The Last Laugh – Filmkritik(?)

Filmkritik zur Komödie The Last Laugh (2019)

Gesehen auf Netflix
Direkt zur Pointe

Ein paar letzte Worte

last-laugh-002

© Netflix

Hallo zusammen! Für alle, die mich noch nicht kennen, möchte ich mich zunächst vorstellen.
[macht einen Schritt nach vorne]
Das sollte hoffentlich genügen. Seid ihr gut drauf?
[Stille]
Dann habe ich den richtigen Tipp für euch. Ein tierischer Begleiter hebt die Stimmung, glaubt mir. Auch ich bin jüngst auf den Hund gekommen. Mann, war das eine Schweinerei.
[Stille]
Schwieriges Publikum. Okay, kennt ihr Filmkritiken? Die hat man vor vielen Jahren gelesen, um zu wissen, welchen aktuellen Kinofilm man auf kinox streamt. Und geschrieben, um sich selbst wichtig zu machen. Denn wer weiß schon, was andere Leute für eine Meinung haben? Außer meine Frau, die weiß, was ich will: Nicht sie, deswegen hat sie mich vor 15 Jahren verlassen. Gute Entscheidung. Jetzt bin ich erfolgreicher Comedian und sie würde sich im Grab umdrehen, wenn sie das wüsste. Also, wenn ich sie damals nicht im Bodensee versenkt hätte.
Zu morbide?

Kommen wir zurück zu Filmkritiken. Auch ich hatte damals eine Seite, bei der es sowas zu lesen gab. Fifty Shades of Grey und ähnliche Filme hatte ich mir nur wegen der Seite angeschaut. Kennt den noch jemand? So, wie wenn ihr heute bei eurer Virtual-Reality-Brille den FSK-18-Modus freigeschaltet habt.
Und darüber habe ich dann einen Artikel geschrieben. Das waren noch Zeiten. Als die Leute noch gelesen haben. Das erinnert mich an die Kritik zu The Last Laugh, diesem Netflix-Film. Äh, ja, früher gab es außer Disney noch andere Streaming-Dienste. Worum ging es da nochmal?

Darum

Zwei alte Männer fahren durch die USA. Einer ist der Manager, der andere führt Witze auf Bühnen des ganzen Landes vor. Irgendwann kommt eine Frau hinzu, in die sich der Manager verguckt.
Klingt jetzt nicht so prall. War es auch nicht. Und trotzdem hat mich irgendetwas dazu bewegt, eine Kritik zu verfassen. Ich glaube, es war die Vorstellung, was ich mit meinem Leben anfangen wollte. Die Vorstellung, irgendwann in meinem Sterbebett zu liegen und mein Leben zu bereuen. Das wäre das Schlimmste. Der Film war bis auf ein paar Witze nicht besonders lustig oder originell, aber er hat in mir diese Sehnsucht ausgelöst. Im Leben zu tun, was ich selbst will. Nicht darauf zu hören, was andere mir sagen. „Junge, studier was, verdien Geld, zieh dir eine Hose zum Vorstellungsgespräch an, so beeindruckst du niemanden.“
Ich wollte mein Leben in 40 Jahren rückblickend nicht vergeudet sehen.

Niemand weiß, wie lange man lebt. Niemand weiß, ob man im Alter nochmal die Chance bekommt, etwas aus seinen Träumen zu machen. Sie sagen, dass es nie zu spät sei. Aber dann ist man endlich in Rente und zwei Monate später ist man tot. Krebs. Nie die Zeit gehabt, zum Arzt zu gehen. Und jetzt? Bleibt einem nur das Vertrauen, dass irgendjemand auf der Beerdigung eine ordentliche Grabrede hält. Eine letzte Erinnerung vor dem Vergessen. Sofern überhaupt jemand erscheint. Soziale Kontakte nicht die Priorität. Das kann ich auch haben, wenn die Arbeit vorbei ist. Dann bin ich endlich frei. Verdrängt, dass ich bereits all die Jahre zuvor frei war, zu tun, was ich eigentlich wollte.

Und so habe ich also die Filmkritiken nicht mehr so geschrieben, wie sie die Leute lesen wollten. Habe mich auf die Bühnen begeben und keine Witze mehr erzählt. Wurde ernster. Nachdenklicher. Doch auch das hat mich nicht zufrieden gestellt. Was würde ich in 40 Jahren von mir denken? Das habe ich mich ernsthaft gefragt. So ernsthaft, dass dieses Gefühl selbst bei einer eigentlich belanglosen Komödie wie The Last Laugh in mir ausgelöst wurde. Und dort haben wir es mit zwei alten Männern zu tun, die Kohle haben. Mit Kohle lebt es sich leicht. Nicht besser, aber leichter. Freunde sterben trotzdem um einen herum, wenn man älter wird. Aber man kann zu der traurigen Nachricht wenigstens einen Champagner trinken. Oder gleich drei, vier Gläser. Wenn die Flasche bereits auf ist, dann bleibt einem nicht viel übrig.
Und dann geht man irgendwann an die Tanke und holt sich eine Magnum-Flasche. Auf dem Weg dorthin begegnet man seiner großen Liebe. Doch sie ist bereits vergeben. Man hatte vor etlichen Jahren die Chance, doch hat sie nicht genutzt. Man wollte sich noch ausprobieren. Die Trauer übermannt einen. Meine Mutter hat immer gesagt: „Eines Tages wirst du aufwachen und 40 Jahre werden vergangen sein.“

Pointe

Dieses Gefühl müssen Schauspieler haben, wenn sie frühere Filme von sich sehen. Was war man jung und spritzig. Man hatte Schneid. Heute hat man so viel mehr. Aber wer erkennt das schon? Noch ein Film. Noch ein Film. Die Grisworlds gibt es nicht mehr. Aber Netflix gibt einem eine weitere Chance. Nichts Besonderes. Aber ein bisschen Kohle. Am Ende steht ein halbwegs beschwingter Film, den man wieder vergessen wird. So, wie man selbst irgendwann vergessen wird.
[Alter Mann, das ist eine Comedy-Bühne! Erzähl ’nen Witz, oder schleich dich!]
Ich erzähle gerade einen Witz. Von meinem Leben, dem größten Witz von allen. Meine Mutter hat immer gesagt: „Eines Tages wirst du aufwachen und 40 Jahre werden vergangen sein.“ Jetzt weiß ich, dass sie recht hatte.

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 10.02.2019)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
5,6 / 10
2.617
moviepilot
5,5 / 10
47
Letterboxd
2,4 / 5
922
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