Mama gegen Papa – Filmkritik(?)

Filmkritik zur französischen Komödie Mama gegen Papa – Wer hier verliert, gewinnt (OT: Papa ou maman, 2015)

Gesehen auf Netflix
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Morgen, Kinder, wird’s was geben

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© Splendid / Tobis

Und zwar auf die Gosche, ihr undankbares Pack aus meinen viel zu spät unfruchtbar gemachten Lenden. Könnt ihr euch nicht einmal so benehmen, wie ich es euch vorlebe?! Nur am Rumschreien, Nerven und Entziehen meiner Lebensgeister. Womit habe ich das verdient? Der einzige Trost, dass ich wegen euch sicherlich sieben Jahre früher versterben werde, ist der, dass ich euch sieben Jahre weniger ertragen muss! Sapperlott, geht ihr mir auf die Eier aus denen ihr einst ausgebrochen seid. Ich habe euch gezeugt, warum gibt es kein Gesetz, das es mir erlaubt, diesen Fehler eigenhändig rückgängig zu machen…
Wisst ihr, was Hitler, Stalin, Kim Jong-Il, Putin und Erdoğan gemeinsam haben? Sie waren alle mal Kinder. Da kann einfach nichts Gutes erwachsen. Am liebsten würde ich euch das winzige Hirn aus der Fontanelle prügeln, wenn ich nicht bereits im Gefängnis sitzen würde.
Eure hoffentlich zu Unrecht als solche bezeichnete Mutter

Ihr Kinderlein kommet

in die Hölle.
Tja, nicht alle Eltern-Kinder-Beziehungen entsprechen dem von Hollywood vorgelebten Standard, der sich besonders zu Weihnachten für zwei bis drei Tage erleben lässt, wenn alle aus der Familie so tun, als hätten sie sich lieb und die ansonsten vorherrschenden Streitigkeiten vergessen. Doch ab und an eröffnet einem das Schicksal die Türe und man erhält mit der Scheidung nicht nur Freiheit von dem faulen Fettsack, den man einst aus längst verdrängten Gründen geheiratet hat, sondern bekommt auch die Möglichkeit, das ungewollte Sorgerecht für die Bälger loszuwerden, die man wie seinen Nächsten liebt – nämlich gar nicht.
Blöd nur, wenn auch die andere Hälfte der Scheidungspapierunterzeichner keine Lust mehr auf die teuren, verpickelten, ungeduschten Plagegeister hat, die weiter von der Volljährigkeit entfernt sind, als ich von einem Leberversagen durch zu viel Realitätsbeschöniger in Flüssigform. Aber gut, den Kampf kann er wie mich mal gerne haben. Wir lassen die Kinder entscheiden, wer das Sorgerecht bekommt. Und ich werde alles dafür tun, dass sie nicht zu mir wollen. Alles!

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© Splendid / Tobis

So viel ungefähr zur Story von Mama gegen Papa, die durchaus lustig hätte umgesetzt werden können. Wenn aber von 85 Minuten Laufzeit nur knapp 35 Minuten auf die eigentliche Handlung abfallen, dann haben die fünf Drehbuchautoren so viel Brei verdorben, dass es einem am Ende mit der Moral nur noch hochkommen kann. Wobei das zu erwartende Ende glücklicherweise sehr kurz ausfällt und auch gar nicht so moralinversäuert ist, wie bei den meisten anderen Komödien.
Dafür sind die ersten 35 Minuten völlig irrelevant, bringen keinen Lacher hervor und dienen nur dazu, dem für dumm gehaltenen Zuschauer die Geschichte nah genug zu bringen, dass er die Prämisse nachvollzieht. Und dabei hätte eine einzige Szene zu Beginn ausgereicht: Beide sitzen vor dem Scheidungsanwalt und beim Punkt Sorgerecht wollen sie die Kinder nicht. Zack, fertig. Die folgenden 80 Minuten hätten ein Lachfeuerwerk sondergleichen sein können, mit allerlei Ideen, wie man sich bei den eigenen Kindern unbeliebt macht.

Immerhin ein paar vorstellbare Ideen haben es in den Film geschafft, weswegen er nicht als Totalausfall zu bezeichnen ist. Der flotte Soundtrack rund um David Bowies Modern Love tut sein Übriges. Aber reicht das, um einen Film gut zu finden?

Fazit

Nein.
Man sollte zwar nicht zu sehr darauf eingehen, was er hätte sein können, wenn er es nicht ist (hilft auch bei Beziehungen). Doch das, was steht, reicht einfach nicht aus, um mich zu befriedigen. Und dabei hätte er mich doch nur zum Lachen bringen müssen, oder zumindest so ausreichend unterhalten, dass ich die Welt um mich herum vergessen kann. Stattdessen rege ich mich auf, dass eine an sich interessante Idee ungenügend umgesetzt wurde. Ein Schicksal, das er sich u.a. mit Schwer Verliebt teilt.

Und das, liebe Kinder, ist der Grund, wieso Ebenezer Scrooge an Weihnachten keine Filmkritiken mehr schreibt.

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 26.12.2018)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,0 / 10
3.480
moviepilot
5,4 / 10
239
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4 Gedanken zu “Mama gegen Papa – Filmkritik(?)

  1. Es ist schon eine Weile her, dass ich den Film gesehen habe. Aber ich erinnere mich noch, dass ich ihn eigentlich ganz in Ordnung fand. Nicht der ganz große Brüller. Aber schön kurz und unterhaltsam. Wobei ich auch finde, dass da deutlich mehr drin gewesen wäre.

    Gefällt 1 Person

    • „schön kurz“ spricht aber auch eher gegen den Film, denn sonst wäre man doch froh gewesen, wenn er länger gegangen wäre 😉

      Hast du die deutsche Version „Schatz, nimm du sie!“ oder gar die Fortsetzung „Glücklich geschieden – Mama gegen Papa 2“ gesehen?

      Gefällt mir

      • Kann man so sehen. 😊
        War aber eher so gemeint, dass man den Film nicht unnötig vollgepackt hat, wenn es nichts mehr zu sagen gab. Das passiert leider sehr oft.

        Von den Ablegern habe ich keinen gesehen. Zum Glück?

        Gefällt 1 Person

        • „Das passiert leider sehr oft.“

          Das stimmt. Für eine Komödie hat er, wie geschrieben, eine sehr kurze Moralsequenz am Ende. Da ist man längeres gewöhnt. Auch ein Grund, wieso ich Fikkefuchs so gut finde.
          Hast schon recht, ist eine Kunst, rechtzeitig aufzuhören.

          Keine Ahnung, war eine Frage aus Interesse. Den deutschen gönne ich mir vll mal, aber da ich mit dem Original schon nicht warm geworden bin, weiß ich nicht, ob da groß Hoffnung ist.

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