Sieben Todsünden einer Filmkritik

Die sieben schlimmsten Fehler bei einer kritischen Besprechung

Ganz im Stile der Top10 der bisherigen Kritiken habe ich mir mal wieder vor Augen führen müssen, was für ein Blödsinn auf dieser Seite manchmal verzapft wird. Und das Schlimme ist, dass wir bisher damit davongekommen sind. Keine wüsten Beschimpfungen in den Kommentaren, keine eingeleiteten Gerichtsverfahren und noch niemand hat uns mit den Sieben Todsünden einer Filmkritik den Spiegel vorgehalten. Scheinbar halten sich die Leute mittlerweile daran, dass nur wer ohne Sünde den ersten Stein wirft. Wie jeden Abend mache ich es halt selbst.


Inhaltsverzeichnis


A. Sich selbst in den Mittelpunkt stellen

Bei Filmkritiken geht es um einen Film und nicht darum, wie toll man seinen Umgang mit heterogenen Termini pflegt und in die Welt hinausposaunen kann. Es geht auch nicht darum, seine vermeintliche Kreativität in den Vordergrund zu stellen, wenn der Leser am Ende nicht weiß, was er von dem besprochenen Film halten soll. Nehmen wir die Kritik zu Von 5 bis 7. Schön, kein Wort wiederholt sich, aber dafür sind es am Ende auch nur 300 und der Text ist zu verschwurbelt für jemanden, der sich wirklich dafür interessiert, ob er die anderthalb Stunden investieren [warum geht gerade dieser Film nicht genau zwei Stunden?; d. Red.]  oder sich lieber etwas anderes anschauen soll.
Genauso diejenigen, die ihren e-li-tä-ren Film-ge-schmack mit jeder Silbe betonen und sich als etwas Besseres sehen, weil sie dem asiatischen Geschrei in Rashomon etwas abgewinnen können. Gut, das kann auf dieser Seite glücklicherweise nicht passieren, da hier niemand einen elitären Filmgeschmack besitzt. The Greasy Strangler ein gewollter Trashfilm? Pah, Kunstbanausen. Und dieses überhebliche Fazit zu ARQ. Da merkt man richtig, dass sich der Rezensent für etwas Besseres hält. Und wie wir nur zu gut wissen, sind es gerade die, die sich für etwas Besseres halten, die am Bodensatz der Gesellschaft Urzeitkrebsen beim Dahinvegetieren zuschauen. Außer natürlich Zlatan Ibrahimović. [Aber hältst nicht du dich gerade für besser als diejenigen, die sich für besser halten?; d. Red.]

B. Sich in die Köpfe anderer hineinversetzen

Ein jeder Filmkritiker hat im besten Fall seine eigene Meinung. Aber das war es auch schon. Wenn er keine repräsentative Umfrage in 5.000 Haushalten mit einem Fernsehgerät gestartet hat, dann wird das selbst bei einer Sherlock-Holmes-verdächtigen Menschenkenntnis so bleiben. Und trotzdem liest man häufig so Floskeln wie für Kenner des Videospiels, für Actionfans, für Blutgruppe AB Rhesusfaktor negativ. Nur weil der Rezensent einer Gruppe zugehörig ist, heißt das nicht im Umkehrschluss, dass alle dieser Gruppe den gleichen Geschmack haben.
Bei der Kritik zu Pets z.B. wird von Gelegenheitskinogängern und Tierliebhabern geschrieben. Ab wann auch immer man zu einer dieser beiden Personenkreise gehört, dient das nur dazu, sich selbst zu erklären, warum der Film von vielen anderen als gut empfunden wurde. Mach’s wie ein Einäugiger mit zu viel Druck: komm drüber weg. Die eigene Meinung nebst Begründung genügt völlig. Oder bei The Nice Guys, wo behauptet wird, dass er denjenigen weniger gut gefalle, die alle anderen Filme des Regisseurs / Drehbuchschreibers bereits gesehen haben. Es soll genug Leute geben, die sich gerne denselben Film hundert Mal ansehen. Ja, es mag sogar Leute geben, die ihr ganzes Leben mit demselben Partner verbringen. Das einzige, was du damit aussagst, ist, dass er nichts für diejenigen ist, die deinen Geschmack und deine Stimmung während des Anschauens teilen.
Dass man am Ende einer Kritik den Film mit ähnlichen Werken vergleicht, das ist dagegen nicht zu beanstanden. [äh, okay; d. Red.]

C. Meine Meinung ist die einzig richtige

In meinem Fall stimmt das zwar, aber wenn man so Sätze wie bei der Kritik zu The Neon Demon liest, „der Film hat in keiner Top-Liste etwas zu suchen und ich erkläre ich euch jetzt warum“, dann fragt man sich schon, ob es sich hier um einen Filmfan handelt. Denn dieser sollte doch um jeden Film froh sein, der bei irgendjemandem gut ankommt. Gut, es besteht die Gefahr, dass noch mehr solcher Filme gedreht werden, aber das geht vorbei. Außer Superhelden, die bleiben uns erhalten. Für immer. Aber so funktioniert Demokratie und außerdem ist es doch etwas Schönes, wenn andere Zuschauer Spaß haben. Man darf und sollte seine eigene Missgunst präsentieren, aber dann ist auch wieder gut und man zieht weiter. Wenn mir diese Seite nicht gefällt, dann gibt es unzählige andere Alternativen. Wozu dann argumentieren, warum sie von niemandem gelesen werden sollte und sie vor allen schlecht machen. [*Räusper*; d. Red.] Oh, stimmt. Naja…
Oder nehmen wir die Abrechnung zu Rogue One. Als wäre sie nur für diese Auflistung der Todsünden geschrieben worden. Zuerst echauffiert sich der Rezensent über einen Aufreger in seinem Leben, zeigt also, dass er emotional gerade nicht in der Lage ist, eine vorurteilslose Kritik zu schreiben und dann ledert er einfach nur drauf los. Der Film ist schlecht, weilJeder, der was anderes behauptet, wird das in fünf Jahren merken, weilMimimi, mimimi… Lass den Fans ihren Spaß und wenn du deine Meinung für unfehlbar hälst, dann besuche Spiegel Online oder werde Präsident der USA.

D. Konsensmeinung

Falsch ist aber auch das genaue Gegenteil. Bei der Kritik zu Pets ist der Schreiber vor den vielen positiven Meinungen eingegeknickt und relativiert seine Meinung am Ende. Und bei so vielen Bewertungen auf Moviepilot hat ein Blick auf die bisherige Durchschnittswertung dazu geführt, dass das Fähnchen im Wind gehisst, und der angepeilte Wert um 0,5 nach unten oder oben verschoben wurde. Es ist nicht verkehrt, seine Meinung zu ändern, bzw. einem Film eine zweite Chance zu geben, da man bei einer Erstsichtung häufig Sklave seiner Gefühle war, aber nur weil man denkt, dass der Film allgemein gut ankomme, darf man seine Filmkritik dem nicht anpassen.
Ein schön breites Publikum verzeiht einem alles und ein breitgefächertes Publikum garantiert auf den ersten Blick viele Klicks, weil alle angesprochen werden. Aber das ist ein Trugschluss. Wenn ich Filmkritiken lese, dann will ich die Meinung desjenigen lesen, dessen Filmgeschmack ich mit jeder Kritik besser kennenlerne und nicht seine Einschätzung, wie er der restlichen Welt gefallen könnte. Wenn ich auf dieser Seite nur Einheitsbrei bekomme, der von vielen anderen Seiten zusammengetragen wird, dann kann ich genauso gut Mitglied der [aus Angst vor einer Klage der SPD wurde dies entfernt; d. Red.]

E. Machen wir doch ein Politikum daraus

Fast zwangsläufig wird man seine weltpolitische Meinung in irgendeiner Form in einen Text einfließen lassen. Sei es versteckt und gut getarnt oder ganz offenherzig, wenn man schreibt, dass es früher Ich denke, also bin ich hieß und heute Ich furze, also stink ich. Da es hier um die eigene Gesinnung geht, ist das nicht verkehrt. Das größere Problem ist, wenn man den Filmgeschmack anderer mit einem Politikum verbindet. Als Beispiel sei Ghostbusters (2016) genannt, bei dem man sich beinahe genötigt sah, den Streifen gut zu finden, weil man andernfalls als konservativer Frauenhasser galt. Und dabei gibt es auch liberale Menschenhasser.
Doch auch hier ist FilmkritikenOD nicht frei von Sünde. Bei der Kritik zu Blutzbrüdaz wurde folgendes geschrieben: Empfehlung für unvoreingenommene, aufgeschlossene Kinogänger. Das degradiert im Umkehrschluss diejenigen, die keinen Gefallen daran finden, zu voreingenommenen und unaufgeschlossene Menschen. Dabei kann man den Film durchaus langweilig und unlustig finden, wenn man nichts gegen Sidos Musik hat, bzw. wenn man politisch sonstwie eingestellt ist. Solche Verurteilungen haben in Filmkritiken nichts zu suchen. Man darf seine eigene Meinung mit seiner politischen Einstellung begründen, bzw. muss es sogar, wenn das der Grund für das Ge-/Missfallen ist, aber seine Leser derart in eine Ecke zu drängen, ist nicht nur bei Filmkritiken fehl am Platz. [aber drängst du damit nicht diejenigen in eine Ecke, die andere in die Ecke gedrängt haben?; d. Red.]

F. Nacherzählungen / Spoiler

Filmkritiken sind Meinungen. Meistens keine, die man lesen will, da sie der eigenen widersprechen. Aber im Herzen interessiert uns brennend, ob es unser Nachbar genauso schlimm wie wir findet, dass die olle Trulla einen Stock unter uns die Kehrwoche mal wieder mit der Spanischen Inquisition verwechselt hat. Wir trauen unseren eigenen Meinungen nicht mehr und wollen geleitet werden. Aber nur von denen, die die gleiche Meinung haben. Also nennen wir es lieber Bestätigung. Besser noch positive Bestätigung, das klingt so positiv. Und dann gibt es Leute, die verwehren einem die Meinung, indem sie den Film nur nacherzählen und höchstens ab und an am Wegesrand kleine Meinungskrümelchen verstreuen, damit man das nicht sofort bemerkt. Haha, nicht mit mir.
Die Kritik zu A Serbian Film z.B. war nichts anderes als eine simple Nacherzählung der Ereignisse. [Ja, aber…] Es gibt kein ja, aber! [Der Text zu A Serbian Film läuft doch unter dem Motto Filmbeschreibung. Kann es sein, dass du hier nur alte Besprechungen mit schönen blauen Links aufwärmen willst?; d. Red.]
Ähm, oder wenn zu viel verraten wird, das ist auch schlimm. Auf FilmkritikenOD wird das ganz gerne gemacht, wenn dem Rezensenten der Film nicht so gut gefällt. Bei Passengers z.B. kann man sich schon halb denken, was dort genau passiert und das sollte nie der Sinn einer Filmkritik sein. Diese sollte bei Gefallen Lust auf den Film machen, aber selbst wenn man keine Lust empfunden hat, heißt das nicht, dass man sie anderen komplett nehmen darf. Die Spoiler-Angst wird mitunter zu sehr übertrieben, aber zumindest sollte man stets versuchen, so drumherum zu schreiben, dass es nur diejenigen völlig verstehen, die den Film bereits gesehen haben. Wenn zu schwierig, dann lieber weniger auf den Inhalt eingehen. Und wenn die Storyentwicklung der Hauptgrund für das Nichtgefallen ist, dann verrät man trotzdem nicht das Ende von Lost. Sobald man schreibt, dass einem der Schluss nicht gefallen hat, können diejenigen, die sich Zeit sparen wollen, immer noch in den Kommentaren / bei Facebook / per Mail nachfragen. Oder im vergangenen Jahrtausend sogar persönlich.

G. Ironie und Meta-Ebenen

Endlich mal etwas, dessen wir uns noch nie schuldig gemacht haben und auch nie machen werden. Teufelszeug diese Ironie. Stellt euch vor, es käme jemand auf die Idee, eine Kritik gegenteilig zu seiner wirklichen Meinung zu schreiben. In der Hoffnung, alle würden es verstehen, weil er seine Beispiele völlig überzeichnet. So etwas macht man nicht. Die Gefahr, dass es eben doch jemand richtig, bzw. falsch auffasst, ist zu groß. Wie bereits geschrieben, sind Filmkritiken Dienst am Leser und nicht an sich selbst und der Ergötzung der eigenen Sprachfertigkeiten. Wenn also jemand auf Grund so einer 180°-Kritik ins Kino geht, dann sollte er sein Geld umgehend vom Kritikenschreiber zurückverlangen dürfen!
Es gibt drei Arten von Menschen auf der Welt: Diejenigen, die bei einer Tür nicht auf das Schild „drücken“ / „ziehen“ achten, sondern sich die Stellung der Scharniere ansehen; diejenigen, die bei einem falsch angebrachten Schild einmal wie gefordert ziehen und beim zweiten Versuch die Tür aufdrücken; und dann gibt es jene, die hilflos vor der Tür stehen, weil sie nicht aufgeht, obwohl sie ziehen, ziehen und nochmal ziehen. Jede Kritik sollte auch für die dritte Gruppe verständlich sein.
Und dann dieser Meta-Ebenen-Humor, wenn man sich auf seine vergangenen Ergüsse bezieht, eine Kritik ganz im Stile des zu besprechenden Filmes schreibt, oder gar seine eigenen Kritiken kritisiert. Warum nicht von Anfang an eine akzeptable bis perfekte Kritik ohne Fehler schreiben, wenn man meint, die Weisheit mit Schöpflöffeln gefressen zu haben? Schrecklich. Naja, immerhin gibt es auf FilmkritikenOD dafür keine Beispiele.

H. Und was machen wir jetzt mit diesen Informationen?

Natürlich gibt es auch weitere Flegelhaftigkeiten, über die sich jeder selbst Gedanken machen kann. Beispielsweise eine wohlwollendere Kritik zu schreiben, nur weil man ein Rezensionsexemplar bekommen hat und sich nicht getraut, die eigene Wahrheit zu veröffentlichen. Aber da spricht natürlich der Neid des Besitzlosen aus mir, der nicht einmal vom Filmverleih Kinox.to kostenlose Filme zugeschickt bekommt.
Jedenfalls haben wir sehen und realisieren müssen, dass diese Seite hier schon so häufig gesündigt hat und wir allein in dem Text auf dieser Seite alle Sieben Todsünden begangen haben, dass es schwer vorstellbar ist, dass wir nicht zusammen mit [entfernt; d. Red.] in die Hölle kommen. Von dem her, scheiß drauf! Ein Kind liegt bereits im Brunnen, soll es doch noch etwas Gesellschaft bekommen. Denn mit jedem weiteren steigt der Wasserspiegel und irgendwann können alle hinausklettern.

Schreibt, was ihr denkt, haltet euch nicht an Konventionen, probiert euch aus, seid ihr selbst, haut auf den Putz, übertretet selbstgeschaffene Grenzen und seht die Welt mit offenen Augen. Denn mal ehrlich, am Ende liest es eh niemand.

Und jetzt, da mir alle Sünden vergeben wurden, darf ich endlich mit Steinen werfen.

…nach oben…

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31 Gedanken zu “Sieben Todsünden einer Filmkritik

  1. Also ich bin rein und frei von Sünde. Ganz klar. Aber zu einem Punkt muss ich etwas gegenteiliges bemeinen: Sich in eine Gruppe hieneinzuversetzen finde ich sehr wichtig. Sie können ja dennoch anderer Meinung sein. Und ich denke außerdem, dass niemand davon ausgeht, dass das geschriebene Wort festzementiert ist. Das kollidiert nämlich mit deiner anderen Kritik, zur Filmkritik. Wenn man sich nicht eindeutig positioniert oder den Leser meinetwegen, wie soll man dann Meinung „provozieren“?

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    • Gut aufgepasst. Wobei man sich selbst schon eindeutig positionieren soll und wie beim Punkt „Konsensmeinung“ auch dargelegt, sogar muss. Demgegenüber habe ich besonders bezüglich Assassin’s Creed so viel gelesen von „für Videospielfans“ bis zum genauen Gegenteil und nahezu allen erdenklichen Facetten im Zwischenraum, dass mir persönlich der Punkt doch recht wichtig geworden ist.
      Dass niemand davon ausgeht, dass so ein geschriebenes Wort zählt, würde ich so leider nicht behaupten wollen. In der Blogosphäre lesen viele, um nach dem Film andere Meinungen zu sehen, aber „da draußen“ geht es Lesern, die sehr selten ins Kino gehen durchaus darum, zu erfahren, ob ein Film für sie gemacht ist. Und wenn man dort liest „für Videospielfans“ dann kaufen die einem das natürlich ab. Wenn diejenige Person dazuschreiben würde, dass sie das Spiel gar nicht gespielt hat (alles erlebt), dann würde sich der Satz relativieren, aber er steht nunmal so da, wie er steht.

      Reibungspunkte gibt es am Ende so oder so genug, wenn man am Ende eine andere Meinung hat. Mir kommt es nur häufig so vor, als würden Kritiker jeder Fasson (und ich nehme mich da gar nicht aus) ihren eigenen Geschmack auf die Welt hinaustragen und ihre Verallgemeinerungen durchaus glauben. Einem mündigen Leser dürfte durchaus bewusst sein, dass das gar nicht allgemein stimmen kann, aber nicht den immer noch vor der Tür stehenden. Zudem stellt sich die Frage, warum man das so schreibt, wenn man genau weiß, dass es keine Relevanz haben soll? Immer von „ich“ zu schreiben geht natürlich nicht, aber es gibt viele Möglichkeiten dazwischen.

      Freut mich jedenfalls, dass hier jemand was dagegen zu sagen hat, denn woher soll jemand wissen, wie korrekte Filmkritiken auszusehen haben, wenn das nicht einmal die Profis hinbekommen? (Meine Meinung)

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  2. Wie ich oben sehe, bin ich heute grammatikalisch auf Vorschulniveau. Ich sollte abends nur noch was für die Uni machen. Da fällt das nicht weiter auf… Ich versuche es noch einmal anders zu formulieren. In dem Begriff „für Videospielfans“ oder für „Fans der Reihe“ liegt ja eine versteckte Kritik, die sagt, dass der Film diesen Bezugspunkt benötigt und sonst nicht gesehen werden muss. Oder diese Sätze fallen, weil er Elemente aus dem Spiel so famos aufgreift, dass es vielmehr um Fanservice geht. Mal davon ab, dass man schon wissen sollte, wovon man redet (bzw. es ansonsten recherchiert; fehlerfrei ist niemand), kann ich damit gut um. Als unbedachte Phrase (die ich so erst mal nicht annehme) sicherlich im schlimmsten Fall Faulheit oder eben Konsensmeinung. Gerade Fans von Videospielen wissen, dass sie in einer Blase leben, die kein Filmkritiker jemals ergründen könnte, es sei denn er oder sie spielt selsbt.

    Dass mans einen eigenen Geschmack in die Welt hinausträgt halte ich sogar für absolut richtig. Ich schreibe ja auch über emien Meinung und der „Provokation“ („aufwecken“ wäre hier vielleicht passender) wegen hält man das eher allgemein. Zum Beispiel rede ich ganz oft vom Zuschauer und wie er das (meiner Meinung nach) empfängt. Wie du schon sagst, kann man nicht immer „Ich“ schreiben und zur Ansicht gehört es eben auch diese zu verallgemeinern, um Reibungspunkte zu erzeugen. Man sollte es versuchen, streitbar zu verallgemeinern. Mein Lieblingstitel aus dem Guardian war so : The Revenant is meaningless pain porn! Wie hätte dieser Satz geklungen, mit: I think, The Revenant…“ Ich weiß schon was du meinst, aber ich würde dem Leser nicht absprechen, das zu durchschauen. Die beste der Filmkritiken fängt beim Respekt für den Leser an. Meine Meinung.

    Und zu guter Letzt (Haha, ich Träumerin): Ich freue mich auf weitere Artikel dieser Art und finde es super, dass du so vehement reingrätscht! Schaue hier gern vorbei, wie du siehst. Schade, dass unser Projekt grad auf Eis liet, aber vielleicht können wir das ja noch ein Weilchen in der Schwebe halten.

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    • Danke für deinen langen Kommentar, auch wenn die Sache mit der Grammatik nicht von der Hand zu weisen ist 😉

      Es kommt in diesem Punkt schwer darauf an „wie“ man etwas formuliert und „wie“ es der Leser auffasst. „The Revenant is meaningless pain porn!“ Ist als (überzeichnete) Kritik angelegt und wird hoffentlich auch als solche verstanden. Genauso der Begriff „für Videospielfans“, wenn es sich um einen durch und durch kritischen Kommentar handelt. Wenn dem Rezensent der Film jedoch gefällt und er dann schreibt, dass er auch anderen Videospielfans gefalle, weil er von sich auf andere schließt, dann ist das eine haltlose Mutmaßung und keine kritische Besprechung. Ich hoffe, dass der Unterschied deutlich wird. Dem ersten wohnt ein Kommentar inne, der etwas aussagt, dem zweiten luftleerer Raum.
      Wie du merkst, schreibe ich selbst nicht fehlerlos, weil es am Ende auch mal Reibungspunkte braucht und könnte es auch gar nicht, wenn ich unbedingt wollte. Den Leser zu respektieren ist oberste Direktive, da gebe ich dir vollkommen Recht.

      „The Revenant is meaningless pain porn!“ Ach, wenn ich das schon wieder lese. Gut, über Everybody Wants Some!! habe ich Nostalgie-Porno geschrieben, sollte also lieber ruhig sein. Aber am Ende des Tages dient Filmkritik eben nicht nur dazu, sich selbst zu profilieren oder zu provozieren, sondern hilfesuchenden Kinogängern zu helfen, für was sie ihr verdientes Geld und ihre wenige Freizeit opfern. Und da hilft Meaningless Pain Porn erstmal nicht weiter (habe aber den ganzen Artikel nicht gelesen, um mich auf den Inhalt zu beziehen).

      Danke, danke. Mich freut es sehr, dass ich mich hier / auf deiner Seite gut mit dir austauschen kann. Aber jetzt muss ich mich mal um die erste Quizfrage kümmern…
      Ich habe es nicht vergessen, keine Sorge. Und mir fallen jedes Mal im Kino neue Sachen auf.

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