Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen – Filmkritik(?)

Filmkritik zum Harry Potter Spin-off Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen  (OT: Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald, 2018)

Gesehen im Kino

Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!

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Mein Lieblingsbuch

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© Warner Bros. Pictures Germany

aus der Harry-Potter-Reihe ist Teil 6, der Halbblutprinz. Aus dem einfachen Grund, dass wir endlich mehr über die Vorgeschichte von Dumbledore und Tom Riddle erfahren. Die Verfilmung hingegen ist schrott, weil sie genau das großflächig auslässt. Bei Star Wars andererseits hat die Vorgeschichte nicht funktioniert, weil ich nie wissen wollte, was Darth Vader als Kind angestellt hat. Bei den Harry-Potter-Figuren fand ich es spannend genug. Was wohl daran lag, dass J. K. Rowling geschickt kleine Krümelchen über die Seiten gestreut hat, die früh angedeutet haben, dass es eine interessante Vorgeschichte gebe. Sie hat sich im Vorfeld überlegt, wie es weitergehen könnte und was die Figuren vor mehreren Jahren zu dem gemacht hat, was sie heute sind. George Lucas nicht.

Doch woher kommen die Geschichten für Phantastische Tierwesen und seine fünf Teile? Aus dem gleichnamigen Lehrbuch jedenfalls nicht. Daher stammen nur Ideen für zauberhafte Viecher, die die Filme immer wieder auflockern.
Der Plot stammt wiederum aus der Feder von Frau Rowling, die die Drehbücher verantwortet. Diese setzen sich zusammen aus real-menschlicher Zeitgeschichte (z.B. 2. Weltkrieg), kurze Anekdoten aus den HP-Büchern (z.B. Gellert Grindelwald), und neuen Figuren, Schauplätzen und Vorkommnissen, die sie sich für die Pentalogie überlegt hat.
Dass da nicht immer alles zu 100% zusammenpasst, sollte und muss man hinnehmen, bevor man sich ins Kino begibt.

Darum geht es

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© Warner Bros. Pictures Germany

Die eigentliche Geschichte ließe sich in einem Satz erzählen und bringt die Reihe nicht sonderlich voran. Stattdessen werden Mysterien zuerst aufgebaut und dann offenbart, neue Figuren eingeführt, Charaktere näher durchleuchtet, Grindelwalds Macht vergrößert, und auch Newt Scamanders titelgebende Tierwesen bekommen wir zu Gesicht. Ebenso spielen sein Freund und seine Verknalltheit aus dem ersten Teil eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Wenig Stoff und trotzdem sehr viel, das der Film unter einen Zauberhut bringen muss. Glücklicherweise ist in so einem verzauberten Gegenstand viel Platz. Es darf sich trotzdem die Frage gestellt werden, ob jemand, der mit Harry Potter nichts anfangen konnte, sich in den Film hineinfinden kann. Das wird den Machern spätestens mit diesem Teil zunehmend egaler: zahlreiche Verweise auf die Bücher (Nicolas Flamel, Spiegel Nerhegeb und Irrlichter exemplarisch genannt) lassen den zuvor Desinteressierten mal staunend, meist fragend zurück. Es fehlt eine Figur wie Harry Potter, die dem Zuschauer gleich gestellt ist, und mit ihm zusammen alles neu erlebt. Dan Fogler als Muggel Jacob Kowalski ist die einzige verbliebene Möglichkeit, leistet das aber nicht.
Doch ganz ehrlich, für Nicht-Kenner sind die Filme nicht gemacht. Sie erhalten vielleicht trotzdem eine unterhaltsame Zeit, aber die Grundgeschichte und die hierin liegende Spannung wird so jemand kaum begreifen. Rowling kümmert sich wenig um großartige Erklärungen. Für mich als Fan der Bücher vollkommen in Ordnung.

Trotzdem muss die Autorin einen Spagat hinlegen, der ihr nicht vollständig gelingt. Den süßen Newt und seine schüchternen Tierchen (andersherum!) hüben und die in meinen Augen viel interessantere Rivalität Grindelwald – Dumbledore drüben. Beides bremst sich gegenseitig aus, wobei dieses Mal die zweite Fraktion Überhand gewinnt. Wenn auch nicht vollständig.

Ich könnte stundenlang weiterschreiben

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© Warner Bros. Pictures Germany

Harry Potter ist eine Herzensangelegenheit von mir. Es gibt kein Buch, das ich häufiger gelesen habe, als irgendeinen der sieben Bände. Daher überrascht es nicht, dass ich viel zu Meckern hätte, wenn ich es darauf anlegen würde. Aber unterm Strich tauche ich immer wieder gerne in dieses gut bestückte Universum ein, das so viele Geschichten in sich birgt, die entdeckt werden wollen. Nicht alle sind erzählenswert, nicht alle sind interessant, nicht alle bringen die Geschichte rund um Grindelwald voran.
Aber der große Teil ist unterhaltsam genug, dass ich den Film bis auf ein, zwei Hänger im Mittelteil durchweg genossen habe. Er ist düsterer als der erste vor zwei Jahren und geht mehr auf das ein, was ich sehen will: die beiden mächtigsten Magier aller Zeiten. Und wie gut ist bitte Jude Law in der Rolle des Dumbledore!

Phantastische Tierwesen 2 verdient den Namen nicht mehr, womit ich aber kein Problem habe. Ein größeres Problem habe ich damit, dass es nicht wirklich fünf Filme gebraucht hätte, um all das zu erzählen. Andererseits kann ich so mehr Zeit in dieser Welt verbringen. Ein Zwiespalt, den ich als Filmfan verdamme, als Potterfan gutheiße.
Es ist ein Paradebeispiel für meine Theorien der absoluten Subjektivität und dass einzelne Kleinteile nie für das große Ganze verantwortlich sind (auch wenn die Filmmusik erneut über allem schwebt). Zu kritisieren gäbe es einiges, aber ich habe die über zwei Stunden genossen und die Zeit verging schneller als bei allen Filmen, die ich seit meiner Rückkehr besprochen habe. Weltenflucht geglückt! Man kann mehr wollen, aber ich bin damit zufrieden.

Reihenfolge der Filme von gut nach schlecht

  • Harry Potter und der Gefangene von Askaban
  • Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2
  • Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen
  • Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 1
  • Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
  • Harry Potter und die Kammer der Schreckens
  • Harry Potter und der Feuerkelch
  • Harry Potter und der Stein der Weisen
  • Harry Potter und der Orden des Phoenix
  • Harry Potter und der Halbblutprinz

…Missetat begangen…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 20.11.2018)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
7,1 / 10
36.905
moviepilot
7,0 / 10
372

 

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