Wie schreibe ich eine Filmkritik – Die richtige Zielgruppe

In Wie schreibe ich eine Filmkritik – Die richtige Zielgruppe beschäftigen wir uns mit dem Kriterium, das die eigentliche Filmkritik am meisten beeinflusst – die Zielgruppe. Wir schauen uns mögliche Zielgruppen an und inwiefern sich das auf euren Text auswirken sollte. Außerdem gibt es eine kurze Einschätzung, welcher Schreiberling sich für welche Zielgruppe entscheiden sollte und warum man sich davon entfernen muss, für möglichst alle Leser schreiben zu wollen.



A. Darum solltet ihr überhaupt eine Zielgruppe definieren

Es gibt ein Überangebot an Seiten, Blogs und Zeitschriften mit Filmkritiken. Um einen Leser davon zu überzeugen, genau eure Artikel zu lesen, müsst ihr ihm nicht nur etwas zu lesen geben, das ihm gefällt, sondern auch die Gewissheit, dass ihr seiner Erwartungshaltung gerecht werdet. Und das jedes Mal aufs Neue. Wenn ihr heute spoilerfrei schreibt und bei der nächsten Kritik das Ende verratet, dann seid euch der Wut eurer Leser gewiss. Wenn ihr bis gestern nur über Hammer-Filme getextet habt und euch heute auf asiatische Kinderfilme spezialisiert, dann braucht ihr euch nicht über ein Abwandern der Stammkundschaft beschweren. Eure Filmkritiken müssen sowohl inhaltlich als auch in der Themenauswahl eine gewisse Konsistenz besitzen, die eure Leser bei der Stange hält und sie möglichst mit Vorfreude euren nächsten Schreibfluss erwarten lässt.
Experimente sind strikt erlaubt und eine gewisse Zeit zur Selbstfindung sei jedem gegeben. Ebenso gestattet sind eine Neuausrichtung oder gar ein komplettes Verzichten auf eine Zielgruppe, aber dann darf man sich nicht über die Konsequenzen beschweren.
Wenn ihr etwas anderes ausprobiert, z.B. zum ersten Mal eine Filmanalyse schreibt, dann ist es umso wichtiger, eine aussagekräftige Überschrift und eine wegweisende Einleitung an den Anfang zu stellen. So weiß der Leser, was ihn erwartet.

B. Diese großen Zielgruppen gibt es bei Filmkritiken

I. Für sich selbst schreiben

Wenn ihr nur für euch selbst schreiben wollt, dann braucht ihr nichts weiter zu beachten, als eure Ergüsse unbedacht in die Welt hinaus abzuladen. Allerdings stellt sich direkt die Frage, wieso ihr die Kritiken dann überhaupt veröffentlicht? Sobald etwas öffentlich gemacht wird, hat man eine Verantwortung gegenüber seinen Lesern. Eine Filmkritik, die ein Zuschauer vor dem Kinobesuch liest, entscheidet nicht nur darüber, ob er sich den Film auch anschaut, sondern beeinflusst seine komplette Einstellung und die Erwartungshaltung gegenüber dem Film. Ein Wörtchen zu viel verraten, kann ihm den gesamten Abend verderben und das Verschweigen einer bestimmten Begebenheit zu einer üblen Überraschung führen.
Mein Rat: wollt ihr nur zum Spaß für euch schreiben, dann tut genau das und lasst die Filmkritiken an einem Ort, an dem sie sonst keiner lesen kann. Denn sobald ihr sie ins Internet stellt, schreibt ihr die Kritik nicht mehr nur für euch selbst, sondern habt die Hoffnung, dass sie doch von wenigstens einer Person gelesen wird, die sich mit dem Text auseinandersetzt. Und dann steht ihr wieder vor der Frage: für welche Zielgruppe will ich eigentlich schreiben?

II. Für den 08/15-Leser vor dem Film

Die wahrscheinlich gängigste Filmkritik richtet sich an den Ottonormalkinobesucher, der am Abend ins Kino gehen will und noch nicht weiß, welcher Film es werden soll. Er liest kurz die Beschreibung zu den Filmen, deren Poster ihn interessiert haben und wühlt sich danach durch die Trailer der in Frage kommenden Streifen. Es bleibt bei einer Auswahl von zwei, drei Anwärtern, aus denen er jetzt den für ihn besten Film wählen möchte.
Und da kommt ihr ins Spiel. Er will nicht genau wissen, was wann wie warum mit welchen Mitteln passiert, er benötigt nur eine Meinung, der er vertrauen kann. Im besten Fall hat er bereits mehrere Kritiken von euch gelesen und kann eure Kritik richtig einschätzen. Wenn ihr bisher auf einer Wellenlänge in einem bestimmten Genre lagt, dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung auch dieses Mal sehr hoch. Besonders dann, wenn ihr eure Meinung gut und nachvollziehbar begründet. Nicht zu ausschweifend und ohne Details zu verraten, denn der Leser will den Film noch sehen und sich genauso überraschen lassen, wie ihr es hoffentlich wurdet.
Bei einer negativen Kritik besteht die Gefahr, zu viel in die Waagschale zu werfen, da ihr niemanden in den Film lotsen möchtet und deshalb besonders penibel die Nachteile aufzählt. Allerdings solltet ihr bedenken, dass es für jeden Film – wie für jede Kritik – eine Zielgruppe gibt und es kann gut sein, dass euer Leser euch beim Thema Komödie folgt aber im Horror-Genre eine gegenteilige Ansicht hat.

Zusammengefasst geht es hier also um eine begründete Meinung, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Zudem interessiert sich der 08/15-Leser weniger für Kamera, Schnitt, Kostüme und selbst Schauspielleistungen gehen ihm insofern am Arsch vorbei, dass er höchstens wissen will, wer mitspielt, da er mehr nach Sympathie bewertet. Hier ist also weniger mehr und filmische Disziplinen sind nur dann ins Feld zu werfen, wenn sie der Grund dafür sind, dass ihr den Film besonders gut oder schlecht fandet. Der mündige Leser wird dann schon selbst wissen, ob ihn das genauso interessiert. Verzichten solltet ihr ebenfalls auf Fachbegriffe, die ihr nicht direkt erklärt.

III. Für den Filminteressierten vor dem Film

Euer Leser weiß, was eine Screwball-Komödie ist und wodurch sich Luis Buñuel auszeichnet. Hier könnt ihr also mehr in die Vollen gehen, wenn es darum geht, einzelne Filmdisziplinen hervorzuheben und fachspezifische Ausdrücke zu verwenden (nicht zu viele Fremdwörter!). Allerdings sei euch gesagt, dass ihr euch in diesem Fall ebenfalls mit der Materie auskennen solltet, denn im Zweifel weiß euer Leser mehr als ihr über Filmwissenschaft und -historie. Wenn ihr keine zwei deutschen Synchronsprecher beim Namen kennt, dann ist es selten eine gute Idee, auf die Leistung der Herrschaften in der Kabine einzugehen. Außer sie ist so schlecht, dass es jedem auffällt, aber dann befinden wir uns wieder eine Überschrift weiter oben.
Die Regel, dass man nicht zu viel verraten sollte, besteht auch hier. Das Spoiler-Thema ist in vielen Augen zu sehr breitgetreten, aber einen einmal verprellten Leser bekommt ihr wahrscheinlich nicht mehr zurück. Andererseits sollte euer Text auch kein Flickenteppich an Spoiler-Warnungen sein – um genau zu sein, sollte er keine einzige Spoilerwarnung enthalten, denn dann befinden wir uns bereits eine Überschrift weiter unten. Wenn ihr etwas als Spoiler markiert, warum sollte es dann von jemandem gelesen werden, der den Film noch sehen will? Spoilerwarnungen ergeben sich immer daraus, dass jemand für zwei Zielgruppen schreiben will: für jene, die den Film noch sehen wollen und für jene, die ihn bereits gesehen haben. Irgendeine Gruppe kommt dabei zwangsläufig zu kurz, also macht euch Gedanken, was euch mehr am Herzen liegt.

IV. Für den Filminteressierten nach dem Film

Hier könnt ihr schreiben, wie euch die Schnauze gewachsen ist. Insbesonders eine Filmanalyse fällt hierunter. Bedenkt aber stets, dass ihr irgendwo zu erkennen geben solltet, an wen sich euer Text richtet, damit sich nicht doch ein Leser blinden Auges in euer Territorium verirrt. Keine Sorge, eine Überschrift mit dem Wort „Analyse“ genügt hier völlig.
Schreibt über alles, das euch aufgefallen ist und je mehr ihr ins Detail geht, desto aussagekräftiger und mit Wissen unterfüttert sollte euer Text sein. Keine Angst, die richtige Zielgruppe wird sich von selbst einfinden. Wenn jemandem euer Text zu unwissenschaftlich ist, dann liest er ihn nicht und wer auf eure philosophische Ader steht, der bleibt automatisch.
Der Zuschauer kennt den Film bereits und möchte sich weiterbilden und irgendetwas Neues mitnehmen. Wenn der Film z.B. in der Schweiz spielt und in Deutschland gedreht wurde, dann ist jetzt die Gelegenheit, das hinzuschreiben. Kann man theoretisch auch bei einer Vorab-Kritik hinzufügen, aber welchen Zuschauer interessiert das vor dem Kinobesuch? Da geht es darum, ob er sich den Film überhaupt ansieht. Es ist nett, dass ihr solche Anekdoten kennt, die Frage sollte aber stets lauten, was das eurer Zielgruppe bringt. Zudem nie vergessen, Quellen anzugeben. Aber das Thema beleuchten wir ein andermal.
Eine freie Form, aber keinesfalls die einfachste, da man etwas von der Materie Film verstehen sollte. Und wenn ihr das nicht tut, dann wird das euren Lesern auffallen.

V. Für den Meinungsaustausch nach dem Film

Hier geht es entgegen dem obigen Beispiel nicht darum, Wissen zu vermitteln, sondern ganz und gar um eure Meinung. Es ist zwar interessanter, wenn ihr eine streitbare habt, an der sich der Leser aufreiben kann, aber das kann natürlich nicht immer der Fall sein. Nehmt den Film komplett auseinander, wenn ihr ihn gehasst habt oder geht ins Detail, welche Szene euch aus welchen Gründen zu Tränen gerührt hat. Gleichgesinnte suchen in eurem Text Bestätigung und anderslautende Meinungsinhaber schreiben gerne einen Kommentar, um sich mit euch auseinanderzusetzen. Nachvollziehbare Begründungen und Selbstkenntnis sind hier stark von Vorteil. Ein „ich mag Ryan Goslings schiefes Gesicht nicht“, ist vielleicht ehrlich, aber nichts für einen Meinungsaustausch. Wobei ich mir sicher bin, dass sich auch für solche Texte eine Zielgruppe finden lässt.
Hierunter fallen auch solche Kritiken, die sich damit beschäftigen, dass The Revenant zu brutal, La La Land zu rassistisch und Elle zu wenig feministisch sei. Man darf so etwas natürlich auch in einer Vorab-Kritik erwähnen, wenn das der Grund für das eigene Miss-/Gefallen ist, aber viel besser verordnet sind sie für einen späteren Meinungsaustausch. Hier kann man sich nach Herzenslust auslassen und muss sich auch nicht mit Beispielen aus dem Film zurückhalten. Zudem wird ein Leser, der eure Ideologie nicht teilt, wenig mit einer Vorab-Kritik zu dem Thema anfangen können. In dem Fall schreibt ihr lieber einen neuen Artikel, der nicht unter dem Motto Filmkritik steht (denn damit verknüpft man in der Regel eine Vorab-Kritik). Es werden sich genug Leser finden, die mit euch diskutieren wollen. Wenn ihr euren Artikel korrekt benennt umso mehr.

VI. Keine Kinofilme sondern…

Natürlich kann man auch für Filme außerhalb des Kinos schreiben; z.B. bei einer Beitragsreihe oder zu den neuesten Starts auf DVD / On-Demand. Diese unterscheiden sich nicht großartig von den oben genannten vier Zielgruppen. Wobei sich für Neustarts Vorab-Kritiken mehr anbieten und für ältere Filme eine tiefergehende Analyse hinsichtlich Meinung oder filmwissenschaftlichen Aspekten. Ebenso lässt sich über Filme schreiben, die morgen im Fernsehen kommen oder gestern gezeigt wurden. Daneben gibt es unzählige Seiten, die sich mit ganzen Genres beschäftigen. Egal, welche Art von Filmen ihr besprecht, es bleibt das Wichtigste, seine Zielgruppe zu kennen und zu wissen, ob ein Text für davor oder danach gedacht ist.

VII. Mischvarianten

Von der 08/15-Kritik bis zu derjenigen für absolute Filmkenner gib es zahlreiche Abstufungen, die sich nach eurem eigenen Wissensstand und danach richten, wie stark ihr Fachbegriffe verwendet und Stilmittel ansprecht. Ebenso wird eine Kritik zum Meinungsaustausch Elemente der Filmanalyse enthalten, um die eigene Meinung bestärken zu können. Andersherum sollte man sich zurückhalten, auch wenn man häufig nicht umhin kommt, zu argumentieren, welches Stilmittel, welche Gefühle auslösen sollte und warum es das letztlich (nicht) geschafft hat. Auch hier gibt es demzufolge Abstufungen.
Auf keinen Fall sollte man hingegen eine Vorab-Variante mit einer nachgelagerten Kritik vermischen. Wie bereits ausgeführt, muss man sich hüben zu sehr zurückhalten, um die Leser von drüben zufriedenstellend bedienen zu können. Wenn man zu ausschweifend argumentiert, dann können die unwissenden Leser entweder nichts mit dem Text anfangen, oder ihre Erwartungshaltung wird vollumfänglich in eure Ecke gedrängt. Eine der beiden Seite kommt dabei zwangsläufig zu kurz.

C. Die richtige Zielgruppe finden

Es kann euch niemand die Entscheidung abnehmen, welche Art von Filmkritik euch am meisten Spaß bereitet. Zudem finden sich nach und nach die passenden Leser von selbst ein, wenn – und das ist der springende Punkt – ihr euch nach einer Findungsphase selbst treu bleibt und davon wegkommt, für möglichst alle Lesergruppen schreiben zu wollen. Andernfalls verprellt ihr mit jeder neuen Filmkritik nur noch mehr Leser, anstatt genau diejenigen zu binden, die zu euch und eurem Schreibstil passen. Legt euch irgendwann fest, ob ihr Kritiken für davor oder danach schreiben wollt und überlegt euch, was jeweils in den Text gehört und was nicht. (Zumindest so lange, bis ihr es auf FilmkritikenOD in einem weiteren Teil lesen dürft)
Vergesst nicht, euren Text dementsprechend zu kennzeichnen, um auch neue Leserschaften schneller zu erschließen und probiert gerne andere Textarten aus, um herauszufinden, wie sehr euch diese liegen.

D. Abschluss

Wir haben euch die vier großen Zielgruppen einer Filmkritik gezeigt und diese kurz auf ihren Inhalt hin analysiert:
(1) Vorab-Kritik für Gelegenheitszuschauer (Filmkritik im engeren Sinne)
(2) Vorab-Kritik für Filminteressierte
(3) Nachgelagerte Kritik für Filminteressierte (vgl. Filmanalyse)
(4) Nachgelagerte Kritik zum Meinungsaustausch (Streitschrift, Lobeshymne, Eröterung)

Fragen, Anregungen, Beleidigungen und Einladungen zu Dates bitte in die Kommentare.

…nach oben…

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8 Gedanken zu “Wie schreibe ich eine Filmkritik – Die richtige Zielgruppe

  1. Also zunächst möchte ich dich auf ein Date einladen, du Arsch.
    Dann möchte ich anmerken, dass deine Ausführungen durchaus plausibel und verständlich sind.
    Meine Frage: Was qualifiziert dich zum Ratgeber? 🙂
    Du stellst da ein paar (nennen wir es in Mangel eines besseren Wortes) Regeln auf, die wie gesagt Sinn ergeben. Nur muss das deshalb noch lange nicht richtig sein. Interessiert es die Lesergruppe X, dass ich mein Wissen mit Quellen belege? Usw. Ich weiß es nicht. Du scheinbar schon. Woher? 😉

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    • Wohin soll das Date denn gehen, ich bin da sehr anspruchsvoll, musst du wissen 😉

      Endlich mal jemand, der kritisch nachhakt, sehr schön. Genau darum geht es mir (uns) u.a. mit diesen Texten. Dass man sich als Schreiber Gedanken über seinen eigenen Text und auch über die Kritiken von anderen macht. Bin sogar etwas enttäuscht, dass die Frage nach meiner Kompetenz erst jetzt kommt. Aber um den Filmkritikenkritiker zu zitieren: Was befähigt dich denn dazu, Filmkritiken zu schreiben?
      Allerdings soll man Fragen nicht mit Gegenfragen beantworten, da das nur von der eigenen Unsicherheit ablenkt. Wirklich befähigen tut mich dazu nichts, wenn du eine Ausbildung, abgeschlossenes Studium, etc. voraussetzt. Wobei mich evtl. gerade das Fehlen dazu befähigen könnte, da man dann häufig nicht stur in seinen Schemata festgefahren ist. Aber um die Frage wirklich mal zu beantworten: Interesse, Hinterfragen und das Lesen von wirklich sehr, sehr vielen Filmkritiken im letzten halben Jahr.

      Im Grunde stelle ich in dem Text nur eine feste Regel auf und das ist die, dass man Texte für Leser VOR dem Film nicht mit denen für Leser NACH dem Film mischen darf. Ist meine Meinung und steht wie alles zur Debatte. Könnte auch daran liegen, wie oft ich micht über Filmkritiken in den letzten Monaten aufgeregt habe, die gerade diese „Regel“ nicht befolgt haben. GIbt sicher auch genug Leser, die das nicht stört, die drüber hinweglesen, oder die einfach weiterziehen.

      Richtig und falsch ist so philosophisch, dass wir da wohl auf kein „richtiges“ Ergebnis kommen werden. Ich hinterfrage und stelle Thesen auf und möchte, dass sich Schreiber von Filmkritiken damit auseinandersetzen und beleuchten, was sie selbst warum geschrieben haben. Ich selbst frage mich, was in einer Vorab-Kritik wichtig sein kann – und die Betonung liegt auf kann – damit der Leser sich vollumfänglich ein Bild machen kann.
      Das mit den Quellen ist dem geschuldet, dass ich vielerorts (aus Pietätsgründen keine Quellen) an den Haaren herbeigezogenes lesen durfte; z.B. die Geschichte mit den Oscars: Warren Beaty hat den Namen La La Land nicht vorgelesen und trotzdem schreiben es alle so ab. Man soll nicht jeden Blödsinn belegen (zu der Quellenangabe kommen wir deswegen auch erst am Ende der Reihe), aber wenn man irgendetwas irgendwo gelesen hat, dann gehört das eben dazu, die Quelle angeben. Wenn ich Film x aus Grund y scheiße finde, dann brauche ich dafür keinen Quellen belege. Und wenn ich es in einem Interview im TV gehört habe, dann fällt die Quellenangabe ebenso schwer.

      Wer sich nicht an irgendetwas halten will, bzw. keine Lust hat, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, dann ist das auch okay. Ich schreibe meine Kritiken ja auch meist anders als der Rest. Ich finde, dass man sich durchaus mal überlegen kann, wie man was warum schreibt und auf was man achten KANN. Und darum soll es bei dieser Beitragsreihe gehen. Wie bei Filmen gibt es kein „so muss man es machen, damit es funktioniert“ und das ist auch gut so, denn sonst wäre es eintönig und fad. Deswegen ist der zweite Punkt, zu zeigen, was es eben für Möglichkeiten gibt, Filmkritiken zu verfassen. Sich streng an Schema Einleitung-Handlung-Kritik-Fazit zu halten, ist auch nicht die Lösung schlechthin.

      Achja, was mich noch dazu befähigt: ich mache es.
      Aber darüber können wir uns bei unserem Date unterhalten 🙂

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      • Was das Date angeht, bin wohl etwas aus der Übung. Ich hätte jetzt zum guten alten „Abfüllen, Abschleppen, Abladen“ zurückgegriffen… Ohje. Zurück zum Thema.

        Du hast eigentlich die wichtigen Sachen, die ich im Kopf hatte, selbst genannt und relativiert. Das klang im Text einfach nur etwas zu verbindlich und allgemein gültig.

        Mal aus Interesse: Für welche Zielgruppe schreibst du denn? Das wurde bei deinen letzten Experimenten nicht so richtig deutlich 🙂

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        • So etwas romantisches hat noch nie jemand zu mir gesagt, ich bin überwältigt.

          Von den angegebenen Zielgruppen schreibe ich für den 08/15-Hansele vor dem Film, was hoffentlich nicht ganz untergeht in den Experimenten, wie weit eine Filmkritik gehen kann, bis sie als keine mehr angesehen wird. Zusätzlich für Leser, die nach Unterhaltung suchen und weniger nach einer tiefergehenden Filmanalyse. Eine kurze Meinung verpackt in einer schnell zu lesenden, hoffentlich amüsanten Geschichte mit Interpretationsspielraum für jene, die danach suchen wollen.
          Für alles weitere zitiere ich Harry Potter: „I open at the close.“

          Achja, dieses Abladen, bezieht sich das auf das Abladen zu Hause oder auf das zweideutigere Abladen währenddessen?

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          • Ach du liebe Zeit! Wenn das Niveau jetzt schon im Keller ist, kann ich ja ganz offen sprechen. Das „Abladen“ bezog sich auf das Verscharren der Leichenteile auf der nächsten Deponie. Nur um keine zweideutigen Missverständnisse aufkommen zu lassen.

            Was deine Zielgruppe angeht, könnte es natürlich an mir liegen. Aber ich bezweifle, dass der 08/15-Kinogänger nach dem Lesen deiner (neuesten) Textexperimente schlauer ist als vorher. Unterhaltsam sind sie in der Regel schon. Aber wenn ich mir vorstelle, ich wäre unentschlossen ob ich einen Film sehen wollte oder nicht, wäre deine Ergüsse eher nicht hilfreich. Und das war jetzt nicht zweideutig gemeint, Sie Schuft. 😛

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            • Ah, okay. Ich hatte schon Angst, ich hätte es hier mit einem Psychopathen zu tun.

              Tja, das ist der schmale Grat bei solchen Geschichten. Wobei es mir bei A Cure for Wellness wirklich nur darum ging, dass der Leser weiß, dass das Ende Müll ist. Wenn man mit der Erwartung reingeht, dann wird man zumindest nicht enttäuscht. Bei Trainspotting ging es mir im Grunde auch nur darum, dass es halt Nostalgie für Fans des ersten Teils ist. Als Leser weiß man hoffentlich, ob man dazu gehört. Das könnte ich auch in zwei Sätzen auf Twitter schreiben, dat stimmt. Allerdings ist mir auch daran gelegen, den Leser etwas in die richtige Stimmung zu versetzen. Was zugegeben nicht ganz so einfach ist.

              Man könnte ellenlang über Schauspieler, Einstellungen, etc schreiben, aber ich frage mich halt: wen interessiert das im Vorhinein? Ich bin sogar der Meinung, dass solches Wissen den Zuschauer während des Films eher ablenkt. Und gerade da soll er sich ja auf den Film konzentrieren. Im Nachhinein finde ich das spannend zu wissen und bei einer Zweitsichtung kann man das auch gerne genießen. Zu Split z.B. habe ich mir stark überlegt, eine Analyse herauszubringen, aber dann hat die Faulheit obsiegt.
              Ich möchte nicht abstreiten, dass ich experimentiere, um herauszufinden, was geht und was nicht. Was dem Leser etwas bringt und was nicht. Von dem her nehme ich deine Meinung gerne an, dass die letzten beiden (?) für dich in diesem Sinne nicht so hilfreich waren.
              Es ist ein Spagat zwischen Unterhaltung und Hilfe. Und Spagat kann man nicht sofort, oder man hat gewaltige Schmerzen dabei. Und das war eindeutig so gemeint.

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  2. Okay. Geile Aktion von euch. Gebe zu, ich habe mir noch nicht soo detailliert Gedanken darüber gemacht, WIE ich eine Filmkritik schreibe und besonders nicht, für WEN. Schande über mich. Schande über meine Kuh.

    Rede mich mal damit raus, dass ich mich noch in der Selbstfindungsphase befinde. 😛

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    • Danke. Keine Sorge, die Texte sollen auch nur als kleiner Anreiz dienen, bzw. in Zukunft als eine kleine Zusammenfassung, wie vielfältig man Filmkritiken eigentlich schreiben kann. Keiner soll sich genötigt fühlen, uns in irgendeinem Punkt zu folgen. Sonst wär’s ja auch langweilig.

      Das ist auf jeden Fall eine gute Ausrede 😉

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