Moonlight – Filmkritik(?)

Filmkritik zum Drama und Oscargewinner für den besten Film 2017 Moonlight (2016)

Gesehen auf Netflix
Wer die Einleitungen nicht lesen mag, darf wie immer direkt zum Fazit springen

Gestern.

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©DCM Film Distribution

Ein neuer Tag, der selbe alte langweilige Unterricht. Er ließ seinen Blick im Klassenzimmer umherschweifen. Die Buchstaben des Alphabets hingen unter der Decke. Seine Lehrerin trug keinen BH, was ihn aber in dem Alter nicht sonderlich interessierte. Die anderen schrieben fleißig etwas in ihre Notizblöcke. Nur einer erwiderte seinen Blick. Und schaute sofort wieder auf den Schreibtisch.
Eine halbe Stunde später klingelte es endlich. Beide packten ihre Sachen in die Taschen und verließen das Gebäude.
„War das wieder langweilig“, begann er das Gespräch mit seinem früheren Blickpartner. Dieser war damit beschäftigt, die Knöpfe an seiner Jacke zu richten und schaute nicht zurück. „Ja.“
„Was machst du heute…“ Weiter kam er nicht, denn der andere hatte bereits aufgehört, mit ihm Schritt zu halten und nestelte stattdessen noch kräftiger an seiner Jacke herum.
„Kann ich dir helfen?“, fragte er etwas lauter.
„Nein, danke. Der Reißverschluss ist kaputt. Geh ruhig weiter“, antwortete er, ohne den Blick von seiner Jacke zu wenden. Er tat wie geheißen, auch wenn ihm wohl aufgefallen war, dass sich kein Reißverschluss an der Jacke befand.

„Und wehe irgendeiner von euch macht eine Arschbombe! Der bekommt einen Tritt in den selbigen und darf das nächste Mal direkt zum Nachsitzen!“, rief er etwas lauter als nötig in das vor ihm sitzende Rund. Nur zwei Jungen nahmen die Worte nicht wahr. Einer schaute auf die Hände in seinem Schoß, der andere sah ihm dabei zu.
„Schöne Badehose.“
Angesprochen ging sein Blick nach oben in das Gesicht seines Nebensitzers. Er wurde rot, schnellte hoch, nahm die Hände nicht weg, rannte los und sprang nach wenigen Schritten ins Wasser.
„Was habe ich gerade gesagt?! Umziehen, nachsitzen, sofort!“
Der andere wartete nur kurz, bis er ebenso ins Wasser sprang.

Heute

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©DCM Film Distribution

„So viele Frauengeschichten, wie du erzählst, so viele gibt es gar nicht auf der Schule.“
„Es gibt doch noch andere Schulen.“
Beide lachten.
„Jetzt aber mal ehrlich, wie war das so mit Anna?“
„Du willst es genau wissen, was? Also gut…“, holte er aus, während der kleine Junge, der damals die erste Arschbombe machte, an den beiden vorbei lief. Nur, dass er jetzt fünf Jahre älter war. Sein Blick hing die meiste Zeit noch immer am Boden. Nur kurz schaute er den Jungen an, der damals die zweite Arschbombe hinlegte. Seine Augen verengten sich und er lief mit einem demonstrativen Achselzucken weiter.
„…sie bläst wie deine Mutter.“

Ein letztes Mal trafen sich die Blicke der beiden, als er in das Auto seiner Eltern stieg und sich kurz umdrehte. Dieses Mal schaute keiner weg.
„Jetzt steig schon ein, wir haben nicht ewig Zeit.“
Der andere winkte. Doch das bekam der im Auto nicht mehr mit. Und so hörte er auf zu winken, nachdem das Auto um die nächste Kurve fuhr. Stattdessen schnaufte er kurz durch und stieg dann wieder auf sein Fahrrad, mit dem er so schnell wie möglich hergerast war. Mit dem Ärmel wischte er den Schweiß von seinen Augen und fing an zu treten.

Morgen?

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©DCM Film Distribution

Er wusste ganz genau, wie viele Jahre vergangen waren. Und es war nicht das erste Mal, dass er sich überlegt hatte, zum Telefonhörer zu greifen. Dieses Mal würde er es tun. Was sollte schon passieren? Mehr als nein sagen, könnte der andere nicht. Und dann hätte er wenigstens Gewissheit, dass er ihn wirklich nie wieder sehen wollte. Bei dem Gedanken legte er den Hörer wieder beiseite. Genau DAS könnte passieren. Und das wollte er auf keinen Fall. Lieber weiter in der Hoffnung leben, dass er ihn anrufen könnte, wenn er wollte, und sie sich dann aussprechen würden. Wie die Erwachsenen, die sie mittlerweile waren. Alles von früher vergessen. Nunja, nicht alles. Sonst hätte er keinen Grund, ihn anzurufen. Er nahm den Hörer wieder in die Hand. Durchschnaufen. Selbst wenn er kein Interesse an einem Treffen hätte, nein, nein, er verdrängte diesen Gedanken mit einem Kopfschütteln. Er wählte die Nummer, die ihm eine frühere Schulfreundin gegeben hatte. Sein Herz klopfte mit dem Freizeichen im Takt. Es tutete vier Mal. Fünf Mal. Sechs Mal. Er würde es ewig klingeln lassen, wenn es sein müsste. Da nahm jemand ab. „Hallo, Erik?“

Ob er trotzdem froh war, angerufen zu haben, fragte ihn irgendetwas. Wenn er könnte, würde er die Zeit zurückdrehen. Doch er konnte nicht. Und so dachte er an all die Dinge, die er noch hatte unerledigt lassen. Doch ihm fiel nichts ein, das die Gedanken an ihn überlagern konnte. Er gab sich selbst die Schuld. Warum hatte er nicht bereits früher angerufen? Nur sieben Monate. Sieben verdammte Monate. Er wollte die Antwort nicht wissen und machte die Augen zu. Bitte, lass mir wenigstens meine Träume, dachte er. Doch auch seine Träume verschmolzen langsam mit der Realität. Hätte er bloß nie angerufen. Dann wären ihm wenigstens die geblieben.

Fazit

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©DCM Film Distribution

Ursprünglich wollte ich die Kritik derartig schreiben, dass ich so tue, als sei Moonlight der neueste Teil der Twilight-Reihe, in dem sich Edward und Jacob endlich gefunden haben. Im Gegensatz zu den Machern von How I Met Your Mother bin ich jedoch in der Lage, ein vorab gesetztes Ziel zum Wohle der Figuren und der Geschichte zu verändern. Denn meine Fresse ist Moonlight ein brachial intensiver Film. Eine solche Blödelei wäre ihm nicht gerecht geworden. Wenn man bedenkt, dass ich mich vor zwei Jahren noch aufgeregt habe, dass La La Land den Oscar nicht bekommen hat, muss ich jetzt demütig mit dem Kopf nicken ob der Entscheidung der Academy. Moonlight ist nach Whiplash der beste Film der letzten fünf Jahre, den ich gesehen habe.
Zu dem Hauptgrund ist Folgendes zu sagen:

Spätestens nachdem ich Roma für langweilig befunden habe, stieg in mir die Frage auf, ob nicht die Filme schuld sind, dass sie mir nicht gefallen, sondern ob es an mir liegt. So eine lange Durststrecke an schlechten bis durchschnittlichen Machwerken ist mir länger nicht mehr untergekommen. Moonlight hat diese beendet und mir gezeigt, dass ich meine Sehgewohnheiten nicht umstellen muss. Höchstens meine Konzentration auf jene Produktionen legen, die dazu in der Lage sind, Gefühle verschiedener Couleur (ein Fremdwort, also ist es doch eine Filmkritik!) zu provozieren und gleichsam filmische Mittel dazu nutzen, den Filmgenuss zu steigern. Gerade Roma, um den Vergleich erneut zu bringen, werfe ich vor, die zwar schön anzusehenden Kameraschwenks nur deswegen anzubringen, weil sie genau das sind: schön anzuschauen. Eine Existenzberechtigung darüber hinaus habe ich lediglich bei Moonlight wahrgenommen. Wir befinden uns inmitten der Figuren, erleben alles direkt mit und zusätzlich wird der Zuschauer auf scheinbar natürliche Weise mitgerissen, kann sich dem Geschehen nicht entziehen. Und trotzdem bleibt da die feine, nötige Linie an liebevoller Distanz.

Darüberhinaus muss ich ausnahmsweise explizit nahezu alle Darsteller loben. Besonders die Szene, als der Erwachsene Black durch einen Telefonanruf merklich wieder zum früheren Little wird (wer wissen will, was ich meine, muss sich den Film ansehen), hat sich mir nachhaltig ins Gedächtnis gebrannt (sofern man das einen Tag nach dem Anschauen überhaupt behaupten kann).
Zudem ist er nicht aufdringlich genug, um ihn als Brokeblack Mountain zu bezeichnen. Den Umgang mit Homosexualität bezeichne ich als sehr erwachsen und einzig sachdienlich im Hinblick auf die Geschichte, nicht aber auf den Oscar- und Einnahmenerfolg gerichtet. Auch wenn er beides gleichermaßen verdient hat.
Abschließend war ich so ergriffen, dass ich nur jedem raten kann, sich selbst ein Bild auch von all jenen Punkten zu machen, die ich hier nicht erwähnt habe. Der Film ist sehr gut.

…nach oben…


Bewertung auf Filmportalen (Stand: 16.02.2019)

Portal
Bewertung
Stimmen
IMDb
7,4 / 10
218.049
moviepilot
7,3 / 10
2.168
Letterboxd
4,2 / 5
131.389

20 Gedanken zu “Moonlight – Filmkritik(?)

  1. Ich muss sagen, dass ich eigentlich nur das Fazit gelesen habe. Hätte gedacht, du hättest die Film heute auf Netflix gesehen, er wurde ja heute hinzugefügt, überlege den heute Abend nach der letzten Einheit den zu gucken.
    Ich kann sagen, ich hab mich vor zwei Jahren auch aufgeregt über die Tatsache dass Moonlight gewonnen hat. Vor allem da kein normaler Filmgucker was mit dem anfangen konnte…
    Die Anspielung auf HIMYM kann ich nicht übersehen, ich kann schon mal sagen, dass ich genau gegenteiliger Meinung zum Ende der Serie habe

    Gefällt 1 Person

    • Gestern auf Netflix stimmt. Bin zur Zeit etwas durcheinander.

      Keine Ahnung, ob ich ein normaler Filmgucker bin, aber ich kann was mit ihm anfangen. Und mir sind auch „normale“ Filmgucker bekannt, die nichts mit La La Land anfangen können.
      Geschmack lässt sich schwerlich pauschalisieren. Moonlight erzählt am Ende des Tages auch „nur“ eine Geschichte. Und das macht er verdammt gut, will ich meinen.

      „Die Anspielung auf HIMYM kann ich nicht übersehen“

      Das mit der Mutter war ja okay, aber die Figuren Barney und Robin haben sie leider völlig über Bord geworfen, weil sie unbedingt auf der Welle schwimmen wollten, auf der sie von Anfang an die Segel gesetzt hatten. Aber da Himym im Gegensatz zu Friends Plot-driven und nicht Character-driven war, wie es im schönsten englisch heißt, kann man das auch durchgehen lassen.

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      • Naja, aber La La Land ist schon der „massentauglichere Film“ (auch wenn das fast schon ne Beleidigung ist. Hab den damals mit drei Freunden geguckt und die fanden den alle mindestens gut.
        Jetzt musst du erklären was Characterdriven und Plotdriven bedeutet.

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        • La la Land fand ich auch insofern massentauglicher, dass er eine beschwingtere Geschichte verspricht als Moonlight, den ich jetzt zwei Jahre vor mir hergeschoben habe, weil ich dachte, das sei so ein Betroffenheitsdrama, auf das ich keine Lust hatte. Weit gefehlt.
          La La Land hat das Problem, ein Musical zu sein, um aber gänzlich massentauglich zu sein.
          Und wie du an Ma-Go siehst, gibt es genug Ausnahmen.

          Serien (oder Filme), die vorrangig eine Geschichte erzählen wollen und die Charaktere als Mittel zum Zweck nutzen, sind Plot-driven. Dort geht es um Plot-Twists, dass am Ende alles zusammenläuft, und die Charaktere entwickeln sich so (wenn überhaupt), wie es die Geschichte verlangt.
          Himym hatte von Anfang das Ende vor Augen (und auch viele einzelne Folgen liefen auf die beachtenswerte Geschichte hinaus) und musste die Charaktere besonders in der letzten Staffel auf dieses Ende hinsteuern. Obwohl ich besonders bei Barney und Robin nicht das Gefühl habe, dass ihre Entwicklung zu dem Charakter passt, wie er sich vor Ende der letzten beiden Folgen gezeigt hat.

          Character-driven ist eine Serie dann, wenn die Geschichte nicht im Vordergrund steht. Es geht um die inneren Konflikte der Charaktere und Konflikte untereinander. Wie gehen Charaktere mit bestimmten Situationen und anderen Figuren um. Je nachdem entwickelt sich dann die Geschichte. Das Ende kann nur schwer von vorneherein feststehen, weil die Charakteren und deren Handlungen (die sie nach ihrem Charakter tätigen) die Geschichte voranbringen und gestalten. Häufig weiß der Autor am Anfang noch gar nicht, wo das alles hinführt und lässt seine Charaktere mal machen.

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          • OK plausibel, bei La La Land sind die Musicalpasssagen weniger ausgeprägt als bei einem klassischen Musical, aber dennoch bei einigen Kritiken hatte ich immer das Gefühl, dass man den Film schlecht machen wollte…
            Bei HIMYM hätten die Autoren vielleicht Barney und Robin parallel heiraten lassen sollen, aber für mich ist es konsequent, dass die beiden nicht langfristig zusammenleben können. Ted und Robin waren von Folge Eins füreinander bestimmt, sonst hätte das ganze keinen Sinn ergeben, auch wenn manche das nicht wahr haben wollen und sich vor allem am Tod der Mutter gestört haben…

            Gefällt 1 Person

            • „aber dennoch bei einigen Kritiken hatte ich immer das Gefühl, dass man den Film schlecht machen wollte…“

              So wie manche bei deiner Meinung zu Bohemian Rhapsody dasselbe denken werden 😉 Aber das ist doch das gute an der subjektiven Wahrnehmung von Kunst. Es gibt keine Wahrheit, die für alle gilt.

              „Ted und Robin waren von Folge Eins füreinander bestimmt“

              Das war die vorbestimmte Geschichte. Aber von ihren Charakteren her hat Robin in meinen Augen nie zu Ted gepasst. Er wäre wohl am glücklichsten mit Voctoria geworden (was ja auch die Ersatz-Mutter gewesen wäre, wenn die Serie zu früh abgesetzt worden wäre).
              Die Mutter hat noch besser zu ihm gepasst (perfekt, um genau zu sein), aber in der Hinsicht habe ich, wie gesagt kein Problem mit dem Tod. Das hat sich allerspätestens mit der Folge „The Timetravelers“ angekündigt. Es hat auch nichts mit ihrem Charakter zu tun, dass sie stirbt. Dass Ted irgendwann weiterzieht, ist auch recht. Dass er zurück zu Robin WILL, ebenfalls. Aber die Serie hat es mir zu keiner Sekunde begreiflich gemacht, warum dasselbe auch für Robin gelten sollte.
              Hier hätte bereits eine Umstellung der letzten Staffel helfen können.
              Die erste Hälfte von mir aus die Hochzeit, die zweite Hälfte dann aber dafür nutzen, um die Charaktere in die Richtung laufen zu lassen, an der die in den letzten beiden Folgen stehen. Das geht einfach zu schnell, um es mir begreiflich zu machen.

              Robin und Ted waren vom Drehbuch füreinander bestimmt, aber es hat es leider nicht geschafft, das auch in den Charakteren zu spiegeln.

              Gefällt 1 Person

              • Ich wollte unbedingt, dass Bohemian Rhapsody ein Superfilm wird, aber dass ist er weder handwerklich noch darstellerisch. Er wird Queen und Freddie Mercury nicht gerecht. Kritiker sahen das im Konsens ja auch so, aber dieser Film ist in der Masse unglaublich eingeschlagen, was wenig überraschend ist, selbst ein durchschnittlicher Queenfilm zieht Massen an.

                Victoria hat irgendwie für mich zumindest im zweiten Auftreten gar nicht zu ihm gepasst. Die Mutter war perfekt geschrieben auf das was Ted wollte und sie wurde auch stark dargestellt von Cristin Milotti. Für mich war begreiflich, dass Robin zurück zu Ted will. Allein die Geschichte un das Medaillon oder wo sie am Strand sitzen. Eigentlich wollte Robin immer Ted, aber sie wusste, dass es scheitern wird, deswegen hat sie sich immer gegen ihn entschieden und ernst nachdem sie Karriere gemacht hat, konnte sie sich für Ted entscheiden.

                Gefällt 1 Person

                • Da ich Bohemian nicht gesehen habe, belasse ich es bei meiner Verwunderung, dass du deine Meinung mit dem vermeintlichen Konsens von selbsternannten Kritikern (es gibt nach wie vor keine Ausbildung o.ä. dazu) unterstützen willst. Auch die haben wie du „nur“ eine Meinung. Und das macht am Ende des Tages keine wahrer als die Meinung der Zuschauer.
                  Mal abgesehen davon, dass der Film zumindest für Schnitt und Tonschnitt bei den Oscars nominiert ist. Zwei Kategorien, in denen die jeweiligen Zünfte für die Nominierungen verantwortlich sind. Kann also handwerklich nicht alles falsch gemacht haben, wenn man danach gehen will.
                  Und auch der Hauptdarsteller ist nominiert. Ebenso wie der Film (wobei dort dann wieder alle im Boot sitzen, aber immer noch Leute aus der Branche). Also wenn man seine Meinung mit anderen unterstützen möchte (was doch gar nicht notwendig ist), dann sollte man auch das nicht vergessen.

                  „selbst ein durchschnittlicher Queenfilm zieht Massen an“

                  Kann man mal behaupten 😉

                  „Victoria hat irgendwie für mich zumindest im zweiten Auftreten gar nicht zu ihm gepasst“

                  Unterschreibe ich sofort. Und ich bin der Überzeugung, dass das daran liegt, weil sie nicht mehr so handelt, wie sie bei ihrem ersten Auftritt gehandelt hätte. Man kann jetzt sagen, dass sie sich verändert hat, oder ihren wahren Charakter gezeigt, aber ich glaube, dass die Macher der Serie sie einfach „loswerden“ wollten. Zeigen, dass das mit ihr eben nichts wird.

                  „Eigentlich wollte Robin immer Ted, aber sie wusste, dass es scheitern wird, deswegen hat sie sich immer gegen ihn entschieden und ernst nachdem sie Karriere gemacht hat, konnte sie sich für Ted entscheiden.“

                  Lässt sich lesen. Für mich war das zu konstruiert und nicht konsequent genug umgesetzt. Die Wegfliege-Szene am Strand war auch zu stark, dass man sie dann doch wieder rückgängig machen muss.
                  Aber wahrscheinlich wäre ich bereits zufriedener gewesen, wenn sie und Barney nie zusammengekommen wären. Wir werden es nie erfahren.
                  Hast du mal das alternative Ende gesehen?Und wenn ja, was sagst du dazu?

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                  • Ich bin auch bis heute verwundert, dass der Film in der Schnitt Kategorie nominiert worden ist. Tonschnitt ist für Musikfilme ne sichere Sache und der war gut. Aber Setting und auch der nominierte Schnitt waren nicht gut, aber bei weitem nicht so schlimm wie das Drehbuch. Ich wollte damit sagen, dass der Film zunächst durchwachsen aufgenommen wurde und dann sich ein kaum erklärbarer Hype um den Film entwickelt hat. A Star Is Born ist der wesentlich bessere Musikfilm als Bohemian Rhapsody, aber dieser hat halt Queen. Daneben ist die Academy ja für fragwürdige Entscheidungen bekannt, aber dennoch sollte man sich Bohemian Rhapsody ansehen. Ein Kritiker qualifiziert sich danach, dass er den Film so bewertet, dass er seinen subjektiven Eindruck anhand objektiver Tatsachen und subjektiver Wahrnehmungen begründet darstellen kann.
                    Bohemian Rhapsody ist einer dieser Filme, über die man vortrefflich diskutieren kann.

                    Das wunderbare an HIMYM ist für mich, dass sie lebensnah ist, von daher kann man so argumentieren was Victoria angeht, allerdings würde ich dir zustimmen, allein um zu zeigen, dass Victoria nicht perfekt ist, weswegen sie ihr einen zweiten Auftritt beschert haben.
                    Bis zur Mitte der achten Staffel hätte man das ganze so deichseln können, dass Barney und Robin nicht einander heiraten. Ich glaube das hätte die meisten Fans aber auch nicht befriedigt. Ich finde das alternative Ende ziemlich schwach, da hätte man zumindest ne Abschlussszene mit der Mutter haben müssen, außerdem hätte Ted dann die Geschichte nicht so erzählt. Vielleicht hätte man sich mehr Zeit lassen sollen für die Nachentwicklungen, vor allem da das Hochzeitswochenende gezogen war.

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                  • „Ich wollte damit sagen, dass der Film zunächst durchwachsen aufgenommen wurde und dann sich ein kaum erklärbarer Hype um den Film entwickelt hat.“

                    Irgendwas scheint er ja zu haben, dass die guten Wertungen rechtfertigt. Aber ob das nur Queen ist, kann ich nicht beurteilen. Irgendwann werde ich ihn mir aber anschauen.

                    „Ein Kritiker qualifiziert sich danach, dass er den Film so bewertet, dass er seinen subjektiven Eindruck anhand objektiver Tatsachen und subjektiver Wahrnehmungen begründet darstellen kann.“

                    Das kannst du auch auf Blogs und den Einträgen bei moviepilot lesen. Bin kein Freund davon, Kritikern eine Deutungshoheit über Filme zu geben. Dann wäre so gut wie alles scheiße, wenn es nach Spiegel Online ginge und die haben auch in der Regel ihre Gründe für die Wertung. Letztlich bist es allein du, der entscheidet, wie du den Film findest. Und ob du dann noch Gründe dafür brauchst, oder ob die sich nur daraus ergeben, DASS du ihn nicht gut findest, ist wieder ein anderes Thema.

                    „Bohemian Rhapsody ist einer dieser Filme, über die man vortrefflich diskutieren kann.“

                    Selbst dann offensichtlich, wenn man ihn, wie ich, nicht gesehen hat 😛

                    „Vielleicht hätte man sich mehr Zeit lassen sollen für die Nachentwicklungen, vor allem da das Hochzeitswochenende gezogen war.“

                    Das nehme ich gerne als Schlusswort für heute zum Thema Himym.

                    Gefällt 1 Person

                  • Naja es gibt schon Unterschiede zwischen Filmkritikern und so einigen die auf Blogs ihre Wertung zu Filmen abgeben. Spiegel Online Filmkritiker kann man zum Beispiel nicht ernst nehmen, da sie eigentlich nie auf den Film eingehen. Dann gibt es Kritiker deren Meinung ich deswegen akzeptiere, weil sie gut begründet ist und nachvollziehbar wird.

                    Gefällt 1 Person

                  • „Dann gibt es Kritiker deren Meinung ich deswegen akzeptiere, weil sie gut begründet ist und nachvollziehbar wird.“

                    Wobei sich für mich die Frage stellt, was das bringt. Nehmen wir High Flying Bird, über den wir letztens geschrieben haben. Deine Meinung kann ich zwar akzeptieren und nachvollziehen, aber in keinster Weise auf mich übertragen. Hätte ich den Film nicht gesehen, dann würde ich durch die Kritik eventuell in eine Richtung gelenkt, die ich selbst nie wahrgenommen hätte. Oder ich sehe das mit der Moral genau so wie du, habe aber eine andere Kausalkette zwischengeschalten und mir ist es egal, oder ich finde den Film trotzdem gut.

                    Eine Filmkritik sollte zwar als Mindeststandard über eine bloße Beschreibung der Handlungsebene hinausgehen. Nur kann sie das überhaupt leisten und wenn ja wozu?
                    Roma hat so viele überschwängliche Kritiken enthalten, dass kurzzeitig gar nicht mehr wusste, wie mir geschah, als ich den Film gesehen habe. Zwar kann ich die „Argumente“ sehen, die angebracht werden (Kamera, Figuren, Verbindung mit der politischen Situation, ein nahbarer Rückblick ins Leben des Regisseurs), nur treffen die auf mich persönlich so gar nicht zu. Und dennoch haben wir alle denselben Film gesehen.

                    Daher stellte ich nicht nur die Frage, sondern die Behauptung auf, dass ein Film nur als Ganzes wahrgenommen werden kann. Demzufolge auch nur als Ganzes besprochen und kritisiert werden kann, wenn es um den Filmgenuss geht. Und nicht nur das: ohne sich selbst in die Rechnung mit einzubeziehen, ist eine Filmkritik nichts wert.

                    Filme bestehen aus vielen Kleinteilen, aber keines für sich ist geeignet, einen Film „gut“ oder „schlecht“ zu machen. Film funktioniert nur in der Zusammenschau aller Elemente. Und deswegen überlegen wir uns nach (oder während) eines Filmes, was der Grund dafür war, dass er uns (nicht) gefallen hat. Und dann suchen wir uns bei Roma z.b. die Kamera heraus, weil die anders funktioniert, als in den meisten anderen Filmen. Jemand wie ich, dem der Film nicht gefallen hat, sucht sich aus denselben Gründen die Kamera heraus, behauptet dann aber, dass sie nur zur Schau dient und nicht zur Verbindung mit dem Zuschauer. Keine Wirkung erzielt.
                    Wer hat recht? Beide, niemand? Ich meine beide und gleichzeitig auch niemand. Beide haben ihren ganz eigenen Punkt gesetzt, der in ihrer Wirklichkeit stimmt. Letztendlich hat aber niemand einen Punkt getroffen, denn der Film funktioniert nur als Ganzes und kann auch nur als solches bewertet werden. Jeder Versuch eine „professionellen“ Kritik scheitert bereits daran, weil es keine Gründe für den eigenen Geschmack braucht. Und wenn, dann liegen sie in einem selbst und nicht am Drehbuch, am Schnitt, oder sonstigen Kleinteilen. Denn jeder wird für sich Beispiele finden, da war das Drehbuch etwas seltsam, der Schnitt irgendwie verhunzt, und trotzdem hat uns der Film gefallen. Wir kennen langsame Filme, die wir mögen (obwohl sie langsam sind) und langsame Filme, die wir nicht mögen (weil sie langsam sind). Letztlich mögen wir den einen und den anderen nicht. Die Langsamkeit ist ein Grund, den wir suchen, um es irgendwie zu verargumentieren.

                    Erst durch die Betrachtung eines Filmes entwächst dieser zu seinem Dasein. Und das sieht bei jedem anders aus, weil auch jeder selbst mit anderen Augen sieht. Kenne ich die Augen nicht, bzw. weiß ich nicht, wie die Augen funktionieren, ist die Kritik wertlos. Film ist Kunst und Kunst ist Gefühl.

                    Gefällt 1 Person

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