Fikkefuchs – Filmkritik(?)

Filmkritik zur deutschen Komödie Fikkefuchs (2017)

Gesehen im Kino und zwei Mal auf Netflix
Direkt zum Sch(l)uss

Sex is‘ Muss

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© Alamode Film

Es gibt wohl kein Thema, über das mehr Bücher, Lieder und Filme geschrieben wurden, wie die Beziehung zwischen Mann und Frau. Und so sehr manche Geschlechtswissenschaften den Beweis zu erbringen versuchen, dass zwischen den beiden biologischen Geschlechtern, die es zur menschlichen Fortpflanzung benötigt, im Prinzip keine großen Unterschiede bestehen, wird das vor allen Dingen in der Realität stark angezweifelt.
Denn, ginge man davon aus, dass etwaige Unterschiede vernachlässigbar seien, und der Mensch in der Lage ist, zu Gleichgeschlechtlichen Freundschaften aufzubauen, dann bliebe am Ende vor allen Dingen der Sex übrig, wieso Beziehungen zwischen Mann und Frau nicht funktionieren. Nicht der fehlende Sex, sondern der tatsächlich vorhandene Sex.

Nun ist allerdings biologisch-psychologisch anerkannt, dass Geschlechtsverkehr (als größte Form der Umarmung) Hormone ausschüttet, die der Bindung zweier Menschen höchst zuträglich sind. Von der Wirkung eines induzierten Orgasmus‘ ganz zu schweigen. Und fast beiläufig ist der Geschlechtstrieb darüberhinaus für unsere Arterhaltung notwendig.
Wie bei Schrödingers Katze müsste man also sagen, dass „Ficken“, wie die drei Buchstaben landläufig ausgesprochen werden, gleichsam für die Stabilisierung wie für das genaue Gegenteil einer Beziehung verantwortlich wäre.

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© Alamode Film

Kaum nachvollzieh-, geschweige denn begründbar, müsste man dem Grundgedanken folgend schreiben, dass die Sexualisierung der Gesellschaft nicht zu ihrem Aufblühen, sondern zu ihrem Untergang führte. Schaut man sich die Zahlen an, wo und in welchen religiösen Verhältnissen die meisten Kinder gezeugt werden, wird die These gleichfalls unterstützt.
Aber letztlich fasst es zu lang, dies im Vorfeld einer Filmbesprechung anzustellen. Deswegen kommen wir zurück zu Fikkefuchs, einer deutschen Komödie, die mich selbst beim dritten Ansehen noch so sehr zum Lachen angeregt hat, wie es die letzten beiden Jahre keine andere Komödie vermochte. Und entgegen diverser Behauptungen, handelt es sich hier um keinen Frauen verachtenden Film.

Sexismus ist keine Einbahnstraße

Ganz im Gegenteil bekommt die belaubte, im Wind schwankende Krone der Schöpfung den Spiegel vorgehalten: Männer sind so sexbesessen, dass sie ihr persönliches Glück davon abhängig machen, haben aber keine Ahnung (mehr), wie sie sich diesen außerhalb von Pornografie holen sollen.
Dies wird im Film durch eine Vater-Sohn-Beziehung verbildlicht, in der der Jüngere nach vielen Jahren den Älteren aufsucht, um von ihm zu lernen, wie man Frauen in die Kiste bekommt. Leider ist dieser ganz schön eingerostet, was irgendwann dazu führt, dass sie sich professionelle Hilfe in Form eines Pick-Up-Artists holen.

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© Alamode Film

Ein Plot, der nicht nur Raum für Klischees und platte, unterhaltsame Gags bietet, sondern unter und auf der Oberfläche auch eine Auseinandersetzung mit dem oben angesprochenen Thema Mann-Frau in der heutigen Zeit zulässt. Und das aus einem Land, das für die schlechtesten Sexkomödien weltweit verantwortlich zeichnet.
Man mag beide Figuren für übertrieben halten, sind aber als triebgesteuerte Parabeln auf den zeitgenössischen Mann mehr als brauchbar.
Überhaupt erzählt ein Film nie die Geschichten, wie sie jedem widerfahren, sondern kümmert sich um die Geschichten, die wir mit „laber nicht“ quittieren, wenn wir sie von einem besten Freund erzählt bekommen. Und genau so eine Geschichte bietet Fikkefuchs. Unterhaltsam genug, dass sich die Frage gar nicht stellt, ob alles wahr sein könnte (was er nie behauptet), aber wahr genug, dass man ins Nachdenken kommt. Wenn man nicht gerade von irgendwelchen Obszönitäten abgelenkt wird. Die fallen aber nicht negativ als Lückenfüller ins Gewicht, sondern sind wichtiger Bestandteil für die Charakter- und Beziehungsentwicklung der Protagonisten.

Apropos Penis: bei meinem Kinobesuch waren inklusive mir neun Leute anwesend. Sechs Personen aller Geschlechter haben sich ausgezeichnet amüsiert, ein konträrgeschlechtliches Pärchen hat den Saal nach der ekeligsten Szene verlassen, und ein Mann hat die ganze Zeit seinen Unmut derart kundgetan, in jeder Szene vor Missfallen aufzustöhnen.
Ob die Zweidrittelregel auch bei meiner Leserschaft anzuwenden ist, kann ich nicht beantworten, ich empfehle Fikkefuchs aber jedem, der mit derberem, sexualisiertem Humor etwas anfangen kann.

Fazit

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© Alamode Film

Wer sich über die deutsche Filmlandschaft beschwert, aber nur den sonntäglichen Tatort und andere Schweig(höf)er-Produktionen konsumiert, der braucht sich nicht zu wundern. Fikkefuchs ist das Paradebeispiel für einen Film, der leicht zwei unterschiedliche Meinungen hervorrufen kann. Auf der einen Seite stehe ich mit der Komödie des Jahres, die überhöht und trotzdem nachvollziehbar den modernen Mann seziert. Auf der anderen Seite stehen jene, die in Fikkefuchs das traurige Denkmal einer Frauen verachtenden Gesellschaft sehen, das mit so vielen Zoten um sich wirft, bis eine zwangsläufig ins Schwarze trifft.

Zwangsläufig ist auf jeden Fall ein gutes Stichwort, mit dem man die beiden Hauptfiguren beschreiben kann. Woher dieser Zwang kommt, wird nicht beantwortet. Wie man ihn kanalisieren kann, zu jeder Zeit.
Dankenswerterweise wird am Ende keine Sekunde für eine nervige Moral aufgewandt und der Film zieht seine Geschichte konsequent durch.

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 28.12.2018)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,2 / 10
796
moviepilot
5,7 / 10
353
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9 Gedanken zu “Fikkefuchs – Filmkritik(?)

  1. Hihi. Da steht „Fikke“ im Titel und das Plakat sieht aus wie… Muhahahaha 😀

    „ich empfehle Fikkefuchs aber jedem, der mit derberem, sexualisiertem Humor etwas anfangen kann“
    Na da fühle ich mich doch mal direkt angesprochen.

    Gefällt 3 Personen

  2. Der Titel ist aber auch schwachsinnig, da erwartet man eine Mischung aus Pennälerhumor, Softporno und Schweighöferfilm und deswegen habe ich den Film bisher nicht beachtet. Werde ihn mir vielleicht mal anschauen.

    Gefällt 1 Person

    • Die Deutschen haben es nicht so mit der Titelgebung von Filmen, das ist ja nix Neues ^^
      Ein anderer Film, zu dem der hiesige Regisseur, Jan Henrik Stahlberg, das Drehbuch verfasste, hört auf den Namen Muxmäuschenstill. Ein Titel, der so gar nichts mit dessen inneren Wert gemein hat.
      In beiden Fällen sollte man sich aber nicht von Äußerlichkeiten abschrecken lassen. Die inneren Werte der DVD-Hülle zählen.

      Gefällt 1 Person

  3. Du hast wirklich die Schlagworte bum*en, fic*en und vög*ln verwendet? OMG, ich will gar nicht wissen, welche Schlagwörter noch so unter der Kiste des guten Geschmacks versteckt sind… 😀 😛

    Gefällt 1 Person

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