Hounds of Love – Filmkritik(?)

Filmkritik zum australischen Horrorthriller-Entführungsdrama Hounds of Love (2016)

Gesehen auf Netflix
Direkt zur Schokolade

Emanzipation in Deutschland

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© Label Distribution

  • Januar 1919: Erstmals dürfen Frauen wählen
  • Mai 1949: Art. 3 GG „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“
  • Juni 1976: Es gibt keine gesetzlich festgelegte Aufgabenverteilung in der Ehe mehr
  • Mai 1997: Vergewaltigung in der Ehe wird strafbar
  • November 2018: Nach wie vor Diskussionen über #metoo, § 219a StGB, Quoten am Arbeitsplatz und die Bezahlung von Frauen

Erstaunlich, dass die Filmkritik zu Hounds of Love mit diesen Fakten beginnt. Und genauso erstaunt war ich, dass der Horrorthriller in seinem Herzen eine feministische Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau in Beziehungen darstellt.
Da haben wir auf der einen Seite die Mutter der Hauptfigur, die sich freiwillig(?) von ihrem Mann getrennt hat, um mit ihrer Tochter ein selbstbestimmtes Leben zu verbringen. Auf der anderen Seite steht die Entführerin der Hauptfigur, die sich an ihren jetzigen Mann klammert, in der Hoffnung, dass er sie in ein besseres Leben führen möge.

Die Gefahr des Vertrauens

hounds-of-love-003Vor etwa zehn Jahren arbeitete ich an einer Bar auf einem Volksfest und lernte ein Mädel kennen. Sie stellte mich ihrem Onkel und ihrer Tante vor, bei denen sie am Wochenende wohnen würde. Als sie mich fragte, ob ich nicht noch mit ihnen weiterziehen wolle, hatte ich die Wahl zwischen einem sicheren Schlafplatz bei einem Kumpel und die Aussicht auf einen spaßigen Abend. Ich schüttelte mein gestörtes Urvertrauen für ein paar Stunden ab und landete irgendwann bei Onkel und Tante zu Hause. Mein Glück war, dass es sich hierbei nicht um ein psychisch krankes Pärchen handelte, das mich bei sich einsperrte, um mich zu vergewaltigen und umzubringen.
Die Hauptfigur aus Hounds of Love hat leider weniger Glück…

Wie schon angedeutet, handelt es sich dabei nur um die oberflächliche Betrachtungsweise der Geschichte. Daneben geht es um so viel mehr und nicht selten blitzt der bisweilen satirische Umgang mit Geschlechterverhalten in Beziehungen auf. So sehr wir uns bei der Entscheidung, wo wir unseren Abend verbringen möchten, auf die Abwägung zwischen Gefahr und Vertrauen verlassen müssen, so unendlich größer ist die Tragweite bei einer Beziehung.
Selbst der netteste Partner kann sich mit der Zeit als Hölle auf Erden herausstellen und unsere Hoffnung bis zum Äußersten ausreizen.
„Er/Sie war doch zu Beginn noch nicht so. Das ist bestimmt nur eine Phase. Die Zukunft wird besser.“
Keine Ahnung, ob sie wirklich besser wird, aber das Stockholm-Syndrom könnte wieder erstarken und zumindest das Vertrauens-Problem lösen. Freilich wird die Abhängigkeit dafür umso größer.
„Wie gut, dass wir ab und an ein nettes Mädel entführen, um uns gemeinsam an ihr zu vergehen. Das stärkt die Bindung zwischen uns, denn wir sind Bonnie und Clyde.“
„Schatz, vertrau mir, ich finde sie nicht schöner als dich.“
Zweifel gesät, der Samen wächst…

Ein Film wie ein Überraschungsei

hounds-of-love-005Spiel, Spaß, Spannung und Schokolade. Okay, für die Schokolade währenddessen müsst ihr selbst sorgen, aber den Rest bringt euch Hounds of Love freundlicherweise direkt ans Bett.

Manch einer mag sagen, dass ihm der Film nicht brutal genug sei. Manch einer mag sagen, dass ihm die oben angesprochenen Untertöne nicht interessieren. Und manch einem wird die Mischung von Erotik und Gewalt nicht gefallen.
Für mich hatte der Film genau das richtige Verhältnis Drama und Thriller. Und selbst die unterhaltsameren Passagen sind wie die zurückhaltende Filmmusik im richtigen Zeitpunkt eingestreut worden.

Was aus Onkel und Tante des Mädels geworden sind? Die habe ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen. Und auch sonst niemand…

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 03.11.2018)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,5 / 10
7455
moviepilot
6,8 / 10
249
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5 Gedanken zu “Hounds of Love – Filmkritik(?)

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