Rashomon – Filmkritik(!)

Filmkritik zum japanischen Klassiker Rashomon – Das Lustwäldchen (OT: Rashômon, 1950)

Nachdem wir jetzt wissen, dass ich keinen Gastautor mehr einladen werde, widmen wir uns heute dem, für was diese Seite primär steht: Filmkritiken! In der Mehrzahl.
Rashomon wurde jüngst auf Platz 4 der besten nicht-englischsprachigen Filme gewählt.

1. Filmkritik zu Akira Kurosawas Rashomon – Das Lustwäldchen. Geschrieben von einem Blog, der für (wohlwollende) Kritiken bezahlt wird.

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© Lupe

[…]und dann flattert mir das Rezensionsexemplar von Rashomon ins Haus. Wenn das nicht Schicksal war, dann weiß ich auch nicht. Direkt die DVD in den Spieler geworfen und los ging die Sause.
An dieser Stelle möchte ich freiwillig erwähnen, dass mir die DVD von trigon-film dankenswerterweise kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Was aber nicht heißt, dass meine Kritiken in irgendeiner Weise beeinflusst werden! Hier gibt es knallharte Analysen und wenn einem Verleiher das ganze nicht passt, dann werden seine Filme hier eben nicht mehr vorgestellt. Das Geschäft ist ein Geben und Nehmen. Und ich nehme mir jetzt das Recht heraus, euch die Kritik zu Rashomon vorzustellen. Kostenlos versteht sich. Aber bitte schaltet doch euren AdBlocker aus. Danke und viel Vergnügen beim Lesen.

90 Minuten später:
Wowsapalooza, da hat trigon-film ganze Arbeit bei der Restaurierung dieses unvergleichlichen und unvergesslichen Klassikers geleistet. Nie sah Rashomon besser aus. Da würde sich Akira Kurosawa vor Freude im Grab umdrehen, wenn er sehen könnte, in welchem Glanz sein Meisterwerk heutzutage erstrahlt. Wer die DVD noch nicht sein Eigen nennt, sollte sofort zuschlagen. Ich habe euch den Shop von trigon-film netterweise verlinkt. Euch treffen keine Zusatzkosten, wenn ihr den Link nutzt, aber ich bekomme einen kleinen Obulus, der mir hilft, euch auch in Zukunft erstklassige Filmkritiken zu erstklassigen Filmen zu bieten. Quid pro quo, wie es schon in das Schweigen der Lämmer hieß. Auch zu diesem Film habt ihr unten einen Link auf Amazon. Der ist fast genauso klasse wie Rashomon.
Kümmern wir uns aber zunächst weiter um einen der besten japanischen Filme aller Zeiten – was sage ich: zu einem der besten Filme aller Zeiten weltweit.

Kurosawas Rashomon erzählt die Geschichte eines Mordes, oder war es Totschlag, oder gar Notwehr? Das ist das Besondere an diesem Stück Filmgeschichte: die Geschichte wird aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Der Täter verantwortet sich vor Gericht. Genauso wie eine Zeugin und der Geist des Opfers. Alle drei erzählen eine unterschiedliche Variante. Doch niemand stellt sich selbst als Moralapostel dar. Wem glaubt der Zuschauer, der wie beim Brecht’schen Theater direkt angesprochen wird?

Keine Ahnung, warum dieser Kunstgriff so selten in Filmen verwendet wird, denn er ist schlichtweg genial. Man bekommt die Geschichte aus mehreren unterschiedlichen Perspektiven erzählt und jede ist auf ihre Art und Weise berauschend und atemberaubend. Hinzu kommt Kuroawas visonärer Stil, der dank der Restaurierung von trigon-film zum ersten Mal wirklich zur Geltung kommt. Selbst wenn der Film erst heute erscheinen würde, müsste man ihm sofort den Status des Weltkulturerbes geben. Also schnappt zu, so lange ihr noch die Chance dazu habt. Es lohnt sich. Auch für mich, wenn ihr auf den Link klickt 🙂

2. Filmkritik zu Akira Kurosawas Rashomon – Das Lustwäldchen. Geschrieben von einem Blog, der Kritiken nur schreibt, um irgendwann dafür bezahlt zu werden.

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© Lupe

Rahsomon ist kein Pokémon sondern ein Film. Ob er auch gut ist, darum geht es in meiner heutigen Kritik.

Worum geht es?
Es geht um die Darstellung der Vergewaltigung einer Frau und der Ermordung ihres Mannes, eines Samurai. Der Film besteht aus drei vollständig voneinander getrennten Ebenen: Der Rahmenhandlung, einer Handlung vor Gericht sowie einer Haupthandlung, die während des Filmes viermal in verschiedenen Versionen wiederholt wird, und zwar je eine Version der drei Verbrechensbeteiligten sowie die eines scheinbar passiven Zeugen, des Holzfällers.

Mein Urteil:
Einzigartiger Filmkunst-Klassiker, der Japans Kult-Regisseur Akira Kurosawa international berühmt und Schauspieler Mifune zum Weltstar machte.

Wissenswertes:
Die DVD passt gut neben all die anderen DVDs im Regal, da sie die passende Größe hat. Kein Millimeter schaut hervor. Ebenso wurde ein schickes gelb für das Cover verwendet. Der Film geht mit unter 90 Minuten nicht so lang und so kommt keine Langeweile auf. Die verschiedenen Perspektiven erinnern an die Folge aus der Serie Der Prinz von Bel Air, in dem die Poolparty aus der Sicht der Jungs und dann aus der Sicht von Onkel Phil erzählt wird. Das hat einen großen Spaß gemacht, als sie erst als nette Jungs und dann als böse Übelwichte dargestellt wurden. Bei Rashonom ist das auch so.
Oder Eine Nacht bei McCool’s, in der die Geschichte aus der Sicht von drei Männern erzählt wird und so für viele Lacher sorgt. Rashmoon macht das ähnlich. Nur handelt es sich hier um einen japanischen Film aus den 50ern und keinen US-amerikanischen von 2001.

Hat euch die Kritik gefallen? Dann gebt mir ein Like und erzählt auch euren Freunden davon. Nur hier bekommt ihr ungeschönte Kritiken auf den Punkt gebracht. Bis zum nächsten Mal zur Kritik von Citizen Kane, einem Film über einen Mann, der seinen Schlitten sucht.

3. Filmkritik zu Akira Kurosawas Rashomon – Das Lustwäldchen. Geschrieben von einem Blog, das Wert darauf legt, dass es „das Blog“ und nicht „der Blog“ heißt.

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© Lupe

Rashomon mag ein Klassiker sein, aber klasse ist er deswegen längst nicht. So viel Geschrei gab es zuletzt bei meiner Bar Mitzwa. Und so eine Beschneidung hätte dem Film ebenso formidabel zu Gesicht gestanden. Toshiro Mifune als permanent schreiender Samurai z.B. gehört direkt vom Hof gejagt. Mag sein, dass sich das in Japan so geziemt, aber ich habe mir keine Bang & Olufsen Boxen gegönnt, damit mir das Gehirn zwischen den Ohren in Fetzen gezetert wird.
Da mag die Idee mit den vier Varianten noch ausgeklügelt sein. Klug war die Entscheidung nimmermal, das Ganze als japanische Variante von Scream umzusetzen. Für heutige Europäer und Weltenbürger ist es schlichtweg nicht ertragbar, wie hier geschauspielert wird. „Rabääh, rabääh, rabähh.“ Da habt ihr das Filmzitat der Woche.

Neben der leichten Unerträglichkeit des Schreiens, muss man heutzutage auch den Hut ziehen vor dem langweiligen Setting, das nur aus einem schwarz-weißen Feld besteht. Den Hut ziehen, damit er nicht verrutscht, wenn man wild mit dem Kopf schüttelt! Da hätte man dem fremdernannten „Meister der Bilder“ (so betitelt auf der DVD-Rückseite) durchaus mehr zugetraut. Stattdessen ein Meer aus Geschrei, Geschwurbel und gestatten, meine Name ist Hase: ich weiß von nichts. Die haben alle die Geschichte miterlebt und stellen sich selbst als die Schuldigen dar. Dann werft alle in das Gefängnis, in das sie für das Verbrechen eingesperrt gehören, das sich die Umsetzung von Rashomon nennt.

Meisterwerk, Meisterwerk. Wenn ich das schon höre, kotze ich mir in die vorgehaltene Hand, wie sich das geziemt. Ein zweibeiniger Stuhl ist ein Meisterwerk, wenn er von einem Mann gemacht wurde, der die Meisterprüfung bestanden hat. Und wenn die Scheiße fressenden Fliegen wie die Scheiße fressenden Fliegen um die Scheiße kreisen, dann sagt das nichts anderes, als dass der Film Scheiße fressenden Fliegen gefällt.
Weiß Jean Luc Godard wie Rashomon zu seinem Renommee gekommen ist, ich habe keine Vorstelung davon, wie es dazu gekommen ist. Wäre er aus der Republik China, dann – ja, dann läge der Fall klar mit einer Milliarden Menschen ohne freien Willen. Aber im frei denkenden Japan, in dem man seine Meinung zusammen mit seiner Ehre bis aufs Blut verteidigt, da ergibt (nicht macht!) das schlicht und unbegreiflich keinen Sinn.

Lasst euch nicht einreden, dass euch dieses Trauerspiel zu gefallen hat. Wenn in einem Lustwäldchen ein Samurai umfällt und keinen interessiert es, hört man dann trotzdem unerträgliche Schreie des Hauptdarstellers? Leider ja. Und damit bin ich so raus, wie die DVD aus meinem Fenster, nachdem die ersten Buchstaben des längst herbeigesehnten Abspannes über den Fernseher liefen. Und dabei habe ich den Film vorausschauend in 1,4-facher Geschwindigkeit gesehen.

4. Filmkritik zu Akira Kurosawas Rashomon – Das Lustwäldchen. Geschrieben von einem Blog, der lieber Philosophie studiert hätte.

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© Lupe

Der unzuverlässige Erzähler ist in Filmen leider ein viel zu selten genutztes Stilmittel. Wobei es hier zwei grandiose Beispiele gibt. Der eine, Die üblichen Verdächtigen, besticht durch sein überraschendes Ende. Der andere, Rashomon, besticht durch seinen Vorreiterstatus und die unwirkliche, wie unnahbare Umsetzung. Für den Westen im heutigen Jahrtausend machen die Beweggründe der Beteiligten im Film keinen Sinn. Jeder belastet sich durch seine Aussage selbst. Die Frage nach dem warum drängt sich auf und wird doch nicht gelöst.

Vergleichbar mit dem wahren Leben gibt es keine allgemein gültige Wahrheit. Es gibt allein eine subjektive Wahrheit, die den Namen Wahrheit nicht verdient. Denn sie ist nicht wahr. Sie war es zu keiner gedachten Millisekunde, in der wir die Erfahrung gemacht haben, und erst recht nicht, sobald wir die Erinnerung in unser Gehirn abgelegt haben. Unsere Sinne arbeiten nicht der Wahrheit entsprechend. Wir sehen Farben nicht so, wie sie von der Natur gemacht sind. Ja, wir hören nicht einmal alle Töne, blenden unliebsame Gerüche mit der Zeit aus und vergessen das einprägsamste Erlebnis unseres Lebens: unsere Geburt. Wenn es nach unserem Gedächtnis geht, wurden wir nie geboren. Und dennoch fragen wir uns zunächst, wie das Universum entstanden ist.

So wenig Antworten Rashomon liefert, so viele Fragen kann man sich über dieses auf Leinwand bebilderte Gedankenkonstrukt machen. Neben der nach der Wahrheit geht es um die Ehre. Gibt es heutzutage überhaupt noch so etwas wie Ehre? Oder sind wir bereits im Kollektiv in den Status der Schande gerückt, weil wir zahlreiche Kriege und Verbrechen zugelassen, gar mitgefochten haben?

Alle drei Kritiken, dir ich bislang lesen durfte, haben sich dieser Verbrechen schuldig gemacht. Sei es der Verkauf des eigenen Ansehens für unlautere Zwecke, das Schreiben einer Kritik, ohne den Film gesehen zu haben, oder das Verunglimpfen eines Kunstproduktes, um selbst eines zu werden. Doch auch ich mache mich schuldig. Zwar habe ich keinen Dolch gestohlen, aber stelle mich selbst als Moralapostel über andere und durch das Brechen einer Metaebene, indem ich dies zugebe, möchte ich selbst Erlösung erfahren.

 

Wie ihr Rashomon tatsächlich finden werdet, lässt sich nur herausfinden, indem ihr ihn mit eigenen Augen seht. Eine andere Wahrheit wird es für euch nicht geben. Außer, ihr schaut ihn nie an. Dann sind alle vier hier geschilderten Geschichten gleichzeitig und gleichsam wahr.

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 10.11.2018)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
8,3 / 10
128.042
moviepilot
6,0 / 10
3546

8 Gedanken zu “Rashomon – Filmkritik(!)

  1. “ Und dabei habe ich den Film vorausschauend in 1,4-facher Geschwindigkeit gesehen.“

    Solche Seitenhiebe/ironische Bemerkungen habe ich jetzt schon häufiger gelesen und gehört. Mal im Ernst. Machen das Leute mittlerweile wirklich??? Wundern würde mich das nicht mehr. Ich finde es schon komisch, wenn sich Kollegen auf den 20 Minuten zur Arbeit den Anfang eines Films reinziehen. Auf dem Heimweg dann die nächsten 20 Minuten. Den Rest des Films schaut man dann je nach Gemütslage am Abend oder am nächsten Morgen während des Frühstücks.

    Gefällt 2 Personen

    • Ich habe mal Verblendung (das schwedische Original) in 1,2-facher Geschwindigkeit angeschaut, damit ich rechtzeitig zum Kinostart von Verdammnis (ebenfalls schwedisch) fertig war. Und ich muss sagen, der Film hat mir so im Nachhinein sogar besser gefallen 😉

      Ansonsten kenne ich genug Leute (und habe mich auch selbst erwischt bei The Late Bloomer), die ihr Handy während des Filmes aus der Tasche ziehen und im Netz surfen. Da wundert einen nichts mehr.

      Also leider ist es kein Gag. Auch wenn es sich im Artikel darauf bezog, dass Rashomon für unsere heutigen Sehgewohnheiten sehr gemütlich voranschreitet.
      Besondere Bekanntheit könnte sich auch dadurch ergeben haben, dass ein gewisser Carsten Pohl im Podcast Celluleute erzählt hat, dass er irgendeinen Film in erhöhter Geschwindigkeit gesehen hat.

      A prospos Podcast. Hast du eine schöne Stimme?

      Gefällt 2 Personen

      • „Ansonsten kenne ich genug Leute (und habe mich auch selbst erwischt bei The Late Bloomer), die ihr Handy während des Filmes aus der Tasche ziehen und im Netz surfen.“

        Ja, da erwische ich mich auch ab und zu dabei. Allerdings wirklich selten. Und dann in meisten Fällen für so Sachen wie: „Wo hat der Schauspieler denn noch mitgespielt?“ So was lässt mir manchmal keine Ruhe 😦

        Ich habe schon häufiger gehört, dass jemand jemande kennt, der sich Filme gerne in 1,x facher Geschwindgeit anschaut, damit er möglichst viele Filme „gesehen“ hatt und mitreden kann. Das ist aber Hörensagen. ich selbst kenne niemanden, der das macht. Deswegen meine Frage.

        „A prospos Podcast. Hast du eine schöne Stimme?“

        Hell Fucking No! 😀 😀 😀
        Wie kommst du denn darauf? Ich rede übrigens auch nicht gerne. Auch wenn ich das aus beruflichen Gründen hin und wieder muss. Von daher ist meine Stimme gut trainiert. Aber als schön würde ich sie jetzt echt nicht bezeichnen. 😛

        Gefällt 2 Personen

        • “ ich selbst kenne niemanden, der das macht“

          Jetzt kennst du zumindest jemanden, der das schon einmal gemacht hat 😉

          „Hell Fucking No! 😀 😀 😀“

          Schade. Trage schon länger die Idee eines Podcasts mit mir herum. Einfach in freundschaftlicher Atmosphäre über Filme philosophieren. Und da ich dir Kernkompetenz und den Spaß bei der Sache zutraue, dachte ich, spreche ich das mal etwas unbeholfen von der Seite an.

          Gefällt 1 Person

          • 😀 Das ehrt mich wirklich. Vor allem das mit den Kernkompetenzen. 😛

            Ganz ehrlich, die Idee hatte ich auch schon und irgendwie hätte ich da auch Lust. Aber mir erscheint es als Laie viel aufwändiger so ein Podcast zu erarbeiten als einen Text zu verfassen. Zumindest wenn das Ganze irgendwo hinführen soll und nicht nur einfach spontan drauf losgequasselt wird. Das macht zwar sicher auch Spaß, ist aber dann wohl eher etwas für den privaten Raum und muss nich mit jedem geteilt werden 😛
            Frag mich noch mal wenn es konkreter wird. 😉

            Gefällt 1 Person

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