5 Filme – 5 Kritiken: Fruitvale Station, La Grande Bellezza, Trauzeugen AG, Bad Moms, Mein ziemlich kleiner Freund

Kurzkritiken zu La Grande Bellezza, Mein ziemlich kleiner Freund, Bad Moms, Die Trauzeugen AG und Nächster Halt: Fruitvale Station

Nachdem ich letzte Woche nicht ins Kino gekommen bin und kein Kino in der Nähe Manchester by the Sea zeigt, gibt es heute stattdessen fünf Kurzkritiken zu Filmen, die ich in jüngster Zeit gesehen habe. Sie sind aufsteigend sortiert, der letztgenannte hat mir also am besten gefallen.

La Grande Bellezza

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© Indigo Film

Hast du nicht gerade „aufsteigend“ geschrieben? Ja und erstaunlicherweise ist dieser Gewinner des Oscars für den besten fremdsprachigen Film 2014 tatsächlich der Film in dieser Runde, der mir persönlich am wenigsten Freude eingebracht hat. La Grande Bella Addormentata bot zwei Stunden schöne Bilder nebst einprägsamer Musik in einer Gesellschaftssatire, die mit dem Holzhammer auf den Zuschauer eingeprügelt wird. Die reichen Bewohner Roms wissen nicht mehr, was mit ihrem Leben sinnvoll anfangen und ergötzen sich an nie enden wollenden Partys, Schönheitschirugie und Oberflächlichkeit. Garniert wird das Schauspiel mit beinahe grotesken Einschüben fliegender Vögel, singender Nonnen und sterbenden Oberschichtlern. Alles in allem die langweiligste Filmerfahrung, die ich seit Everybody Wants Some!! machen durfte.
Wer noch darüber lachen kann, wenn man bei einem Beauty-Doktor eine Nummer zieht, oder ein Kind als Kunstschaffende missbraucht wird, der dürfte hier auf seine Kosten kommen. Für mich die Ausgeburt eines pseudo-prätentiösen Kinos (tut so, als wäre er übertrieben anspruchsvoll, ist es aber nicht). Wer mit den thematischen Anklängen der letzten drei Buñuel-Klassiker Der diskrete Charme der Bourgeoisie, Das Gespenst der Freiheit und Dieses obskure Objekt der Begierde etwas anzufangen wusste, das ganze aber mehr auf Mainstream getrimmt sehen möchte, der könnte hier fündig werden.
Ein Film, in dessen Sog man gezogen werden muss. Ich wurde es nicht.

Mein ziemlich kleiner Freund

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© Gaumont

Französische Komödie über einen kleinwüchsigen Kerl, der mit einer hübschen Blondine anbandelt. Das klang auf den ersten Blick ganz amüsant. Herausgekommen ist leider eine französische Selbstfindungs-Romanze mit wenig Witz, aber dafür umso mehr Drama im späteren Verlauf. Beide Protagonisten sind mit sich selbst unzufrieden und kümmern sich mehr um die Meinungen anderer, als sie zugeben wollen. So viel zur Thematik, die mich jetzt nicht sonderlich vom Hocker haut. Dazu spielt das Schauspiel in einer reichen Gesellschaftsschicht, die so stark vom „normalen“ Leben abgeschottet ist, dass es mir schwer fiel, mich in die Figuren hineinzuversetzen, oder die Problematik nachvollziehen zu können. Ja, Jean Dujardin ist klein, aber dafür hat er Geld und wer auf Geldscheinen läuft, wirkt automatisch größer auf so manche Frau. Dies wird hier leider nicht thematisiert.
Als Romanze mit gelegentlichem Witz, Esprit und Charme genießbar, aber über Genre-Durchschnitt kommt man hier zu keiner Zeit. Dass er mit seinem Titel an Ziemlich beste Freunde erinnern will, sei dem deutschen Verleih gerade so verziehen.

Bad Moms

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© STX Entertainment

Hangover für Frauen: Brautalarm. Hangover für Mütter: nicht Bad Moms. Dazu bietet die Ami-Komödie zu wenig spielerische Ideen, traut sich zu wenig verbale und visuelle Entgleisungen und verlässt sich (mal wieder) auf ein moralisches Ende (das glücklicherweise nicht zu viel Zeit einnimmt). Entgegen dem, was der Film und die ganze Feminismus-Bewegung erreichen wollen, sehe ich ihn nur dank mehrerer hübscher Darstellerinnen vor Mein ziemlich kleiner Freund. Wer seichte Unterhaltung mit gelegentlichen Ausreißern in sexuelle Feuchtbiotope sucht, der wird hier glücklich. Wer hingegen zu jenen gehört, die unglücklich sind, weil sie im Leben stets nach Höherem streben und dem Durchschnitt eine Abfuhr erteilen, tja, der konsumiert lieber mehr Fluoxetin als diese 08/15-US-Komödie. Wohl bekomm’s.

Die Trauzeugen AG

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© Sony Pictures

Als Leser dieser Seite wird man an der ein oder anderen Stelle mitbekommen haben, dass ich nichts mit konservativen Happy Ends anfangen kann. Willkommen beim Gegenteil. Und damit auch dem Grund, wieso ich bei Trauzeugen AG spätestens ab der zweiten Hälfte meinen Spaß hatte. Natürlich gibt es auch hier unnötigen Ekel-Sex-Humor, aber für das Ende und eine etwas andere Moral hebe ich meinen gedachten Hut. Die Mischung aus Meine Frau, die Schwiegereltern und Ich sowie Die Hochzeits-Crasher ist keine Offenbarung im Komödien-Bereich, hat mir aber mehr Spaß bereitet als die ganzen US-Komödien, die ich sonst in den letzten vier Monaten gesehen habe.
Worum es geht? Ein dicker Mann – wie sagt man das politisch korrekt? Ein Lebewesen steht kurz vor der Hochzeit, hat aber keine Freunde und engagiert aus diesem Grund eine Gruppe von Fake-Trauzeugen, die so gar nicht zu seinem gehobenen Lebensstil und seiner Verlobten passen. Vieles geht schief. Und dann kommt der Junggesellen-Abschied. Und dann kommt die Hochzeit.

Nächster Halt: Fruitvale Station

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© DCM

In meiner Erinnerung wird Walt Disney das Zitat nachgesagt, dass in einem guten Film Freude und Trauer eng beieinander liegen müssen. Ich kann ihm insofern zustimmen, dass es meist ein gutes Zeichen ist, wenn man beide Gefühle empfindet. Fruitvale Station ist so ein Beispiel, bei dem ich manchmal grinsend und manchmal mit hängenden Mundwinkeln vor dem Fernseher saß.
Entgegen derer, die sich vor dem Filmgenuss möglichst viel durchlesen, wusste ich gar nichts von dem Film und seiner Story, was in meinem Fall der richtige Schritt war, um ihn als sehr gut zu empfinden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man nur einen bestimmten Teil der Geschichte sehen möchte und einem der Aufbau weniger interessiert. Dieser erzählt vom Leben eines jungen Familienvaters, dessen Neujahrsvorsatz daraus besteht, dass er sein Leben in den Griff bekommt und kein Gras mehr dealt. Leider hat er die Rechnung ohne die restliche Gesellschaft gemacht, denn bald darauf geht so einiges schief, was ihm die Umsetzung seines Vorsatzes erschwert. Klingt nicht spektakulär, ist es auch nicht, bietet aber dafür umso mehr Menschlichkeit.

…nach oben…

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