Superfast! – Filmkritik(?)

Filmkritik zur Parodie Superfast! (2015)

Gesehen auf Prime Video
Das bittere Elend bis zum Abspann vorspulen

Beim Psychiater

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© Universum Film GmbH

Herr Weizenegger, ich möchte Sie eindringlich darauf hinweisen, dass Ihre Krankenkasse die Kosten nicht übernimmt, wenn Sie weiterhin wegen dieser… – wie nennen Sie es?

Parodien, Herr […].

…wegen dieser Parodien zu mir kommen.

Aber ich bin doch nicht geheilt! Ich habe mir gestern wieder eine angeschaut. Ich dachte, ich wäre geheilt. Ich bin es aber nicht. Ich wollte mir den Film nicht ansehen und habe es trotzdem getan. Irgendetwas stimmt doch mit mir nicht.

Das mag sein. Nur ist es nicht als Krankheit anerkannt, wenn man sich Filme anschaut.

Aber… aber… wenn eine Frau wegen häuslicher Gewalt zu Ihnen kommt, schicken Sie sie doch auch nicht weg, oder? Die behandeln Sie wegen Stockhol’n-Syndrom und mich schicken Sie weg. Wo bleibt da die Gerechtigkeit?

Sie wollen nicht ernsthaft Ihren Filmgenuss damit vergleichen, wenn ein Mensch zu seinem Peiniger zurückkehrt?

Das ist doch kein Genuss! Und ja, ich will. Wenn ich mir diese Art von Parodien antue, dann ertrage ich körperliche Schmerzen. Mir brennt das Hirn und meine Muskeln beginnen, zu zucken. Und trotzdem schaue ich mir diese Scheiße immer wieder an. Ich weiß nicht wieso. Sie müssen mir helfen. Ich dachte, ich wäre geheilt, aber jetzt habe ich es wieder getan. Ich habe mir wieder eine Friedberg-Seltzer-Komödie angeschaut. Und ich fühle mich dreckiger denn je.

Herr Weizenegger, beruhigen Sie sich, bitte. Es ist, wie gesagt, keine Krankheit, wenn man sich Filme ansieht. Sie sind nicht krank jedenfalls nicht deswegen.

Sie müssen mir helfen! Ich kann diese Filme nicht mehr sehen und trotzdem schaue ich sie mir immer wieder an. Ich weiß, dass sie mir nicht gefallen und trotzdem zieht mich eine innere Kraft zu ihnen hin. Was, wenn am Ende der Humor auf mich abfärbt?
Es ist, als ob ich mir absichtlich Schmerzen zufüge, weil ich mich selbst für irgendetwas bestrafen möchte. Aber ich weiß nicht, für was. Meinen Sie, ich könnte damit aufhören, wenn Sie den Grund dafür herausfinden?

Ich meine, dass Sie bitte meine Praxis verlassen, denn ich kann Ihnen nicht helfen. Sie schauen sich schlechte Filme an. Wenn es danach ginge, wäre halb Deutschland bei mir in Behandlung. Und die Bild-Leser. Und die RTL-Zuschauer.
Gehen Sie bitte nach Hause und beruhigen Sie sich, indem Sie etwas tun, was Ihnen gefällt. Wie klingt das für Sie?

Da fällt mir ein, ich habe Best Night Ever noch nicht gesehen.

Das hört sich doch gut an, Herr Weizenegger. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Bis übermorgen, Herr […].

Ihr könnt es euch denken

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© Universum Film GmbH

Superfast! parodiert Fast & Furious und dessen zahlreichen Nachfolger. Die Geschichte setzt sich aus mehreren Teilen der Vorlage zusammen und ist angereichert mit typischen Gags, die man von den beiden Regisseuren von u.a. Date Movie und Beilight kennt.

Um gleich einen großen Unterschied zu funktionierenden Parodien, wie z.B. Die Nackte Kanone, zu verdeutlichen: Jedes Mal, wenn bei Superfast! eine Figur irgendeinen Blödsinn und sich zum Affen macht, kommentieren das die anderen Darsteller mindestens mit einem verdutzen Blick Richtung Kamera, indem sie den Kopf schütteln, oder die Augen verdrehen. Wenn bei Die Nackte Kanone Leslie Nielsen durch ein Mikroskop schaut und nichts sieht, sagt sein Kollege, er solle doch besser das offene Auge benutzen. Ohne ihn zu bevormunden oder sich über ihn zu erheben. Einfach nur als Tipp. Jede Figur und Situation wird trotz des Klamauks ernst genommen. Nicht so bei den Friedberg-Seltzer-Parodien, die einfach nur Schwachsinn am laufenden Band produzieren und den Zuschauer zu jeder Sekunde wissen lassen, dass es Quatsch ist.
So auch, wenn sie erklären, wieso irgendetwas witzig, bzw. eine Parodie sein soll. Die Parodie auf The Rock reibt sich seinen Körper die ganze Zeit mit Babyöl ein. Das alleine könnte durchaus amüsant sein, da es eine direkte Anspielung ist. Allerdings gehen sie nicht davon aus, dass der Zuschauer das kapiert und lassen die betreffende Figur nicht nur mehrmals aussprechen, dass er sich mit Babyöl einreibt, sondern später auch direkt erläutern, warum er das tut und inwiefern das Fast & Furious 5, 6, 7 und 8 referenziert. Ein Witz wird nicht dadurch lustig, dass man anspricht, dass man gerade einen Witz gemacht hat und erst recht nicht, indem man erklärt, warum es überhaupt witzig sein soll. Vor allem das und die übertrieben hölzernen unschauspielhaften schauspielerischen Leistungen machen den Film insgesamt zu einer Cartastrophe.

Fazit

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© Universum Film GmbH

Abgesehen davon, dass es nicht wirklich Fäkal-Humor zu bestaunen gibt, unterscheidet sich Superfast! nicht von all den anderen selbsternannten Parodien, die die beiden Drehbuchautoren bereits verbrochen haben. Die Schauspieler sehen ihren Vorbildern ein kleines bisschen ähnlich, in den Dialogen gibt es Anspielungen auf Stars und Sternchen, und wer auch nur zwei Minuten des Films gesehen hat, weiß, ob der Rest etwas taugt. Warum ich mir trotzdem die volle Packung gegeben habe, weiß ich leider nach wie vor nicht.
Hoffnung?

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 11.01.2019)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
4,1 / 10
7.861
moviepilot
3,0 / 10
112
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