Filmkritikenkritik #3 – Antje Wessels & Tenet

Filmkritikenkritik zu Antje Wessels & Tenet

In der dritten Folge Filmkritikenkritik widmen wir uns Antje Wessels‘ Kritik zu Tenet, dem neuen Nolan-Blockbuster.
Doch bevor es losgeht, ein paar allgemeine Anmerkungen zu diesem Format.

Vorbemerkung

Da die Frage bisher jedes Mal aufkam, was mich dazu befähige, eine Kritik zu anderen Filmkritiken zu schreiben, möchte ich einerseits mit der üblichen Gegenfrage antworten, was die meisten Filmkritiker dazu befähigt, Kritiken über Filme zu schreiben? Und andererseits dazu sagen, dass ich keine journalistische Ausbildung genossen habe und nur viele Filme gesehen und noch mehr Filmkritiken zu diesen Filmen gelesen habe. Ich mache mir selbst Gedanken dazu, wie man Filmkritiken schreiben kann (nicht: muss!) und überlege mir auch neun Jahre, nachdem ich mit meinem ersten Filmblog angefangen habe, noch immer, wie es dazu kommt, dass Filme unterschiedlich wahrgenommen werden und dementsprechend auch unterschiedliche Filmkritiken abbekommen.
Bislang war dieses Format sehr launisch gehalten und ist unter dem Pseudonym des Filmkritikenkritikers entstanden. Nun soll es hier etwas gesitteter zugehen, wenngleich der Spaß nicht voll aufgegeben wird.

Es soll auch nicht darum gehen, professionelle Filmkritiker in die Pfanne zu hauen, sondern vielmehr darum, aufzuzeigen, was es für unterschiedliche Herangehensweisen an Filmkritiken gibt. Positives wie negatives wird natürlich nicht unter den Tisch fallen und wie so häufig im Internet stört man sich leider eher an den negativen Seiten, weswegen die im Endeffekt doch ein Übergewicht bekommen könnten.
Schauen wir mal, wie es heute wird, wenn wir uns die Kritik einer professionellen Kritikenschreiberin zu Tenet anschauen (während Antje Wessels als Bloggerin angefangen hat, verdient sie heutzutage Geld mit dem Schreiben von Kritiken).
Dazu werde ich euch einerseits wie bislang auf die Originalkritik verweisen, wie sie oben verlinkt ist, als auch immer wieder Zitate herauspicken, um diese zu analysieren.

Viel Spaß dabei und Kritik an meiner Filmkritikenkritik gerne in die Kommentare.

Einleitung und erster Absatz Plot

Im kurzen Einleitungssatz wird nicht nur klar, wie sie den Film abschließend beurteilen wird – „fauler Zauber“ – sondern es wird auch direkt deutlich, dass sie hingegen mit anderen Filmen des Regisseurs sehr warm geworden ist – „nach Meisterwerken wie Memento, Interstellar und Dunkirk“. In nur zwei Sätzen hat sie damit mehr geleistet als Frau Zylka in ihrer gesamten Kritik zu Split bei Spiegel Online.
Dazu reißt sie noch kurz das Thema an – „Zeit“.
Ob das Fehlen des Filmes Prestige und der Begriff „Zauber“ absichtlich so gewählt wurden, weiß ich nicht, soll aber genausowenig eine Rolle spielen, wie dass sie von „unserer Kritik“ spricht, obwohl sie nur sich selbst in der Autorenzeile genannt hat.
Hängenbleiben soll hier nur, dass es im Zeitalter des schnellen Internets ein Plus ist, wenn man das Fazit an den Beginn stellt, um den Leser direkt darauf einzustimmen, was noch folgt. Daneben schürt man eine Erwartungshaltung, was den ein oder anderen dazu bringen dürfte, weiterzulesen.
Irgendwo hier hätte man noch den Zusatz, spoilerfrei, bringen können, damit auch niemand abgeschreckt wird, der die Kritik vor dem Kinobesuch lesen möchte. Denn das sei bereits vorweggenommen: es handelt sich um eine Kritik für Leute, die VOR dem Kinobesuch wissen wollen, wie der Film ist. Ob sie die abgesteckte Zielgruppe einhält, werden wir im Laufe der Kritikenkritik sehen.

Im nächsten Abschnitt wird die Handlung zusammengefasst. Also das, was in den meisten Kritiken heutzutage zwischen einer (kurzen) Einleitung und der eigentlichen Kritik steht.
Mir ist es am liebsten, wenn die Zusammenfassung sehr kurz gehalten ist, die Stimmung des Filmes näherbringt und durch den Abschlusssatz Lust auf mehr macht, bzw. den Konflikt aufwirft.
Frau Wessels kündigt durch Fragezeichen gleich zwei Konflikte an. Einerseits mit einem zwielichtigen Partner und andererseits die Rettung der Welt. Da kann man schonmal Lust auf einen Agententhriller bekommen, oder? Das eigentlich geniale und der Grund, wieso man sich den Film ansehen sollte, steht schon kurz davor in der Handlung: der Protagonist möchte sich in der Zeit zurück bewegen. Hätte man auch als Schlusspointe des Plots nennen können.
Danach folgt die Einbindung des Trailers, der zusammen mit den Bildern dem Auge schmeichelt. Was das Layout anbelangt, ist das alles schön zu lesen und lenkt nicht zu sehr ab. Gerade Kritiken, die nur aus Text bestehen, sind dagegen doch anstrengend zu lesen (also genau wie diese Filmkritikenkritik…)

1. und 2. Absatz der Kritik

Den ersten Abschnitt beginnt sie mit dem, was in vielen anderen Kritiken direkt am Anfang steht: eine kurze Anekdote, ein Vergleich, irgendeine Begebenheit, die zum Film hinüberleitet. In diesem Fall die Kino-Krise wegen der Corona-Pandemie und die Hoffnung auf Tenet als Umsatzbringer. Da diese Info nicht ganz am Anfang steht, gleicht sie so ein bisschen der Ruhe vor dem Sturm. Interessanter Ansatz.
Ebenso interessant ist, dass hier Tenet als „teuerste Verfilmung eines Originalstoffes aller Zeiten“ bezeichnet wird. Dass man das aller Zeiten nicht einfach weglässt, stört mich nur persönlich, ist es doch mittlerweile synonym zu bis jetzt zu verstehen. Als Quellenverfechter geht es mir mehr darum, dass auch hier keine genannt wird. Vor allem vor dem Hintergrund, dass ich bei meiner kurzen Recherche nach wie vor auf Avatar verwiesen werde, wenn es um den teuersten Originalstoff geht (Quellen u.a. Filmstarts und moviepilot; allerdings vom Januar, also kann sich das durch die Verschiebungen durchaus noch erhöht haben). Zudem ist hier irgendwie immer in Frage, was zu teuerste alles dazugehört. Nur die reine Produktion oder auch Marketing? Eine Quelle rein und die Frage stellt sich nicht.
Davon abgesehen wird dadurch eine Fallhöhe für den Film aufgebaut. Sehr teurer Film und trotzdem nicht gut. Gegensätze wirken nicht nur auf Filmplakaten sondern auch in Filmkritiken.
Die Qualität des Filmes bringt sie direkt in den letzten Satz. Ihr gefällt Tenet nicht und Nolan habe sich sogar verzettelt. Dass er gebürtiger Brite ist, da muss ich unweigerlich an Fußballkommentatoren denken, die über 90 Minuten mit neuen Begrifflichkeiten für einen bestimmten Spieler oder eine bestimmte Mannschaft aufwarten müssen, um nicht wiederholend zu werden.

Im zweiten Absatz kommen wir ans Eingemachte. Den Grund dafür, wieso der Film so schlecht wahrgenommen wird: Nolan entziehe sich jede innerlogischen Erklärung. Das ist, wie ich finde, durchaus etwas, was man ankreiden kann – wenn es denn stimmt. Wobei man hier unterscheiden muss zwischen Filmen wie z.B. Mulholland Drive, die gar nichts groß erklären wollen und Inception, der sehr viel erklärt. Hier wäre es also nicht verkehrt gewesen, darauf einzugehen, wo Tenet anzusiedeln ist. Je nachdem wäre es zwar ein Merkmal des Filmes, nichts zu erklären, aber in meinen Augen kein negatives. Aber der Reihe nach.
Wessels beschreibt schön den Unterschied zwischen Logiklöchern (hier: „Plotholes“) und Logikfehlern. Das erste wischt sie galant weg, denn darauf möchte sie nicht weiter eingehen. Was mir gefällt. Denn bloß, weil ein Film etwas nicht erklärt, ist das längst kein Nachteil. Sie versteift sich hingegen auf Logikfehler. Und auch für mich sind Logikfehler etwas, das keinem Film passieren sollte. Wobei man auch hier unterscheiden sollte zwischen Filmfehlern durch z.B. den Schnitt (die Autotür in Phantom-Kommando, die plötzlich wieder repariert ist) und Filmfehlern aus der inneren Logik heraus. Also wenn etwas behauptet wird, kurze Zeit später funktioniert der Film aber ganz anders. Ein Beispiel dafür liefert sie passenderweise gleich mit – wenn es denn stimmt.

Da das Beispiel erst im dritten Abschnitt steht, spreche ich noch kurz den Hauptkritikpunkt an, den sie am Ende des zweiten Absatzes zusammenfasst: „selbst auferlegten Regeln [werden] permanent missachtet“ und es gelinge dem Film somit 150 Minuten lang nicht, eine in sich schlüssige Filmwelt aufzubauen.
Interessanterweise sehe ich das komplett anders, aber darum soll es an dieser Stelle nicht direkt gehen. Denn wenn man das so sieht, dann ist es verständlich, dass die Kritik darauf aufgebaut wird. So etwas dürfte einen Zuschauer immer wieder aus dem Film werfen. Und wenn das so ist, dann muss man das dementsprechend auch anbringen. Die eigene Empfindung ist das Wichtigste bei einer Filmkritik – finde ich(!). Professionelle Kritikenschreiber sehen das wahrscheinlich eher anders.

3. und 4. Absatz der Kritik

Direkt vor dem dritten Absatz zitiert sie sich selbst. Wenn auch nicht korrekt, da der Satz so nicht 1:1 im Text darüber steht. Aber kann es überhaupt falsch sein, sich selbst zu zitieren? Immerhin hat man ja spätestens beim Zitat das Zitierte tatsächlich gesagt / geschrieben. Puh, vielleicht genauso komplex wie das Großvater-Paradoxon.
Die obige Behauptung wird nun unterfüttert mit Beispielen. So wie es sein sollte, möchte ich meinen. Ein Argument, das ohne Beispiel im Raum steht, ist wie ein Vergleich ohne Pointe. Wessels geht es um Widersprüche, also genau die Art Logikfehler, die sie oben erwähnt hat. Da es ein wichtiger Punkt ist, kann man die Wiederholung auch nicht mit der Behauptung wegwischen, man hätte sich kürzer fassen können. Denn durch die Wiederholung prägt sich das Argument besser ein und als Leser konzentriert man sich im besten Fall genauer darauf.
Nun kommen wir zu den zwei Beispielen, die das Argument entweder auf eine neue Stufe bringen oder es in sich zusammenfallen lassen. Je nach gewähltem Beispiel. Aus Spoilergründen verzichtet sie auf weitere Beispiele, von denen es wohl noch einige geben mag. Hier verwischt etwas die Kritik für Leute VOR dem Filmgenuss mit der für Leute NACH dem Filmgenuss. Allerdings stets der Untermauerung des Argumentes dienend, der Film enthalte Logikfehler. Also irgendwie auch nötig. Wobei man als Leser, der den Film noch nicht gesehen hat, ihre Behauptung eh erstmal glauben muss. Mit oder ohne Beispiele.

Zudem führt sie die Beispiele nicht weiter aus, was auch mich hat erstmal dummdreist dastehen lassen, da ich nicht wusste, von was sie genau schreibt. Hier muss ich sagen, eine Mischung aus Kritik für VOR / NACH dem Filmerlebnis ist zusätzlich verwirrend. Glücklicherweise geht sie in Kino+-Folge 313 im Spoilerbereich näher darauf ein, was sie hier meint. Es sollte in meinen Augen allerdings nicht nötig sein, auf Sekundärliteratur zugreifen zu müssen, um eine Filmkritik zu verstehen. Vielleicht ist das aber auch ein Querverweis zu Tenet, dem sie ja genau das vorwirft. Wer weiß.
Nun also endlich zu ihrem ersten Beispiel, das sie im Text meint, und bei Kino+ auch nennt:
Eine Wissenschaftlerin erklärt anhand von zwei Kugeln, wie die Inversion (=Zeitumkehr) funktioniert. Eine Kugel ist normal, die andere invertiert. Laut Wessels zeige Tenet allerdings, dass unser Protagonist mit der normalen Kugel so umgehen könne wie mit der invertierten Kugel.
Sollte das stimmen, wäre in der Tat die innerfilmische Logik zumindest mal angekratzt. Tut es in meinen Augen nur leider nicht. Mittlerweile habe ich die Szene mehrmals gesehen und die Kamera zeigt beim Weg um den Tisch herum die beiden Kugeln und ihren Werdegang nicht. Es wird nicht gezeigt, ob sich die invertierte Kugel nach wie vor in den Händen der Wissenschaftlerin oder in denen des Protagonisten befindet. Es wird auch nicht für die Kamera (und damit den Zuseher) gezeigt, wo sich die normale Kugel befindet. Mit anderen Worten: Wessels Lesart ist möglich, da wir den Standort der Kugeln nicht kennen. Allerdings liegt es näher, das ganze so zu betrachten, dass die sich drehende und die fallende Kugel stets eine invertierte ist. Denn das verkauft uns der Film als seine Logik.

So oder so macht sie sich an dieser Stelle unnötig angreifbar, da ihre Beobachtung so nicht auf der Leinwand zu sehen ist. Dadurch wird ihr Argument abgeschwächt, auf dem der Hauptteil ihrer Filmkritik basiert.
Versteht mich nicht falsch: da es ihre Beobachtung war, die sie aus dem Film gerissen hat, musste sie diese auch so benennen. Subjektiv gesehen ist sie zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass ihr der Film entglitten ist. Nur sagt sie bei Kino+, dass sie die Szene auch beim zweiten Mal so gesehen habe, was ich wiederum nicht verstehen kann. Sei’s drum. Der Hauptkritikpunkt von mir ist, dass sie etwas nimmt, das objektiv zumindest mehrdeutig ist, um ihre gesamte Argumentation darum aufzubauen. Sie musste es nennen, aber macht sich halt angreifbar. Besonders dadurch, dass sie einen allgemeingültigen, objektiven Schein wahrt. Und auch besonders dadurch, dass sie eine damit in Bezug stehende Aussage aus dem Film (und damit Nolan als Drehbuchschreiber) „verhöhnend-überheblich“ nennt. Hier erhebt sie sich meiner Erachtens zu stark über den Film.
Aber wir haben ja noch ein zweites Beispiel.

Das erste Beispiel, das ich so unter keinen Umständen unterschreiben würde, nimmt sie zum Anlass, zu schreiben, dass „innerfilmische Regeln permanent unterschiedlich ausgelegt werden“. Puh. Mit Worten lässt sich viel machen, wie wir immer wieder bei Kritiken lernen müssen. Wegen eines (falschen) Beispieles von permanenten Logikfehlern zu sprechen, zeugt in meinen Augen von keinem guten Stil. Da fehlt die Argumentationskette, um vom Kleinen auf das Große zu kommen. Alles nur, um sich selbst im Recht zu sehen. Und ja, auch ich habe ihr Beispiel jetzt „falsch“ genannt, um mein Argument zu unterstreichen. Genau so funktioniert das. Würde aber hoffentlich in jedem Debattierwettbewerb Punktabzug geben.
Ansonsten besteht ihr zweites Beispiel aus einer physikalischen Begebenheit, die ich nicht groß untersuchen möchte, da ich keine Ahnung habe, wie es sich in der invertierten Welt lebt, und auch keine Ahnung habe, wie der englische Originalausdruck für „Gegenwind im Rücken“ lautet. In meinen Augen geht es zwar mehr darum, dass der Wind eben andersherum dreht, und das hat für mich ausgereicht, aber wie oben schon gesagt: wenn sie die Aussage aus dem Film herausgerissen hat, muss sie die als Kritikerin anbringen. Und das hat sie hiermit getan. Ein mündiger Leser wird selbst entscheiden können, ob das Beispiel zu kleinlich gewählt wurde oder seine Berechtigung hat.

5. und 6. Absatz der Kritik

Sie fasst das ganze wie Susi aus Herzblatt nochmal zusammen. Man sieht damit, wie wichtig ihr dieser Kritikpunkt ist.
Den Vergleich mit Michael Bay halte ich für vermessen, weil seine Filme auf einem ganz anderen Actionlevel funktionieren und sich keinerlei Anspruch herausnehmen, aber durch den letzten Absatz sind wir ja bereits ein klein wenig ins Polemische gerutscht. Zudem sorgen solche Vergleiche im besten Fall für eine Auflockerung im Lesefluss.
Danach erläutert sie erneut und bekräftigt damit ihr Argument, dass der Film voller Logikfehler sei. Wir erinnern uns hinsichtlich der Angreifbarkeit, wenn ihre Argumentation der Wahrheit im Film nicht standhält. Zudem ist es gefährlich, solche Logikfehler herauszuheben, wenn man Kritiken für VOR dem Filmgenuss schreibt. Immerhin könnte es dadurch sein, dass man den Filmgenuss des Lesers madig schreiben könnte, weil er ansonsten gar nicht auf den Logikfehler geachtet hätte. Eine selbsterfüllende Prophezeiung (nicht ganz, aber ihr versteht mich schon). So oder so muss ich zum wiederholten Male als Filmkritikenkritiker sagen, dass sie gut daran tut, ihre erkannte Schwachstelle zu nennen. Als jemand, der Tenet gesehen hat, kann ich diese nur leider zum bisherigen Zeitpunkt null nachvollziehen. Und für mich ist es nicht nur Aufgabe eines Filmkritikers, herauzustellen, warum man einen Film gut / schlecht / mittelmäßig findet. Sondern insbesondere die Argumente nachvollziehbar darzulegen. Wobei ich es an dieser Stelle verstehen kann, warum sie den Film nicht mag. Und das ist schonmal was. Bei Frau Zylka und Split weiß ich bis heute noch nichtmal, ob sie den Film überhaupt gesehen hat.

Nach einem Vergleich mit anderen Filmen von Nolan, die sich mit der Wahrnehmung von Zeit auseinandersetzen, folgt ein anderer interessanter Ansatz, der psychologisch auf den Leser wirkt: sie entkräftigt scheinbar alle ihre bisherigen Kritikpunkte, indem sie salopp schreibt „geschenkt“. Aber wie das Wörtchen scheinbar bereits zeigt, stimmt das so nicht. Sie entkräftigt dadurch nicht ihre bisherigen Argumente sondern stellt das nachfolgende auf eine noch höhere Stufe. Nicht ohne einen Seitenhieb, wie das Wörtchen „lückenhaft“ zeigt, das sie sogar aus purer „Freundlichkeit“ benutzt – natürlich verwendet sie das Wort nicht aus Freundlichkeit sondern aus dem puren Gegenteil, und um ihre vorherigen Argumente um die vielen Logikfehler nochmal zu untermauern.
Und genau an dieser Stelle kommt ein neues Argument: die Geschichte sei wirr und unausgegoren erzählt. So schlimm, dass der Film keinen Spaß bereiten könne.
Durch das Herunterspielen all der vorherigen Absätze thront dieses Argument dann nochmal höher. Der Leser muss sich denken „okay, alles zuvor war schon nicht toll, aber selbst dann, wenn sie das abzieht, steht da diese Wand, an der man nicht vorbeischauen kann“. Die Wand der wirren Erzählung, die den Film komplett zertört.
Wie gesagt, eine interessante Herangehensweise und ein netter Umgang mit Sprache. Einem sehr mächtigen Werkzeug.

7. und 8. Absatz der Kritik

Es folgt ein bildlicher Vergleich mit einem Stacheldraht, dem ich zwar wieder nicht zustimmen kann, der mir aber ob der angeregten Vorstellungskraft vorzüglich gefallen hat. Den Begriff „plietsch“ hätte ich an ihrer Stelle lieber weggelassen, denn so schön niederdeutsch auch sein mag, kennen wahrscheinlich viele Leser den Begriff nicht und müssen erstmal nachsehen, was er bedeutet. Wobei er eventuell auch etwas Selbstkritik beherbergt, wenn man es sich genau überlegt: nur diejenigen, die pfiffig / intelligent sind, werden Spaß mit Nolan haben. Sie hatte ihn nicht. Ihr merkt, auch ich kann mir einen Seitenhieb nicht verkneifen. Zudem nimmt sie das, was ich ihr in den Mund lege, direkt zurück, indem sie dem Film die Schuld gibt, wenn man ihn nicht versteht.
Und was soll ich sagen, zu diesem Gedanken hätte ich wahnsinnig gerne mehr gelesen. Inwiefern muss ein Film verständlich sein? Inwiefern spielt die Auffassungsgabe des Zuschauer bei der Sichtung eines Filmes eine Rolle? Wie haben sich Sehgewohnheiten im Vergleich zu früher gewandelt? Man könnte hierzu viele Fragen untersuchen. Tut sie aber nicht. Hier steht die Behauptung im Raum. Ich behaupte das Gegenteil. Wer hat jetzt recht?
Ich gebe ihr jedenfalls recht, dass es selten Spaß macht, wenn man von einem Film für dumm verkauft wird. Andererseits weiß auch Tarantino, dass man seinem Publikum viel abverlangen darf. Und Nolan hat dies mit u.a. Memento ebenfalls bewiesen.
Man kann sich bei Tenet an dem Satz entlanghangeln, alles nur fühlen zu sollen, oder man nimmt ihn als das an, was er ist: ein Zeitreisefilm mit derselben Mechanik wie u.a. Timecrimes und Harry Potter 3. Nichts ist veränderbar.
Wobei ich hier Frau Wessels nicht dafür kritisieren möchte, dass sie den Film nicht verstanden habe (halte ich nie für ein gutes Argument), sondern dafür, dass sie keine Anstalten macht, näher zu untersuchen, wie die Mechanik funktioniert. Wobei auch das eher daher rührt, dass ich den Talk bei Kino+ gesehen habe. Verzeiht es mir.

Der achte Abschnitt unter der Überschrift Kritik zeigt auf, woher ihr Gefühl kommt, der Film sei wirr. Und zum ersten Mal kommt auch so etwas wie ein Lob über ihre Tastatur. Ich meine, irgendwoher muss ja die Bewertung 3/5 kommen. Bislang liest sich das eher wie ein Verriss. Danach können wir etwas begutachten, was ich immer wieder in Filmkritiken merke und wenn ich über Filme spreche: subjektiv unterschiedliche Wahrnehmung derselben objektiven Begebenheit. Der Film funktioniert im Grunde tatsächlich so, wie sie es beschreibt. Szene auf Szene, Übergänge werden weggelassen. Nur auch hier sehe ich es komplett anders als sie. ABER – und das aber ist nicht umsonst groß geschrieben – an dieser Stelle kann ich ihre Kritik voll und ganz nachvollziehen. Denn nicht jedem gefallen Szenenübergänge durch einen einfachen Schnitt, ohne dass man wie (noch) in den meisten Filmen kurz auf ein Auto schwenkt, um zu sehen, wie der Protagonist von einem Ort zum anderen kommt. Das ist ungewöhnlich und vermag es, den Sehgenuss zu stören. Jetzt mag man zwar sagen, professionelle Kritiker sind eh nie ganz in einem Film drin, und daher wiegt es weniger schwer, wenn ihnen so etwas auffällt. Und die Behauptung lassen wir einfach mal stehen, denn ich bin schließlich kein professioneller Kritiker. Und schon gar kein professioneller Filmkritikenkritiker. Wer sollte dafür zahlen?
Jedenfalls sehe ich ihren Punkt. Er ergibt für mich Sinn. Nur wird die Art und Weise, wie sie die Kritik vorbringt, leider immer polemischer. „Regelrechtes Schuldeingeständnis“, „einfältig verkörpert“, „Drehbuchversäumnis“. Wobei mich das wahrscheinlich nur stört, weil ich es anders sehe. Ob das eine „faire Filmkritik“ ist, müssen daher andere bezeugen.

Die letzten Absätze der Kritik

Sie beschreibt die Figuren und die Darsteller des Filmes. Für mich wirkt es einerseits so, wie bei so manch professioneller Kritik, dass das an dieser Stelle abgehandelt wird, damit es halt drinsteht. Andererseits fügt sie Kritikpunkte hinzu, weswegen ich meine eigene Kritik daran zurückziehe.

Und jetzt folgt der Wendepunkt. Die Zeit der negativen Kritikpunkte ist vorbei. Es lebe der Positivismus (naja, eigentlich nicht, denn Positivismus ist etwas anderes). Es lebe das Positive an Tenet. Findige Deutschlehrer würde an dieser Stelle sagen, dass sie den Film in dem Fall gut fand, wenn sie die letzten Argumente der positiven Seite zuordnet. Ich entgegne dazu, dass Journalismus anders funktioniert. Das Wichtigste an den Anfang. Leider funktionieren besonders Clickbait-Artikel in der heutigen Zeit komplett andersherum. Aber das mach Frau Wessels zum Glück nicht. Sie hat im ersten Absatz gesagt, was sie vom Film hält, wird es nachher im Fazit nochmal schreiben und die wichtigsten Argumente dafür hat sie bereits gebracht.
Daher wundert es nicht, dass sie auch diesen Absatz negativ enden lässt, wenn sie von „konventionell“ spricht. Und spätestens da wissen wir, dass es eine Filmkritik ist, denn – Leser der anderen beiden Teil wissen Bescheid – wir haben Fremdwörter am Start.
Konventionell kann ich so gar nicht unterschreiben und gerade die zweite Hälfte strotzt in meinen Augen vor vielen Szenen, die sie nur „rar gesät“ wahrgenommen hat. Aber wie schon häufig gesagt: wenn man einen Film insgesamt nicht gut findet, sucht mach sich viele kleine Dinge heraus, um sich das Nichtgefallen zu erklären. Genauso funktioniert es andersherum, dass einem solche Dinge nicht auffallen (wollen), oder dass man sie anders wahrnimmt. Ein Grund dafür, wieso ich nach wie vor der Meinung bin, Filmkritiken dürfen nicht versuchen, möglichst objektiv zu sein. Aber das ist ein anderes Thema und soll an anderer Stelle erläutert werden. Eh schon viel zu lang dieser Text. Und vielleicht auch die Kritik, denn die ist immer noch nicht zu Ende.

Audiovisuell wird der Film nochmal gelobt. Aber auch hier ist der letzte Satz kein positiver: „So ist er nur fauler Zauber“. Übrigens durch die Wiederholung des Satzes das einzige, was an viele Kritiken erinnert, die die Begebenheit vom Anfang durch einen Zirkelschluss am Ende nochmal bringen. Durch das wiederholte „fauler Zauber“ habe ich aber insgesamt keine Ahnung, wieso sie ihm in der Kinovorschau 3/5 Punkten gegeben hat, aber Zahlenbewertungen sind auch ein anderes Thema. Doch wie bei Argumenten wäre es nicht verkehrt, diese nachvollziehen zu können.

Das Fazit

Liest sich vernichtend und wiederholt alles Wichtige. So wie ein Fazit sein sollte. Also der zweite Teil zumindest. Der Schlusssatz hingegen, den verstehe ich wiederum nicht. Wieso sollte man gerade Nolan einen Film wie Tenet (bzw. so, wie sie ihn beschrieben hat) durchgehen lassen? Wird Nolan nicht vielmehr angegangen, da er das Budget hatte und auch schon bewiesen hat, dass er es besser kann? Wenn ein unbekannter Autorenfilmer ums Eck gekommen wäre und diesen Film auf die Leinwand gezaubert hätte, dann wäre er doch viel mehr gefeiert als jemand wie Nolan. Oder? Frau Wessels liefert keine Argumente für ihren Abschlusssatz, daher mache ich es auch nicht.

15 Gedanken zu “Filmkritikenkritik #3 – Antje Wessels & Tenet

  1. Das hätte ich so nicht hingekriegt, denn diese Filmkritikenkritik ist mir fast schon zu gnädig. Nun jetzt lässt sich aus meiner Position leicht urteilen und auch erwidern, ich könne es nicht besser. Aber im Gegensatz zu Frau Wessels und manch anderen Schreiberlingen habe ich auch nicht den Anspruch Geld damit verdienen Filmkritiken zu schreiben, sondern tue das als Hobby, um meine Sicht auf einen Film zu teilen.

    Wer allerdings professionell Filmkritiken schreibt, sollte es hinkriegen, Kausalketten schlüssig einzuführen und der Ebene „Was zeigt der Film?“ Und der Ebene „Wie wirkt das auf den Zuschauer?“ zu unterscheiden. Beispielsweise kann man sagen, der Schnitt ist unkonventionell, wie hier erläutert wird und daran anfügen, dass es ihn zu einem Schwachpunkt des Films macht oder man kann sagen der Film baut eine innere Logik auf, die Wirkung auf den Zuschauer ist jedoch zu verwirrend.
    Sich über den Film zu sagen und Logikfehler anzukreiden ist schwierig, da sollte man sich als Kritiker zu 100% sicher sein.
    Meine Vermutung spätestens nach Sichtung der Sekundärliteratur war, dass sie den Film überhaupt nicht verstanden hat und ihr eigenes Fehlempfinden als Logikfehler auslegt, anstatt zu sagen, dass der Film seinen Zuschauer überfordere, obwohl er das nicht wolle.
    Ich habe einige Kritiken und Meinungen gehört, die weit von meiner entfernt waren. Von all denen war diese Filmkritikenkritik jene, die am schlechtesten ausgearbeitet war (abgesehen von typischen Letterboxd/Twitter One Linern).

    Gefällt 1 Person

    • Mein Gott, ich verschlucke ja immer wieder Halbsätze, weil ich gedanklich schon im nächsten Nebensatz bin…

      Und bei einer Sache muss ich was ergänzen, der Deutschlehrer würde erstmal feststellen, dass die Argumentationsweise an die Sanduhr-Argumentation erinnert, um daraus zu schließen, dass streng nach Theorie sie den Film mögen müsste.

      Gefällt 1 Person

    • Es ist nicht Sinn des Filmkritikenkritik, eine Filmkritik möglichst schlecht zu machen. Zumindest nicht dann, wenn sie nicht möglichst ungenügend ist. Die anderen beiden Beispiele liegen weit, weit hinter dem, was ich hier gelesen habe. Zumindest dann, wenn man sich nicht nur darauf versteift, dass ihr Beispiel Nummer 1 so nicht 1:1 im Film vorkommt. Das ist zwar blöd, aber wir haben es hier mit einer Filmkritik zu tun und nicht mit einer Rechtfertigung der eigenen Meinung (Filmstarts zu Jack & Jill) oder möglichst viel Geschwurbel, um zu verstecken, dass man den Film meiner Meinung nach nicht gesehen hat (Zylka zu Split).
      Zudem merkt man, dass sie professionell schreibt, weil Aufbau, Stil, Layout und Sprache nicht wirklich zu beanstanden sind.

      Der eine Kritikpunkt, den du zurecht aufwirfst, darf man ihr gerne um die Ohren hauen. Besonders aus dem Grund, da sie es mit Tenet nicht besser macht. Allerdings sollte man doch stets einen gepflegten Umgang an den Tag legen. besonders dann, wenn man sich nicht kennt. Das gebührt der nötige Respekt. Außerdem würde ich mich sonst mit meinem Text sehr angreifbar machen, was auch nicht Ziel der Sache ist.
      Daher habe ich den Text auch nicht direkt geschrieben, nachdem ich ihre Kritik gelesen habe. Wobei ich auch erst nochmal die betreffende Szene sehen musste. Denn das ist ja irgendwie der Knackpunkt: hätte sie recht gehabt und es wäre tatsächlich ein Logikfehler, dann würde die Kritik an ihrer Kritik ganz anders ausfallen. Auch wenn sie sich trotzdem etwas zu arg darauf versteift.

      Gefällt 1 Person

      • Die Art, wie Du diese Kritik übst, entspricht ganz den Vorstellungen, die ich an Kritik habe: Sie begründet sachlich anhand einiger Beispiele Missfallen mit dem, was man kritisiert und gibt sich Mühe, es in respektvolle Worte zu kleiden. Ich möchte mich an einer Stelle aber zu einem bestimmten Punkt äußern und mich dahingehend zumindest von dem möglichen „Vorwurf“ freimachen, dass ich da evtl. nicht richtig hingesehen habe: Die von mir als Beispiel herangezogene Szene mit der Wissenschaftlerin hat sich bei mir auch nach dem vierten (!) Anschauen nicht anders erschlossen als in der Kritik erwähnt. Bei einer Umfrage unter einigen Kritikerkollegen (man wird dann ja doch unsicher), war man geteilter Meinung. Die einen sagten, es ist, wenn überhaupt, unübersichtlich gefilmt und geschnitten, die anderen sagen, dass auch sie es so interpretiert haben wie ich und es so aufgefasst haben, dass die Wissenschaftlerin es ja selbst überhaupt nicht weiß und ihr Fehlinformationen somit nicht anzukreiden sind. Was man dieser Szene dann aber auf jeden Fall vorwerfen kann, ist, dass sie dem Zuschauer in so einer entscheidenden Stelle im Film (hier wird ja im Grunde das Hauptthema erklärt) nicht eindeutig die Infos mitteilt, die wirklich dringend für den weiteren Verlauf benötigt werden. Und nicht jeder Zuschauer hat die Muße, noch zwei, drei weitere Male ins Kino zu gehen, um sich die Szene nochmal anzuschauen. Ich möchte damit Deine/Eure Kritik nicht aushebeln, nur begründen, was ich mir dabei gedacht habe. Zumal ich Christopher Nolan ja wirklich nichts Böses will, auch wenn es an zwei, drei Stellen (vielleicht ein wenig unnötigerweise, auch aufgrund der Tatsache, dass ich mir bereits im Vorfelde bewusst war, dass eine bestimmte Gruppe aus Social-Media-Kommentatoren schon aus Prinzip hart mit der Kritik ins Gericht gehen wird und da fühlt sich Angriff manchmal wie die beste Verteidigung an) vielleicht so klingen mag. Ich habe ja nicht umsonst nochmal privat 35 Euro für „Tenet“-Kinotickets investiert. 😀

        Gefällt 3 Personen

        • Danke für die Klarstellung. Ich muss durchaus gestehen, dass die Szene bei meiner zweiten Sichtung nicht ansatzweise so eindeutig war, wie ich sie in meiner Erinnerung hatte. Da merkt man mal, wie einem das Gedächtnis einen Streich spielt.
          Wie ich oben schreibe, sieht man einfach nicht, was mit den Kugeln passiert. Das kann man durchaus kritisieren, wie du es hier ja auch tust. Mir ging die Kritik zu weit, dass man es genau sehen würde, dass auch die normale Kugel plötzlich invertierte Eigenschaften zeige. Bzw. ich fand eine Kritik, die zu einem Großteil auf dieser Beobachtung basiert, zu einseitig.
          Aber wie auch geschrieben, wäre mir das vielleicht nicht aufgefallen, wenn ich den Film anders wahrgenommen hätte. Wobei ich bei Tenets erster Hälfte selbst einige Kritikpunkte habe.

          Ich finde es jedenfalls toll, dass du so locker mit der Kritik hier an deinem Text umgehst. Mir lag auch daran, nicht einfach auf den Text einzuschlagen, weil er etwas aussagt, das ich anders sehe. Vielmehr habe ich durch meine Auseinandersetzung mit dem Text gemerkt, was alles darin enthalten ist, das ich positiv bewerte und was ich an Kritiken mag. Nach dem ersten Lesen war das noch nicht der Fall.

          Um nochmal auf die Szene zu kommen, lässt sie sicher beide Lesarten zu. Ich finde es dann halt nur sehr hart, sich auf eine zu versteifen. Das lag aber wahrscheinlich auch etwas daran, dass bei Kino+ niemand war, der die Szene anders gesehen hat.

          Was die etwas härtere Gangart betrifft, dann findet sich diese bei meinen eigenen Kritiken auch hin und wieder. Dient ja auch irgendwie dem Unterhaltungswert. Und wenn Etienne mal ausrastet bei Kino+ hat das ja auch seine Fans. Aber wie du auch schreibst, wenn man sachlich an die Sache herangeht, dann ist die Chance größer, auch von denen anerkannt zu werden, die eine gegenteilige Meinung haben.
          Aber ich denke Nolan würde das schon verstehen 🙂

          Danke nochmal, dass du das hier sportlich auffasst!

          Gefällt 2 Personen

        • Dann melde ich mich auch noch einmal zu Wort, da ich ja noch einiges härter im Kommentar war.
          Ich finde die entsprechende Stelle zeigt ziemlich gut, dass es dem Seherlebnis schadet, wenn man – wie man als Filmkritiker gezwungen ist – auf vermeintliche Fehler zu achten, denn sie fällt meines Erachtens dann auf, wenn man darauf achtet oder schon vorher aus dem Film raus ist (was bei der vierten Szene aber nicht so oft vorkommt). Beim zweiten Mal schauen gestern habe ich auch explizit darauf geachtet und muss sagen, das hätte man besser schneiden können. Mit zu uneindeutig als Kritik an der Szene würde ich zwar nicht mitgehen, kann aber die Kritik verstehen, was mir am wichtigsten ist, wenn ich den Standpunkt einer anderen Person zum Film höre und hier fängt mein Problem mit der geschriebenen Kritik an. Ich hab sie zum ersten Mal am Erscheinungstag gelesen und mir den so dominanten Kritikpunkt gemerkt, bin dementsprechend „geeicht“ auch ins Kino gegangen und konnte nach der Erstsichtung überhaupt nicht nachvollziehen, wie es zu der Blender-Einschätzung (welche unter Nolan-Kritikern allseits beliebt ist) kam. Dann sehe ich die Kino + Sendung und habe das Gefühl, dass vier Leute, deren Ansicht zum Film ich eigentlich immer interessant und unterhaltsam finde, sich da in seltsamer Eintracht was zu einem Film abstammeln, den sie nicht verstanden haben. Das hat mich schon ein wenig erzürnt und da ich eigentlich eine argumentativ sichere Kritik gewohnt bin, habe ich mich über diese schriftliche Kritik geärgert, wohingegen ich die Punkte von Dominik Porschen verstehen konnte, aber sagen konnte, dass ich sie nicht teile.
          Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass ich nichts bescheuerter fand, als die dämliche Debatte, die angeheizt wurde von Menschen, die den Film zu dem Zeitpunkt nicht gesehen haben und ins obligatorische Hatertum verfallen sind.

          Gefällt mir

      • Ja die anderen beiden Filmkritiken waren deutlich schlimmer. Ja der Schreibstil an sich ist sehr gut, da werde ich auch nie etwas gegen sagen. Im Gegenteil, das ist der Hauptgrund warum ich die Filmkritiken von Antje Wessels lese. Deswegen war ich über die schwache Argumentationsstruktur auch so verwundert.

        „Allerdings sollte man doch stets einen gepflegten Umgang an den Tag legen. (…) Das gebührt der nötige Respekt“

        Genau deshalb mache ich nicht die Filmkritikkritikerin, auch wenn ich Mal nen halben Text zu Wolfgang M Schmitt verfasst habe. Da hab ich keinen Mehrwert daran einfach nur irgendwas aus der Emotion heraus zu verfassen.

        Gefällt 1 Person

  2. Hallo… Du!? 😀 Leider befindet sich keinerlei Autorenname unter/über dem Text, daher weiß ich leider auch nicht, an wen ich mich hier richten muss. Ich wollte Dir nur mitteilen, dass Du einen sehr interessanten Text geschrieben hast und es für mich als Verfasserin des kritisierten Texts sehr spannend ist, eine derartige Analyse zu lesen. Sicherlich sind die von Dir kritisierten Punkte Deinem Empfinden entsprechend und helfen mir daher weiter, meine Arbeit stetig zu verbessern. Nur über eine Sache hätte ich mich gefreut: Sag mir doch das nächste Mal gern Bescheid, dass Du eine Arbeit über meine Arbeit verfasst. Ist immer schade, so etwas nur durch Zufall zu finden – in diesem Fall, weil ich eine Verlinkung akzeptieren muss.

    Liebe Grüße,
    Antje

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Antje,

      danke für deinen Kommentar. Mein Name ist im Impressum enthalten: Benjamin Weizenegger.
      Da ich weiß, dass WordPress bei einer Verlinkung dem Verlinkten direkt Bescheid gibt, habe ich von einer Anfrage abgesehen. Aber stimmt schon, die schönere Variante wäre eine Nachfrage zuvor gewesen. Sollte ich nochmal auf einen Artikel von dir zurückkommen, werde ich das zuvor tun. Allerdings lese ich eigentlich stets im weiten Runde der deutschsprachigen Kritiker und wenn mir was auffällt, dann setze ich mich mit dem Text auseinander, daher gehe ich davon erstmal nicht aus.
      Wenn du die Verlinkung nicht möchtest, nehme ich diese auch wieder aus dem Artikel raus. Zumindest musst du den Querverweis, den WordPress dir unter deinem Artikel anbietet, natürlich nicht annehmen.

      Liebe Grüße,
      Benjamin

      Gefällt mir

      • Nein, nein, alles gut. Es ging mir auch gar nicht um eine Nachfrage im klassischen Sinne, das suggeriert das Bitten um Erlaubnis. Alles, was im Internet steht, können sich andere anschauen und bewerten – darüber hinaus bitten Filmemacher Kritiker ja auch nicht um eine Kritik, sondern kriegen sie einfach. Aber wie Du es sagst: Der nettere Weg wäre ein Fingerzeig auf den Text gewesen. Ich denke, wir verstehen uns! 🙂

        Gefällt 1 Person

Beginne eine Diskussion oder steig mit ein

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s