La La Land – Filmkritik

Filmkritik zum romantischen Musical La La Land mit Emma Stone und Ryan Gosling

Kritik zum deutschen Kinostart am 12.01.2017 | Musikliebhaber trifft Filmliebhaberin in Film trifft Musik
Alles über- und direkt zum Fazit springen

Themen

Wer seine Träume nicht verfolgt, der wird von seinen Träumen das ganze Leben verfolgt.
Ich stecke so viel Energie darin, mir eine Zeitmaschine zu erdenken, um in die Vergangenheit zu reisen, dass ich vergesse, endlich in der Gegenwart anzukommen.

Handlung

la-la-land-001-web

© Studiocanal

Er ist Jazz-Liebhaber und sie glühender Fan von Hollywood-Filmen. Sie jobbt in einem Café und möchte unbedingt Schauspielerin werden. Er jobbt in einem Restaurant als Klavierspieler und möchte irgendwann seinen eigenen Laden eröffnen – mit Blues, Jazz und Noten. Das erste Kennenlernen ist so ganz und gar nicht Hollywood-mäßig, aber durch Reibung entstehen Funken. Ein Funke beginnt zu lodern. Ein knisterndes Feuer wird entfacht. Doch Obacht, niemand will einen Waldbrand. Und so stehen die beiden vor der Frage, ob sie ihre ursprünglichen Träume verfolgen, oder ob die Gemeinsamkeit zu ihrem neuen Traum geworden ist.

Kritik

An dieser Stelle könnte ich schreiben, dass und warum der Film die Oscars in den Kategorien Musik, Kamera und weibliche Hauptdarstellerin von dem, was ich bisher gesehen habe, bereits in der Tasche hat. Stattdessen wähle ich für diesen Film die Form eines Emotions-Tagebuchs. Aber zuvor muss man sich vor Augen führen, dass es sich hier zu einem großen Teil um ein Musical handelt. Wer also nicht darauf steht, dass während des Filmes gesungen und getanzt wird, der kann sich hier eines Besseren belehren, oder es doch lieber bleiben lassen.

la-la-land-002-web

© Studiocanal

Der Film beginnt und mein Gesicht ziert ein monströses Grinsen, mit dem man sich besser auf keinem Kinderspielplatz zeigen lassen sollte. Eine Glücksträne umschmeichelt meine Wange. Ich oute mich als Musical-Fan und was hier mit der Kamera eingefangen wird, ist schlichtweg atemberaubend.
Kurzzeitig habe ich Angst, dass der Film melancholisch wird, werde aber wieder mit einem Lächeln belohnt. Die Zuschauerin neben mir gähnt. Ich juchze. Diese Farben, diese alles einfangende Kamera, diese Schauspielkunst, dieser Flow, indem eine Szene in die nächste tanzend übergeht und die Musik, die mein Herz umschmeichelt. Die Frau neben mir gähnt wieder.
Die Liebesgeschichte beginnt und im Gegensatz zu Passengers rufe ich nicht, „bringt euch gegenseitig um, das ist für alle das Beste“ sondern fiebere mit und schreie innerlich „Nein, lass sie nicht gehen! Schnapp dir ihre Nummer! Lauf ihr hinterher!“ Ich werde mit einem weiteren Grinser dank eines weiteren guten Einfalls belohnt. Die Filmemacher wussten, was sie da taten.

la-la-land-003-web

© Studiocanal

Zeit vergeht und Magie wird gelegentlich von kleinen Durchhängern ohne Gesang begleitet, nur um die Schraube wieder anzudrehen und eine neue Szenerie der Schönheit auf die Leinwand zu werfen. Nur einmal war es mir zu viel Träumerei für meinen Geschmack, wenn La La Land mit seiner ansonsten geerdeten Note bricht und völlig losgelöst in andere Sphären driftet. Es bleibt aber bei diesem einen abgehobenen Ausflug in phantastische Welten.
Dann bekommt auch diese Liebe wie jede andere ihre Schwierigkeiten. Selbst wenn man sein Glück gefunden hat, bleibt es nicht ohne Zutun. Meine Vergangenheit wird zur filmischen Gegenwart. Ich bin gefangen und möchte nicht mehr losgelassen werden von dem Reigen aus Bild und Ton.
Bitte zeigt mir ein gutes Ende. Einmal zerstörtes Vertrauen ist schwer wieder aufzubauen. Doch wie sehr werde ich hier überzeugt. Ich muss mit mir ringen, dass ich nicht in Tränen jedweder Art ausbreche. Vergleichbar mit Mr. Bean, der sich seine Badehose unter der normalen Hose anziehen möchte, um sich nicht nackig zu zeigen[1]. Ich kämpfe, doch es ist alles umsonst. Die Frau neben mir schläft bereits, sie hätte es eh nicht mitbekommen. Ich hingegen bin so wach wie selten. Der Film ist am Ende und ich bin es gefühlt auch. Danke.

Fazit

la-la-land-004-web

© Studiocanal

Nicht einmal bei Marvel-Filmen harrten so viele Zuschauer den gesamten Abspann aus. Auch ich wollte, dass der Zauber nie verfliegt und wäre gerne noch ein bisschen geblieben. Die Saalreiniger sahen das anders und statt zu tanzen begannen sie zu putzen. Die Wirklichkeit brach auf mich herein. Ich blicke zurück auf eine Geschichte, wie sie das Leben schreibt in einer Umsetzung, wie sie nur das Kino beherrscht.
Für Filme wie Passengers (nein, ich habe ihm immer noch nicht vergeben) wurden Filmkritiken gemacht. Für Erlebnisse wie La La Land gehe ich ins Kino.
Auch wenn die schlafende Frau mein Fazit konterkariert, möchte ich jeden Leser, der sich nicht an Musik, Gesang und Tanz in einem Film stört, dazu ermuntern, sich diesen Film mit dem (Ehe-)Partner oder dem heutigen Date anzuschauen. Und sei es nur für die perfekten letzten fünfzehn Minuten. Hollywood produziert so viel Schrott auf dem Gebiet der Filme über Liebe, dass man ein solches Kleinod umso höher halten muss. Und im Gegensatz zum Film sich selbst dann einfach fallenlassen kann.
Viel Spaß.

PS: in der deutschen Fassung sind die Songs im Originalton mit Untertiteln

Für Fans von: Chico & Rita, Casablanca und The Artist

Alternativen: South Park: der Film (Gesinge, aber dafür weniger Liebe und mehr politische Unkorrektheit) und Whiplash (kein Gesinge, dafür auch Jazz und mehr Unterhaltung auf dramatischer Basis)

…nach oben…


Fußnoten (Link zuletzt abgerufen und getestet am 13.01.2017)

Bewertung auf Filmportalen (Stand: 13.01.2017)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
8,8 / 10
49.192
moviepilot
8,2 / 10
202
Filmstarts-User
3,7 / 5
25

Anderslautende Meinungen zu La La Land

Es gibt jene, bei denen die Hänger ohne Musik im hinteren Mittelteil zu stärkeren Abzügen geführt haben, aber selbst dort wurden Anfang, Ende und weitere Szenen überschwänglich gelobt. Eine komplett negative Meinung suche ich vergebens. Doch, halt. Nicht so voreilig:

Bento.tv (beliebige Liebesgeschichte, rassistisches Casting und übertriebener Kitsch) | Welt kompakt (La la langweilig)

…nach oben…

Advertisements

34 Gedanken zu “La La Land – Filmkritik

    • Dann hat die schlafende Frau neben mir ja doch alles richtig gemacht.

      Hör nicht auf die Marketing-Maschinerie, die nur dein Geld will. Hör auf mich, der nur dein Bestes möchte. Deine Seele. Und dass du Spaß bei La La Land im Kino hast 🙂

      Gefällt mir

  1. Ah, da war noch jemand so emotional erfasst, dass es nicht zu einer analytischen Filmkritik gereicht hat! 😉 Ich LIEBE deinen Satz (im Kontext): „Für Filme wie Passengers (…) wurden Filmkritiken gemacht. Für Erlebnisse wie La La Land gehe ich ins Kino.“ Ich habe zwar „Passengers“ noch nicht gesehen, aber ich glaube, ich verstehe trotzdem, was du meinst. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Manche Filme bieten sich für eine analytische Herangehensweise einfach nicht an. Und wenn mich ein Film so bewegt, bzw. berührt schon gleich gar nicht.

      Hast du dir mal die negativen Kritiken angeschaut, die ich bei mir verlinkt habe? Finde es immer interessant gegenteilige Meinungen zu lesen, die einem (bei diesem Film besonders) irgendwie das Herz brechen 🙂

      Gefällt mir

      • Nein, ich habe noch keine negative Kritik gelesen, mir reicht schon, dass einer meiner Leser bei mir kommentiert hat, dass er glaubt, dass das nur ein „netter“ (= so la la) Musicalfilm ist, der zu mehr gehypt wird, als er eigentlich ist. Ohne ihn gesehen zu haben, wohl gemerkt. Irgendwann werde ich schon auch mal in negative Kritiken reinlesen, aber jetzt mag ich grad noch in positiven baden! 😉

        Gefällt 1 Person

    • Danke. Ja, fiel mir schwer völlig negative Meinungen zu finden, da er allgemein sehr gut ankam und viele in den tiefen ihres Herzen berührt hat, was nicht mehr allzu viele Filme schaffen.
      (Im Gegensatz zu dir kann ich das leider auch nicht von Upside Down behaupten, der mich leider nur durch die Grundidee fasziniert hat und nicht mit seiner Umsetzung)

      Gefällt 1 Person

      • Man muss ja nicht das Haar in der Suppe suchen, wenn man sowohl sehr gut unterhalten, als auch emotional ergriffen wurde.

        Bei „Upside Down“ hat mich die Grundidee sehe fasziniert und da ich nie zuvor eine solche Umsetzung gesehen habe, war ich abermals fasziniert. Dass der Rest, für mich, so gut gepasst hat, war dann doch irgendwie glückliche Fügung.

        Gefällt 1 Person

        • Na, ist doch immer schön, wenn ein Film einem etwas gibt. In solchen Fällen sollte man immer froh sein und sich nicht reinreden lassen.
          Habe mir mal alle negativen Reviews zu Inception durchgelesen und den Film danach auf meinem alten Röhrenfernseher nochmal angeschaut und war trotzdem nach wie vor begeistert.

          Gefällt 1 Person

            • Hmm, das ist eine interessante Fragestellung. Es gibt durchaus FIlme, die mir beim zweiten Ansehen um einiges schlechter gefallen haben, als bei der Premiere (u.a. Cabin in the Woods), wobei fraglich ist, ob das daran liegt, was man sich so angelesen hat, oder man beim ersten Mal einfach noch sehr unbedarft und überschwänglich an die Sache rangegangen ist.
              Aber grundsätzlich bin ich mit dir einer Meinung, dass man einen Film, der einem so richtug gut gefällt, bis zum Umfallen verteidigen wird.

              Gefällt 1 Person

Beginne eine Diskussion oder steig mit ein

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s