No Manches Frida – Filmkritik & Vergleich zu Fack ju Göhte

Filmkritik zum spanischsprachigen US-Remake No Manches Frida der deutschen Komödie Fack ju Göhte

Wunschkritik | Wie viel Kopie verträgt ein Remake?
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Einleitung

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© Pantelion Films

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© Constantin Film

Mit 7,3 Millionen Zuschauern war Fack ju Göhte 2013 ein voller Erfolg, der 2015 eine nicht weniger erfolgreiche Fortsetzung nach sich zog. Und auch ich muss gestehen, dass ich zumindest den ersten Teil richtig lustig fand und er trotz seiner am Ende ewig gleichen Formel für romantische Komödien nicht von mir abgewatscht wurde. Dazu habe ich einfach zu sehr gelacht. Aber von Fack ju Göhte gibt es nicht nur einen Nachfolger sondern auch ein US-amerikanisches Remake in spanischer Sprache namens No Manches Frida. Dieses erblickte 2016 die Leinwand und erzählt die gleiche Geschichte wie sein deutsches Vorbild. Ob es sich auch um nahezu dieselbe Geschichte handelt, versuche ich heute herauszuarbeiten.

Aber zuerst philosophieren wir etwas über Remakes, denn Remake ist nicht gleich Remake.
Es gibt Remakes wie das vom österreichischen Funny Games (beide vom Regisseur Michael Hanneke) oder das von Psycho, die den Ursprungsfilm nahezu 1:1 kopieren und sogar dieselben Kamereinstellungen und Blickwinkel wie das Original wählen. Den einzigen Unterschied machen im Grunde die Schauspieler und im Falle von Funny Games die Sprache aus. Dort wandelte sich das Wiener Schmäh in den Sprachduktus des durchschnittlichen US-Amerikaners und verlor so eindeutig an Reiz und verborgener Bedrohung.
Dann gibt es aber auch Remakes wie The Girl with the Dragon Tattoo (von Verblendung), die einiges anders machen und durch ihre professionelle Herangehensweise dem Original sogar neue Facetten abgewinnen können. Das mag aber auch daran liegen, dass es sich bei beiden um eine Literaturverfilmung handelt.
Jedenfalls ist bei einem Remake nicht sofort Hopfen und Malz verloren. Man bedenke nur, dass es sich bei Die Fliege, Scarface und The Thing um Remakes von unbekannteren Filmen aus den 60er-Jahren und noch früheren Zeiten handelt. Die Sehgewohnheiten wandeln sich und daher kann es manchmal nicht schaden, einen veralteten Film für die neuen Generationen anzupassen.

Handlung

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© Pantelion Films

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© Constantin Film

 

 

 

 

 

 

 

Bei No Manches Frida gestaltet sich das etwas anders, da er ja nur drei Jahre später gedreht wurde und es einzig darum ging, den Film einem spanischsprachigen Publikum zugänglich zu machen, das nicht gerne auf Untertitel zurückgreift. Warum aber nicht einfach – wie wir Deutschen – für wahrscheinlich weniger Geld und weniger Aufwand den Ursprungsfilm synchronisieren? Dabei vergisst man, dass es ebenfalls um die Bekanntheit der Schauspieler und ein eventuell verschobenes Comedy-Timing geht.
Im Fall von No Manches Frida braucht man zur Geschichte nichts weiter wissen, wenn man bereits Fack ju Göhte kennt. Ein Ex-Knacki kommt aus dem Gefängnis frei und will seine damalige Beute abholen. Leider befindet diese sich mittlerweile unter der Turnhalle einer Schule. Um seinem Traum näher zu kommen, heuert er an der Brennpunktschule als Lehrer an und verhält sich so wie immer: wie ein Arschloch. Erstaunlicherweise macht ihn das aber für die Schüler und andere Lehrer sympathisch. Das geht so lange gut, bis seine Deckung auffliegt.

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Allerdings ist nicht nur der Plot vollauf identisch, sondern auch einzelne Szenen wurden komplett aus dem Original übernommen. Es kam ein Gag hinzu, indem eine Pizza während des Unterrichts ins Klassenzimmer geliefert wird und am Ende gibt es eine Gesangseinlage einer mir unbekannten Band, die auch für den geänderten Soundtrack verantwortlich zeichnet. Dieser besteht nun nicht mehr aus US-amerikanischen Popsongs sondern aus Latino-Tunes.
Im Vergleich zu Fack ju Göhte fehlt der Witz um den Amokalarm in der Schule, der versuchte Doppel-Selbstmord der Schwester der Lehrerin, eine kleine Theater-Szene auf dem Schulhof und der Abspann mit den Outtakes. Außerdem schlägt nicht der Lehrer gegen das Glas mit dem im Süßigkeitenautomaten eingesperrten Jungen, sondern ein Schüler und der Lehrer schaut dabei nur belustigt zu.
Ebenso fiel auf, dass die Reihenfolge mancher Szenen geändert wurde. Während in Deutschland mehr auf die Logik geachtet wurde, dass man weiß, warum eine Szene auf die nächste folgt und man das als Zuschauer kapiert, scheint man sich beim Pendant eher darauf konzentriert zu haben, dass ein Tag-Nacht-Rhythmus eingehalten wird, der aber zumindest in einem Fall dafür sorgt, dass nicht so viel Zeit zwischen zwei Szenen vergangen ist, wie hätte vergehen sollen.

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© Pantelion Films

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© Constantin Film

 

 

 

 

 

 

 

Aus filmkritischer Sicht muss man sagen, dass das Remake ein kleines bisschen langsamer in seinem Tempo abläuft und man hier und da bis zu fünf Minuten hinter dem Original herhinkt (Szenenänderungen bereits abgezogen). Das mag nicht groß ins Gewicht fallen, aber könnte darauf hindeuten, dass es eben doch einen kleinen Timing-Unterschied in der Humor-Auffassungsgabe gibt. Ich bevorzuge die deutsche Variante, die etwas flotter zu Werke geht.
Was ich auch in der deutschen Fassung präferiere, sind die Darsteller. Karoline Herfurth und Elyas M’Barek wirkten auf mich nicht nur wie die besseren Schauspieler als Omar Chaparro und Martha Higareda sondern insgesamt auch charismatischer. Aber das kann natürlich an den unterschiedlichen Kulturen liegen und genau für den Übersee-Markt angepasst sein. Zudem wirkt der männliche Protagonist im Remake ein klein bisschen weniger wie ein Arschloch, die weibliche Protagonistin weniger verpeilt und beide von Anfang an mehr verliebt.
Ansonsten ist es der gleiche Film und wer mit Fack ju Göhte nichts anzufangen wusste, braucht sich auch No Manches Frida nicht antun. Wer keinen von beiden kennt und die deutsche Sprache gewohnt ist, sollte die Heimatversion vorziehen.

Fazit

Was soll man hier groß sagen. Ich habe mir Fack ju Göhte gerne ein zweites Mal für diesen Vergleich angesehen und wurde auch bei No Manches Frida unterhalten, aber notwendig war das Remake für mich jetzt nicht. Es fügt nichts wirklich Neues hinzu, lässt gewisse Punkte weg und man vermisst den Charme der Hauptdarsteller. Zuschauer mit Muttersprache Spanisch mögen das anders sehen, aber hierzulande braucht No Manches Frida wirklich niemand.

…nach oben…

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