Die (ir)rationale Angst vor Spoilern

SPOILERALARM!

Der heutige Artikel wird damit enden, dass ich schreibe, dass man die Angst vor Spoilern zurückschrauben müsse und euch im Anschluss frage, wie ihr das seht.
In dem Fall braucht ihr ja gar nicht mehr weiterlesen, oder? Immerhin scheint das die Logik von so manchem Filmfan zu sein, wenn er vorab erfährt, was am Ende eines Filmes passiert. Aber der Reihe nach:

Spoiler; definitiv eine Definition

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© miroam

Unter Spoiler versteht man gemeinhin, dass einem etwas vom Inhalt eines künstlerischen Werkes verraten wird und man dadurch einen Nachteil beim Konsum erlangt. Sei es dadurch, dass man nicht mehr überrascht wird, oder weil man sich so sehr über den Spoiler aufregt, dass man den Film gar nicht mehr unbefangen anschauen kann.

Obwohl der Spoiler erst so richtig in den 90er-Jahren aufkam, als so Filme wie z.B. Die üblichen Verdächtigen (1995), Zwielicht (1996), The Game (1997) und Wild Things (1998) im Kino gezeigt wurden, gilt gemeinhin Zeugin der Anklage (1957) als erster mit eingebauter Spoilerwarnung. Denn dort wird im Abspann darum gebeten, das Ende des Filmes niemandem zu verraten.
Alle genannten haben gemeinsam, dass sie ein überraschendes Finale haben. Und manch einer wird das bereits als Spoiler ansehen. Denn jetzt kann man nicht mehr von der Tatsache überrascht werden, dass es eine Überraschung geben wird. Das dürft ihr gerne im Hinterkopf behalten, wenn es mir heute um die Frage geht, ob Spoilerangst berechtigt ist.

Ist Spoilerangst brechtigt?

Hierzu muss man trennen.

1. Es gibt Filme, die sind gerade darauf ausgelegt, dass sie mit einem sogenannten Twist überraschen, der am Ende alles zuvor gesehene auf den Kopf stellt. Neben den bereits genannten fällt einem vermutlich Fight Club als erstes ein, wenn es um einen Film mit Twist geht. Dieses Beispiel mache ich mir zu eigen, um eine Unterkategorie dieser Twist-Filme zu nennen.
a) Es gibt Filme, die sind gerade auf einen Twist angelegt, bieten aber davor noch sehr viel mehr an, das es zu entdecken lohnt. Dazu zähle ich ebenfalls Fight Club, der visuell und intellektuell (was auch immer dieses Wort bedeutet) gleichermaßen zu begeistern weiß. Selbst dann, wenn man das Ende kennt, gibt es noch so viel mehr zu bestaunen, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, ob man weiß, was in der letzten Szene passiert.
b) Eine weitere Unterkategorie sehe ich in Filmen, die man ein zweites Mal ansehen kann, gerade weil man weiß, wie der Film ausgeht. Dann kann man auf bestimmte Dinge achten, die man bei der ersten Sichtung noch nicht geahnt hat. A Beautiful Mind und Shutter Island seien hier erwähnt. Hier verschandelt man einem vielleicht die Überraschung, aber keinesfalls den Film, weil man sich dann beim ersten Mal direkt in den Status der Zweitsichtung begeben kann.

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© kevnbhagat

Gerade die beiden Unterkategorien zeigen, was ich als eigentliches Problem bei der Spoilerhysterie ausgemacht habe: Schlechte Filme, die sich nur darauf verlassen, mit einem Twist zu überraschen und sonst nicht viel bieten können. Denn nur bei diesen sehe ich eine tatsächliche Gefahr, sich den Film kaputt zu machen, wenn man das Ende vorher kennt. Hier dürft ihr euch selbst ein Beispiel ausdenken.
So früh es bereits überraschende Wendungen in Filmen gab, so exzessiv wird dieses Stilmittel erst seit Ende des letzten Jahrtausends verwendet. Es gibt mittlerweile Filme wie High Tension, die durch einen Twist sogar schlechter werden, weil er völlig unmotiviert auf die Leinwand projiziert wird und wenig Sinn ergibt. Ein Twist nur deswegen, weil er in Mode ist.
Die Bitte geht also weniger an die Leute, sich mit dem Verraten zurückzuhalten, als an die Filmemacher, Kreativität abseits von Filmenden zu beweisen.

2. Es gibt Filme, die haben keinen Twist, aber trotzdem möchte man zu Beginn nicht wissen, wie er endet. Nehmen wir Titanic, bei dem jeder davor wusste, dass das Schiff sinkt, aber das Schicksal der Charaktere teilweise ungewiss ist. Man fiebert mit den Figuren mit, weil der Ausgang offen ist. Wenn man direkt wüsste, dass ein Protagonist in der soundsovielten Minute das Zeitliche segnet, dann brauchen wir ihm nicht mehr die Daumen zu drücken.
Aber auch hier sei gesagt, dass ein Film nicht nur davon lebt, wer am Ende nicht überlebt. Ausnahmsweise ist der Weg das tatsächliche Ziel. Im richtigen Leben stört sich auch niemand daran, zu wissen, dass man irgendwann stirbt. Die Zwischenzeit ist das Spannende und was es gilt, mit Kreativität zu füllen. Also sei auch hier die Hoffnung genannt, dass Drehbuchautoren sich so viel Mühe geben, dass es nicht nur auf fünf von fünfundneunzig Minuten ankommt. Dann macht es auch nicht viel aus, ob man nun (wie ich) bereits vor Filmsichtung weiß, dass in Infinity War – und an dieser Stelle dürft ihr euch gerne eine Antwort auf die Frage überlegen, ob es ein Zeitlimit gibt, ab dem man ein Film spoilern kann, ohne, dass sich jemand darüber beschweren darf.

Mit dem Spoiler gegen die Wand

Trotzdem fühlt es sich auf einer nicht mehr rationalen, gefühlsmäßigen Ebene falsch an, wenn man die Geschichte eines Filmes im Detail erzählt bekommt. Doch erinnern wir uns ein paar Jahre (bzw. Jahrzehnte) zurück, als wir noch Kinder waren, dann war es doch üblich, auf dem Pausenhof den ganzen Film zu erzählen, den man gestern heimlich angeschaut hat, als die Eltern keinen Babysitter und trotzdem Lust aufeinander hatten. Da war es kein Problem und alle machten große Augen, als sie sich nächtelang vorstellten, wie ein Mann mit einer Maske aus Haut eine Kettensäge nahm und eine Frau mit einem Baum verwechselte. Eine Szene, die zwar gar nicht in Texas Chainsaw Massacre vorkommt, aber durch unsere Fantasie zum Leben erweckt wurde. Und wenn wir einen Film dann gesehen haben, war nicht die Rede von einer zerstörten Überraschung, sondern wir lebten von der Vorfreude gerade auf die erzählten Szenen. Wer am Ende warum starb und in Wirklichkeit alle sieben Personen war, spielte keine Rolle.

Überraschung oder lieber Vorfreue

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© johnvolante

Doch irgendwann bildete sich diese Spoilerangst heraus. Diese Angst davor, etwas verraten zu bekommen, was man selbst und am eigenen Leib zum ersten Mal erleben wollte. Die Überraschung hat die Vorfreude verdrängt. Warum das so ist, vermag nur ein Psychologe zu spekulieren. Aber wenn ihr euch selbst überlegt, was euch lieber ist, könnte das vielleicht zur Entdeckung der Wahrheit führen:
Eure Liebste ruft euch am Morgen im Büro an und flüstert lasziv, dass ihr heute Abend die Nacht eures Lebens erleben werdet. Oder ihr kommt Abends nach Hause und sie öffnet nackt die Türe. Okay, das hat beides was für sich. Aber jedenfalls habt ihr im ersten Fall doch viel mehr davon. Einen ganzen Tag voller Vorfreude.

Abschließend möchte ich zu Protokoll geben, dass ich der Meinung bin, dass Spoilerangst durchaus seine Berechtigung hat. Allerdings nur bei solchen Filmen, die sonst nicht viel zu bieten haben. Wie oft habe ich Inception mittlerweile geschaut, obwohl ich genau weiß, dass sich am Kreisel nichts mehr ändern wird? Saw habe ich genossen, obwohl (oder weil?) ich von einem Kumpel detailliert das Ende erzählt bekommen habe.
Und trotzdem trage ich diese irrationale Angst in mir, dass ich bei Star Wars Episode 9 wieder jegliche Informationen, Trailer, Kritiken, etc. vor dem Kinostart vermeiden werde. Und trotzdem werde ich mich auch in Zukunft wieder darüber aufregen, dass in mancher Filmkritik der halbe Film nacherzählt wird. Daher muss ich an dieser Stelle zwar schreiben, dass ihr eure Angst vor Spoilern zurückschrauben sollt, vermag es aber selbst nicht 100%ig umzusetzen. Die Angst vor Spoilern ist nicht real, aber sie ist in unseren Köpfen.

Wie seht ihr das?

…nach oben…

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12 Gedanken zu “Die (ir)rationale Angst vor Spoilern

  1. Ich hab das Gefühl, dass die Spoilerhysterie erst mit der Generation Netflix ausgebrochen ist. Es gibt Menschen, die wollen nichts über den Film wissen, auch wenn es nicht wirklich relevant ist. Ich muss sagen, ich bin Fan von Twists wie in den genannten Filmen. Daneben fallen wir noch die Enden von The Sixth Sense und Split ein. Der letzte Film, den ich gesehen hatte, der einen unerwarteten Plottwist beinhaltet war Widows. Richtig schlechte Filme mit Twists fallen mir nicht wirklich ein…

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    • Twists finde ich auch nicht verkehrt – so lange sie stimmig in die Story eingebunden sind. Bei Split habe ich keinen Twist wahrnehmen können, da ja von Anfang an angedeutet wird, was passiert. Oder meinst du die Szene in der Bar zum Schluss?

      Schlechte Filme mit Twists, dazü würde ich so einige Horrorfilme zählen. U.a. The Orphan, der durch seinen Twist nur noch mehr verliert.

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  2. Ich stimme dir zu… zum Teil 😀 Mit Sicherheit ist die Art des Films sehr wichtig. Wenn ein Film wirklich nur vom Twist lebt (was an sich schon nicht sehr gut ist), dann sollte man es einfach nicht verrraten. Es gibt nicht umsonst Spoilerwarnungen, ab der dann jeder selbst entscheiden kann, ob man das Ende wissen will oder nicht. Dabei spielt es auch keine Rolle wie alt der Film ist oder wie groß sein Stellenwert in der Popkultur ist. Jeder weiß doch, das Anakin in Episode 3 zu Darth Vader wird? Nein! (Meine Schwester hat ein paar Tage nicht mehr mit mir geredet…) Einfache Spoilerwarnungen für wichtige Details der Filme und schon ist jeder zufrieden.

    Außerdem sollte man auch nicht das Kinoerlebnis vergessen, wenn ein ganzer Saal auf einmal bei einem guten Film den Twist erfährt. Ich denke da an tolle Momente wie ein „Oooohh“-rufendes Publikum am Ende von Inception oder als bei „Blade Runner 2049“ man durch die Reihen gucken konnte, wie eine Lampe nach der nächsten über den Köpfen anging 😀 Solche Momente hat man nur spoilerfrei. Ich reagiere nur bei Dingen allergisch, die mir wirklich wichtig sind, wie z.B. das Ende von Star Wars oder GoT.

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    • „Jeder weiß doch, das Anakin in Episode 3 zu Darth Vader wird? Nein!“

      Spoiler sind sehr, sehr, sehr subjektiv. Ein Problem, das uns in Zukunft wahrscheinlich noch begegnen wird ^^
      Aber dass das jemand nicht weiß, hätte ich jetzt nicht gedacht. Wobei… klar, wenn sie so jung ist, dass sie zuerst die mittlere Trilogie schaut, ist es sinnig. Aber mit der sollte man nun wirkllich nicht anfangen. Gerade, um den viel größeren Twist in Episode 5 erleben zu können.

      „Einfache Spoilerwarnungen für wichtige Details der Filme und schon ist jeder zufrieden.“

      Da es sehr subjektiv ist, was solche wichtigen Details sind, finde ich das gar nicht so einfach.
      Titanic z.B. ginge ich davon aus, dass jeder weiß, dass sie sinkt (und es ist eher ein wichtige Punkt, dass es passiert), bei 127 Hours kann man den Film in beiden Fällen gut anschauen, also wenn man das Ende kennt oder nicht. Und wenn es sich um weniger wichtige Details handelt, ist es eh wieder fraglich, was nun verraten werden darf oder nicht. Aber vielleicht klären wir das noch vorab 😉

      „bei „Blade Runner 2049“ man durch die Reihen gucken konnte, wie eine Lampe nach der nächsten über den Köpfen anging 😀“

      Da komme ich gerade nicht drauf, was das gewesen ist. Wer die Frau in Wirklichkeit ist?

      Grundsätzlich gibt es für Filmkritiker wenig Gründe, genau zu erzählen, was wann wie mit wem passiert. Aber wenn die Meinung gerade von dem Umstand abhängt, dass der Twist am Ende murks ist (A Cure for Wellness), dann gefällt es den Leuten wiederum nicht, wenn man um den heißen Brei herumredet.

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      • Meine Schwester ist tatsächlich deutlich älter als ich, hatte aber nur Episode 1 gesehen und wusste natürlich von Darth Vader. Als ich gesagt habe, dass der kleine Junge zu diesem Typen wird, brach erstmal ne Welt zusammen 😀

        Klar subjektiv, aber bei den meisten Filmen ist schon erkennbar, wo die Grenze liegt. Über die anderen sollte man dann nur allgemein reden, was natürlich leichter gesagt als getan ist 😀

        Allgemein ist die Geschichte von 2049 ist so einfach erzählt und hat einige „Falsche Fährten“. Da gibt es zwar keinen richtigen Plottwist, aber die eigentliche Story entfaltet sich halt nach und nach. Gefühlt hatte jeder einen anderen Moment, ab dem man wusste was Sache ist. Klassischer Film, bei dem man ein bisschen mitdenken muss.

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  3. Die Bilder sind so geil 😀 Vollkommen ohne Erklärung und Zusammenhang. Aber ich denke man versteht den Witz 😀

    Um die Diskussion ein bisschen anzuheizen hau ich jetzt mal ein paar Thesen raus, die ich zum Teil wirklich so unterschreibe.

    „Es gibt nicht umsonst Spoilerwarnungen, ab der dann jeder selbst entscheiden kann, ob man das Ende wissen will oder nicht. Dabei spielt es auch keine Rolle wie alt der Film ist oder wie groß sein Stellenwert in der Popkultur ist.“ (Lufio)

    Generell halte ich die Spoilerhhysterie für ziemlich übertrieben. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass ein/e Filminteressent/in, der/die VOR der Sichtung eines Films eine Besprechung dieses Films liest, sich aktiv dafür entscheidet. Wenn man nichts Wichtiges über den Film erfahren möchte, soll man halt weg bleiben und sich den Film einfach unvoreingenommen ansehen. 🙂

    Ich schreibe bei meinen Interpretationen beispielsweise immer dazu, dass ich um den Film interpretieren zu können, explizit auf den Inhalt eingehen MUSS. Das sollte aber selbstverständlich sein und ist aus meiner Sicht ein unnötiger Service. Wenn man freiwillig in die Sauna geht, kann man auch nich erwarten, dass an jeder Tür noch mal steht. „Achtung. Hier tummeln sich nackte Menschen. Pimmelalarm!“
    Anders ist das natürlich, wenn man ursprünglich gar keine Infos wollte und ein Kollege wie z.B. FilmkritikenOD mir in einem vollkommen zusammenhanglosen Kommentar schreibt: „Ach übigens, Bruc Willis ist in ************** in Wirklichkeit tot.“ (Film aus Spoiler Gründen zensiert)

    Die Frage die ich mir stelle ist vor allem. Lohnt es sich für mich die Texte eines Autors zu lesen, der im Grunde nichts zu sagen hat als die Story nachzuerzählen? Wo liegt da der Mehrwert? Nicht falsch verstehen. Das kann in manchen Fällen für manche Personen durchaus Sinn machen. Für andere macht es Sinn zu erfahren, ob die Belichtung toll ist und wie viele Plansequenzen im Film enthalten sind. Auch das kann interessant sein.

    Die Frage ist auch, darf ich zum Beispiel über Inception schreiben „…Mir hat gefallen, dass am Ende nicht klar ist was nun tatsächhlich real ist und was nur in Leos Träumen passiert. Und vor allem, ob das für Leo überhaupt einen Unterschied macht“? Diese Info verrät das Ende. Aber ruiniert sie den Film oder macht sie ihn vielleicht für die Mehrheit der Leser sogar erst richtig interessant.

    „The Walking Dead“ hat zum Beispiel frühzeitig angekündigt, dass die Hauptfigur Rick in der neuen Staffel stirbt/aus der Serie ausscheidet. Ganz offiziell! Und trotzdem schauen die Leute die Serie. (Ich hab die aktuelle Staffel noch nicht gesehen, also bitte keine Spoiler 😉 )

    Natürlich habt ihr Recht, wenn ihr sagt, dass es Filme gibt, bei denen es schade ist, wenn man das Ende kennt. Die allermeisten Krimis sind dann ziemlich witzlos. Aber da würde doch auch keiner auf die Idee kommen und das Ende vorwegnehmen. Und wenn doch, dann frage ich mich wieso man so jemandem folgt 😉

    Und zum Abschluss eine ernst gemeinte Frage aus Interesse:
    Stellt euch vor ein neuer Spider-Man Film läuft an, auf den wir alle gewartet haben, da es ja in den letzten Jahren nicht gerade viele davon gab. Ihr loggt euch auf Twitter ein und einer eurer Kollegen/Freunde dort hat kürzlich seinen Unmut über das Ende des Films laut in die Welt hinaus getwittert:

    „Oh nein! Ihr Schweine! Wie konntet ihr Spider-Man einfach so sterben lassen?“

    Würde ihr das dem Kollegen böse nehmen? Ich bin ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Er hat keinen Blog oder so und lässt seiner Enttäuschung einfach freien Lauf. Keiner würde sich aufregen, wenn ein Fan aus dem Fußballstadion live twittert „Scheiße, schon wieder 0:3 zur Pause hinten.“, nur weil man vielleicht spät am Abend noch die Zusammenfassung schauen möchte ohne das Ergebnis zu kennen. Irgendwo hört das gegeseitige Rücksichtnehmen auch auf. Oder?

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    • „Wenn man nichts Wichtiges über den Film erfahren möchte, soll man halt weg bleiben und sich den Film einfach unvoreingenommen ansehen.“

      Bin ich grundsätzlich bei dir. Auch wenn es natürlich genug Leute gibt (inklusive mir vor einer gewissen Zeit), die sich zumindest kurz das Fazit durchlesen, um zu wissen, ob der Film was taugt. Dort wollte ich also eher weniger was zum Inhalt lesen. Kann ich aber als Leser natürlich nicht beeinflussen. Von dem her ist deine vorgeschlagene Methode die beste, wenn man nicht weiß, wie derjenige schreibt, dessen Kritik man lesen möchte. Weiß man hingegen, dass diese für den Vorabgenuss geschrieben sind, sollte es auch kein Problem sein.

      „Pimmelalarm!“

      Ich würde es sehr begrüßen, wenn ein solches Schild an jeder Sauna und an jeder öffentlichen Toilette stehen würde. Aber um auf den ernsthaften Teil zurückzukommen: bei Interpretationen ergibt es sich bereits aus der Bezeichnung „Interpretation“, dass man auf den Inhalt eingeht. Sagst du ja auch. Doch bezeichnet jeder seine „Kritiken“ in der richtigen Form?

      „Ach übigens, Bruc Willis ist in ************** in Wirklichkeit tot.“ (Film aus Spoiler Gründen zensiert)“

      Hätte man beim Titel Stirb Langsam aber auch drauf kommen können… Gut, wer sowas macht, oder nach dem Kinobesuch in die Runde der Neuankömmlinge ruft, was im Film passiert, der gehört verdroschen, weil er das genau aus dem Grund macht, die anderen aufzuregen.

      „Lohnt es sich für mich die Texte eines Autors zu lesen, der im Grunde nichts zu sagen hat als die Story nachzuerzählen? Wo liegt da der Mehrwert?“

      Nirgends, da du genau das bei Wikipedia bekommst. Wenn man einen Film allerdings nicht sehen will und trotzdem das Ende wissen möchte, kann ein Blick auf eben jene Seite nicht schaden. Einen extra Blog benötige ich dafür nicht.

      „Für andere macht es Sinn zu erfahren, ob die Belichtung toll ist und wie viele Plansequenzen im Film enthalten sind. Auch das kann interessant sein.“

      Das ist die Zielgruppen-Thematik. Schreibe deine Kritiken so, wie du denkst und es wird sich eine Zielgrupe finden. Einen wirklichen Mehrwerte sehe ich zwar nicht, wenn man weiß, dass in Gravity x Plansequenzen sind, aber die Tatsache, dass es welche gibt (was bei Cuaron nicht verwundern dürfte) ist dann wieder eine Erwähnung wert, wie ich meine. Aber da gehen die Meinungen stark auseinander. Was will ich in einer Kritik lesen? Woraus sollte eine Kritik bestehen? Was darf auf keinen Fall in einer Filmkritik sein?

      „Aber ruiniert sie den Film oder macht sie ihn vielleicht für die Mehrheit der Leser sogar erst richtig interessant.“

      Das ist eine sehr, sehr gute Frage. Bei Saw hat erst das Wissen um das Ende dafür gesorgt, dass ich ihn gesehen habe. Für jemanden, der den Film eh sehen will, ist es vielleicht wieder zu viel Info. Aber andererseits steht dann dein erster Punkt vorne an: warum liest so jemand sich Kritiken durch, wenn er den Film eh sehen will? Andererseits müsste man dann überspitzt fragen, warum man dann überhaupt Kritiken für vor den Film schreibt, wenn man dieser Meinung anhängt.

      ein Kollege wie z.B. Ma-Go mir in einem vollkommen zusammenhanglosen Kommentar schreibt „„The Walking Dead“ hat zum Beispiel frühzeitig angekündigt, dass die Hauptfigur Rick in der neuen Staffel stirbt/aus der Serie ausscheidet.“
      😛

      „Die allermeisten Krimis sind dann ziemlich witzlos.“

      Bei Whodunnits geht es ja gerade um die Frage, wer es am Ende war. Und oft haben solche Filme keinen anderen Mehrwert. Ich nehme an, wenn mir eine Seite zwei Mal etwas verraten hat, was ich nicht wissen wollte (ich schau mal wieder auf euch, Filmstarts!!), dann packt man die Koffer und zieht woanders hin.

      „Würde ihr das dem Kollegen böse nehmen? Ich bin ganz ehrlich, ich weiß es nicht.“

      In diesem speziellen Fall fände ich es gut, weil das wäre ein Grund für mich, mal wieder einen Spiderman anzusehen. Ansonsten meide ich bei Filmen, die ich unbedingt sehen will, das Internet großflächig und gehe möglichst schnell ins Kino. Und wenn nicht, dann wird der Film trotzdem noch mehr als genug bieten. Das Internet ist eine einzige Spoiler-Falle, man sollte sich also selbst regulieren, wenn man nicht damit klarkommt.

      „nur weil man vielleicht spät am Abend noch die Zusammenfassung schauen möchte ohne das Ergebnis zu kennen“

      Wenn ich das Spiel im Re-Live sehen möchte, könnte das wieder anders aussehen. Aber auch hier gilt, dass ein Fußballspiel gut sein kann, ohne dass es auf das Ergebnis ankommt. Wie es bei einem universell guten Film auch nicht auf das Ende ankommt. Aber das Problem bleibt, dass da jeder andere Empfindlichkeiten hat. Und da muss man sich fragen, ob man darauf Acht gibt oder eben nicht. Man kann Spoiler schreiben, oder man lässt es und riskiert den Unmut. Dann muss man halt drüber stehen. Ich „verrate“ auch manchmal Sachen, weil ich selbst davon ausgehe, dass die irrelevant für das Filmvergnügen sind. Stimmt aber nicht immer. Da ist man mit der Methode, einen Film in zwei Sätzen zu beschreiben, besser bedient.

      Aber gerade in Textform lässt sich die Spoilerei noch kontrollieren. Bei einem Podcast bringt mir eine Spoilerwarnung nicht so viel, wenn ich nicht weiß, ab wann diese vorbei ist, bzw. ich gerade gar nicht vorspulen kann. In geschriebener Form lässt sich das besser eingrenzen. Ob man es eingrenzt, muss jeder Autor selbst entscheiden.

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      • Oh Mann, diese Gespräche in den Kommentaren sind an scharfsinn und spitzzüngigkeit selten zu über- (oder unter-) bieten 😀

        “ Bei einem Podcast bringt mir eine Spoilerwarnung nicht so viel, wenn ich nicht weiß, ab wann diese vorbei ist, bzw. ich gerade gar nicht vorspulen kann.“

        Ich stelle mir gerade vor wie ein Podcasthörer in der Bahn sich panisch die Kopfhörer vom Ohr reißt, weil gespoilerwarnt wurde. Oder wie der gemütlich vorm PC sitzende Hörer hektisch die Maus richtung Pause Button bewegt und dabei den Kaffee verschüttet 😀

        Auch wenn das jetzt ein bisschen vom Thema weggeht, habe ich mich schon häufiger gefragt, ob unerwartete Plottwists eigentlich erzählerisch grandiose Kniffe sind oder doch eher billige Tricks.

        Als zum ersten mal den Film „Identity“ gesehen habe, war ich total begeistert. Vor allem weil ich das Ende echt nicht habe kommen sehen. Keine Sorge, ich werde jetzt nicht darauf eingehen. 😉
        Wenn man nun aber die Auflösung kennt und weiß, dass in Wirklichkeit… Kleiner Scherz 😛
        Jedenfalls muss man sich eingestehen, dass der Film im Grunde wenig zu bieten hat, wenn am Ende der Überraschungseffekt fehlt. Deswegen die Frage. Ist so ein Ende ala „Ätsch – war nur ein Traum“, das einen überrascht und evtl schockiert, etwas Gutes? Oder doch eher so etwas wie ein Jump-Scare des Storytellings?
        Darüber wollte ich auch schon länger einen Artikel zu schreiben…

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        • Danke, jetzt stelle ich mir das auch vor und habe vor Lachen die Kaffekanne… ach, das glaubt mir eh niemand.

          A Prospos Podcast: da wir näher in die Gründungsphase gehen, spreche ich an dieser Stelle schonmal eine herzliche Einladung aus, dass du uns gerne mal als Gast beiwohnst und deine spitzzüngigen Bemerkungen auch in Natura preisgeben darfst 😉

          „Auch wenn das jetzt ein bisschen vom Thema weggeht, habe ich mich schon häufiger gefragt, ob unerwartete Plottwists eigentlich erzählerisch grandiose Kniffe sind oder doch eher billige Tricks.“

          Dito. Ich wollte es im Text mit Hitchcocks Theorie zum Unterschied von Suspense und Überraschung ansprechen und dann mit Schockmomenten und Spannungsaufbauten in Horrorfilmen vergleichen. Aber so ganz passt es dann doch nicht zusammen, finde ich.
          Denn Schock- und Überraschungsmomente sind tatsächlich recht billige Kniffe, die einfach umzusetzen sind. Bei Twists ist das insofern ein klein wenig anders gelagert, dass es eine größere Spannweite zwischen guten und schlechten Twists gibt. Shutter Island und A Beautiful Mind kann man, wie geschrieben, sehr gut ein zweites Mal ansehen, da der Twist in jeder Szene vorbereitet und angedeutet wird. Ohne – und das ist die große Kunst eines wirklich guten Twists – dass es der Zuschauer merkt (gut, manch eine rkann es sich immer denken). Dazu passen die Twists zu der zuvor gezeigten Story und fügen sich nahtlos in sie ein. Das Ende bei Inception ist ja nich tnur deswegen gut, weil man nicht weiß, was Sache ist, oder weil der Kreisel wackelt, sondern weil es sich in alles zuvor einfügt. Das Ende baut auf den Szenen davor auf und der Zuschauer fühlt gerade dadurch mehr als nur Überraschung.
          Dass ein Mädchen am Ende seinen Rock hochhebt und PIMMELALARM! ist zwar überraschend, aber fügt dem Film keine neue Ebene hinzu.

          „„Ätsch – war nur ein Traum“, das einen überrascht und evtl schockiert, etwas Gutes?“

          Nein. Es ist billig. Aber ein billiger Schokoriegel schmeckt halt auch ganz gut. Sofern man den bleiernen Nachgeschmack ausblendet.
          Ätsch – es war ein Traum wird sich zwar von vielen als Anfang von Star Wars Episode IX gewünscht, aber es ist absolut keine Kunst, das umzusetzen. Der Allerallererste, der das gemacht hat, war wenigstens noch kreativ, aber mittlerweile überrascht einen das nicht mehr. Das musste auch M. Night Shyamalan erkennen, als seine Twists mit jedem Film weniger gut aufgenommen wurden. Und erst mit Split konnte er die Leute wieder befriedigen, weil er einen etwas anderen Kniff eingebaut hat.
          Also das mit den Jump Scares ist ein guter Vergleich, passt meiner Meinung nach nur nicht zu 100% weil es nicht nur die schwarzen Schafe gibt (es gibt auch bessere Jump Scares, aber auch die tragen nichts zur Geschichte bei und haben ansonsten keinen Mehrwert; bei Twists kann das schon der Fall sein)

          Auf meinem alten Blog habe ich damals vor langer Zeit eine Top10 mit den besten Filmenden aufgestellt. Und da waren durchaus Filme mit Twists dabei, die dann aber wie bei Oldboy von langer Hand gut vorbereitet.
          Oder wie bei Total Recall, der das mit dem „Alles nur ein Traum“ insofern genau richtig handhabt, weil dieses Gefühl in jeder Szene aufgebaut wird und man sich deswegen die Frage stellt und es nicht nur als Twist funktioniert (ist es dort ja auch nicht im eigentlich Sinn).

          Aber leider wird der Twist sehr häufig als Jump Scare eingebaut und dadurch gewinnt der Film nur kurzfristig.

          „Darüber wollte ich auch schon länger einen Artikel zu schreiben…“

          Und ich würde ihn lesen 🙂

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