Der Kritikenkritiker – Folge 2

Heutiger Rezensionsgegenstand: Jenni Zylka von Spiegel Online über den Film Split

Ihr habt mich vermisst, gebt es zu. Insgeheim bin ich die treibende Kraft hinter dieses Blogs. Filmkritiken gehören der düsteren Vergangenheit an. Mit Filmkritikenkritiken steuern wir auf das helle Licht der Zukunft zu. Oder mit anderen Worten: Ich bin’s wieder, eurer KritikenKritiker.

Nachdem wir letztens Filmstarts‘ Versuch beleuchtet haben, ihre eigene Meinung zu verteidigen, anstatt eine publikumsgerichtete Filmkritik zu schreiben, kümmern wir uns heute endlich um eine aktuelle Filmkritik:
Jenni Zylka bei Spiegel Online über Split.
Für eine optimale Auseinandersetzung mit ihrer Kritik und meinem Text empfehle ich zuerst die Kritik und dann meine Kritikenkritik zu lesen.

Ich gehe wieder chronologisch vor, wa.

Der Anfang

Den Einstieg mit Überschrift und Unterüberschrift wählt sie hinsichtlich der gesamten Kritik vorzüglich, denn er zeigt, worauf der ganze Text hinausläuft: die Vorstellung eines verunglimpften Regisseurs.

1. Absatz (sie benutzt viele Absätze)

Wir lernen: Hitchcock mochte Cameo-Auftritte und Shyamalan mochte Hitchcock. Ich weiß, was Cameos sind, wer dies nicht tut, guckt in die Röhre – Braunsche, aber schwarz. Ein Cameo untersteht so vielen verschiedenen Definitionen, dass sie gut daran tut, ihn nicht zu definieren und ich mir daran ein Beispiel nehme und keine Quellenangaben für die Definitionen heraussuche. Wer macht sich schon Arbeit. In ihrem ersten Kontext versteht man (nach meiner Auffassung) unter dem Begriff, das Auftauchen einer berühmten Persönlichkeit (hier: der Regisseur) nur um des Auftritts willen. Ja und wir wissen jetzt, dass Shyamalan das auch gerne macht.
Zylka wählt also eine Anekdote als Einstieg, bei der wir etwas lernen, das über das Filmuniversum hinausgeht. Vergleichbar mit der Kritik zu The Gift auf dieser Seite. Nicht unüblich und das wird uns in der Reihe des Kritikenkritikers noch häufiger begegnen. Allerdings sollte die Anekdote stets einem Punkt dienen, den man machen möchte, damit sie nicht im lustleeren Raum steht. Ich mache keine Schreibfehler, merkt euch das.

2. Absatz

Also lesen wir weiter, um den Kontext ihres Einstiegs zu erfahren. Sie erwähnt eine „große Gruppe von Shyamalan-Hassern“, wobei ich sie zunächst loben muss, dass sie den Namen bei jeder Erwähnung korrekt geschrieben hat. Da habe ich in der Blogosphäre… achja, ich wollte ja nur Leute kritisieren, die Geld für ihre Kritiken bekommen. Weiter geht’s.
Es folgt ein Zitat mit Anführungsstrichen einer nicht näher genannten US-Kritikerseite. Wenn man ein Zitat bringt, sollte man stets die Quelle verlinken, merkt euch das. Sollte ich mir vielleicht auch merken. Ach was. Ich stehe über meinem Gesetz. Fraglich ist auch, dass die US-Kritikerseite auf Deutsch schreibt, wenn sie sie so zitiert. Aber sei’s drum, es ist Spiegel Online und nicht der Spiegel persönlich. Und den halten wir ihr jetzt vor. Was kostet eigentlich die jüngste Ausgabe? Zu viel oder ein Zahnarztbesuch. Ein hoch auf die Wartezeiten.
Zylka lässt uns nicht warten und stellt uns ihre Prämisse vor, den roten Faden, an dem ihre Kritik entlanghangeln wird. Könnte. Sollte. Sie will die Frage, warum Shyamalan noch Filme drehen darf, mit seinem neuesten Film beantworten. Die erste Andeutung, dass wir hier etwas über die Qualität eines Filmes erfahren werden. Das, worum sich eine Filmkritik dreht. Zumindest eine Art von Filmkritik, wie wir auch an anderer Stelle noch lernen werden.

3. und 4. Absatz

Ein gesondertes Hallo an diejenigen, die hier noch mitlesen. Euch interessiert es sogar, was hier steht. Oder ihr merkt gar nicht, wo ihr hier gelandet sei, nachdem ihr bei Yahoo Singlebörse für zu hässliche Männer gegoogelt habt. Tut mir leid, aber hier bekommt ihr nicht, was ihr sucht. Beklagt auch beim Algowo-war-ich-stehen-geblieben?
Die aufgeworfene Frage wird mit einer erneuten Anekdote unbeantwortet gelassen. Shyamalan mag Berlin und Filme von Billy Wilder. Sagt uns das irgendetwas über Split? Nein. Ich fühle mich erneut an Zahnarztlektüre erinnert. Zylka würde gerne sicher noch mehr darüber erzählen, aber dafür reicht der Platz nicht. Möchte man meinen…

5. und 6. Absatz

Der Film wird erwähnt. Und eines seiner Themen. Schön kurz und prägnant. Danach folgt eine weiterführende Beschreibung, bei der ich lerne, dass die Figur Hedwig ein Mädchen sein soll. Genderwissenschaften schön und gut, aber ich glaube, das sollte ein Junge sein. Na sei’s drum, bei mir bin ich da auch nie so ganz sicher. Mal nachsehen. Hmm… zählt das schon… oder ist das noch…
Ansonsten passt alles und es fällt sogar eine schöne Umschreibung ins Auge, wie die Persönlichkeit namens Kevin vorgestellt wird. Leicht kreativ und trotzdem nicht ablenkend. Nett.

7. Absatz

Der eigentliche Plot. Wir erinnern uns, dass dieser Abschnitt kurz darlegen soll, worum es geht und was die zentralen Konflikte, bzw. Spannungsmomente sind, um dem Zuschauer Lust auf mehr zu machen. Das gelingt ihr in Anbetracht der vielen Erzählstränge des Filmes zur Genüge, auch wenn noch nicht klar wird, woher die Spannung rührt. Allerdings fragt man sich das auch noch nachdem man Split gesehen hat, weswegen ich ihr hier keinen Vorwurf machen kann.

8. Absatz

Das Beste am Film wird zuerst genannt: James McAvoy. Und dann mehr Anekdote. Für meinen Begriff zu viel, da wir immer noch nicht wissen, was Split genau für ein Film ist und warum er ihr gefallen hat oder auch nicht.

9., 10. und 11. Absatz

Noch mehr Hintergrundwissen zu Shyamalan. Also scheinbares Hintergrundwissen. Belege abseits von Spekulationen aus seinen Filmen heraus finden wir hier nicht. Bei Wikipedia dürfte das nicht verlinkt werden. Wobei, jetzt schon, denn nun kann man Spiegel Online als Quelle nehmen. Das System funktioniert.
Es folgt eine Retrospektive seiner Filme, auf die ich nicht näher eingehen möchte, da sie wenig mit seinem neuesten Werk zu tun hat. Der Grund, wieso ich auch der Autorin raten würde, dass sie nicht näher hätte darauf eingehen sollen. Dazu werden gleich die Enden von zwei seiner früheren Filme verraten. Kann man machen, muss man aber nicht. Da beide Werke über zehn Jahre alt sind, sollten wir uns langsam darauf einigen, dass man sie spoilern darf. Am Ende von Saw – keine Sorge, der Gag ist selbst mir zu billig.

12. Absatz

Noch mehr über die Vita von Shyamalan. Und wir lernen langsam, warum sich die US-Kritiker über ihn ausgelassen haben. Was es mit der Goldenen Himbeere auf sich hat, wird leider nicht erwähnt. Das ist eine Auszeichnung, die  in den USA verliehen wird, um besonders schlechte Leistungen im Filmgeschäft zu honorieren – quasi der Anti-Oscar. Jack und Jill hat 2012 derer 10 (von 12 möglichen) gewonnen. (Leider ist die offizielle Seite so schlecht wie die gewürdigten Filme, weswegen ich von einer Quellenangabe absehe)
Zylka kann aber auch den schlechte(re)n Filmen von Shyamalan etwas abgewinnen, was es sehr schwer macht, ihre Einschätzung zu Split einzuschätzen – sofern sie denn irgendwann kommen sollte. Immerhin konnte sie somit auch aus The Happening, After Earth und Die Legende von Aang mangels näherer Differenzierung ihren Spaß ziehen. Wobei das zumindest ein erster Hinweis darauf ist, wie ein interessierter Leser ihre Kritik aufnehmen kann. Vermutlich ungewollt, aber man kann als mündiger Leser damit arbeiten.

13. und 14. Absatz

Hat man hingegen darüber hinweggelesen, landet man wieder bei Shyamalan: der Mann für einen Handlungsstrang. Die Frau für einen Handlungsstrang verbindet nun den Regisseur mit seinen Fans. Beide seien emotional und nicht intellektuell. Und das begründet sie damit, dass die Fans das emotionale Ende von The Happening nicht gut fanden, weil es den Logikvorgaben der Fans nicht folgte. Also die Fans sind emotional, weil ihnen das emotionale Ende nicht gefallen hat und sie lieber ein logikbasiertes gehabt hätten, wie es intellektuelle Menschen vorziehen würden, die sie aber nicht sind. Also entweder verstehe ich hier irgendetwas falsch, oder sie hat soeben eine Behauptung mit einer gegenteiligen Begründung verifiziert.
Mal ganz abgesehen davon, dass das nach wie vor wenig mit Split zu tun hat. Allerdings erahne ich eine Richtung, in die die Kritik gehen könnte, um einen Bogen zu Logik versus Emotionalität zu schlagen. Verwegen mit einem langen Aufbau, aber könnte man machen.

15. Absatz

Warte, bei Split „könnte das anders werden“? Aber bei Split ist es doch genauso wie bei The Happening mit fehlender weltlicher Logik und… aber okay, dann halt wieder eine Begründung mit dem Gegenteil. Ich beschwere mich nicht, denn endlich sind wir da angelangt, wo wir hinwollen:
Bei der eigentlichen Kritik zu Split, dem neuen Film von – na, wer weiß es und kann ihn fehlerlos hinschreiben?
„Echtes Horror-Genre“ mit „blutigen Szenen“. Beides würde ich an dieser Stelle verneinen, aber ein bisschen rote Farbe sieht man und der Begriff Horror lässt eine weite Auffassung zu, da weder die Autorin noch ich uns einer Definition bemühen. Sie erkennt, dass Split – und da gebe ich ihr recht – nicht überraschend sei. Ob das gut oder schlecht ist, mag jeder für sich selbst entscheiden. Das ist okay gelöst, aber eine eigene Meinung hätte nicht schaden können.

16. Absatz

Das Ende von Split wird verraten. Also zumindest das Ende der drei Mädchen. Uff, das würde ich jetzt nicht unbedingt machen. Wird nicht jedem gefallen und sagt auch nichts über die Qualität des Filmes aus. Okay, ich habe auch Kritiken gelesen, die noch mehr verraten und die einzige Überraschung ganz zum Schluss vorwegnehmen, das macht bei Spiegel Online an dieser Stelle zum Glück niemand. Und da Split durch seine Rückblenden keinen Hehl daraus macht, dass das Schicksal der Mädels auf ungefähr diese Weise enden wird, bin ich nicht ganz so entsetzt, wie dieser Abschnitt unnötig für einen Leser war, der nur wissen will, aus welchen Gründen der Film was taugt oder eben nicht.

17. Absatz

Wir lernen: Split hat eine Moral.

18. Absatz

George Lucas hatte einen Autounfall. Stephen King übrigens auch. Hat beides wenig mit Split zu tun.

19. Absatz

Fremdwörter über Fremdwörter: Endlich mal ein Beweis, dass wir es hier mit einer professionellen Filmkritik zu tun haben. Und Zylka schafft einen Bogen zum Anfang: Shyamalan interessieren die Kritiken nicht. Ist das der Grund, wieso sie bis zu diesem Punkt immer noch keine geschrieben hat?

20. Absatz

Wo ist der 20. Absatz?? Wo ist die Filmkritik? Was soll ich nun von Split halten und wie fand die Autorin den Film? Wir erfahren es nicht und werden mit unseren Fragen allein gelassen. Dafür wissen wir nun, dass Shyamalan ein netter Nerd ist – und wir deshalb seine Filme nicht schlecht finden dürfen.

Abschließende Meinung des KritikenKritikers

War das jetzt überhaupt eine Filmkritikenkritik, wenn es sich am Ende um gar keine Filmkritik gehandelt hat? Oder ist es trotzdem eine Filmkritik, da wir nie definiert haben, was eine Filmkritik eigentlich ist? Jedenfalls hilft der Artikel namens „Split“ von M. Night Shyamalan niemandem weiter, der einfach nur wissen will, ob er zwei Stunden seiner Zeit und knapp 10 Euro für eine Kinokarte investieren soll. Und genau das wisst ihr jetzt auch.

Euer KritikenKritiker

…nach oben…

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