Split – Filmkritik

Filmkritik zu Split, einem Psycho-Drama mit einigen Humor- und wenigen Thriller-Elementen von Regisseur M. Night Shyamalan

Kritik zum Kinostart am 26.01.2017
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Erwartungshaltung

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© Universal Pictures

Das leidige Thema mit der Erwartungshaltung. Mal wieder. Es lässt mich nicht los.
Uns.
Es lässt uns nicht los. Kann man sich überhaupt davon lösen, wenn man denn wollte? Split haben wir uns als Thriller mit Horror-Elementen vorgestellt, der er aber – so viel sei vorweggenommen – nicht ist. Zunächst fällt es ungemein schwer, einen Film fernab von dem zu beurteilen, was man sich erhofft hat, bzw. was die Werbung des Films einem weismachen wollte. Seht ihr auf der Datingapp eurer Wahl ein Profil mit einem ansprechenden Bild und einer Lust auf mehr machenden Beschreibung, dann kann die Person noch so lustig und liebevoll sein, man ist enttäuscht, wenn unser Gegenüber seiner Eigenwerbung nicht entspricht.
Zudem braucht man Genre-Maßstäbe, um einen Film beurteilen zu können. Fällt das Endprodukt aber gar nicht in die prophezeite Kategorie, muss man sich mittendrin neu orientieren. Oder wollten die Macher einem bestimmten Typ entsprechen und haben es nur nicht richtig hinbekommen? Alles Problemstellungen, mit denen sich ein richtiger Kritiker auseinanderzusetzen hat. Glücklicherweise sind wir das nicht.
Du.
Bin ich das nicht.

Handlung

James McAvoy entführt drei junge, knackige Mädels aus uns unbekannten Gründen. Was dem Zuschauer aber schnell klar wird: er hat 23 verschiedene Persönlichkeiten, von denen im Film fast zehn Stück gezeigt werden. Danach spaltet sich der Film ebenso auf, aber nur in vier Teile.

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© Universal Pictures

1. Die Mädels werden eingesperrt und versuchen daraufhin den Fängen des psychisch Instabilen zu entfliehen.
2. Wir tauchen in die Kindheit eines der Opfer.
3. Die Psychiaterin des Entführers ist überzeugt, dass Persönlichkeitsspaltung einer weiteren Evolutionsstufe entspricht. Aber irgendwie ahnt sie bereits nichts Gutes bei ihrem Patienten.
4. Wir lernen drei der Persönlichkeiten näher kennen und nach und nach wird einem bewusst, wo der Film hinführt.

Kritik

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© Universal Pictures

Split hat eine ungewöhnliche Herangehensweise, die leider nicht ganz funktioniert. Für einen Horrorfilm ist er nicht gruselig genug und da der Zuschauer das Grauen erst zum Schluss kennenlernt, weiß er über anderthalb Stunden gar nicht, vor was er eigentlich Angst haben soll.
Vor dem Ungewissen.
Es gibt einen Grund, wieso so viele Horrorfilme mit einem Mord beginnen (Halloween, Scream). Selbst das Ungewisse muss irgendwie beziffert, oder ihm zumindest durch Stimmungsaufbau eine Bedrohlickeit ans Revers geheftet werden. John Goodman z.B. in 10 Cloverfield Lane hat keine gespaltene Persönlichkeit, steht aber zu jeder Zeit kurz vor dem Ausbruch und man kann ihn zu keiner Zeit richtig einschätzen. Das macht Angst. Hier gibt es zwar viele Persönlichkeiten, aber die sind für sich genommen harmlos und eindimensional.
Für einen Thriller kommt zu wenig Spannung auf. In nicht einmal fünf Szenen wird mit diesem Stilmittel gearbeitet und das Ende wird zu schnell abgespult, um ein unbehagliches Gefühl aufkommen zu lassen. Am ehesten funktioniert Split als dramatische Charakterstudie über einen psychisch Kranken mit überraschend vielen Lachern in der ersten Hälfte, wenn wir James McAvoy sehen, wie er eine Frau und ein Kind verkörpert.
Wir fanden ihn lustig, komm schon. Schreib das hin.
Wollte er das denn in erster Linie sein? Weder die offizielle Filmbeschreibung, noch der Trailer und die Poster deuten auf ein Psycho-Drama hin, das mehr zum Lachen als zum Fürchten einlädt.
Wir wurden unterhalten. Schreib das hin!
Und das Ende will dann doch wieder ein bisschen schocken, aber dafür baut er zu keiner Zeit die richtige Stimmung auf. Wir machen uns keine Sorgen um die Figuren.
Du hast dir keine Sorgen gemacht. Ich fand die ganz lecker.
Das waren Teenager, sag mal.
Alle Schauspielerinnen waren zum Zeitpunkt des Drehs über süße 20. Lechz.
Jedenfalls beherbergt Split zu viele Genres, um auch nur eines vollumfänglich bedienen zu können. Man sollte weder Horror noch Thriller erwarten, sondern einfach nur James McAvoy in circa vier verschiedenen, größeren Rollen. Ebenso muss man sich davon lösen, dass M. Night Shyamalan wie bei The Sixth Sense eine große Überraschung eingebaut hat. Split läuft an einem roten Faden entlang und macht nach kurzer Zeit kein Geheimnis daraus, worauf er hinauswill.
Und was ist mit der allerletzten Szene?
Pscht.
Nicht mehr als ein nettes Gimmick, das alles zuvor in keinster Weise aufwerten sollte, weil es unvorbereitet aus dem Nichts kommt und nicht wie z.B. bei Shutter Island oder A Beautiful Mind beim zweiten Ansehen eine neue Ebene hinzufügt.

Fazit

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© Universal Pictures

Unterhaltsam am Anfang und am Ende: ja. Durchhänger im Mittelteil, fehlende Spannung und zu viel unnötige Nebengeschichte: leider ja.
Aber dafür ist es cool, dass sie gerade James McAvoy genommen haben.
Ja, der spielt gut.
Nicht deswegen.
Darf ich auch was schreiben?
NEIN!
NEIN!
Aber, aber, ich hätte gerne mehr Blut gesehen.
Du bist zwölf!
Genau deswegen ja.
Wer unterhaltsamen Genre-Mischmasch sucht und nicht auf der Suche nach Grusel oder Spannung ist, der kann ihm eine Chance geben, aber in mir wurde weder der Horror-Fan, noch der Thriller-Fan, noch der Psycho-Drama-Fan richtig angesprochen.
Aber ich habe gelacht.
Und es gab hübsche Mädels.
Und die letzte Szene.
Der oberkörperfreie McAvoy war auch nicht verkehrt.
Pscht.

Warum gibt es hier eigentlich nie eine Punkteskala? 6,5 / 10

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 27.01.2017)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
7,6 / 10
16.457
moviepilot
6,6 / 10
120
Filmstarts-User
3,2 / 5
12

Andersartige Meinungen zu Split. Noch mehr?

audio/visuell (sehenswerter Film – allein wegen McAvoy) | Filmfraß (gut dank Geschichte und Hauptdarsteller) | filmspleen (überschwängliches Lob 10/10) | .kinoticket-blog (grottenschlecht) | Singende Lehrerin (gut) | Wessels Filmkritik (überraschend, hochspannend, kurzweilig, gewitzt)

…nach oben…

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12 Gedanken zu “Split – Filmkritik

  1. Es ist doch auch schön ein bisschen komisch mit der umsetzung der verschiedenen Karaktere ?…
    Die eine persönlichkeit hat Diabetis und die andere wird zum monster und der komplette Körper verändert sich …
    Aber die Persönlichkeit Frau ….??
    Warum bekommt diese person keine brüste ?
    Alles ein bisschen kommisch
    Hier und da sind ein paar stellen in dem Film die nicht spannend sind oder einfach keinen sinn ergeben ….

    Gefällt 1 Person

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