 2016

Über Trashfilme und gewollten Trash | Kritik für Zwischendurch
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Was ist ein Trashfilm?

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© FilmRise

Für mich beschreibt Trash vom engl. Begriff für Müll oder vom amerik. Wort für Abfall[1] die Machart eines Filmes. Man muss ihm sein geringes Budget ansehen und obwohl er es nicht sein will, ist er auf den ersten Blick schlecht gemacht. Die Schauspieler verfehlen ihren Beruf, der Regisseur will zu viel, der Kameramann ist das kleine Kind bei 1, 2 oder 3 und der Drehbuchautor war ausnahmsweise beim Schreiben nicht bekifft. Oder kurz: es passt so gut wie nichts zusammen. Und trotzdem – und jetzt kommen wir zur Faszination von Trash – zieht der Film genau daraus seine Anziehungskraft und der Zuschauer seinen Spaß.
Beispiele findet ihr u.a. bei SchleFaZ, einer Fernsehshow auf Tele5 mit Oliver Kalkofe und Peter Rütten, die sich genau diesem Phänomen widmet und uns Trashfilme so genießen lässt, wie sie gedacht sind: indem man liebevoll über ihre Fehler herzieht. Das mag man verurteilen, aber auch schlechte PR ist nunmal PR und respektvoller Umgang gehört auch bei der Rezension von Trash dazu. Denn hier ist klar: alle wollten es besser machen, konnten es hingegen nicht. Bestes Beispiel: The Room.

Ist gewollter Trash überhaupt Trash?

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© FilmRise

Im Gegensatz dazu steht der vor allen Dingen in den letzten Jahren auftauchende Trend von gewolltem Trash. Filmemachern wie Robert Rodriguez (Machete, Planet Terror) und Produktionsstudios wie Asylum (Sharknado, Titanic II, Independents‘ Day) geht es gerade darum, eine absurde Story mit auffallenden Spezialeffekten und beabsichtigten Filmfehlern zu erzählen. Folgte man der Definition, dass Trash kein Trash sein wolle, dann gehören diese Filme auf den ersten Blick nicht zu den Trashfilmen. Bedenkt man aber die Tatsache, dass z.B. Machete Kills es eben nicht mehr schafft, unter der Prämisse gewollter Trash zu unterhalten, dann kann man hier durchaus wieder von einem Trashfilm sprechen, da es ihm eben nicht gelingt, was er ursprünglich wollte. Allerdings ist das Wortklauberei und dient einzig dazu, um den heutigen Film, The Greasy Strangler, einordnen zu können: gewollter Trash.

Handlung

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© FilmRise

Eine Vater-und-Sohn-Beziehung steht auf dem Prüfstand, als sich beide in dieselbe Frau verlieben. Der Sohn punktet mit seinem großen Herzen, der Vater mit seinem großen Penis. Bereits zu dem Punkt könnte man der Geschichte sozialkritische Kompetenzen andichten, aber es geht noch weiter. Der Vater ist hauptberuflich Stadtführer in kurzen, pinken Hosen und nebenberuflich der titelgebende Greasy Strangler, der seinen Körper mit Fett einreibt und seine Feinde stranguliert. Als er die Freundin seines Sohnes kennenlernt, steht er vor der alles entscheidenden Frage: würde ich mein eigen Fleisch und Blut in genau diese Einzelteile zerlegen, um an das Fleisch einer Frau heranzukommen? Zeitgleich erfährt der Sohn von den geheimen Machenschaften seines Erzeugers und ein bitterböses Psychospiel beginnt. Oder auch nicht.

Kritik

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© FilmRise

Das Gute an solchen Filmen ist, dass ich ihnen nicht böse sein kann, wenn sie mir nicht gefallen, denn im Gegensatz zu Passengers steckt keine ausgefeilte Geld-Maschinerie dahinter, sondern zumeist nur der Traum, einen unterhaltsamen Film zu drehen. Das schafft The Greasy Strangler leider nur bedingt.
Er bietet zwar abgefahrene Ideen, wie z.B. die Disco-Hose des Vaters, die den ganzen Körper bedeckt – nur nicht seinen angewachsenen Gehstock – aber insgesamt leidet er an einem massiven Geschwindigkeits-Problem. Er erzählt nicht viel und das, was er erzählt, macht er sehr, sehr langsam. Beispielsweise folgt er der Marotte, dass ein und derselbe Witz nicht nur fünfmal, sondern gleich 18 Mal versucht wird, in der Hoffnung, dass er dann wieder lustig würde. Da bin ich dann wohl die falsche Zielgruppe. Zusätzlich verfügt er über einen Soundtrack, der mich stark an Jean Jaques-Perreys Chicken on the rocks[2] erinnert hat, was sicherlich auch nicht jedem gefallen dürfte.
Aber muss Trash überhaupt gefallen? Nunja, auch wenn ein Film vielleicht anders gemacht ist als die Norm, muss er auf irgendeine Art und Weise genießbar sein und Freude hervorrufen. The Greasy Strangler gibt am Ende zwar nochmal gehörig Gas – wörtlich wie im übertragenen Sinn – aber war mir insgesamt zu blutleer, zu wenig übertrieben, zu langsam vorgetragen und bot sogar schöne Kameraeinstellungen. Nicht, dass das was schlechtes wäre, aber manchmal hatte man schon das Gefühl, dass die Macher in der Lage gewesen wären, einen durch und durch genießbareren Film auf drei Beine zu stellen.

Fazit

Ich musste mich durchquälen. Gut, das musste ich auch bei Melancholia, das heißt also nichts, aber für mich als ungepflegten Trash-Fan war er nicht schlecht genug und zu wenig abseits der Norm und für mich als Mainstream-Matrose galt das absolute Gegenteil. Ausnahmsweise sage ich, dass ihr euch den Trailer[3] anschauen solltet und das genügt in den meisten Fällen dann auch. Selbst wenn er noch lange nicht so nervig ist, wie z.B. The Human Centipede III, fehlt es letzten Endes an großen Unterhaltungsmomenten und einer ansprechenden Erzählgeschwindigkeit.

Alternativen: Citizen Toxie: The Toxic Avenger IV oder Sex und Zen (jeweils auf eigene Gefahr)

…nach oben…


Fußnoten (Links zuletzt abgerufen und getestet am 07.01.2017)
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19 Gedanken zu “The Greasy Strangler – Filmkritik

  1. Gewollter Trash ist in der Tat immer so eine Sache. Mein liebster „gewollter Trash“ ist wohl ‚Black Dynamite‘, bei dem man wirklich zu jeder Sekunde die Liebe der Macher zum „Blaxploitation“-Genre spürt. Durch ‚Sharknado‘ andererseits bin ich nicht mal durchgekommen… Sind Troma Filme eigentlich gewollter oder „echer“ Trash, da bin ich mir nie so sicher?
    Über den schmierigen Würger habe ich jetzt so viel Gegenteiliges gelesen, dass ich tatsächlich richtig gespannt bin auf den Film, was womöglich genau die falsche Erwartungshaltung ist. Mal schauen.

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    • Troma ist auch für mich schwierig einzustufen. Immerhin setzen sie mit Absicht auf wenig Budget, unerfahrene Darsteller, etc. Andererseits stellt man sich schon die Frage, ob sie überhaupt besser könnten, wenn sie wollten. Meine persönliche Sichtweise ist da eher bei richtigem Trash, denn auch im Laufe der Jahre haben sie es nicht hinbekommen, dass ihre Filme durchgängig ein gleichbleibendes Niveau erreicht haben. Aber in diesem Fall kann man das durchaus anders sehen.

      Bei The Greasy Strangler finde ich es enorm schwierig, für jemanden eine Prognose abzugeben. Der ist eine einzige Wundertüte. Mit einer gehörigen Portion an mehr Tempo hätte ich wahrscheinlich auch meinen Spaß gehabt.
      Mein Liebling ist und bleibt der oben erwähnte Citizen Toxie. Ob gewollt oder nicht, der ist einfach nur wahnwitzig.

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      • Ich glaube da schätzt Du Troma ganz gut ein. Für mich bin ich froh, dass es sie gibt (und finde Kaufman einen wahnsinnig charismatischen Typen) aber die Filme sind nicht wirklich meins. Wobei ich Citizen Toxie nie gesehen habe, dem sollte ich vielleicht nochmal ne Chance geben. Interessant fand ich, dass ich irgendwo mal gelesen habe, sie haben ihren eigentlichen Gewinn in den 90ern mit Dingen wie Golf-Lehr-Videos gemacht, tun aber alles um das geheim zu halten. Das klingt so schön dämlich, dass es sowohl wahr sein könnte oder ne Erfindung von Kaufman… 😉

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        • Das wusste ich jetzt noch nicht. Macht die Trash-Schmiede aber umso trashiger. Kaufman ist einzigartig auf seine Art und Weise, da gebe ich dir Recht.
          Wenn dir die Filmeallgemein nicht gefallen, dann weiß ich nicht, ob Toxie da eine Ausnahme macht. Würde aber wirklich den vierten Teil anschauen, der ist zwar am politisch inkorrektesten, aber dadurch auch mit dem meisten komischen Potenzial bestückt. Aber halt sehr geschmacksabhängig.

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      • Es gibt Filme, die kann man nicht in Worte fassen und schon gar nicht zusammenfassen.Dennoch: Was mich total begeistert hat, ist der Verzicht auf eine düstere Vision der Depressivität. Wer heute nicht funktioniert ist eben depressiv und was der Film neben tausend anderen Dingen sagt ist: Hey! In der Melancholie liegt auch etwas Befreiendes und sehr Schönes. Das ist manchmal unanständig, aber es lässt dich frei atmen und verbindet dich wieder mit der Natur aus der du stammst. Zudem mochte ich die Tristan & Isolde-Analogie, den Einsatz zwischen Religion und Pseudowissenschaft sowie den bitteren Humor, der immer seine Filme streift. Ich war sofort verliebt.

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