Outside the Box – Filmkritik(?)

Filmkritik zur deutschen Komödie Outside the Box (2015)

Gesehen auf Netflix | Teambuilding trifft auf Geiselnahme
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Bewerbung

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© Wild Bunch/Central Film

Sehr geehrte Damen und Herren von Wild Bunch,
mein Name ist Philip Koch und seit vielen Jahren trage ich eine Filmidee mit mir herum, die perfekt in ihr Portfolio passen würde.
Zu meiner Person:
Sie kennen mich wahrscheinlich als Regisseur und Drehbuchautor meines Gefängnisdramas Picco (2010), der nicht nur wohlwollende Kritiken eingefahren, sondern auch einige nationale Preise gewonnen hat. Im Gegensatz zu dieser ernsten Milieustudie möchte ich mich dieses Mal humoristisch, gar satirisch mit einem anderen Thema auseinandersetzen.

Und zwar geht es in Außerhalb des Kartons (Arbeitstitel) um eine kleine Gruppe karrieregeiler Manager, die in eine Teambuilding-Maßnahme gesteckt werden, die aus dem Ruder läuft. Die HR-Abteilung plant eine Fake-Geiselnahme, um die wahren Talente und Schwächen ihrer Mitarbeiter herauszukitzeln. In Wirklichkeit wird daraus aber eine echte Geiselnahme. Der Clou: die Manager halten es nach wie vor für ein Spiel. Frederick Lau hat bereits zugesagt.
Das Drehbuch liegt ihnen bei. Ebenso einige Arbeitsproben und eine von mir unterschriebene DVD von Picco.
Falls ich ihr Interesse geweckt habe, freue ich mich über eine positive Rückmeldung. Falls nicht, gehe ich zur Konkurrenz. Also beeilen sie sich besser mit einer Antwort!

Mit freundlichsten Grüßen
Philip Koch
Regisseur und Drehbuchautor von Picco

Vorstellungsgespräch

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© Wild Bunch/Central Film

Guten Tag, Herr Koch. Setzen Sie sich doch bitte. Hatten Sie eine schöne Fahrt?

– München halt.

Also nein (lacht).
Es freut mich sehr, dass Sie zu uns gefunden haben. Wir sehen in Ihrer Idee einiges an Potential schlummern. Allerdings haben wir noch einige Fragen.

– Haben Sie sich Picco angesehen?

Nein, Herr Koch, zunächst würden wir Ihnen gerne ein paar Fragen stellen. Danach haben Sie selbstverständlich die Gelegenheit, sich von unseren Kompetenzen zu überzeugen.

Picco war für den Nachwuchspreis Caméra d’Or in Cannes nominiert. Und er hat den Schülerbiber gewonnen.

Danke für diese Informationen, Herr Koch. Dennoch würden wir lieber wissen, inwiefern sich Ihre Idee von Filmen wie Agent Null Null Nix mit Bill Murray und The Game von David Fincher unterscheidet.

– Bill Murray wird bei Außerhalb des Kartons nicht mitspielen. Zudem ist Agent Null Null Nix mit Verlaub ein ziemlicher Quatsch-Titel.

Außerhalb des Kartons würde bei uns Outside the Box heißen, um den internationalen Markt anzusprechen.
Entschuldigung, fahren Sie fort.

– Und The Game ist ein Thriller, bei dem der Zuschauer wie die Hauptperson nie weiß, ob es sich um ein Spiel oder um eine ernste Situation handelt. Bei Außerhalb des Kartons (stockt kurz) oder Outside the Box weiß der Zuschauer in der Regel, wie sich die Situation darstellt. Da wir niemanden überfordern wollen, habe ich im Drehbuch mehrere Stellen eingebaut, die nur dazu da sind, dem Zuschauer alles zu erklären. Gewitzt, oder?

(dreht sich zu seinem Nebenmann und schüttelt den Kopf) Aber sicher doch, Herr Koch. Eine wunderbare Idee.

– Außerdem ist mein Film als Komödie angelegt. Der Zuschauer soll Spaß haben. Dazu dienen auch die vielen Zeitlupen-Sequenzen. Im Drehbuch mit „Zeitlupen-Sequenz für Unterhaltung“ gekennzeichnet.

(schüttelt wieder den Kopf) Aber sicher doch, Herr Koch. Eine wunderbare Idee.

– Und anstatt uns nur auf die wahren Protagonisten zu konzentrieren, gibt es noch den Nebenplot rund um die HR-Crew, die das ganze überwacht, und die Journalisten, die dem beiwohnen. So ist stets für Abwechslung gesorgt.

(schnauft) Aber sicher doch, Herr Koch. Leider bekomme ich gerade einen wichtigen Anruf (sein Nebensitzer macht Piep-Geräusche).

– Ähm… ähmm… und ich schreibe noch eine zweite Szene hinein, in der Lavinia Wilson nackt zu sehen sein wird!

(Nebensitzer piept noch einmal)

– Und ich drehe umsonst!

Sie sind eingestellt, Herr Koch. Morgen geht’s los!

Assessment-Center

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© Wild Bunch/Central Film

Ihre abschließende Bewertung, Herr Koch, ist leider negativer Natur. Nicht nur sind die oben erwähnten Alternativen viel besser mit der Drucksituation umgegangen, den Zuschauer über die gesamte Laufzeit zu unterhalten, ebenso fehlt es Ihnen an einem roten Faden.
Die vielen Schauplatzwechsel tragen nicht der Spannung bei, weil es Ihr Film zu keiner Zeit auf Spannung anlegt und diese dementsprechend nicht transportieren kann. Bis auf zwei, drei nette Ideen kommt die Umsetzung nicht über den Status „gut gemeint“ hinaus. Und zu guter letzt gehen die wenigen satirischen Untertöne bis auf einen Satz komplett unter. Stattdessen muss sich der Zuschauer auf zu viele unnötige Kamera-Spielereien und Darsteller konzentrieren, die dem Schauspiel nichts hinzugewinnen. Von Witzen ganz zu schweigen, die Ihrem Film das Prädikat „Komödie“ verleihen würden.
Drehbuch und Regie fallen auseinander, obwohl Sie für beides verantwortlich waren. Da fragen wir uns schon, wie es dazu kommen konnte

Herr Koch, wir haben die Zusammenarbeit bis auf das Ergebnis sehr genossen und wünschen Ihnen alles Gute auf Ihrem zukünftigen Arbeitsweg. Probieren Sie es doch mal mit einem Tatort.

…neue Bewerbung schreiben…


Bewertung von anderen HR-Managern (Stand: 15.11.2018)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
5,4 / 10
202
moviepilot
5,3 / 10
79
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14 Gedanken zu “Outside the Box – Filmkritik(?)

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