Polar – Filmkritik(?)

Filmkritik zum John-Wick-Verschnitt Polar (2019)

Gesehen auf Netflix
Abdrücken

Trailer gut – alles gut?

polar_002

© Constantin Film

Der Trailer des jüngst auf Netflix erschienenen Actionfilms Polar verspricht eine spaßige Schieß-und-Prügel-Orgie im Stile von John Wick, bei dem Hauptdarsteller Mads Mikkelsen bezeichnenderweise Keanu Reeves recht ähnlich sieht.
Das ist auch der Grund, wieso ich mich auf den Streifen gefreut habe, denn John Wick hat mir besonders wegen seines Verzichts auf Wackelkamera und Schnittgewitter sehr gut gefallen. Polar lässt zwar nur eine, bzw. zwei schöne Sachen wackeln, aber dafür bietet er ansonsten recht wenig.

Erstaunlich, wie ich an dieser Stelle beruhigt mit der Filmkritik aufhören könnte und trotzdem alles Relevante gesagt hätte. Folgte man dem Journalisten-Kodex, dann gehört freilich das Wichtigste auch in den ersten Abschnitt, damit der Leser sich gar nicht weiter bemühen muss. In der heutigen Zeit von Clickbait und Werbegeilheit hat sich das Blatt gewendet und das Fazit steht am Ende. Der Leser ist gezwungen, bis zum Schluss zu bleiben.
In dieser Hinsicht tut euch Polar einen Gefallen. Denn bereits mit der ersten Szene werdet ihr wissen, ob ihr den Rest anschauen müsst, oder euch lieber einer Prostatamassage unterzieht. Was das weibliche Pendant dafür ist, weiß ich nicht. Interessiert mich in meiner angeborenen Arroganz auch nicht.

Der Glatzkopf von Little Britain spielt den Schurken

polar_004

© Constantin Film

Und auch Johnny Knoxville, der in Wirklichkeit Philip John Clapp Jr. heißt, spielt zu Beginn des Filmes eine Rolle. Warum ich das extra erwähne, obwohl ich das sonst nicht herausstelle? Weil sie beide nicht in den Film hineinpassen. Halt. Sie passen nicht in den Film, den ich mir erhofft hatte. In Polar passen sie leider sehr gut hinein. Weil der Film als Ganzes so wenig funktioniert, wie die beiden Darsteller ihre Rollen ausfüllen.
Und dabei hasse ich wenig mehr, als einen Verriss zu schreiben. Nur gibt Polar nicht mehr her. Mads Mikkelsen angezogen, Mads Mikkelsen nackt und schnell geschnittene, gewalttätige Rückblenden sind die drei Highlights des Endprodukts, das Constantin fürs Kino als zu schlecht erachtete und nun direkt über Netflix vertreibt. Damit tut sich Netflix keinen Gefallen.

Der Film will vor allen Dingen cool und unterhaltsam sein. Schafft das selten, wenn z.B. John Wick direkt parodiert wird. Die meiste Zeit fliegen schön geschriebene Buchstaben durchs Bild und viel zu rotes Blut tropft von allerlei Körperteilen. Der größte Fehler ist jedoch, dass die Antagonisten eine Stunde lang aufgebaut werden, dann aber nurmehr fünf Minuten Screentime bekommen. Das kann man mit gutem Willen als Stilmittel bezeichnen; funktioniert trotzdem nicht. Unser Held ist viel zu übermächtig. Seine Gegner zu plump, zu dumm, zu belanglos.
Als angesprochene Parodie hätte der Film vielleicht funktioniert, denn ernst nehmen kann man das nicht, was sich auf der Leinwand abspielt. Und trotzdem bemüht er sich besonders gen Ende hin eine ergreifende Geschichte zu erzählen. Das passt so wenig mit der zuvor gezeigten überzeichneten (und trotzdem lustlosen) Gewalt zusammen, wie es bereits von Kick-Ass 2 als Negativbeispiel vorgemacht wurde.

Fazit

polar_003

© Constantin Film

Was ein John Wick auf Netflix hätte sein können, bleibt das, was The Losers für Lucky # Slevin ist: ein überzeichneter Abklatsch, der die Welle mitreiten will, Surfen aber nur im Internet gelernt hat.
Da seid ihr mit Smokin‘ Aces und Shoot ‚Em Up wesentlich besser bedient. Und die sind bereits nicht das absolute Sahnehäubchen auf der Messerspitze des Genres. Alle bisher genannten bekommen die Gratwanderung zwischen Actionkomödie und Actionthriller jedoch wesentlich angenehmer ausbalanciert.

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 30.01.2019)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
6,4 / 10
17.532
moviepilot
5,9 / 10
305
Werbeanzeigen

Beginne eine Diskussion oder steig mit ein

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s